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Chronik



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1933


Jänner 1933
30.01.
Der deutsche Reichspräsident Paul von Hindenburg ernennt Adolf Hitler zum Reichskanzler.
Februar 1933
01.02.
Der deutsche Reichstag wird auf Wunsch Hitlers durch Hindenburg aufgelöst.
15.02.
Höchststand der Arbeitslosigkeit in Österreich mit rund 600.000 Arbeitslosen (davon erhalten rund 400.000 Arbeitslosenunterstützung).
27.02.
Brand des deutschen Reichstages. Der holländische Kommunist Marinus van der Lubbe wird als Täter verhaftet, die Nationalsozialisten nutzen die Gelegenheit zu großangelegten Verhaftungswellen unter politischen Gegnern, vor allem unter den Kommunisten. Notverordnungen schränken Meinungs-, Presse-, und Versammlungsfreiheit weitgehend ein.
März 1933
04.03.
Im Zuge einer Abstimmung treten alle drei Präsidenten des Nationalrates zurück, dadurch kann die Sitzung nicht ordnungsgemäß geschlossen werden, das Plenum ist dadurch handlungsunfähig.
05.03.
Reichtagswahlen in Deutschland: Die NSDAP erringt 43,9 % der Stimmen.
07.03.
Die Bundesregierung beschließt auf Grund des kriegswirtschaftlichen Ermächtigungsgesetzes aus dem Jahr 1917 auch ohne Parlament weiter zu regieren, Versammlungs- und Pressefreiheit werden aufgehoben.
20.03.
Errichtung der ersten Konzentrationslager in Dachau und Sachsenhausen zur Internierung politischer Gegner der Nationalsozialisten.
23.03.
Der deutsche Reichstag verabschiedet das Ermächtigungsgesetz und verzichtet damit auf seine Gesetzgebungskompetenz.
31.03.
Der Republikanische Schutzbund wird aufgelöst.
April 1933
01.04.
Beginn des Boykotts jüdischer Geschäfte in Deutschland.
Mai 1933
01.05.
Die Bundesregierung untersagt den Maiaufmarsch der Sozialdemokraten.
10.05.
Die Bundesregierung beschließt ein vorläufiges Verbot von Landtags- und Gemeinderatswahlen.
14.05.
Großaufmarsch der Wiener Heimwehr anlässlich der "Türkenbefreiungsfeier".
20.05.
Gründung der "Vaterländischen Front".
26.05.
Auflösung der kommunistischen Partei Österreichs.
27.05.
"Tausendmarksperre": Deutsche Staatsbürger müssen bei einer Einreise nach Österreich eine Gebühr von 1.000 Reichsmark zahlen. Diese Maßnahme Deutschlands schädigt gezielt den österreichischen Fremdenverkehr. Beginn nationalsozialistischer Terrorakte und Sprengstoffanschläge in Österreich.
28.05.
Der Großsender der RAVAG auf dem Bisamberg (Wien) wird in Betrieb genommen.
Juni 1933
11.06.
Die christlichsoziale Politikerin Hildegard Burjan (* 30.01.1883) stirbt in Wien.
19.06.
Verbot der NSDAP in Österreich.
Juli 1933
14.07.
Nach Verbot (SPD, KPD) und Selbstauflösung von Parteien ist die NSDAP in Deutschland die einzige Partei. Die Bildung von politischen Parteien wird untersagt.
August 1933
23.08.
Der Architekt Adolf Loos (* 10.12.1870) stirbt in Kalksburg bei Wien.
September 1933
08.09.
- 12.09 Allgemeiner deutscher Katholikentag in Wien.
11.09.
Kundgebung der Vaterländischen Front auf dem Wiener Trabrennplatz. Die "Trabrennplatzrede" von Bundeskanzler Dollfuß legt die Grundzüge zur Errichtung eines autoritären Ständestaates dar. Das "Kruckenkreuz" wird zum Symbol der Vaterländischen Front
21.09.
2. Regierung Engelbert Dollfuß. Regierung aus Christlichsozialen und Vertretern der Heimwehr
27.09.
Rede von Bundeskanzler Dollfuß vor dem Völkerbund in Genf über Österreichs Kampf um die Unabhängigkeit.
Oktober 1933
03.10.
Attentat auf Bundeskanzler Dollfuß durch den Nationalsozialisten Rudolf Drtil. Dollfuß wird leicht verletzt.
14.10.
- 16. 10. Letzter Parteitag der sozialdemokratischen Partei in der 1. Republik. Der Anschlussartikel (= Forderung nach Anschluss an Deutschland) wird angesichts der politischen Situation in Deutschland aus dem Parteiprogramm gestrichen.
November 1933
10.11.
Wiedereinführung der Todesstrafe in Österreich angesichts des nationalsozialistischen Terrors.
Dezember 1933
10.12.
Der Physiker Erwin Schrödinger (1887 - 1961) erhält gemeinsam mit Paul Dirac den Nobelpreis für Physik für seine Forschungen auf dem Gebiet der Quantenmechanik.

Heimwehr


Kameradschafts- begriff


Auflösung des Parlaments

Auflösung des Parlaments
Einziehen der Fahne vor dem Parlament auf Weisung der Polizei. Wien, am 15. März 1933.
Mit freundlicher Genehmigung: bildarchivaustria/ÖGZ/Hilscher



Stefan Zweig


Hymnus an die Reise

Nico Dostal


Ich bin verliebt...


Regierungskritik

Regierungskritik
Plakat, Wien 1933
Mit freundlicher Genehmigung: bildarchivaustria/ÖGZ/Spiegel

Ende der parlamentarischen Demokratie

Das Jahr 1933 stellt für Österreich in der politisch und gesellschaftlich instabilen Lage der dreißiger Jahre eine entscheidende Zäsur dar. Die Arbeitslosigkeit erreichte ihren Höchststand: rund 600.000 Arbeitslose, von denen nur rund 65% noch Arbeitslosenunterstützung erhielten; alle anderen waren "ausgesteuert", also ohne staatliche Unterstützung. Fast jeder zweite Industriearbeiter war ohne Beschäftigung. Dazu kommt, dass der Graben zwischen den zwei ideologischen Blöcken sich immer mehr vertiefte, wobei die Ereignisse eine eigene, nicht immer bewusst gesteuerte Dynamik entwickelten.
Im März 1933 treten im Zuge einer Abstimmung alle drei Präsidenten des Nationalrates zurück, um als Abgeordnete mitstimmen zu können. Dadurch kann die Sitzung nicht ordnungsgemäß geschlossen werden, das Plenum ist handlungsunfähig. Die Bundesregierung unter Engelbert Dollfuß nutzt die Situation, um auf Basis des kriegswirtschaftlichen Ermächtigungsgesetzes aus dem Jahr 1917 weiter zu regieren. Diese neue "autoritäre Halbdiktatur" hebt sofort demokratische Grundrechte wie Versammlungs- und Pressefreiheit auf; politisch führt sie einen Zweifrontenkrieg: einerseits gegen die Sozialdemokratie (Auflösung des Republikanischen Schutzbundes, der paramilitärischen Vereinigung der Sozialdemokraten), andererseits sieht man sich nach der Machtergreifung Hitlers in Deutschland auch einem verstärkten politischen Druck von dieser Seite ausgesetzt: Es kommt zu einer Welle nationalsozialistischer Terrorakte und Sprengstoffanschläge in Österreich; als Reaktion darauf wird die NSDAP verboten. Die Versuche, dem Dollfuß-Regime eine Massenbasis zu geben, greifen nicht - die Ideologie des autoritären Ständestaates, von Dollfuß in seiner "Trabrennplatzrede" dargelegt, konnte nicht diese Moblilisierung breiter Schichten erreichen wie wenig später der Nationalsozialismus. Die politische Opposition, die Sozialdemokratie, scheint nicht nur auf Grund der gegen sie gerichteten Repressionen gelähmt. In der Partei herrscht auch Uneinigkeit hinsichtlich der Haltung den neuen Machthabern gegenüber. Einig war man sich auf dem Parteitag im Oktober jedoch darin, die Forderung nach Anschluss an Deutschland angesichts der politischen Situation in Deutschland aus dem Parteiprogramm zu streichen.

Zunehmender Druck...


nationalsozialistischer Propaganda

Österreich- bewusstsein


als Programm

Katholizismus


Kardinal Theodor Innitzer


Türkenbefreiungsfeier

Türkenbefreiungsfeier
Bundeskanzler Dollfuß, hinter ihm Kardinal Innitzer, neben ihm Bundespräsident Miklas bei einer Feldmesse vor der Sobieski-Kapelle am Wiener Kahlenberg. Rechts sind noch der polnische Kardinal Hlond und weiters der ungarische Kardinal Seredy zu sehen. 12. September 1933.
Mit freundlicher Genehmigung: bildarchivaustria


1. Mai 1933 - Demonstrationsverbot

1. Mai 1933 - Demonstrationsverbot
Der traditionelle Maiaufmarsch wurde verboten. Das Bundesheer wird eingesetzt um das Verbot durchzusetzen. Abriegelung der Wiener Innenstadt, hier Karlsplatz / Kärntnerstraße. Trotzdem war man von Seiten der Sozialdemokraten erfinderisch und organisierte sogenannte "Spaziergänge" oder hängte rote Kleidungsstücke zum Trocknen auf die Wäscheleinen. 1. Mai 1933.
© Mit freundlicher Genehmigung: bildarchivaustria/ÖNB



Trabrennplatzrede


Ideologie des autoritären Ständestaates


Trabrennplatzrede

Trabrennplatzrede
Engelbert Dollfuß bei seiner programmatischen "Trabrennplatzrede" am 11. September 1933 in Wien.
Mit freundlicher Genehmigung: bildarchivaustria/ÖGZ/Hilscher