Ausgabe 1 | Vorgeschichte bis Juni 1914
1914 stand Kaiser Franz Joseph schon seit über 65 Jahren an der Spitze des Reiches. "Von Gottes Gnaden Kaiser von Österreich, König von Ungarn und Böhmen" usw. herrschte er über einen Vielvölkerstaat, der am Vorabend des Ersten Weltkriegs vor allem auch durch seine Person zusammengehalten wurde.
Das allgemeine und gleiche Männerwahlrecht (die ersten allgemeinen Wahlen nach diesem Wahlrecht fanden 1907 statt) begünstigte den Aufstieg von Massenparteien modernen Zuschnitts.
Victor Adler
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Die Armee war, neben der Verwaltung und der Beamtenschaft, das wahrscheinlich am stärksten verbindende Element der Monarchie.
Die "Haupt- und Residenzstadt" hat sich in wenigen Jahrzehnten zu einer der größten Städte Europas entwickelt. Enorme soziale Probleme sind der dunkle Hintergrund der kulturellen Dynamik des "Wien um 1900".
Die gemeinsamen Behörden sind "kaiserlich und königlich", k.u.k., die der westlichen Reichshälfte "kaiserlich-königlich", k.k. – in der Erinnerung "Kakanien" – die der östlichen "königlich", kgl.
Österreich-Ungarn war ein aufeinander abgestimmter Wirtschaftsraum mit einer Verkehrsstruktur, die die Reichsteile miteinander verband. Diese waren freilich nicht nur sprachlich heterogen, sondern auch wirtschaftlich und sozial unterschiedlich entwickelt.
Der zunehmende Konflikt zwischen den einzelnen Völkern der Monarchie rückte für manche Beobachter Österreich-Ungarn bereits in die Nähe des Osmanischen Reiches. Ein weitere ehemalige Großmacht mit enden wollender Lebens- oder Überlebensdauer.