Ausgabe 3 | Jänner bis Dezember 1915
Die Weite des östlichen Kriegsschauplatzes, im Gegensatz zur Westfront, führte an dieser heute fast vergessenen Front zu einem, zumindest zeitweisen, Bewegungskrieg.
Die Westfront lieferte sehr bald das heutige Bild des Ersten Weltkrieges. Schützengräben, Stacheldraht, Trommelfeuer und dazwischen Soldaten als Kanonenfutter, die in sinnlosen Frontalangriffen verheizt werden.
Nicht nur der "heilige Egoismus" brachte Italien im Jahr 1915 an die Seite der Entente. Neutralität für die Kriegsdauer erschien den italienischen Politikern als keine gute Wahl. Egal wer den Krieg gewinnen würde, sein Zorn würde ein neutrales Italien treffen. Nachdem Italien aber nicht auf Seiten der Mittelmächte kämpfen wollte, die Gelegenheit wäre 1914 da gewesen, blieb eigentlich nur die Entente. London und Paris konnten mit Versprechungen locken, die von den Mittelmächten niemals gemacht werden konnten.
Die Blockade der Mittelmächte und die erste Phase des uneingeschränkten U-Boot-Krieges 1915 waren die beiden Hauptmomente des Krieges zur See.
Im Herbst 1915, durch den Kriegseintritt Bulgariens auf Seite der Mittelmächte, war das militärische Schicksal von Serbien besiegelt – vorerst. Weniger als 150.000 Mann konnten von französischen und britischen Kriegsschiffen evakuiert werden. Für die Mittelmächte war es nicht nur das Ausscheiden eines Kriegsgegners, wichtiger noch war die Herstellung der Landverbindung zur verbündeten Türkei.
Der Krieg wurde für die Türkei 1915 zu einem Mehrfronten-Konflikt. Die Mesopotamische-Front – der heutige Irak, die Gallipolifront – der Kampf um den Zugang vom Mittelmeer ins Schwarze Meer und die Trans-Kaukasus-Front zu Russland waren die verschiedenen Kriegsschauplätze. 1915 wurde das Osmanische Reich auch zum Schauplatz für das schlimmste Kriegsverbrechen des Ersten Weltkrieges, dem Völkermord an der armenischen Minderheit im Land.