Hainburg
Chronologie der Berichterstattung über die Besetzung der Hainburger Au im Dezember 1984 anhand von Beiträgen aus den Journalsendungen des Österreichischen Rundfunks
von Johannes Kapeller
Inhalt
1. Vorwort - Hainburg als Medienthema
2. Zur Quellenlage
3. Chronologie der Berichterstattung - dargestellt anhand der
Journalsendungen des ORF
3.1. Der Weg in die Au – die mediale Entwicklung des Themas „Hainburg“
3.2. Reportagen aus der Au – vom „Sternmarsch“ bis zum „Weihnachtsfrieden“
3.3. Das Ende der Au-Besetzung
1. Vorwort - Hainburg als Medienthema
2. Zur Quellenlage
3. Chronologie der Berichterstattung - dargestellt anhand der
Journalsendungen des ORF
3.1. Der Weg in die Au – die mediale Entwicklung des Themas „Hainburg“
3.2. Reportagen aus der Au – vom „Sternmarsch“ bis zum „Weihnachtsfrieden“
3.3. Das Ende der Au-Besetzung
1. Vorwort - Hainburg als Medienthema
Die Ereignisse rund um den geplanten Kraftwerksstandort Hainburg in Niederösterreich stellen in vielerlei Hinsicht eine bedeutende Zäsur in der politischen Geschichte Österreichs dar. Aus umweltpolitischer Sicht führten die Proteste – neben dem vorhergegangenen, ebenfalls erfolgreichen Protest gegen die Errichtung des Atomkraftwerkes Zwentendorf – zu einer allgemein verstärkten Sensibilisierung für Anliegen des Umweltschutzes und dessen politischer Umsetzung. Im Fall von Hainburg führten die Proteste in direkter Folge zu einem Abbruch der Bau-Arbeiten, in weiterer Folge zur Errichtung des Nationalparks Donau-Auen 1996. Auch in demokratiepolitischer Hinsicht hatten die erfolgreichen Proteste zahlreicher Umweltschützer verschiedener politischer Richtungen nachhaltige Auswirkungen.
Die erfolgreiche Protestbewegung, welche sich aus Umweltschützern und –initiativen verschiedenster politischer Richtungen konstituierte, stellte einen wichtigen Impuls zu einer verstärkten Demokratisierung der Öffentlichkeit dar und führte durch die Konsolidierung der Grün-Bewegung in weiterer Folge zur Gründung einer Grünen Partei in Österreich und damit zu einer Pluralisierung der politischen Landschaft Österreichs.
Hainburg ist nach wie vor im Bewusstsein vieler Menschen verankert, welche selbst keinen direkten Kontakt zu den Ereignissen hatten. Dies ist eine direkte Folge der Medialisierung dieses Ereignisses. Die Medienberichterstattung spielte jedoch nicht nur bei der Bewertung der Proteste in der Öffentlichkeit eine zentrale Rolle. Sowohl die direkten Auseinandersetzungen in der Hainburger Au als auch die Diskussionen davor und danach wurden in der medialen Berichterstattung nicht nur thematisiert, sie beeinflussten durch die Art der Berichterstattung auch den Verlauf des Ereignisses selbst (vgl. dazu auch Audioquelle 18, JM-840526:6.Beitrag).
In der Auseinandersetzung mit dem historischen „Medienthema Hainburg“ sind Medien demnach sowohl als Quellenmaterial, als auch als Thema der inhaltlichen Auseinandersetzung selbst von Bedeutung. Das eine bedingt das andere. Ohne Quellenmaterial ist auch eine Reflexion darüber sehr schwer möglich. Im Falle von AV-Quellen ergibt sich hier jedoch nach wie vor ein großes Problem. Im Verhältnis der sozialen bzw. kulturellen Bedeutung von AV-Medien zur Häufigkeit ihrer Verwendung als (historische) Quelle im wissenschaftlichen Diskurs klafft nach wie vor eine große Lücke. Ein Hauptgrund dafür ist unserer Ansicht nach auf die sehr erschwerte Zugänglichkeit dieser Bestände zurückzuführen. Dem abzuhelfen, stellt eines der Hauptanliegen der Online-Datenbank dar.
Die in dieser Datenbank enthaltene Fülle an Informationen soll hier am Beispiel der Auseinandersetzungen um den Kraftwerksbau in Form einer Chronologie der Berichterstattung anhand der Originalquellen vorgestellt und strukturiert werden.
Die erfolgreiche Protestbewegung, welche sich aus Umweltschützern und –initiativen verschiedenster politischer Richtungen konstituierte, stellte einen wichtigen Impuls zu einer verstärkten Demokratisierung der Öffentlichkeit dar und führte durch die Konsolidierung der Grün-Bewegung in weiterer Folge zur Gründung einer Grünen Partei in Österreich und damit zu einer Pluralisierung der politischen Landschaft Österreichs.
Hainburg ist nach wie vor im Bewusstsein vieler Menschen verankert, welche selbst keinen direkten Kontakt zu den Ereignissen hatten. Dies ist eine direkte Folge der Medialisierung dieses Ereignisses. Die Medienberichterstattung spielte jedoch nicht nur bei der Bewertung der Proteste in der Öffentlichkeit eine zentrale Rolle. Sowohl die direkten Auseinandersetzungen in der Hainburger Au als auch die Diskussionen davor und danach wurden in der medialen Berichterstattung nicht nur thematisiert, sie beeinflussten durch die Art der Berichterstattung auch den Verlauf des Ereignisses selbst (vgl. dazu auch Audioquelle 18, JM-840526:6.Beitrag).
In der Auseinandersetzung mit dem historischen „Medienthema Hainburg“ sind Medien demnach sowohl als Quellenmaterial, als auch als Thema der inhaltlichen Auseinandersetzung selbst von Bedeutung. Das eine bedingt das andere. Ohne Quellenmaterial ist auch eine Reflexion darüber sehr schwer möglich. Im Falle von AV-Quellen ergibt sich hier jedoch nach wie vor ein großes Problem. Im Verhältnis der sozialen bzw. kulturellen Bedeutung von AV-Medien zur Häufigkeit ihrer Verwendung als (historische) Quelle im wissenschaftlichen Diskurs klafft nach wie vor eine große Lücke. Ein Hauptgrund dafür ist unserer Ansicht nach auf die sehr erschwerte Zugänglichkeit dieser Bestände zurückzuführen. Dem abzuhelfen, stellt eines der Hauptanliegen der Online-Datenbank dar.
Die in dieser Datenbank enthaltene Fülle an Informationen soll hier am Beispiel der Auseinandersetzungen um den Kraftwerksbau in Form einer Chronologie der Berichterstattung anhand der Originalquellen vorgestellt und strukturiert werden.
2. Zur Quellenlage
Der in der Österreichischen Mediathek lagernde Bestand an Tonbandaufnahmen umfasst im Projektzeitraum von 1980 bis 1989 durchgehende Aufnahmen der Ausgaben von Morgenjournalen, Mittagsjournalen und Abendjournalen.
Im Rahmen des vorliegenden Projektes wurde aufgrund dieses immensen Materialumfanges ein Schwerpunkt auf die Digitalisierung der Mittagsjournale dieses Aufnahmezeitraumes gelegt. Diese sind durchgehend erfasst, vollständig digitalisiert, auf Einzelbeitragsebene katalogisiert und in voller Länge in der Online-Datenbank abrufbar.
Für den inhaltlichen Schwerpunkt Hainburg wurden darüber hinaus im Zeitraum 08.12.1984 bis 24.12.1984 – dem Zeitraum der direkten Auseinandersetzungen in der Stopfenreuther Au – zusätzlich alle verfügbaren Morgen- bzw. Abendjournale aufgearbeitet. Weitere Einzelsendungen zum Thema wurden, aufgrund der Inhaltsangaben in den Journalbüchern, ebenfalls hinzugefügt. Auch sie sind online verfügbar.
Für die vorliegende Chronologie heißt dies: Für den Berichterstattungszeitraum vor und nach der Besetzung der Au werden „nur“ die Mittagsjournale für die Darstellung herangezogen, für die Zeit dazwischen zusätzlich auch Morgen- und Abendjournale.
Im Rahmen des vorliegenden Projektes wurde aufgrund dieses immensen Materialumfanges ein Schwerpunkt auf die Digitalisierung der Mittagsjournale dieses Aufnahmezeitraumes gelegt. Diese sind durchgehend erfasst, vollständig digitalisiert, auf Einzelbeitragsebene katalogisiert und in voller Länge in der Online-Datenbank abrufbar.
Für den inhaltlichen Schwerpunkt Hainburg wurden darüber hinaus im Zeitraum 08.12.1984 bis 24.12.1984 – dem Zeitraum der direkten Auseinandersetzungen in der Stopfenreuther Au – zusätzlich alle verfügbaren Morgen- bzw. Abendjournale aufgearbeitet. Weitere Einzelsendungen zum Thema wurden, aufgrund der Inhaltsangaben in den Journalbüchern, ebenfalls hinzugefügt. Auch sie sind online verfügbar.
Für die vorliegende Chronologie heißt dies: Für den Berichterstattungszeitraum vor und nach der Besetzung der Au werden „nur“ die Mittagsjournale für die Darstellung herangezogen, für die Zeit dazwischen zusätzlich auch Morgen- und Abendjournale.
3. Chronologie der Berichterstattung
Zu den ausgewählten Audioausschnitten
Als Basis der Quellendarstellung wurden in diesem Artikel gesamte Einzelbeiträge ausgewählt. Da im Rahmen der Journal-Berichterstattung meist ein inhaltlich klar definiertes Thema als Inhalt eines Beitrages präsentiert wird, ermöglichen diese Sendungsausschnitte eine möglichst detaillierte Darstellung der gesamt vorhandenen Inhalte zu einem Thema. Im Fall von mehreren aufeinander folgenden Beiträgen zum gleichen Thema, was im konkreten Fall besonders während des Zeitraumes der Au-Besetzung sehr häufig vorkam, werden diese auch als zusammenhängender Ausschnitt dargestellt. Angegeben werden neben dem Titel der Sendung auch der jeweilige Gestalter des Beitrages sowie der Moderator des Journals.
Die verwendeten Audioquellen wurden mithilfe des im Rahmen des Projektes erstellten Kataloges ausgewählt. Für über Einzelbeiträge hinausgehende Recherchen, welche sich mit dem erweiterten Kontext der Berichterstattung in diesem Zeitraum beschäftigen, wird auf die Online-Suche verwiesen.
Innerhalb einer Journalsendung nimmt der so genannte Beitragsteil den Großteil der Sendezeit ein. Die ebenfalls im Rahmen der Journalberichterstattung präsentierten Kurznachrichten der Nachrichtenredaktion, welche zum Beispiel bei Mittagsjournalen jeweils zu Beginn und Ende einer Sendung präsentiert werden, wurden nicht in die vorliegende Darstellung einbezogen. Auch dafür gilt natürlich der Verweis auf die Gesamtausgabe der Sendungen in der Online-Datenbank.
In Kapitel 3.1., in dem der Weg zur Realisierung des Bauvorhabens sowie die Berichterstattung über den sich bildenden Widerstand thematisiert wird, stellen die Audioquellen eine Auswahl aus dem vorhandenen Material an Berichterstattung dar. Dasselbe gilt für Kapitel 3.3., das den weiteren Verlauf der Diskussion nach dem so genannten „Weihnachtsfrieden“ bis zum Ende der Au-Besetzung verfolgt.
Der zentrale Teil der Chronologie (Kapitel 3.2.), in dem die Audioquellen der Berichterstattung über das Geschehen in der Au den Fokus bilden, beinhaltet vollständig die in Bezug zum Thema gesendeten inhaltlichen Beiträge der vorhandenen Sendungen.
Die verwendeten Audioquellen wurden mithilfe des im Rahmen des Projektes erstellten Kataloges ausgewählt. Für über Einzelbeiträge hinausgehende Recherchen, welche sich mit dem erweiterten Kontext der Berichterstattung in diesem Zeitraum beschäftigen, wird auf die Online-Suche verwiesen.
Innerhalb einer Journalsendung nimmt der so genannte Beitragsteil den Großteil der Sendezeit ein. Die ebenfalls im Rahmen der Journalberichterstattung präsentierten Kurznachrichten der Nachrichtenredaktion, welche zum Beispiel bei Mittagsjournalen jeweils zu Beginn und Ende einer Sendung präsentiert werden, wurden nicht in die vorliegende Darstellung einbezogen. Auch dafür gilt natürlich der Verweis auf die Gesamtausgabe der Sendungen in der Online-Datenbank.
In Kapitel 3.1., in dem der Weg zur Realisierung des Bauvorhabens sowie die Berichterstattung über den sich bildenden Widerstand thematisiert wird, stellen die Audioquellen eine Auswahl aus dem vorhandenen Material an Berichterstattung dar. Dasselbe gilt für Kapitel 3.3., das den weiteren Verlauf der Diskussion nach dem so genannten „Weihnachtsfrieden“ bis zum Ende der Au-Besetzung verfolgt.
Der zentrale Teil der Chronologie (Kapitel 3.2.), in dem die Audioquellen der Berichterstattung über das Geschehen in der Au den Fokus bilden, beinhaltet vollständig die in Bezug zum Thema gesendeten inhaltlichen Beiträge der vorhandenen Sendungen.
3.1. Der Weg in die Au – die mediale Entwicklung des Themas „Hainburg“
Ankündigungen - Standortfrage
Das Thema Kraftwerksbau war in Österreich seit den Diskussionen und Abstimmungen um die Errichtung des Kraftwerkes Zwentendorf ein wichtiges Thema in der innenpolitischen Landschaft Österreichs. Eine allgemeine Sensibilität für Umweltfragen kann in diesem Zeitraum ebenfalls angenommen werden. Dies wird auch in der Berichterstattung der Ö1 Journalsendungen reflektiert. Über Hainburg selbst wird in den Mittagsjournalen bereits 1982 berichtet.
Bei einer Pressekonferenz der Errichtungsgesellschaft DOKW wird eine Entscheidung bezüglich des Standortes für Mitte 1983 angekündigt (Audioquelle 1).
Bis kurz vor dem angekündigten Zeitpunkt wird das Thema Hainburg in der Journal-Berichterstattung nicht weiter erwähnt. Bei einer Bilanzpressekonferenz der DOKW am 28.04.1983 erfolgt der nächste Beitrag. Die Betreibergesellschaft präsentiert das Ergebnis der Standortsuche. Von den in Erwägung gezogenen Varianten schont, laut Angaben von DOKW-Direktor Kobilka, Hainburg die Umwelt am meisten. Das geplante Kraftwerksvorhaben würde nur 500 Hektar Augebiet beanspruchen, zudem ergäben sich positive Auswirkungen auf den Kurbetrieb in Bad Deutsch-Altenburg sowie allgemein für den Grundwasserspiegel im Marchfeld. Angekündigt werden weitere Diskussionen, im Herbst soll das wasserrechtliche Verfahren eingeleitet werden. Von 1984 bis 1987 wäre die Errichtung des Kraftwerkes geplant (Audioquelle 2).
Während der auch zu diesem Zeitpunkt bereits vorhandenen Kritikpunkte wäre es verständlich, wenn diese Entscheidung auch in den Journalen größeren Widerhall gefunden hätte. Die zu diesem Zeitpunkt stattfindenden Nationalratswahlen beanspruchten jedoch den größten Teil der innenpolitischen Aufmerksamkeit und Sendezeit.
Ein weiterer Beitrag wird dem Thema erst zwei Monate später gewidmet. Vizekanzler Steger besucht den geplanten Kraftwerksstandort. In diesem Beitrag kommt auch die Seite der Kraftwerksgegner erstmals im O-Ton zu Wort. Der WWF-Vertreter Gerald Navara kritisiert das Projekt (Audioquelle 3).
Bei einer Pressekonferenz der Errichtungsgesellschaft DOKW wird eine Entscheidung bezüglich des Standortes für Mitte 1983 angekündigt (Audioquelle 1).
Bis kurz vor dem angekündigten Zeitpunkt wird das Thema Hainburg in der Journal-Berichterstattung nicht weiter erwähnt. Bei einer Bilanzpressekonferenz der DOKW am 28.04.1983 erfolgt der nächste Beitrag. Die Betreibergesellschaft präsentiert das Ergebnis der Standortsuche. Von den in Erwägung gezogenen Varianten schont, laut Angaben von DOKW-Direktor Kobilka, Hainburg die Umwelt am meisten. Das geplante Kraftwerksvorhaben würde nur 500 Hektar Augebiet beanspruchen, zudem ergäben sich positive Auswirkungen auf den Kurbetrieb in Bad Deutsch-Altenburg sowie allgemein für den Grundwasserspiegel im Marchfeld. Angekündigt werden weitere Diskussionen, im Herbst soll das wasserrechtliche Verfahren eingeleitet werden. Von 1984 bis 1987 wäre die Errichtung des Kraftwerkes geplant (Audioquelle 2).
Während der auch zu diesem Zeitpunkt bereits vorhandenen Kritikpunkte wäre es verständlich, wenn diese Entscheidung auch in den Journalen größeren Widerhall gefunden hätte. Die zu diesem Zeitpunkt stattfindenden Nationalratswahlen beanspruchten jedoch den größten Teil der innenpolitischen Aufmerksamkeit und Sendezeit.
Ein weiterer Beitrag wird dem Thema erst zwei Monate später gewidmet. Vizekanzler Steger besucht den geplanten Kraftwerksstandort. In diesem Beitrag kommt auch die Seite der Kraftwerksgegner erstmals im O-Ton zu Wort. Der WWF-Vertreter Gerald Navara kritisiert das Projekt (Audioquelle 3).

