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Last der Vergangenheit
KZ-Opfer

Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen
Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen (Oberösterreich) durch die 11. Division der 3. US-Armee am 5. Mai 1945. Auf dem Banner ist zu lesen: "The Spanish Anti-Fascists Salute the Liberating Forces." (wahrscheinlich kurz danach nachgestellt)© Mit freundlicher Genehmigung:USHMM (United States Holocaust Memorial Museum)/ Donald R. Ornitz
Nach 1945 war Österreich ein Land der Täter und der Opfer des NS-Regimes. Auf österreichischem Boden wurden zwischen 1938 und 1945 rund 197.000 Menschen ins Konzentrationslager Mauthausen und seine 49 Nebenlager eingewiesen, rund 100.000 von ihnen wurden dort bis zur Befreiung durch die US-Armee am 5. Mai 1945 ermordet. Dem Rassenwahn fielen bis Kriegsende rund 75.000 Österreicher/innen in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten zum Opfer. Rund 30.000 als "lebensunwert" klassifizierte Menschen kamen vor allem auf Schloss Hartheim, OÖ im Rahmen des Euthanasieprogramms des NS-Staates ums Leben. Unmittelbar nach Kriegsende wurden große Teile der Täter/innen der Gerichtsbarkeit zugeführt, wobei nach einer anfänglich intensiven Phase die Strafverfolgung im Laufe der Zeit nachließ: Mit den ersten Amnestien 1948 war z. B. die strafrechtliche Verfolgung der NS-Euthanasie zu einem guten Teil abgeschlossen.
Die gerichtliche Verfolgung der Täter/innen war eine Sache, der Versuch einer "Wiedergutmachung" eine andere. Die Opferfürsorgegesetze ab 1945, denen in den folgenden Jahren zahlreiche Novellen folgten, sollten eine Form der finanziellen Entschädigung gewährleisten. Innerhalb der vom Gesetz anerkannten Opfergruppen stellten jene, die auf Grund ihrer Abstammung verfolgt waren, die weitaus größte Gruppe dar, gefolgt von den politischen Gegnern des NS-Regimes. Für Antragsteller/innen und ihre Hinterbliebenen bedeuteten die bürokratischen Hürden jedoch oftmals unüberwindbare Hindernisse: So wurde z. B. in der Anspruchsberechtigung zwischen aktiven Widerstandskämpfer/innen und passiven Verfolgungsopfern unterschieden, einige Opfergruppen blieben prinzipiell von Entschädigungen ausgeschlossen (unter anderem "Asoziale" oder Homosexuelle). Was den Opfern nach 1945 fehlte, war auch Öffentlichkeit: Aus Gleichgültigkeit oder Scham wurden die Ereignisse kaum im öffentlichen Bewusstsein artikuliert und auch viele der Betroffenen zogen es vor zu schweigen.
Gerhard Jagschitz zu: Last der Vergangenheit. Interview am 30. November 2004. Österreichische Mediathek, V-10953
© Mit freundlicher Genehmigung: Gerhard Jagschitz
Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen durch US-Truppen

Frauen und Kinder sprechen mit einem US-Soldaten. Um den 5. Mai 1945.
© Mit freundlicher Genehmigung: USHMM (United States Holocaust Memorial Museum)/ P. Robert Seibel
Rückkehr aus dem Konzentrationslager Auschwitz nach Wien. Fernsehinterview mit Dagmar Ostermann. 2003. (Ausschnitt aus: Mütter, Töchter, Trümmerfrauen). Österreichische Mediathek, V-07568
Dagmar Ostermann schildert ihre Erlebnisse nach der Rückkehr aus dem Konzentrationslager Auschwitz in ihre Heimatstadt Wien, die 1945 geprägt waren von Gleichgültigkeit und offener Ablehnung gegenüber den Opfern des NS-Regimes.
© Mit freundlicher Genehmigung: ORF
KZ-Opfer. Kommentar von Gerhard Jagschitz. 30. November 2004. Österreichische Mediathek, V-10953
© Mit freundlicher Genehmigung: Gerhard Jagschitz
Rede zur Nationalratswahl, Rosa Jochmann 1945. (Ausschnitt). Österreichische Mediathek, 11-00976
Rosa Jochmann (1901- 1994), SPÖ-Politikerin, 1940 - 1945 als politischer Häftling im KZ Ravensbrück. In dieser Wahlrede 1945 verbindet Jochmann die Schilderung der KZ-Erlebnisse mit dem Aufruf, eine bessere Zukunft mitzugestalten.
Konzentrationslager. Vortrag von Viktor Matejka. 30. September 1974. (Ausschnitt). Österreichische Mediathek, 99-74308
Viktor Matejka (1901 - 1993), Politiker (KPÖ), 1945 bis 1949 Stadtrat für Kultur und Volksbildung in Wien. Von 1938 bis 1944 als politischer Häftling in den Konzentrationslagern Dachau und Flossenbürg.
Kollektivschuld? Tonspur einer Fernsehdiskussion mit Viktor Frankl. 4. März 1979. (Ausschnitt). Österreichische Mediathek, 99-79052
Viktor Frankl (1905 - 1997), Psychiater und Neurologe, Begründer der Logotherapie und der Existenzanalyse, war zwischen 1942 und 1945 in unterschiedlichen Konzentrationslagern interniert. Ein Großteil seiner Familie wurde in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten ermordet, darunter seine Eltern und seine Frau. Frankl setzte sich nach 1945 für eine Versöhnung zwischen Opfern und Tätern bzw. Mitläufern ein und lehnte eine Kollektivschuld der Bevölkerung stets ab.