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Erleichterung und Ungeduld
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1. Mai 1951
Transparent für den Abzug der Besatzungsmächte. Vorbeimarsch bei die der Ehrentribüne vor dem Wiener Rathaus bei den Feiern der Sozialistischen Partei am 1. Mai 1951.© Mit freundlicher Genehmigung: bildarchivaustria/ÖGZ/Blaha
Österreich wurde im Laufe der letzten Kampfhandlungen ab Ende März 1945 von den vier Alliierten - Franzosen, US-Amerikanern, Briten und Sowjets - besetzt. Die mit der Befreiung verbundene Freude, die von vielen Österreichern empfunden wurde, verwandelte sich aber nach einsetzenden Plünderungen und Vergewaltigungen, besonders in den sowjetisch besetzten Gebieten, rasch in das Gegenteil. Nach einem Zonenabkommen wurden die Besatzungsgebiete im Juli 1945 noch abgeändert. Diese Zonengrenzen, die quer durch Österreich gingen, insbesondere durch Großstädte wie Wien und Linz, wurden teilweise streng kontrolliert und konnten nur mit gültigen Identitätsausweisen passiert werden. Die Präsenz der Besatzungssoldaten innerhalb der verschiedenen Zonen war sehr stark von der Truppenstärke der Alliierten abhängig. Das Bild der Besatzer blieb daher sehr unterschiedlich. Einerseits waren sie durch ihre Aktivitäten ein gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Faktor, andererseits gab es weiterhin Verschleppungen und Angst vor möglicher Willkür.
Durch die andauernder Besatzung mit nur wenig Hoffnung auf endgültige Freiheit, schlug dann großteils der Dank für die große Unterstützung des Aufbaus der österreichischen Infrastruktur langsam in Ungeduld um. Der Kalte Krieg verzögerte vorerst eine Einigung. Es kam aber zu einer merkbaren Entspannung und nach und nach zu Erleichterungen. So wurden die Kontrollen an den Zonengrenzen im Juni 1953 aufgehoben und die Besatzungskostenbeiträge gestrichen.
Nach der Ratifizierung des langersehnten Staatsvertrags im Juli 1955 wurde der Alliierte Rat aufgelöst. Der Abzug der teilweise schon reduzierten Truppen ging voran und war bis Ende Oktober abgeschlossen.
Gerhard Jagschitz zur Befreiung und Besetzung Österreichs durch die vier Alliierten. Interview am 2. Dezember 2004. Österreichische Mediathek, V-10955
© Mit freundlicher Genehmigung: Gerhard Jagschitz

Plakat zur Sicherheit in der Wiener interalliierten Zone.
© Mit freundlicher Genehmigung: ÖGZ
US-Soldaten in Salzburg

Soldaten einer medizinischen Einheit (10th Medical Review Unit) genießen Bier und Eis auf einer sonnigen Terassse in Salzburg.
Österreich als Gefangener. Neujahrsansprache des Wiener Bürgermeisters Franz Jonas (SPÖ). 31. Dezember 1953. (Ausschnitt). Österreichische Mediathek, 9-03938
Franz Jonas (1899-1974). Buchdrucker und Politiker. Wiener Bürgermeister 1951-65. Bundespräsident 1965-74. Nationalratsabgeordneter 1953-65. Mitglied des Bundesrates 1952-53.
Aus Anlass der Erleichterungen von Seiten der sowjetischen Besatzungsmacht spricht Bundeskanzler Julius Raab (ÖVP) über die realistische Einschätzung der wichtigen Fortschritte. Rede vor dem Nationalrat. Parlament. 18. Juni 1953. (Ausschnitt). Österreichische Mediathek, E06-00081
Julius Raab (1891-1964) Nationalratsabgeordneter 1927-34 und 1945-64. Minister für Handel und Verkehr 1938, Staatssekretär für öffentliche Bauten 1945. Bundeskanzler 1953-61.
Die Sowjetunion verzichtete ab Juni 1953 nun auch auf die Personenkontrollen an den Demarkationslinien.© Mit freundlicher Genehmigung: Parlamentsdirektion
Österreichs Geduld geht langsam zu Ende. Aus Anlass der Erleichterungen von Seiten der sowjetischen Besatzungsmacht spricht Bundeskanzler Julius Raab (ÖVP). Rede vor dem Nationalrat. Parlament. 18. Juni 1953. (Ausschnitt). Österreichische Mediathek, E06-00081
Julius Raab (1891-1964) Nationalratsabgeordneter 1927-34 und 1945-64. Minister für Handel und Verkehr 1938, Staatssekretär für öffentliche Bauten 1945. Bundeskanzler 1953-61.
Die Behauptung, eine restlose Ausmerzung nationalsozialistischer Ideen in der gesamten Bevölkerung erreicht zu haben, ist diplomatisch und leider nicht realistisch zu sehen.© Mit freundlicher Genehmigung: Parlamentsdirektion
Endlich Schluss mit der Einmischung. Nach dem Scheitern der Außenministerkonferenz in Berlin. Nationalrat Bruno Pittermann (SPÖ). Parlament, im Februar 1954. (Ausschnitte). Österreichische Mediathek, E06-00081
Bruno Pittermann (1905-1983). Lehrer und Politiker. Bundesparteivorsitzender 1957-67. Vizekanzler 1957-66. Nationalratsabgeordneter.
Außenministerkonferenz in Berlin (25. Jänner bis 18. Februar 1954):
Österreich nimmt das erste Mal als gleichberechtigter Partner an den Staatsvertragsverhandlungen teil. Figl betont die Bündnis- und Stützpunktfreiheit. Molotow will die Neutralität im Vertrag, außerdem Truppen in Österreich belassen, bis der Friedensvertrag mit Deutschland beschlossen ist. Die Delegation kehrt enttäuscht nach Hause zurück, ohne zu wissen, dass etwas Wichtiges erreicht wurde: US-Außenminister John Foster Dulles teilte seinem sowjetischen Amtskollegen Molotow am 13. Februar mit, dass die USA keine Einwände hätte, wenn Österreich eine "Schweiz" werden wolle. Sie würden Österreichs freie Entscheidung anerkennen, wenn sie sich wie die Schweiz freiwillig neutral erklärt.© Mit freundlicher Genehmigung: Parlamentsdirektion
Zum Scheitern der Außenministerkonferenz in Berlin. Nationalratsabgeordneter Alfons Gorbach (ÖVP). Parlament, im Februar 1954. (Ausschnitt). Österreichische Mediathek, E06-00081
Alfons Gorbach (1898-1972). 1945-70 Nationalratsabgeordneter, 1961-64 Bundeskanzler. Von 1945-53 und 1956-61 3. Nationalratspräsident.
Außenministerkonferenz in Berlin (25. Jänner bis 18. Februar 1954):
Österreich nimmt das erste Mal als gleichberechtigter Partner an den Staatsvertragsverhandlungen teil. Figl betont die Bündnis- und Stützpunktfreiheit. Molotow will die Neutralität im Vertrag, außerdem Truppen in Österreich belassen, bis der Friedensvertrag mit Deutschland beschlossen ist. Die Delegation kehrt enttäuscht nach Hause zurück, ohne zu wissen, dass etwas Wichtiges erreicht wurde: US-Außenminister John Foster Dulles teilte seinem sowjetischen Amtskollegen Molotow am 13. Februar mit, dass die USA keine Einwände hätte, wenn Österreich eine "Schweiz" werden wolle. Sie würden Österreichs freie Entscheidung anerkennen, wenn sie sich wie die Schweiz freiwillig neutral erklärt.© Mit freundlicher Genehmigung: Parlamentsdirektion
Wien im Jahr 2000. Lied von Peter Wehle. Österreichische Mediathek, 9-03944