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Zum Staatsvertrag | 1945 | Last der Vergangenheit | Standorte | Innenpolitik | Besatzung | Wiederaufbau | Alltag | Radio | Literatur | Musik | Kunst, Wissenschaft | Sport | 15.5.1955 Bildende Kunst | Wissenschaft

Kunst, Wissenschaft

Bildende Kunst

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"Künstlerlokal"

Wiener Künstlerlokal im Herbst 1954. (wahrscheinlich die Adebar in der Annagasse)
© Mit freundlicher Genehmigung: ÖGZ/Cermak


   Das Nachkriegsjahrzehnt war eine Zeit, die damals und in heutiger Rückschau sicher kein verklärtes, idyllisches, feines Bohémien-Leben zuließ bzw. zulässt. Student/inn/en begannen schon vor dem Wintersemester 1945/46 mit der Mithilfe am Wiederaufbau der durch Krieg beschädigten Akademien, bevor die eigentlichen Klassen begannen. 
   Das wirtschaftliche Überleben war für Maler meist problematischer als etwa für Bildhauer, die sich mit Restaurierungsarbeiten im zerstörten Wien Brot verdienen konnten. Wander Bertoni restaurierte die Pestsäule in Wien und war an Arbeiten im Wiener Burgtheater beteiligt. 
    
   Bezeichnend für diese Zeit ist das große Nachholbedürfnis, einerseits nach der vom Nationalsozialismus als "entartet" bezeichneten Kunst, andererseits die verspätete Rezeption von Werken und künstlerischen Strömungen aus anderen Ländern, die zwischen 1938 und 1945 nicht nach Österreich gelangen konnten und die nicht zuletzt auch durch die Alliierten in eigene Ausstellungen jeweils nach ihrer Provenienz nach Österreich gekommen sind.  
    
   Neben den von der öffentlichen Hand akzeptierten und daher auch geförderten Staatskünstlern bildete sich eine Art Gegenkultur mehr oder weniger autonomen Charakters in der bildenden Kunst heraus, wobei hier die Grenzen zwischen den Kunstgattungen verfließen und die Begegnung und der Austausch zwischen Literatur, bildender Kunst, Musik, Theater... stattfand. Viele Protagonist/inn/en dieser Zeit waren und sind in mehr als einem Kunstbereich schöpferisch tätig. 
    
   Ein Zentrum der Begegnung war der Art-Club, ein Zusammenschluss zahlreicher junger Künstler, die bisweilen gemeinsam meist in der Wiener Zedlitzhalle oder in der Secession ausstellten. Ein wichtiger und geselliger Treffpunkt war der "Strohkoffer", ein Künstlerlokal in der Wiener Innenstadt, der auch internationalen Besuch anzog. Operndirektor Egon Seefehlner überlieferte eines von Jean Cocteaus vielen Bonmots während seines Besuchs im Strohkoffer im Mai 1952: "Am schlimmsten ist es, wenn die Dummheit denkt". 
   Eine dem Art-Club gegenüber dissidente Gruppe, die "Hundsgruppe" bildete sich ab 1951 mit den Gründungsmitgliedern Ernst Fuchs, Arnulf Rainer und Wolfgang Kudrnofsky, die bereits antizipatorisch für die 1960er und 1970er Jahre typischen "Happenings" veranstalteten.  
    
   Otto Mauer bot moderner Kunst in der Galerie nächst St. Stephan eine Plattform und Ausstellungsmöglichkeiten.  
    
   Auch wenn viele Künstler/innen mit Widrigkeiten und Anfeindungen der so genannten öffentlichen Meinung und schlechter Presse konfrontiert waren, etablierten sich später viele Künstler/innen, darunter auch die Mitglieder der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, auch wenn letztere heute noch z. T. im nationalen und internationalen Ausstellungs- und Museumsbetrieb übergangen wird. 
    
   Die Skulptur rechts unten auf der Website ist ein Werk von Wander Bertoni.

Gerhard Jagschitz zur Bildenden Kunst. Interview am 02. Dezember 2004. Österreichische Mediathek, V-10955 (5-8)

© Mit freundlicher Genehmigung: Gerhard Jagschitz

Ernst Fuchs


Ernst Fuchs bei seiner ersten Ausstellung. 1950.
© Mit freundlicher Genehmigung: bildarchivaustria/ÖGZ/Hilscher

Mängel in der Geschichtsschreibung? Viktor Matejka. "Kulturpolitik nach dem Krieg". Ausschnitt. Wien, 18. März 1983. Österreichische Mediathek, 99-83109


Viktor Matejka (1901 - 1993). Schriftsteller, Kulturpolitiker. 1938 bis 1944 in Konzentrationslagern inhalftiert. 1945 - 1949 Kulturstadtrat in Wien als Vertreter der KPÖ, die er 1966 verließ. Zur Website der Österreichischen Mediathek: Wissenschaft Kunst

Nachkriegszeit. Ernst Fuchs. Interview. Ausschnitt. Gerhard Habarta (Interviewer). Österreichische Mediathek, V-10256


Ernst Fuchs (* 1930). Studium bei Robin Christian Andersen und Albert Paris Gütersloh. Mitglied des Art-Club und 1959 Mitbegründer des Pintorariums, einer versuchten Reaktivierung der Hundsgruppe. Einer der bedeutenden Vertreter des Phantastischen Realismus. Kunstschaffend in Malerei, Literatur, Musik, Architektur... Zur Website der Österreichischen Mediathek: Wissenschaft Kunst
© Mit freundlicher Genehmigung: Ernst Fuchs und Gerhard Habarta

Nachkriegszeit. Wander Bertoni. Interview. Ausschnitt. Gerhard Habarta (Interviewer). Winden, 11. November 2004. Österreichische Mediathek, V-10265


Wander Bertoni (* 1925). 1943 als Zwangsarbeiter nach Wien deportiert. Schüler bei Fritz Wotruba. 1947 Gründungsmitglied des Art-Clubs. Ab 1965 Professor an der Akademie für Angewandte Kunst. Zur Website der Österreichischen Mediathek: Wissenschaft Kunst
© Mit freundlicher Genehmigung: Wander Bertoni und Gerhard Habarta

Österreichs Reichtum. Fritz Wotruba. Interview. Gerhard Habarta (Interviewer). ca. Anfang 1970er Jahre. Österreichische Mediathek, 6-04052


Fritz Wotruba (1907 - 1975). Studium bei Anton Hanak in Wien. 1938 - 1945 im Exil in der Schweiz. Professer an der Akademie der bildenden Künste. Vater der "Wotruba-Schule". 1974-1976 Errichtung der seit 1967 geplanten Dreifaltigkeitskirche in Wien-Mauer. Zur Website der Österreichischen Mediathek: Wissenschaft Kunst
© Mit freundlicher Genehmigung: Rechtsnachfolge und Gerhard Habarta. Fritz Wotruba-Verein

Anfangszeit an der Akademie. Arik Brauer. Interview. Gerhard Habarta (Interviewer). ca. Anfang 1970er Jahre. Österreichische Mediathek, 6-04063


Arik Erich Brauer (* 1929). Maler, Liedermacher, Bühnenbildner, Architekt. Studium bei Robin Christian Andersen und Albert Paris Gütersloh. Einer der bedeutenden Vertreter des Phantastischen Realismus. Zur Website der Österreichischen Mediathek: Wissenschaft Kunst
© Mit freundlicher Genehmigung: Arik Brauer und Gerhard Habarta

Guided tour

Kurzführung|Anfangszeit an der Akademie. Arik Brauer. Interview. Gerhard Habarta (Interviewer). ca. Anfang 1970er Jahre. Österreichische Mediathek, 6-04063 Arik Brauer (* 1929), bedeutender Vertreter des "Phantastischen Realismus", erzählt über die Anfangszeit und seine ersten Lehrer an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Hier wie an anderen höheren Bildungseinrichtungen halfen Student/inn/en und Professor/inn/en anfangs am Wiederaufbau mit.

Kalter Krieg. Alfred Hrdlicka. Interview. Gerhard Habarta (Interviewer). ca. Anfang 1970er Jahre. Österreichische Mediathek, 6-04073


Alfred Hrdlicka. (* 1928). Bildhauer. Studierte bei Albert Paris Gütersloh, Fritz Wotruba und Josef Dobrowsky. Professuren in Stuttgart, Hamburg, Berlin und Wien. 1988 - 1991 Errichtung des Mahnmals gegen Krieg und Faschismus am Wiener Albertinaplatz auf der Grundfläche des 1945 zerstörten Phillipphofs. Zur Website der Österreichischen Mediathek: Wissenschaft Kunst
© Mit freundlicher Genehmigung: Alfred Hrdlicka und Gerhard Habarta