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Kriegsverbrecherprozess
Nürnberger Prozess. 1. Oktober 1946.© Mit freundlicher Genehmigung: bildarchivaustria/ÖNB
Mit dem Ende des Krieges und des NS-Regimes stand man auch in Österreich vor der Frage des Umgangs mit Täter/innen und Mitläufer/innen des NS-Regimes. Von Beginn an zeigte sich, dass der Umgang mit der unmittelbaren Vergangenheit geprägt war von einem vorsichtigen Lavieren zwischen verschiedenen Interessen, was einer konsequenten Aufarbeitung im Weg stand. Schon die Unabhängigkeitserklärung vom 27. 4. 1945 definierte Österreich als Opfer Hitlerdeutschlands (hier konnte man sich auf die Moskauer Deklaration 1943 berufen, in der die Alliierten festhielten, dass Österreich als erstes Land der Aggression Hitler-Deutschlands zum Opfer fiel und das Wiedererstehen eines freien und unabhängigen Österreichs forderten), ein Bild, das mit identitätsstiftend für die 2. Republik wurde. Mit dem NSDAP-Verbotsgesetz im Mai 1945, dem Kriegsverbrechergesetz im Juni 1945 und dem Nationalsozialistengesetz 1948 (Amnestie der als "minderbelastet" qualifizierten Nationalsozialist/innen) legte man die juristischen Grundlagen einer gerichtlichen Verfolgung von NS-Täter/innen. Nach Kriegsende liefen die Entnazifizierungsverfahren der Besatzungsmächte (hier besonders in der amerikanischen Zone) und der österreichischen Regierung nebeneinander. In dieser ersten Phase der Entnazifizierung, in der über eine halbe Million Österreicher/innen als registrierte Nationalsozialist/innen erfasst wurden, über 170.000 - zumindest kurzfristig - aus ihren Funktionen (vor allem im Öffentlichen Dienst) entlassen wurden, über 130.000 Fälle (43 Todesurteile) gerichtlich verfolgt und verhandelt wurden, kam es zum Versuch, die Spuren der NS-Vergangenheit zu tilgen. Auch die - vor allem westlichen - Alliierten trugen zur Entnazifizierung bei: Internierungslager für NS-Funktionäre auf österreichischem Boden (Glasenbach, Wolfsberg, Schwaz) und natürlich die Nürnberger Prozesse, die u. a. Todesurteile für die österreichischen Kriegsverbrecher Seyß-Inquart und Kaltenbrunner brachten. Für die Masse der österreichischen Bevölkerung stellte sich persönlich eher die Frage des Mitläufertums, als die der unmittelbaren Täterschaft. Die Auseinandersetzung mit der jüngsten Vergangenheit trat aber rasch hinter die materiellen Sorgen der Nachkriegszeit zurück. Nicht übersehen werden darf bei der rückblickenden Beurteilung aber auch, ein wie sensibles und emotionsgeladenes Thema die Entnazifizierung in den Nachkriegsjahren war - schon allein aus der Tatsache, dass auch nach 1945 noch Elemente nationalsozialistischen Denkens vorhanden waren und man besonders hier vor der Aufgabe stand, nicht unerhebliche Teile der Bevölkerung nachhaltig in ein demokratisches System zu integrieren.
Gerhard Jagschitz zu: Last der Vergangenheit. Interview am 30. November 2004. Österreichische Mediathek, V-10953
© Mit freundlicher Genehmigung: Gerhard Jagschitz
Guided tour
Kurzführung|Karl Renner: Neujahrsrede zum Jahreswechsel 1945/1946. (Ausschnitt). Österreichische Mediathek, E06-00090
Mit dem Ende des Krieges und des NS-Regimes stand man auch in Österreich vor der Frage des Umgangs mit dieser Last der Vergangenheit: der Bestrafung der Täter/innen und der Wiedergutmachung an den Opfern. Dass diese Thematik insgesamt nur unbefriedigend gelöst werden konnte, zeigen auch die ab den späten 1980er Jahren vermehrt auftretenden Diskussionen hinsichtlich der Vergangenheitsbewältigung.
Alte Symbole

Sowjetische Soldaten entfernen in Lockenhaus (Burgenland) NS-Symbole. Schild der Ortsgrppe der nationalsozialistischen Arbeiterpartei (NSDAP). 1945.
© Mit freundlicher Genehmigung: bildarchivaustria/ÖNB
Entnazifizierung, Kommentar von Gerhard Jagschitz. 30. November 2004. Österreichische Mediathek, V-10953
© Mit freundlicher Genehmigung: Gerhard Jagschitz
Die Frage der Entnazifizierung. Vortrag von Ernst Koref. (Ausschnitt). Österreichische Mediathek, 9-03913
Ernst Koref (1891 - 1988), Politiker (SPÖ), war von 1945 bis 1962 Bürgermeister von Linz, Oberösterreich, und schildert hier in seiner Erinnerung die Probleme der Entnazifizierung in der Kommunalverwaltung der Stadt Linz, wobei deutlich wird, dass es aus unterschiedlichen Gründen keinen vollständigen Austausch innerhalb der öffentlich Bediensteten gab. Guided tour
|Führungstext
Neujahrsrede zum Jahreswechsel 1945/1946. Karl Renner. (Ausschnitt). Österreichische Mediathek, E06-00090
Karl Renner (1870 - 1950), Politiker (SPÖ), war von 1945 bis 1950 Bundespräsident. In seiner Neujahrsrede für das Jahr 1946 ging Renner unter anderem auch auf die Aufarbeitung der Jahre 1938-1945 ein, wobei er zur Besonnenheit aufrief und auf schwierige äußere Umstände, die die Aufarbeitung dieser Zeit erschwerten, verwies. Guided tour
Kurzführung|Karl Renner: Neujahrsrede zum Jahreswechsel 1945/1946. (Ausschnitt). Österreichische Mediathek, E06-00090
Mit dem Ende des Krieges und des NS-Regimes stand man auch in Österreich vor der Frage des Umgangs mit dieser Last der Vergangenheit: der Bestrafung der Täter/innen und der Wiedergutmachung an den Opfern. Dass diese Thematik insgesamt nur unbefriedigend gelöst werden konnte, zeigen auch die ab den späten 1980er Jahren vermehrt auftretenden Diskussionen hinsichtlich der Vergangenheitsbewältigung.
Neujahrsrede zum Jahreswechsel 1945/1946. (Ausschnitt). Karl Renner. Österreichische Mediathek, E06-00090
Karl Renner (1870 - 1950), Politiker (SPÖ), war von 1945 bis 1950 Bundespräsident. In seiner Neujahrsrede für das Jahr 1946 ging Renner unter anderem auch auf die Aufarbeitung der Jahre 1938-1945 ein, wobei er zur Besonnenheit aufrief und auf schwierige äußere Umstände, die die Aufarbeitung dieser Zeit erschwerten, verwies.