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Zum Staatsvertrag | 1945 | Last der Vergangenheit | Standorte | Innenpolitik | Besatzung | Wiederaufbau | Alltag | Radio | Literatur | Musik | Kunst, Wissenschaft | Sport | 15.5.1955 Österreich | Freiheit, Demokratie | Neutralität | Kalter Krieg

Standorte

Freiheit, Demokratie

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Aufmarsch zum 1. Mai

Maifeier der SPÖ vor dem Wiener Rathaus. 1. Mai 1949.
© Mit freundlicher Genehmigung: bildarchivaustria/ÖGZ/Blaha

Freiheit, Toleranz


   Mit dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur 1945 war nicht automatisch ihr Ungeist und Antihumanismus verschwunden. Begriffe wie Freiheit, Demokratie und Menschenrechte hatten allerdings für manche gerade aus ihrer Gegnerschaft zum Regime eine neue konkretere Bedeutung angenommen. Für viele waren sie aber auch bereits halbvergessen und für die Heranwachsenden unvertraut. Manchen erschien die Erziehung oder Selbsterziehung zu demokratischen Werten auch als "Umerziehung" oder "Amerikanisierung". Tatsächlich waren Begriffe wie Freiheit und Demokratie im Spannungsfeld des Kalten Krieges neu zu bestimmen und hatte etwa das Wort "Demokratie" in Osteuropa einen entschieden anderen Inhalt als im Westen. Ein in politischen Äußerungen beliebtes Redemuster war dabei, den Österreichern ihre Wertschätzung humanistischer Werte zu bestätigen – "Das österreichische Volk liebt die Demokratie!" - Behauptungen, von denen man wohl hoffte, dass sie selbst zu ihrem Zutreffen beitragen und guten außenpolitischen Eindruck machen würden.

Gerhard Jagschitz zum Thema Standorte, Interview am 30. November 2004. Österreichische Mediathek, V-10953-55

© mit freundlicher Genehmigung: Gerhard Jagschitz

"off limits" für ÖsterreicherInnen!


Hinweisschild der britischen Besatzer in Wien.
© Mit freundlicher Genehmigung: ÖGZ


 


Briefmarke zur Ausstellung "Niemals vergessen!", 1946

Die Lehre der letzten zwölf Jahre: Freiheit ist das Höchste, Rede im Nationalrat, Leopold Figl. 22. Juni 1949. (Ausschnitt). Österreichische Mediathek, 4-01476


Bei dieser Parlamentsrede aus dem Juni 1949, in der Bundeskanzler Figl über Fortschritte bei den Verhandlungen über den Staatsvertrag berichtet, reklamiert er für die Österreicher/innen ein Lernen aus der Geschichte: Nun wisse man, dass Freiheit das Wertvollste sei. - Bundeskanzler Figl berichtete dem Nationalrat von den Ergebnissen der Pariser Außenministerkonferenz, die vor allem durch das Ende sowjetischer Unterstützung für Gebiets- und Reparationsansprüche Jugoslawiens einen gewissen Fortschritt brachten - ein Hoffnungsschimmer, der sich bald als trügerisch erweisen sollte.
© mit freundlicher Genehmigung: Parlamentsdirektion

Demokratie und Freiheit, Wahlrede für die Bundespräsidentenwahl, Theodor Körner. 5. Mai 1951. (Ausschnitt). Österreichische Mediathek, 99-510001


Bei dieser Wahlrede anlässlich seiner Bewerbung um das Amt des Bundespräsidenten vom Mai 1951 - Präsident Karl Renner war vor ein paar Monaten verstorben - ist unverkennbar, dass der alte Herr etwas mühsam von einem Blatt abliest. Die Bemerkung, dass man die Freiheit erst dann recht schätze, wenn man sie verloren habe, hat tatsächlich Bezug zum eigenen Erleben: Körner und viele Politiker seiner Generation waren nach 1945 geprägt vom Ende der Demokratie, dem Ende Österreichs und von persönlich erlittener Verfolgung.

Neujahrsansprache im Radio an die Wiener, Bürgermeister Theodor Körner. 1. Jänner 1951. (Ausschnitt). Österreichische Mediathek, 10-01374


Bei diesem kurzen Appell an Toleranz muss man bedenken, dass für die Zeitgenossen des Jahres 1951, als diese Rede gehalten wurde, der Bürgerkrieg von 1934 nicht einmal zwanzig Jahre vergangen war und die Bürgerkriegsgegner von damals nun gemeinsam eine Koalitionsregierung bildeten.