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April 1945
Die Bevölkerung tanzt vor Freude. Wien, Ende April 1945.© Mit freundlicher Genehmigung: ÖGZ/Obransky
Österreich - friedfertiges Opfer
Die komplexe Entwicklung österreichischen Nationalbewußtseins ist gerade durch das Ende Österreichs 1938 und besonders durch die folgenden Ereignisse - nationalsozialistische Diktatur, Weltkrieg - wesentlich mitgeprägt worden. Nach 1945 war Identitätsfindung der wiedergegründeten Republik und die Neudefinition des Begriffes Österreich eine vorrangige politische Aufgabe - besonders angesichts vierfacher Besetzung und des Ringens um den Staatsvertrag. Aber auch im kulturellen Bereich, in der Buch- und vor allem Filmproduktion sind Österreich-Themen und Rückgriffe auf die altösterreichische Vergangenheit häufig. In vielen Politikerreden drückt sich ein manchmal übersteigertes Heimat- und Österreichgefühl - noch nicht unbedingt ein österreichisches Nationalgefühl - aus. Oft ging das nach der Formel: Österreich, ein kleines aber tüchtiges Land, dem man immer noch die volle Freiheit vorenthält; Österreich, ein im Gegensatz zu Deutschland befreites Land. Eigene Fehler der Vergangenheit wurden selten angesprochen...
Gerhard Jagschitz zum Thema Standorte, Interview am 30. November 2004. Österreichische Mediathek, V-10953-55
© mit freundlicher Genehmigung: Gerhard Jagschitz
Mai 1945

Kundgebung zur Befreiung. Wien, im Mai 1945.
© Mit freundlicher Genehmigung: bildarchivaustria/ÖGZ
Zweimal schuldlos in den Krieg hineingezogen, Neujahrsrede 1948 im Radio, Leopold Figl. 1. Jänner 1948. (Ausschnitt), Österreichische Mediathek, 9-03940
Das hier vermittelte Geschichtsbild muß als äußerst verkürzt bezeichnet werden: Angesichts der Rolle Österreichs und eines beträchtlichen Teiles seiner Bevölkerung 1914 und 1938/9 kann wohl kaum von einem zweimaligen schuldlosen Hineinziehen in den Krieg gesprochen werden. Umgekehrt wird als alleiniger Schuldiger der "preußische Ungeist" identifiziert. - Es ist schwer vorstellbar, dass diese Verkürzung Figls tatsächliche Einschätzung der Geschichte des 20. Jahrhunderts wiedergibt. Vermutlich orientierte er sich bei dieser Äußerung daran, dass Österreich in der Moskauer Deklaration der Alliierten 1943 als - im Gegensatz zu Deutschland - zu befreiendes Land bezeichnet wurde (allerdings wurde dabei ausdrücklich auf die Mitverantwortung Österreichs verwiesen). Dieser Unterschied war politisch sehr wichtig und wurde daher immer wieder herausgestrichen. Außerdem dürfte Figl, wie viele Politikerkollegen, davon ausgegangen sein, dass in der krisenhaften Nachkriegssituation eine wirkliche Auseinandersetzung mit Fehlern der Vergangenheit gefährlich sei. So wurde eher ein Wunschbild gezeichnet: Das österreichische Volk - eines der friedfertigsten der Welt. Mehr erwünschtes Zukunftsbild als Wiedergabe der Vergangenheit?
Österreich - Hort des Friedens, Regierungserklärung, Leopold Figl, 21. 12. 1945. (Ausschnitt, nachgesprochen). Österreichische Mediathek, 9-03940
Der Text dieser Worte von Leopold Figl stammt aus der Regierungserklärung des ersten Kabinetts Figl vom Ende 1945. Allerdings wurde die Tonaufnahme erst Jahre später aufgenommen. Guided tour
Englische Führung|Stronghold of Peace, 13 sec, in German (Austria - Stronghold of Peace, declaration of the government, Leopold Figl, 21st of December, 1945. (Clip, rereading of the speech). Österreichische Mediathek, 9-03940
Figl -original voice: " Our Austria is a little state, but the will of the great tradition, which is primarily a cultural tradition, has to remain a stronghold of peace in the centre of Europe."
In their speeches Austrian politicians after 1945 often referred to Austria as a victim (as it is mentioned in the "Moscow Declaration" by the Allies in 1943), and to the Austrian population's desire for democracy. Although it did not quite meet the historic truth, this simplification contributed to achieving the treaty forming the state of Austria and finally to the end of the occupation by the four Allies.
Karl Renner, Neujahrsrede für 1946. Ca. 31. Dezember 1945. (Ausschnitt). Österreichische Mediathek, E06-00090
Neujahrsrede für 1950, Karl Renner. 1.Jänner 1950. (Ausschnitt). Österreichische Mediathek, 4-01476
Neujahrsrede 1948 im Radio, Leopold Figl. 1. Jänner 1948. (Ausschnitt), Österreichische Mediathek, 9-03940