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Exil
Literatur im Exil

Ins Exil
Emigranten auf dem Schiff „Washington“. Um 1939.Mit freundlicher Genehmigung: bildarchivaustria/Österreichische Gesellschaft für Zeitgeschichte
Literatur im Exil, das bedeutete für die Betroffenen vor allem ein Problem mit ihrem Werkzeug der Sprache, das durch den erzwungenen Gang ins fremdsprachige Ausland verloren ging. Durch die Vertreibung verloren viele nicht nur ihre Heimat, sondern auch große Teile ihres Lesepublikums: in Deutschland und Österreich auf der Liste der verbotenen Literatur und im neuen Heimatland oftmals kaum bekannt. So inhomogen wie die österreichische Literaturlandschaft vor 1938 war, so unterschiedlich gestalteten sich auch die weiteren Lebensläufe der Exilierten.
Stefan Zweig, der Chronist der "Welt von Gestern", ging nicht erst 1938 ins Exil, sondern kehrte aus politischen Gründen schon dem autoritären Ständestaat den Rücken, verließ Österreich 1934 und wählte London als Exil. Der fortschreitende Kriegsverlauf ließ Zweig sein Exil nach Brasilien verlegen. Europa und seine alte Heimat waren für ihn "weit über unser eigenes Leben hinaus zerstört". Diese Hoffnungslosigkeit war es auch, die ihn 1942 in den Selbstmord trieb.
Franz Werfel, politisch dem autoritären Ständestaat nahestehend und nach dem Einmarsch 1938 vornehmlich aus "rassischen" Gründen ins Exil gezwungen, ging zuerst nach Frankreich und dann in die USA. Werfel war auch im Exil erfolgreich. Sein Roman "Das Lied von Bernadette" wurde in der englischen Übersetzung zu einem Bestseller und diente als Vorlage zu einem Hollywoodfilm.
Hilde Spiel verließ Österreich 1936, getrieben durch die gewaltsam aufgeheizte politische Situation, die für die bekennende Sozialdemokratin zunehmend unerträglich wurde und ließ sich in London nieder. In England war Spiel hauptsächlich journalistisch tätig. Nach dem Krieg rang sie lange Zeit mit der Frage einer möglichen Rückkehr in ihre alte Heimat, zu der sie sich erst 1963 entschließen konnte. - Rückkehr war, trotz der sprachlichen Gebundenheit von Schriftsteller/innen, nicht für alle ein Thema, vor allem, wenn man sich, wie Hilde Spiel, längst die Sprache des Exillandes zueigen gemacht hatte.
Friedrich Torberg wählte, wie so viele, die USA als Exil. Wie sein Schriftstellerkollege Werfel war auch er für Hollywood tätig. Politisch verfolgte er eine strikt antikommunistische Linie, literarisch war die verlorene Heimat ein wiederkehrendes Thema.
Die unterschiedlichen politischen Ausrichtungen der Exilierten stand einer geschlossenen österreichischen Literaturszene, die aus dem Exil eine mahnende Stimme gegen den Nationalsozialismus gewesen wäre, stets im Weg.
Stefan Zweig
Mit freundlicher Genehmigung des Williams Verlages, Zürich/London
Stefan Zweig, Der Bildhauer. Autorenlesung 1933. Österreichische Mediathek, 99-33016
Stefan Zweig (28. 11. 1881, Wien - 23. 2. 1942, Petropolis), Exil in London ab 1934, in Brasilien ab 1941, Selbstmord 1942
Biografie Stefan Zweig
Franz Werfel, Der schöne strahlende Mensch spricht. Autorenlesung, 1944. Österreichische Mediathek, 99-44003
Franz Werfel (10. 9. 1890, Prag - 26. 8. 1945, Beverly Hills), Exil in Frankreich ab 1938, in den USA ab 1940Mit freundlicher Genehmigung: Fischer-Verlag
Hilde Spiel, Die geselligen Eigenbrötler. Autorenlesung, 1967. Österreichische Mediathek, 99-65087
Hilde Spiel (19. 10. 1911, Wien - 30. 11. 1990, Wien), Exil in England ab 1936, Rückkehr nach Österreich 1963
Biografie Hilde Spiel
Mit freundlicher Genehmigung: des Rechtsnachfolgers und der Verlage Ullstein-Heyne-List
Friedrich Torberg, Räuber, Mörder, Kindsverderber, aus: Die Tante Jolesch. Autorenlesung, 1976, Radiomitschnitt. Österreichische Mediathek, 99-76012
Friedrich Torberg, eigentlich: Friedrich Kantor-Berg (16. 9. 1908, Wien - 10. 11. 1979, Wien), Exil in der Schweiz und Frankreich ab 1938, in den USA ab 1940, Rückkehr nach Österreich 1951
Biografie Friedrich Torberg
Mit freundlicher Genehmigung: ORF