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NS-Zeit
Propaganda des Anschlusses
1 2 3 4 Anschluss 1938

Propagandakundgebung zur Volksabstimmung
Als Abschluss zum Wahlkampf für die Volksabstimmung zum "Anschluss" Österreichs an das 3. Reich am 10. April, spricht Adolf Hitler am Samstag den 9. April 1938 in der Wiener Nordwestbahnhalle.
In dieser im 2. Bezirk gelegenen Halle (Taborstraße 89-93) wurde anschließend die Propaganda-Ausstellung "Der ewige Jude" gezeigt. Nach Bombentreffern zur Ruine geworden, wurde sie nach dem Krieg abgerissen.Mit freundlicher Genehmigung: bildarchivaustria/ÖGZ/Hilscher
Mit dem deutschen Einmarsch 1938 wurde die österreichische Bevölkerung in einem bis dahin nie dagewesenen Ausmaß von politischer Propaganda überrollt. Die nationalsozialistischen Machthaber konnten auf ihre geübte Praxis zurückgreifen, sowohl was die Organisation und Wirkung von Massenveranstaltungen als auch den Einsatz von Massenmedien betraf. Wien wurde mit rund 200.000 Hitler-Bildern überschwemmt, 20.000 Volksempfänger wurden verteilt. Diese gekonnte politische Propaganda tat sicher das ihre, um die zum Teil hysterische Begeisterung und Anschlusseuphorie hervorzurufen, die wir vor allem aus Film- und Tonaufnahmen kennen. Und doch war es ein fruchtbarer Boden, auf den die Schlagworte der Nationalsozialisten fielen: Anschlusswunsch und Antisemitismus waren schon vor 1938 latent vorhanden. Radikalität und Terror als Mittel politischer Auseinandersetzung bestimmten in den 30er Jahren über weite Strecken das Geschehen. So erfüllte der Einmarsch die Wünsche und Hoffnungen vieler: nationale Träume nach Größe und Hegemonie in Europa, Verbesserung der ökonomischen Situation und der Ruf nach einer "starken Hand" im Inneren. Die Opfer dieses Systems, die es von Beginn an sichtbar gab, wurden von den meisten ohne nennenswerte Gegenwehr in Kauf genommen.
Neben Propaganda waren es staatlicher Terror und gezielte Einschüchterung, die eine organisierte Oppositions- und Widerstandsbewegung praktisch unmöglich machten.
Andere Aspekte wurden teuer erkauft: Eine kurzfristige Verbesserung der wirtschaftlichen Lage, die Zunahme der Beschäftigung durch einen Industrialisierungsschub baute fast ausschließlich auf der Kriegswirtschaft auf und führte letztendlich in Not und Zerstörung.
Propagandakarte
Propaganda für die Volksabstimmung am 10. April 1938, bei der der "Anschluss" vom 13. März legitimiert werden sollte. Es wurde im ganzen Deutschen Reich abgestimmt.
Empfang im Rathaus der Stadt Linz. Adolf Hitler, 12. März 1938. (Ausschnitt). Österreichische Mediathek, 99-38007
Hitler spricht hier, am Tag des deutschen Einmarsches in Österreich, genau jenen Punkt an, auf den sich nach 1945 die Diskussion über die NS-Zeit zuspitzen ließ: Täter oder Opfer?
Kundgebung auf dem Wiener Heldenplatz. Adolf Hitler, 15. März 1938. (Ausschnitt). Österreichische Mediathek, 99-38007
Die Kundgebung der Nationalsozialisten auf dem Wiener Heldenplatz am 15. März 1938 mit der Rede Adolf Hitlers vor tausenden jubelnden Anhänger/innen wurde zum Symbol für die begeisterte Zustimmung in Österreich zum Anschluss an das Deutsche Reich. Der Heldenplatz als symbolträchtiger Platz der jüngeren Geschichte des Landes wurde 1988 durch Thomas Bernhard auch zum Thema literarischer Vergangenheitsbewältigung.
Radioreportage von einer Heldengedenkfeier auf dem Wiener Heldenplatz. Sonntag, 13. März 1938. (Ausschnitt). Österreichische Mediathek, 99-38012
Radioreportagen waren während der NS-Zeit ein entscheidendes Mittel zur politischen Propaganda, die so erstmals massiv und leicht konsumierbar in die privaten Lebensräume eindringen konnte.