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| Der Sammler | Der Radiomoderator
| Kindheit und Jugend 1923 -1938 | Krieg 1939 - 1945 | Nachkriegszeit 1945 - 1955

Der Sammler

Krieg 1939 - 1945

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1939



Wien, Schulklasse 1938

Feierstunde anläßlich des Hitler-Geburtstags in der Schule Neubaugase in Wien. Es wird auch dem Radioprogramm gelauscht. 20. April 1938


   Die Gegnerschaft zum NS-Regime kennzeichnete für Günther Schifter die Jahre 1939 - 1945. Allein sein Interesse an der englischsprachigen Welt und die ungebrochene Leidenschaft für Jazz und Swing, von den Machthabern als "entartete Musik" eingestuft, war Zeichen des Widerstands. Erste Probleme mit den Nationalsozialisten bekam er als Gymnasiast, sein Englischlehrer fand bei ihm eine Notiz, die auf das Hören so genannter "Feindsender" schließen ließ und brachte dies zur Anzeige. Er wurde im berüchtigten Gestapo-Hauptquartier am Wiener Morzinplatz vorgeladen, die Strafe verlief vorerst mit der Ablieferung des Radios noch glimpflich. Nach der Matura wurde Schifter zur Wehrmacht eingezogen, wurde jedoch nach nur vier Monaten als untauglich entlassen. Zum Arbeitsdienst verpflichtet, gelang es ihm, der Firma Schrack, die Radiogeräte herstellte, zugewiesen zu werden. Dies ermöglichte ihm, dort durch fortgesetztes heimliches Hören von "Feindsendern" z. B. von der Invasion der Alliierten in der Normandie im Juni 1944 zu erfahren, was ihn auf ein baldiges Ende der NS-Herrschaft hoffen ließ.  
   Der auch mit Freunden im Verborgenen gemeinsam weiter gepflegte Musikgeschmack führte, verraten durch einen vermeintlichen Gesinnungsgenossen, im Dezember 1944 zur Verhaftung und zur Überstellung nach Maria Lanzendorf bei Wien, einem Nebenlager des Konzentrationslagers Mauthausen. Als Anfang April die alliierten Truppen auf Wien vorrückten, konnte er in den Wirren der letzten Kriegstage entkommen und erlebte den Zusammenbruch des NS-Regimes in Wien. 
   Obwohl von den nationalsozialistischen Machthabern verfolgt, wurde Jazz auch in den Kriegsjahren weiterhin gespielt. Sei es, dass Bands amerikanische Nummern mit deutschen Texten versahen und so zur Aufführung brachten, sei es, dass Schellacks mit dieser Musik nach wie vor unter der Hand verkauft wurden - was die Sammlung Günther Schifters auch in den Kriegstagen weiter anwachsen ließ. 
   

Wien

WienAm Graben in Wien. Die Pestsäule ist zu sehen. Um 1940.
© Mit freundlicher Genehmigung: ÖGZ/Spiegel

Interview mit Günther Schifter. Wien, Rotenlöwengasse, 3. Februar 2004. Eigenaufnahme der Österreichischen Mediathek. OeM V-10244


Fats Waller and his Rhythm: Darktown Strutters' Ball (Shelton Brooks). Bluebird, 1939. (Nummern: B-10573-A). Audio - MP3. OeM E01-00807


Paul Whiteman's Swing Wing: Three Little Fishies (Saxie Dowell). Decca, 1939. (Nummern: 2417 A, 65366). Audio - MP3. OeM E01-00811


Ambrose and his Orchestra: Jeepers Creepers, aus: "Going Places" (Warren, Mercer). Brunswick, 1939.
(Nummern: A 82030 A). Audio - MP3. OeM E51-00815


Heinz Wehner: Mein Leben ist voller Sehnsucht (Günther Ernst). Telefunken, 1939. (Nummern: 24075, A 2879).
Audio - MP3. OeM E01-00827