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1968
Studentenproteste

Zeitungsbericht über Uni-Exzesse
Bericht der Tageszeitung "Express" über eine Veranstaltung - "Kunst und Revolution" - im Audimax der Universität Wien. 10. Juni 1968.© Mit freundlicher Genehmigung: bildarchivaustria/ÖNB
Weltweit fanden in den 1960er Jahren Studentenproteste unterschiedlicher Intensität statt. Auf der einen Seite ging es im engeren Sinn um konkrete bildungspolitische Anliegen der Studentenschaft, die im weiteren Sinn aber auch umfassende gesellschaftspolitische Anliegen transportierten und von diesen nicht getrennt werden konnten. Sieht man die gesellschaftliche Gruppe der Studenten als Ausgangspunkt der Protestbewegung, so wird deutlich, dass es sich hier auch um einen Generationenkonflikt handelte und überkommene Gesellschafts- und Beziehungsstrukturen in Frage gestellt wurden, was zu ideologischen Kontroversen führte.
Oft wurden, wie zB beim "free speech movement" in Berkeley, Kalifornien, nur das Einfordern von Bürger- und Menschenrechten wie Redefreiheit zum Auslöser von Konflikten, die sich über mehrere Jahre hinweg bewegten.
In Frankreich erfassten die Studentenunruhen, die sich ursprünglich an den schlechten Studienbedingungen entzündeten, das ganze Land auch dadurch, dass große Bevölkerungsteile sich mit den Anliegen der Studenten solidarisierten und das harte Vorgehen der Sicherheitskräfte ablehnten. Große Streikbewegungen entstanden, die das Land in eine revolutionäre Atmosphäre versetzten und an den Rand eines Militäreinsatzes unter Verhängung des Ausnahmezustands brachten.
In Deutschland wurde den Studenten, die sich gegen das rückständige und undemokratische Universitätssystem wandten, große Ablehnung von reaktionären Medien entgegengebracht. Zersplitterte Gruppen einte die Empörung über den Tod des Studenten Benno Ohnesorg, der im Juni 1967 bei Ausschreitungen während einer Demonstration gegen den Schah in Berlin von einem Polizisten erschossen wurde. Besonderes Feindbild der Presse des Springer-Konzerns war der Studentenführer Rudi Dutschke, der in der aufgeheizten Stimmung einem Schussattentat zum Opfer fiel, das er nur knapp überlebte und an dessen Spätfolgen er 1979 starb.
In Österreich verliefen die Jahre des Protests viel ruhiger als in anderen Ländern.
Im universitären Bereich wurde von den Studenten bei Hörsaalbesetzungen und Teach-Ins vor allem mehr Mitbestimmung und Demokratisierung an den Hochschulen gefordert. Es gab Solidaritätskundgebungen für Rudi Dutschke, Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg und das Schah-Regime in Persien, bei denen es auch zu Zusammenstößen mit der Polizei kam. Eine Veranstaltung, die nicht von Studenten, sondern von Künstlern abgehalten wurde, rief die heftigsten Reaktionen in der Öffentlichkeit hervor und manche Medien nutzten dies zur Diskreditierung der studentischen Anliegen. Bei der in diesen Medien als "Uni-Ferkelei" skandalisierten Veranstaltung "Kunst und Revolution" zeigten Wiener Aktionisten, darunter Günter Brus, Otto Mühl, Peter Weibel, Oswald Wiener u. a. Nacktheit, Masturbation, "Verrichten der großen Notdurft" und Auspeitschen gemeinsam mit Verwendung von staatshoheitlichen Symbolen wie der Nationalflagge und der Bundeshymne. Günter Brus und Otto Mühl wurden dafür von einem Gericht verurteilt.
Bei den Ende der 60er Jahre eingeleiteten Universitätsreformen wurden einige Forderungen der Studentenschaft umgesetzt, wie etwa Institutskonferenzen mit Beteiligung von Studierenden und neue Studienpläne mit kumulativem Prüfungssystem für geistes- und naturwissenschaftliche Studien. In den 70er Jahren wurden Hochschulreformen in größerem Umfang vorgenommen.
Universität Wien
Das Neue Institutsgebäude der Universität Wien um 1962.
Es wurde am 5. November 1962 feierlich eröffnet.
Ö1-Mittagsjournal vom 30. Mai 1968. Ausschnitt. Bericht und Interview mit Herrn Paul Kolm. Österreichische Mediathek, jm-680530
Ö1-Mittagsjournal vom 30. Mai 1968. Ausschnitt. Bericht und Interview mit dem Rektor der Universität Wien Fritz Schwind. Österreichische Mediathek, jm-680530
Ö1-Mittagsjournal vom 31. Juli 1968. Ausschnitt. Prozess gegen Beteiligte an Uni-Exzessen am 7. Juni. Bericht: Peter Nidetzky. Österreichische Mediathek, jm-680731.
Unter dem Titel "Kunst und Revolution" findet am 7. Juni 1968 im Hörsaal 1 der Universität Wien eine Veranstaltung von Wiener Aktionisten statt, die dann von den Medien als "Uni-Ferkelei" bezeichnet wird. Beteiligt waren Günter Brus, Otto Mühl, Valie Export und Oswald Wiener. Brus und Mühl werden von einem Gericht wegen öffentlicher Nacktheit, Onanie, Exkrementieren, Auspeitschen, dabei Absingen der Bundeshymne u. a. verurteilt. Oswald Wiener wird freigesprochen. Gerichtsgutachter der Angeklagten war der Psychiater Heinrich Gross, der an der Wiener Euthanasieklinik 'Spiegelgrund' während der NS-Zeit an Tötungen von Kindern beteiligt war.
Ö1-Abendjournal vom 31. Juli 1968. Ausschnitt. Urteilsverkündung. Bericht: Peter Nidetzky. Österreichische Mediathek, ja-680731.
Unter dem Titel "Kunst und Revolution" findet am 7. Juni 1968 im Hörsaal 1 der Universität Wien eine Veranstaltung von Wiener Aktionisten statt, die dann von den Medien als "Uni-Ferkelei" bezeichnet wird. Beteiligt waren Günter Brus, Otto Mühl, Valie Export und Oswald Wiener. Brus und Mühl werden von einem Gericht wegen öffentlicher Nacktheit, Onanie, Exkrementieren, Auspeitschen, dabei Absingen der Bundeshymne u. a. verurteilt. Oswald Wiener wird freigesprochen. Gerichtsgutachter der Angeklagten war der Psychiater Heinrich Gross, der an der Wiener Euthanasieklinik 'Spiegelgrund' während der NS-Zeit an Tötungen von Kindern beteiligt war.