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Ungarn 1956
Die Vorgeschichte

Abzug der Sowjets aus Österreich
Letzte Abschiedsfotos werden noch gemacht. Sowjetische Besatzungssoldaten im Waldviertel vor der Abfahrt mit einem ungarischen Wagon. 1955© Mit freundlicher Genehmigung: bildarchivaustria/ÖNB/Harry Weber
Durch die Verurteilung des Regimes von Josef Stalin auf dem Parteitag der KPdSU wurden im gesamten Ostblock Hoffnungen auf eine Liberalisierung geweckt. Im Juni 1956 kam es in Polen zu Unruhen unter den Arbeitern. Am 23. Oktober gingen Jugendliche, Studenten und Jungarbeiter in Budapest mit der Forderung nach Demokratie und Freiheit Ungarns auf die Straße. Die Demonstrationen weiteten sich zu einem Volksaufstand aus - Armee und Polizei liefen zu den Aufständischen über. Durch den Reformkommunisten Imre Nagy wurde eine neue Regierung gebildet, ein Mehrparteiensystem wurde eingeführt und freie Wahlen angekündigt. Ungarn gab am 1. November 1956 seinen Austritt aus dem Warschauer Pakt bekannt und erklärte sich für neutral. Die Sowjetunion schickte am 4. November Truppen und schlug den Aufstand in schweren blutigen Kämpfen nieder. Ministerpräsident Nagy wurde zum Tode verurteilt und im Juni 1958 hingerichtet.
Soldaten in Budapest
Soldaten lesen eine neu erschienene Ausgabe des Stern mit einem großen Bildbericht über Ungarn. Ausgabe vom 3. November 1956.© Mit freundlicher Genehmigung: bildarchivaustria/ÖNB/Harry Weber
Der österreichische Staatsvertrag als strategische und atmosphärische Voraussetzung für den Willen nach Unabhängigkeit in Ungarn. Fritz Molden bei einer Erinnerungsveranstaltung zum "Ungarischen Freiheitskampf" (Club Bunter Vogel). Wien, am 5. November 1986 (Ausschnitt) Österreichische Mediathek, 99-86179
Die geschichtliche Verbundenheit Österreichs mit Ungarn weckt in Ungarn irrationale Hoffnungen, das Schicksal der Freiheit teilen zu können. György Sebestyén bei einer Erinnerungsveranstaltung zum "Ungarischen Freiheitskampf" (Club Bunter Vogel). Wien, am 5. November 1986 (Ausschnitt) Österreichische Mediathek, 99-86179
György Sebestyén (1930-1990)
Schriftsteller, Hörspiel- und Drehbuchautor. Seit 1946 Mitglied der Kommunistischen Partei. Studiert in seiner Geburtsstadt Budapest Philosophie, Soziologie und Literatur, später auch Ethnologie, Kunstgeschichte und Archäologie und schreibt für Parteizeitungen. Er war 1956 am Ungarnaufstand beteiligt und lebte nach seiner Flucht in Wien (seit 1963 als österreichischer Staatsbürger). Ein Schwerpunkt seiner Arbeiten ist die Ost-West-Verständigung. Gründet die Zeitschriften "Pannonia" und "Morgen". Er war 1988-90 Präsident des Österreichischen PEN-Clubs. Für sein literarisches Schaffen erhält er diverse Preise (Jugendbruchpreis der Stadt Wien, Franz-Theodor-Csokor-Preis, Anton-Wildgans-Preis, Peter-Rosegger-Literaturpreis, etc.)
Fritz Molden erinnert an den nahezu unvorbereiteten "Westen", der im späten Oktober 1956 nach Polen schaute und sich dann mit der Suezkrise beschäftigte. Erinnerungsveranstaltung zum "Ungarischen Freiheitskampf" (Club Bunter Vogel). Wien, am 5. November 1986 (Ausschnitt) Österreichische Mediathek, 99-86179
Wahlkampf und die Suezkrise verstellen den Blick der westlichen Großmächte auf Ungarn. Selbst in Mitteleuropa schaut man eher noch nach Polen. Fritz Molden bei einer Erinnerungsveranstaltung zum "Ungarischen Freiheitskampf" (Club Bunter Vogel). Wien, am 5. November 1986 (Ausschnitt) Österreichische Mediathek, 99-86179