Ausrufung der Republik – bei Mànes Sperber (1975)
Catalog slip
| Title | Ausrufung der Republik – bei Mànes Sperber (1975) |
| Playing time | 00:07:56 |
| Authors |
Sperber, Manès [Verfasser/in und Vortragende/r]
[GND]
|
| Date |
1975.11.22 [Aufnahmedatum] |
| Place |
Wien [Aufnahmeort]
|
| Keywords | Literatur ; Prosa ; Unveröffentlichte Eigenaufnahme der Österreichischen Mediathek |
|
20. Jahrhundert - 10er Jahre
|
|
| Type | video |
| Format |
DFFLV [Dateiformat: FLV] |
| Language |
Deutsch |
| Signature | Österreichische Mediathek, e07-01753_k02 |
| Media type | FLV-Videodatei |
Information
Content
Tondokument mit Untertitel
Manès Sperber las 1975 aus „Die vergebliche Warnung“, dem im selben Jahr erschienenen zweiten Band seiner Autobiografie „All das Vergangene“. Innerhalb der politischen Rahmenbedingung von Kriegsende und Beginn der Republik erfasst Sperber ein gespenstisches, bitteres Elend zwischen physischer Entbehrung und genereller Orientierungslosigkeit. Eine neue politische Ordnung zeichnet sich in der Verfasstheit der Straßen Wiens und in den Klängen unterschiedlicher Melodien und Lieder mit Nichten ab, vielmehr Klage und Fatalismus. Dabei spielen, wie in vielen anderen Erinnerungen, die umherirrenden Soldaten eine gewichtige Rolle, weil bei ihnen die Unzugehörigkeit so besonders deutlich ist: Jahrelang hatten sie „für den Kaiser“ und den Staat der Monarchie kämpfen müssen, um nun nach verlorenem Krieg funktions- und arbeitslos in einem politischen Limbo umherzuirren und nicht selten, nach Alkoholgenuss, zu wanken. Zum wichtigsten Erinnerungsbild aus dieser Zeit gerinnt Sperber das des Bettelmusikanten auf der Marienbrücke: weniger das Bild des Elends, das es offensichtlich war, als eines der Standfestigkeit inmitten von Unglück, Hunger und Elend.
Manès Sperber war damals 13 Jahre alt. So wenig er in diesem Alter zur klaren politischen Erkenntnis fähig war und sich seinem adoleszenten Verstand eindringlich nur Wirrnis und Armut darboten, so wirr erschien auch nachträglich dem Erinnernden der Zustand der ‚ins Leere‘ ausgerufenen Republik.
Manès Sperber las 1975 aus „Die vergebliche Warnung“, dem im selben Jahr erschienenen zweiten Band seiner Autobiografie „All das Vergangene“. Innerhalb der politischen Rahmenbedingung von Kriegsende und Beginn der Republik erfasst Sperber ein gespenstisches, bitteres Elend zwischen physischer Entbehrung und genereller Orientierungslosigkeit. Eine neue politische Ordnung zeichnet sich in der Verfasstheit der Straßen Wiens und in den Klängen unterschiedlicher Melodien und Lieder mit Nichten ab, vielmehr Klage und Fatalismus. Dabei spielen, wie in vielen anderen Erinnerungen, die umherirrenden Soldaten eine gewichtige Rolle, weil bei ihnen die Unzugehörigkeit so besonders deutlich ist: Jahrelang hatten sie „für den Kaiser“ und den Staat der Monarchie kämpfen müssen, um nun nach verlorenem Krieg funktions- und arbeitslos in einem politischen Limbo umherzuirren und nicht selten, nach Alkoholgenuss, zu wanken. Zum wichtigsten Erinnerungsbild aus dieser Zeit gerinnt Sperber das des Bettelmusikanten auf der Marienbrücke: weniger das Bild des Elends, das es offensichtlich war, als eines der Standfestigkeit inmitten von Unglück, Hunger und Elend.
Manès Sperber war damals 13 Jahre alt. So wenig er in diesem Alter zur klaren politischen Erkenntnis fähig war und sich seinem adoleszenten Verstand eindringlich nur Wirrnis und Armut darboten, so wirr erschien auch nachträglich dem Erinnernden der Zustand der ‚ins Leere‘ ausgerufenen Republik.