Das Ende Österreich-Ungarns kam mit dem Ende seiner Armee, der wichtigsten Stütze des Reiches vor dem Krieg. Im Verlauf des Krieges wurde sie zur letzten Kraft, die den Nationalismus der Völker kontrollierte, mit Kriegsdauer aber immer mehr unterdrückte.
Das Ende der Doppelmonarchie kam mit dem Ende der k. u. k. Armee. War die Armee vor Kriegsbeginn eine der wichtigsten Stützen des Reiches, so wurde sie im Verlauf des Krieges zur letzten Kraft, welche die Zentrifugal- und Zentripetalkräfte des wachsenden Nationalismus der vielen Völker kontrollieren konnte, mit Fortdauer des Krieges diese aber immer mehr unterdrückte.
Der Friede von Brest-Litowsk, das Ausscheiden Russlands aus dem großen Völkerschlachten, war in mancher Hinsicht ein Danaergeschenk für Österreich-Ungarn. Das Korn aus der Kornkammer Ukraine strömte bei weitem nicht in dem erwarteten Ausmaß in die Monarchie. Um den Hunger zu stillen reichte es lange nicht. Die nun zusätzlich besetzten Gebiete, im Laufe des Frühjahrs und Sommer 1918 stießen die Mittelmächte immer tiefer in den russischen Raum vor, benötigten sehr viel mehr Soldaten und Ressourcen zur Kontrolle und Ausbeutung als befürchtet. Die Heimkehrer aus der russischen Gefangenschaft, österreich-ungarische Kriegsgefangene die nach dem Friedensschluss in die Heimat zurückkehrten, stellten die ohnehin schon prekäre Versorgungslage und den inneren Frieden auf eine weitere harte Probe.
Diese Männer, viele hatten sich eher dem Risiko der Kriegsgefangenschaft ausgesetzt, als für die Doppelmonarchie zu kämpfen, fanden bei Ihrer Heimkehr oftmals ihre Familien im Elend des fünften Kriegsjahres und sollten, nach einer viel zu kurz bemessenen Frist, abermals an die Front abgehen. Sie waren aber in der russischen Gefangenschaft mit revolutionärem Gedankengut in Berührung gekommen und hatten den Umsturz in Russland selbst hautnah miterlebt. So wurden Heimkehrer-Revolten, neben Streiks und Hunger-Demonstrationen, zu einer weiteren schweren Belastung für den ohnehin schon mehr als brüchigen inneren Frieden des Reiches. Der Matrosenaufstand in Cattaro, am 1. Februar 1918, konnte noch in wenigen Tagen und ohne größere Probleme niedergeschlagen werden, er war aber wie die feurige Schrift beim Fest von König Belsazar.
Am 21. März 1918 begann die große deutsche Offensive im Westen. Fast gleichzeitig platzte die politische Bombe der Sixtus-Affäre in Österreich-Ungarn. Kaiser Karl hatte im März 1917 versucht, im Geheimen über die Brüder seiner Frau Zita, die Prinzen Sixtus und Franz Xaver von Bourbon-Parma, neue Friedensgespräche anzuregen. Es gab Briefe vom Kaiser an Frankreich und Großbritannien. Diese wurden von den Bourbonen-Prinzen an die jeweiligen Regierungen weitergeleitet. In einem Brief vom 24. März 1917 bezeichnet der Kaiser Frankreichs Forderung nach Elsaß-Lothringen als gerechten Rückforderungsanspruch. Der später in die geheimen Kontakte eingeweihte österreichische Außenminister Graf Ottokar Czernin hatte allerdings von diesem Brief keine Kenntnisse. Die Friedensinitiative blieb ohne Ergebnis, denn das Deutsche Reich war nicht willens, territoriale Einbußen hinzunehmen, während Österreich-Ungarn keine Gebietsabtretungen an Italien akzeptieren wollte. Letztlich lief das Interesse des französischen Ministerpräsidenten und Außenministers Aristid Briand an der ganzen Angelegenheit auf einen möglichen Separatfrieden mit Österreich-Ungarn hinaus. Einen Separatfrieden mit der Entente lehnten aber sowohl Kaiser Karl als auch sein Außenminister Czernin ab. Als Czernin nun am 2. April 1918 in einer Rede in Wien davon sprach, dass der französische Ministerpräsident Georges Clemenceau, Briands Nachfolger, um Friedensverhandlungen angesucht habe, die Anfrage aber bereits an der Zukunft Elsaß-Lothringens gescheitert wäre, fühlte sich Clemenceau düpiert, denn so war der Ablauf der Ereignisse nicht gewesen. Clemenceau veröffentlichte daraufhin Am 12. April 1918 den ersten Brief von Kaiser Karl. Czernin stritt sein Wissen um die Friedensinitiative ab und Karl wählte den Ausweg, alles zu bestreiten und als französische Propaganda-Lüge darzustellen. Am 12. Mai stattete der österreichische Kaiser dem deutschen Kaiser, in dessen Hauptquartier im belgischen Spa, einen Besuch ab, der viele Zeitgenossen an den Canossa-Gang Heinrichs IV. erinnerte. Jeglicher außenpolitische Spielraum der Monarchie war nun verloren und Österreich-Ungarns Schicksal war endgültig auf Gedeih und Verderben mit dem Deutschen Reich verbunden, in echter, vielleicht nicht ganz freiwilliger, Nibelungentreue.
Aus dieser Entwicklung heraus ist auch die letzte große Offensive der Doppelmonarchie, die zweite Schlacht an der Piave, vom 15. bis 22. Juni 1918, zu verstehen. Kaiser Karl hatte gesagt, dass seine Antwort auf die Lügen Clemenceaus, die österreichischen Kanonen an der Westfront wären. Des Kaisers Armee musste den Worten ihres Herren Taten folgen lassen, nicht nur durch die Unterstützung der deutschen Offensive mit schwerer Artillerie an der Westfront. Es war die Italienfront, an der die letzte k. u. k. Offensive stattfinden sollte. Auch wenn die Aussicht auf großen Erfolg an der Italienfront von Anfang an gering war. Italien hatte sich mit kräftiger Hilfe von Frankreich, Großbritannien und den USA seit der Katastrophe von Caporetto/Karfeit/Kobarid in bemerkenswerter Weise erholt. Beinahe eine Art von nationaler Wiedergeburt hatte stattgefunden. Durch eine gewaltige Anstrengung der italienischen Industrie und Hilfslieferungen der Entente konnten die materiellen Verluste mehr als ausgeglichen werden. Französische, britische und amerikanische Divisionen verstärkten die Front und Italien mobilisierte seine letzten Menschenreserven. Was ein weiterer gemeinsamer Kraftakt der Mittelmächte im Herbst 1917, spätestens im Frühjahr 1918, vielleicht hätte erreichen können, das Ausscheiden Italiens aus dem Krieg, war im Sommer 1918 nicht mehr zu erreichen. Italien hatte sich unter dem neuen Präsidenten des Ministerrates Vittorio Emanuele Orlando und unter dem neuen italienischen Generalstabschef Armando Diaz gesammelt um seine letzten Kräfte zu mobilisieren. Die moralische Krise der italienischen Streitkräfte nach der 12. Isonzoschlacht war Vergangenheit.
Feldmarschall Svetozar Boroevic von Bojna war gegen den Angriff, doch es war der außenpolitische Zwang zum Beweis der Bündnistreue, der die Offensive diktierte. Das alte österreichische Grundübel des Krieges, die Unterschätzung des Feindes bei gleichzeitiger Überschätzung und Verzettlung der eigenen Kräfte, trug das übrige zum Scheitern bei. Feldmarschall Franz Conrad von Hötzendorf hatte Kaiser Karl nochmals von seiner Idee eines Angriffs aus dem Gebiet der Sieben Gemeinden in die italienische Tiefebene hinaus überzeugen können. Eigentlich gab es nicht eine Offensive, sondern zwei separate Offensiven. Eine Schwerpunktbildung wurde auch beim letzten Angriff der k. u. k. Armee verabsäumt. Als nach einer Woche klar war, dass die italienische Armee an keinem Frontabschnitt in echte Bedrängnis geraten war, wurde der Angriff eingestellt. Die Verluste dieser Woche, über 100.000 Mann, zerstörten nicht nur jegliche Offensivkraft Österreich-Ungarns. Sie ließen selbst eine erfolgreiche Erneuerung der Defensive an der Italienfront zweifelhaft erscheinen.
Der letzte deutsche Angriff an der Westfront, vom 15. Juli bis 6. August, auch als die zweite Marneschlacht bekannt, endete mit einer deutschen Niederlage. Vom 8. August an, dem schwarzen Tag des deutschen Heeres, weil sich an diesem Tag erstmals deutsche Truppen in bis dahin nicht gesehener Zahl gefangen nehmen ließen, waren nun die Truppen der Entente in der Offensive, bis zum Waffenstillstand am 11. November 1918. In dieser Zeit verloren die an der Westfront eingesetzten österreich-ungarischen Truppen zwischen 7.000 und 17.000 Mann, ein mittlerweile völlig vergessener Aspekt des Ersten Weltkrieges.
Im September 1918 machte sich endlich die Präsenz der Entente an der Saloniki-Front bezahlt. Nach dem Abzug des Gros der deutschen Truppen im Frühsommer und einer massiven Verstärkung der Entente-Truppen, begann der französische General Louis Felix Marie Franchet d’Esperey am 14. September seine Offensive gegen die nun klar unterlegene bulgarische Armee. Der Frontdurchbruch gelang und Bulgarien schied am 30. September aus dem Krieg aus. Ein Monat später, am 30. Oktober, beendete der Waffenstillstand von Moudros den Krieg zwischen dem osmanischen Reich und der Entente. Nach Bulgariens Ausscheiden aus dem Krieg erklärte Rumänien den Friedensvertrag von Bukarest, unterzeichnet am 7. Mai 1918, für gegenstandslos und trat auf Seiten der Entente am 10. November wieder in den Krieg ein.
Inzwischen war aber Italien zum Angriff übergegangen. Die Schlacht von Vittorio Veneto, vom 24. Oktober bis 4. November 1918 war die letzte Schlacht der alten k. u. k. Armee. Die innere Auflösung der Doppelmonarchie von Ende Oktober bis Anfang November 1918 bedingte und beschleunigte den Zerfall der schwer angeschlagenen Armee. Die Nachfolgestaaten der Monarchie versuchten Einheiten aus der Front zu lösen und in die neuen Heimatländer zu bringen. Italiens Faschisten feierten die Schlacht von Vittorio Veneto immer als den großen Sieg über den verhassten Erbfeind Österreich. Der italienische Publizist Giuseppe Prezzolini, selbst Teilnehmer an den Kämpfen, meinte hingegen:
„Vittorio Veneto ist kein militärischer Sieg gewesen, aus dem einfachen Grunde, weil es eine Schlacht geben muss, damit man einen Sieg erlangen kann, und damit es eine Schlacht gibt, muss ein Feind da sein, der sich schlägt. Nun gab es in Vittorio Veneto aber einen Feind, der sich zurückzog. Vittorio Veneto war ein Rückzug, den wir in Unordnung und Konfusion gestürzt haben; nicht eine Schlacht, die wir gewonnen haben.“
Der Waffenstillstand von Villa Giusti, mit dem Missverständnis ob er am 3. oder 4. November in Kraft trat, erhöhte die Zahl der Gefangenen aus den Reihen der bereits in Auflösung zurückströmenden k. u. k. Armee noch gewaltig. 800 Jahre nach der Geburt Rudolfs I. fand mit dem Ende des Ersten Weltkrieges auch das Reich der Habsburger sein Ende.