Der Begriff Künstliche Intelligenz erlebt gerade einen Hype. Entwickler:innen und verschiedene Stakeholder warnen vor großen Risiken des Einsatzes dieser Technik, versprechen aber gleichzeitig Utopisches, wie die Heilung von Krankheiten, die Revolution der Arbeitswelt oder eine Verschmelzung zwischen Menschen und der KI-Technik zu einem hybriden Superwesen.
KI erscheint vielen als neuartige und noch weitgehend unbekannte Technik. Dabei gibt es den Begriff schon viele Jahrzehnte. Und auch die Technik hinter der Künstlichen Intelligenz hat schon eine lange Geschichte, mit einigen Hochs, aber auch vielen Tiefs. Deshalb lohnt ein Blick in die Geschichte der Künstlichen Intelligenz und eine Klärung des Begriffs an sich.
Weitgehend viel Raum nimmt die Debatte von Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf die Arbeitswelt ein, welche Jobs es in Zukunft noch geben wird und welche nicht. Noch wenig öffentliches Augenmerk liegt darauf, welche Auswirkungen die neuen KI-Techniken auf unsere Umwelt und Zusammenleben an sich haben werden, wie wir in Zukunft miteinander kommunizieren wollen und werden und auch darauf, wie Künstliche Intelligenz unsere Mediennutzung und unsere Vorstellungen von Wahrheit beeinflussen wird.
Dabei erscheint es wichtig, Künstliche Intelligenz als eine Technik zu verstehen, die politisch gestalt- und regelbar ist. Und je nachdem, welche Regeln für die KI in Zukunft gelten werden, werden sich auch deren Auswirkungen auf unsere Gesellschaft verändern. Deshalb ist es auch wichtig, sich als Gesellschaft darüber Gedanken zu machen, welche Chancen und Risiken die KI-Technik in sich trägt und welche Ressourcen wir bereitstellen wollen, um diese Technik zu unterstützen oder zu reglementieren.
Dieses Unterrichtspaket beschäftigt sich mit dem Thema Künstliche Intelligenz und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft. Dabei werden unterschiedliche Themenfelder, wie etwa Erinnerungskultur, Medienkompetenz oder Nachhaltigkeit in Zusammenhang mit dem Thema KI beleuchtet.
Dabei wird ein besonderes Augenmerk darauf gelegt, welche unterschiedlichen Chancen und Risiken die Technik der Künstlichen Intelligenz in sich trägt, welche gesellschaftlichen Fähigkeiten wir brauchen, um KI sinnvoll nutzen zu können und welche politischen Regelungen und Gesetze uns bei diesem Prozess unterstützen können.
Weitere Zielsetzungen des Unterrichtspakets sind:
Der Begriff der Künstlichen Intelligenz stammt aus den 1950er Jahren. Im Jahr 1956 wurde er im Zuge einer Konferenz von Wissenschaftler*innen am Dartmouth College (U.S.A.) zum ersten Mal genutzt. Bei dieser Konferenz wollte man herausfinden, wie Maschinen Sprache nutzen und neue Ideen und Konzepte entwickeln, um Menschen dabei zu unterstützen, mittels Computerprogrammen Probleme zu lösen. In Folge der Konferenz wurde KI auch als eine eigene Forschungsdisziplin etabliert.
Der Begriff KI an sich meint allgemein, die Nachahmung von menschlichen Fähigkeiten (wie etwa sprechen, denken oder wahrnehmen) durch Computer-Systeme. Ein zentraler Aspekt bei der heutigen Vorstellung von KI ist auch die Fähigkeit von KI-Systemen selbstständig oder unter Anleitung lernen zu können. Auch deshalb wird in diesem Zusammenhang oft von maschinellem Lernen („machine learning“) gesprochen.
Ein weiterer wichtiger technischer Aspekt sind zudem künstliche neuronale Netze: Spätestens in den 1950er Jahren beginnen Wissenschaftler*innen, Computerprogramme auf eine bestimmte Art und Weise zu trainieren. Künstliche neuronale Netze werden Neuronen im menschlichen Gehirn nachempfunden: Mit künstlichen neuronalen Netzen trainieren Computerprogramme anhand von konkreten Beispielen (z.B. Hundefotos) so lange, bis sie selbst die allgemeinen Merkmale erkennen können („Was zeichnet einen Hund aus?“).
Auch durch die Entwicklung solcher neuronaler Netze entsteht in den 1960er Jahren eine erste Hochphase der Künstlichen Intelligenz, die etwa dazu führte, dass auch der erste KI-Chatbot mit dem Namen ELIZA zu Forschungszwecken entwickelt wird. Er ahmt Gespräche von Psychotherapeut:innen nach. Wenn jemand zum Bot etwas sagt, antwortet der Bot „Eliza“ immer mit einer Frage oder Aufforderung (Beispiel Nutzer:in: „Ich habe ein Problem mit meinem Vater.“ Antwort Chatbot: „Erzählen Sie mir mehr über Ihren Vater.“).
Nach dieser ersten Hochphase der KI folgt Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre ein Niedergang an Erwartungen und Interesse an der Technik der Künstlichen Intelligenz. Diese geschichtliche Phase nennt man „KI-Winter“. Dieser erste Abschwung der KI-Technik hat auch damit zu tun, dass zuvor die Erwartungen an die KI enorm hochgeschraubt werden. So gingen manche Forschende etwa davon aus, dass KI bereits in den 1970er Jahren die Intelligenz eines echten Menschen übertreffen würde. Es folgen eine Reihe von weiteren gesellschaftlichen Hoch- und Tiefphasen, bis vor einigen Jahren die aktuelle Hochphase der KI eingeleitet wird: Im Hintergrund steigt die Rechenleistung, die KI-Systeme nutzen können, stetig und somit die Anwendungsmöglichkeiten der Technik in den unterschiedlichen Bereichen. In Asien gelingt es etwa einer KI im Jahr 2016 etwa das sehr beliebte Brettspiel „Go“ zu erlernen und auch den amtierenden Weltmeister in diesem Spiel zu besiegen.
Im November 2022 veröffentlicht dann die amerikanische Firma OpenAI einen KI-Chatbot mit dem Namen „ChatGPT“. Er zeichnet sich durch eine enorme Nutzerfreundlichkeit aus. User:innen stellen Fragen oder geben dem Chatbot eine Aufgabe und dem System gelingt es, schnell und relativ präzise eine Antwort zu finden.
In der Folge werden eine Vielzahl von KI-Chatbots von anderen großen amerikanischen Firmen, wie „Gemini“ (Google) oder „Copilot“ (Microsoft) entwickelt. Sie sind in der Zwischenzeit um weitere Fähigkeiten abseits der Textausgabe ergänzt worden (etwa die Generierung von Videos und Bildern) und stehen einer breiten Allgemeinheit von Nutzer:innen zur Verfügung.
Einzelarbeit und Kleingruppenarbeit, Reflexion
Material: Zettel, Stifte, Handys bzw. KI-Chatbots
Dauer: 45 bis 60 Minuten
Herunterladen (PDF)Einzelarbeit, Reflexion
Material: Zettel, Stifte
Dauer: 45 bis 60 Minuten
Herunterladen (PDF)
Garri Kasparow gegen Computer Deep-Blue
Falschnachrichten oder neudeutsch Fake-News hat es schon immer gegeben. Bekannt ist etwa der sogenannte „Great Moon Hoax“ aus dem Jahr 1835, im Zuge dessen eine amerikanische Zeitung behauptete, man habe mit einem Teleskop entdeckt, Echsenwesen würden auf dem Mond wohnen. Das war natürlich gelogen und trotzdem oder gerade deswegen verbreitete sich die Nachricht von den Echsenwesen so schnell.
Falschnachrichten hatten und haben immer noch eine Tendenz, sich schneller zu verbreiten, als Nachrichten mit ausschließlich wahrem Informationsgehalt. Zu diesem Schluss kommen unterschiedliche wissenschaftliche Untersuchungen. Und diese gesellschaftliche Bedeutung, deren Popularität und auch die unterschiedlichen Funktionen, die Falschnachrichten haben können, lassen sich anhand einiger historischer Beispiele erkennen: Eines der bekanntesten historischen Beispiele sind die Gerüchte rund um das „Ungeheuer von Loch Ness“. Es handelt sich dabei um ein angebliches Wassermonster, das in einem großen See in Schottland leben solle. Seit Jahrhunderten wird hier nach einem Beleg bzw. einem Beweis gesucht, dass ein Ungeheuer in dieser Region im Wasser wohnt, einen Beweis hierfür gab es nicht. Belegt sind lediglich eine Reihe von Fake-Nachrichten, etwa durch manipulierte Fotos oder Video-Aufnahmen, die unterschiedliche Menschen allein deswegen gemacht haben, um endlich einen Beweis für diese Geschichte zu erbringen. In diesem Zusammenhang zeigt sich eine eher harmlose Funktion von Fake-News: Sie können den menschlichen Wunsch nach faszinierenden Geschichten (Monster im See) erfüllen.
Eine andere Begründung für das Bestehen und die Verbreitung von Falschnachrichten finden wir, wenn wir auf unterschiedliche Arten von Fake-News, Fälschungen und Desinformation in der politischen Sphäre blicken: Im bekannten deutschen Magazin „Stern“ wurden im Jahr 1983 auf einer Pressekonferenz 60 Bände angeblicher privater Tagebücher Adolf Hitlers präsentiert. Die Unterlagen galten damals als Sensation, weil sie eine angebliche alltägliche Ebene von Hitler und dem Nationalsozialismus offenbarten (etwa Tagesabläufe, Geschenke und private Treffen). Die Rechte für die Weiterverwendung verkaufte der Stern in viele andere Länder weiter. Doch schon kurz nach der Präsentation kamen Zweifel an der Echtheit der Unterlagen auf: Und diese Zweifel waren berechtigt: Das Magazin war einer Fälschung aufgesessen. Hinter den Tagebüchern stand der Fälscher Konrad Kujau, ein Kleinkrimineller und Militaria-Händler. Er schrieb die Tagebücher einfach selbst und verkaufte sie gegen eine große Summe Geld an das deutsche Magazin. Der Fälscher und auch ein Reporter des Sterns wurden in der Folge verurteilt. In Deutschland startete eine Diskussion über journalistische Sorgfaltspflichten.
Weiters werden Falschnachrichten direkt von Politiker*innen oder deren Umfeld verbreitet: Hier dienen Fake-News oder auch das Bestreiten von wahren Informationen, dann oft der Begründung der eigenen Agenda oder der Stärkung oder Veränderung der öffentlichen Wahrnehmung von politischen Entscheidungsträger*innen. In Österreich kann hier etwa das Beispiel der „Waldheim-Affäre“ genannt werden (1986).
Auf den großen Social-Media-Plattformen haben Falschnachrichten einen eindeutigen Vorteil im Kampf um unsere Aufmerksamkeit. Die großen digitalen Plattformen wie TikTok, Instagram oder YouTube wollen uns auf den Plattformen halten und das gelingt vor allem über die Art, wie diese Plattformen programmiert sind: Informationen werden nach unseren Vorlieben und unserem digitalen Nutzungsverhalten vorausgewählt, ob eine Information unsere Aufmerksamkeit erhält, ist dabei das stärkere Auswahlkriterium als deren Wahrheitsgehalt (Fake oder nicht).
Durch die breitenwirksame Einführung der KI-Technik können Nachrichten und auch Medieninhalte wie Videos und Fotos (Stichwort „Deepfakes“) mittlerweile ohne großen Aufwand und im Grunde von jedem und jeder selbst erstellt und via Social-Media veröffentlicht werden.
Klein- und Großgruppenarbeit, Brainstorming, Reflexion
Material: Zettel, Stifte, Handys oder andere digitale Endgeräte
Dauer: 30 bis 45 Minuten
Herunterladen (PDF)
Das Ungeheuer vom Toplitzsee
Fälschung der Hitler-Tagebücher
Waldheim-Affäre
Laut Angaben der Firma Meta werden jeden Tag allein auf der Plattform WhatsApp mindestens 100 Milliarden Nachrichten verschickt. Diese Zahl ist ein Beleg von vielen für die hohe Dichte an Nachrichten und Informationen mit denen wir jeden Tag konfrontiert sind. Es stellt sich allgemein die Frage, wie wir mit all den Informationen, die jeden Tag aufs Neue entstehen, umgehen sollen. Mit der neuen Technik der Künstlichen Intelligenz wirken bearbeitete bzw. veränderte Medien-Inhalte noch realistischer und eine Unterscheidung zwischen dem, was wahr und was real ist, wird auch für Experten und Expertinnen noch komplexer.
Zugleich hat die Nutzung von Künstlicher Intelligenz Einfluss auf unser Mediennutzungsverhalten: Immer mehr Menschen nutzen KI-Chatbots wie „ChatGPT“ oder Google Gemini, auch für die Recherche und die Überprüfung von Informationen, anstatt klassische Nachrichtenquellen oder althergebrachte Apps. Und Internetsuchmaschinen zeigen in der Regel automatisch eine KI-generierte Zusammenfassung von Suchergebnissen an, bevor einzelne Suchergebnisse auch präsentiert werden.
Zugleich beginnt die öffentliche und politische Auseinandersetzung um die Regulierung und die Anwendungsbereiche von Künstlicher Intelligenz: Im Jahr 2024 wurde unter anderem von der Europäischen Kommission der sogenannte „AI-Act“ erlassen. Je nachdem, in welchem Bereich KI-Anwendungen eingesetzt werden, müssen keine, wenige oder sehr hohe Auflagen erfüllt werden. Für bestimmte Zwecke, etwa für den Bereich des „Social Scorings“, also die Bewertung des Verhaltens von Menschen, die dann wiederum Auswirkungen auf das spätere Leben hat, ist der Einsatz von KI in der Europäischen Union mittlerweile verboten. Weiters geht es beim AI-Act oft um Ausweis- bzw. um Transparenzpflichten, etwa durch die Kennzeichnung von durch KI-generierten Bildern bzw. Inhalten.
Auch das Thema Datenschutz bzw. Urheberrechte spielt bei der Nutzung von KI-Systemen eine wichtige Rolle. Systeme der Künstlichen Intelligenz zeichnen sich ja unter anderem dadurch aus, anhand einer Unzahl von Daten zu „lernen“ und durch die schiere Anzahl an Daten, die KI-Systeme nutzen auch immer besser und präziser zu werden.
Das wirft die Frage auf, welche Daten von Systemen Künstlicher Intelligenz verwendet werden dürfen und auch, wie wir als Nutzer und Nutzer*innen nachvollziehen können, wie die Künstliche Intelligenz zu ihren Ergebnissen kommt. Hier schließt vielleicht eines der größten Risiken bzw. Kritiken der Verwendung von KI-Systemen an: Die Künstliche Intelligenz als „black box“. Weder für uns als reguläre User*innen, noch für viele Experten und Expertinnen, die in diesem Bereich arbeiten, ist nachvollziehbar, wie Künstliche Intelligenz im Detail arbeitet. Unter dem Schlagwort „Explainable AI“ wird deshalb bereits versucht, Techniken zu entwickeln, die helfen, Entscheidungen von KI-Systemen für Menschen nachvollziehbar zu machen.
Trotz aller neuen Entwicklungen gibt es beim Überprüfen von Inhalten klassische Techniken aus dem Bereich der Medienkompetenz, die uns den Umgang auch mit KI erzeugten Inhalten erleichtern können. Dabei geht es etwa um eine Prüfung der Logik von Informationen, die Frage nach der Seriosität der Informationsquelle oder das Bedenken von psychologischen Faktoren wie etwa dem berühmten „Bestätigungsfehler“ (confirmation bias).
Einzelarbeit, Arbeit im Plenum, Reflexion
Material: Zettel, Stifte
Dauer: 60 bis 90 Minuten
Herunterladen (PDF)Viele Erinnerungen vergessen wir, viele werden gespeichert. Erinnerungen verändern sich im Laufe der Zeit und werden zu Erzählungen, die der Überprüfung nicht immer standhalten.
Neue Erfindungen, die von einer Vielzahl von Menschen genutzt werden, haben immer auch Effekte darauf, wie wir als Gesellschaft zusammenleben. Neue Technik produziert nicht nur neue Inhalte, sondern verändert unser Verhalten.
„KI-Müll“ oder „KI-Schrott“ bezeichnet umgangssprachlich das Phänomen, dass wir alle mit wenig Aufwand Inhalte, etwa Texte, Bilder, Videos oder Fake-Webseiten, die oft minderwertig, nichtssagend oder irreführend sind, in Massen erzeugen können. Insbesondere Social-Media-Plattformen werden aktuell damit geflutet. Damit sollen noch mehr Interaktionen generiert werden. Denkbar wäre aber auch, dass durch den neuen KI-Content das Gegenteil erreicht wird: Menschliche Nutzer*innen verlassen bestimmte Plattformen oder nutzen bestimmte Tools nicht mehr, weil sie sie als nicht authentisch erleben.
Durch die noch weitgehenderen Möglichkeiten von Cybermobbing, etwa durch das Erstellen von Deep-Fake-Pornos ist eine Debatte darüber entstanden, welche gesellschaftlichen Gruppen durch die Anwendung von Künstlicher Intelligenz bevorzugt und welche dadurch benachteiligt werden. Erste Hinweise deuten etwa darauf hin, dass insbesondere Frauen ihr Mediennutzungsverhalten durch das Bestehen von KI-Techniken verändern.
Aktuell rückt zudem das Thema Umweltpolitik in Zusammenhang mit KI vermehrt in den Blick: Die Anwendung von KI-Systemen benötigt analoge Ressourcen. Fortschritt im Bereich der KI ist an die Menge der verarbeiteten Daten und damit an immer größere Rechenzentren geknüpft, die immer mehr Wasser und Strom benötigen.
In Zeiten von Klimawandel und knapper werdenden Ressourcen stellt sich hier die Frage der Notwendigkeit und der Verteilungsgerechtigkeit. Aktuell sorgt etwa ein Fall eines KI-Rechenzentrums in Oberösterreich (Stichwort „Google-Hupf“) für öffentliche Diskussionen.
Eine der am heißesten diskutierten Fragen sind die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf unsere Arbeitswelt. Letztes Jahr wurde etwa ein Fall bekannt, wonach Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Social-Media-Plattform KI-Tools trainieren mussten, um sich in der Folge selbst überflüssig zu machen. Dies ist ein Extrembeispiel, doch bringt es die grundsätzliche Problematik auf den Punkt: KI muss (Stichwort „Datenarbeit“) immer mit Hilfe von Menschen bzw. menschlichen Daten etwas erlernen, um anschließend dieses Wissen selbst anwenden zu können. Die politisch-moralische Frage dazu ist, welches Wissen wir den KI-Anwendungen überhaupt geben wollen? Wo ist es okay, dass KI-Programme selbständig entscheiden und wo soll die Letztentscheidung oder gar der ganze Prozess allein in menschlicher Hand bleiben?
Künstliche Intelligenz wirkt sich auch auf den Bereich des menschlichen Erinnerns bzw. der Erinnerungskultur aus. So sind etwa Gedenkstätten in letzter Zeit immer häufiger mit KI-generierten Bildern zum Thema Holocaust auf diversen Social-Media-Plattformen konfrontiert. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werden abgestellt, um die Plattformen zu durchsuchen und gegebenenfalls eine Löschung von Holocaust-Deepfakes zu beantragen. Einige Expert:innen gehen davon aus, dass auf Social-Media bereits mehr KI-generierte Bilder für die Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs existieren als echte. Andererseits bieten KI-Techniken auch in diesem Feld wieder breite Chancen, nicht nur, wenn es etwa um die Recherche von historischen Daten oder die Digitalisierung von Archiven geht. So wäre etwa eine direkte Begegnung mit Zeitzeug:innen als KI-Avatare ein mögliches neues Feld des Erinnerungslernens. Hier müssen wir uns als Gesellschaft aber wie in allen anderen Bereichen auch die Frage stellen: Wollen wir das? Schließlich sind wir es, die die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für alle neuen Techniken, also auch für die KI vorgeben müssen.
Einzelarbeit, Gruppenarbeit, Reflexion
Material: Zettel, Stifte
Dauer: 60 bis 90 Minuten
Herunterladen (PDF)(Text und Inhalt: Sapere Aude – Patrick Danter, 2026)
Ausstellung Machtübernahme 1938
Ausstellung Flucht und Exil
Digitale Sammlung der Österreichischen Mediathek