The Archivist's Choice

Monatliche Highlights der Mitarbeiter_innen­

 

In der Reihe The Archivist’s Choice erzählen Mitarbeiter_innen der Österreichischen Mediathek monatlich von ihren ganz persönlichen Archiv-Highlights, Aha-Momenten und Lieblingsaufnahmen, die ihnen bei ihrer Arbeit in einem der größten Medienarchive Österreichs begegnen.

Medienarchivar_innen evaluieren, sortieren, schlichten, digitalisieren, katalogisieren, beschreiben, speichern, präsentieren, skartieren – und haben dabei mit überraschenden, einzigarten, besonderen oder auch ganz alltäglichen Aufnahmen zu tun. The Archivist's Choice versammelt einige davon und präsentiert jeden Monat einen neuen und persönlichen Einblick in die Sammlungen der Österreichischen Mediathek.

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Juli 2022

Knoten – der Schwabenklank

­­„… der Knoten ist aus unserem Leben nicht wegzudenken.“ Schnappen Sie sich ein Seil und üben Sie mit uns den Schwabenklank, die Rautekschlinge und den Prusikknoten! Und erfahren Sie, wie begleitendes Archivmaterial uns hilft, mehr über diesen Film zu verstehen.

Marion Jaks beschäftigt sich als digitale Archivarin mit der Langzeitarchivierung von Files, frönt dabei noch immer ihrer Leidenschaft der Videoarchivierung und kann so ihrer Freude an Problemlösungen und technischen Herausforderungen nachgehen.

Der Film zeigt die Erstellung einiger Knoten und erklärt ihre Anwendung. Entstanden ist er 1966 durch eine Zusammenarbeit der Abteilung Wissenschaftlicher Film der Bundesstaatlichen Hauptstelle für Lichtbild und Bildungsfilm, Wien (SHB) mit der Schule für Film und Fernsehen an der Akademie für Musik und darstellende Kunst Wien (heute Filmakademie Wien) unter fachlicher Expertise von Franz Rautek. Dieser ist vor allem als österreichischer Vorreiter des Jiu-Jitsus und Erfinder des „Rautek-Griffs“ zur Rettung bewusstloser Personen bekannt. Die Knotendemonstration ist ein wohl ‚zeitloser‘ Lehrfilm, der auch heute seine Intention erfüllt: Man kann mit ihm Knoten lernen.

Inhaltlich könnte man hier stehen bleiben, doch stellen sich viele Fragen, wenn der Kontext zum Film fehlt. Umfangreiches Material finden wir in den Filmakten des ÖWF, darunter Schriftverkehr und Begleitmaterial rund um die Entstehung, aber auch Informationen zu Vorführungen. Zusätzlich enthält der Akt Broschüren zu „Rautek-Griff“ und „Rautekball“, einer Variation des Federballs.

Kennt man den ÖWF-Filmbestand, fällt auf, dass das Thema „Knoten“ ein eher untypisches war. Auch das findet seinen Ausdruck im Filmakt (C1173). So liest man, dass die Produktion auf Anregung von Franz Rautek passierte und, dass der Film nicht so recht ins inhaltliche Schema der Abteilung passen wollte. Man suchte nach Lösungen, ihn trotzdem zu realisieren.

Dankwart G. Burkert, Leiter der Abteilung Wissenschaftlicher Film, schrieb daher am 19. Jänner 1965 an Prof. Hans Winge von der Filmschule: „Herr Sportlehrer Franz Rautek (...) ist auch Spezialist für Seilknoten und hat vorgeschlagen, über dieses Thema einen Demonstrationsfilm herzustellen. Nun lässt sich dieses Thema schwer in eine wissenschaftliche Fachdisziplin einordnen und darum kaum im Produktionsplan unterbringen. Andererseits erscheint es uns gerechtfertigt, solche speziellen Leistungen eines Österreichers zu dokumentieren.“ Schließlich folgt der Vorschlag, den Film in einer gemeinsamen Produktion mit „Studenten des letzten Jahrgangs“ der Filmschule umzusetzen – was dann auch geschah.

zum Weiterschauen: Helfen und Bergen – Rettungsgriffe nach Rautek aus der Sammlung ÖWF

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Juni 2022

Werbung, die (fast) vergessen ist

­­Dieses Mal ist eine fast vergessene Werbeform mein Archivist’s Choice. Zwischen den zahllosen Jazz- und Swing-Aufnahmen, die der Schellacksammler Günther Schifter der Österreichischen Mediathek übergeben hat, verbirgt sich eine Werbeschallplatte mit dem „C&A Walzer“ und dem „C&A Marsch“. Sie erzählt von der Konsum-, Alltags- und Phonogeschichte der 1930er Jahre.

Christina Linsboth arbeitet unter anderem im Sammlungs- und Webteam der Österreichischen Mediathek und spürt gerne den ‚kleinen‘ und ‚großen‘ Geschichten historischer Objekte nach.

„Ein Kleiderkauf wird immer zum Vergnügen“, singt Erwin Hartung 1936 zu Marschmusik. An „Fritz und seinem Schwager Klaus“ sehe man, wie gut sich Männer kleideten, wenn sie bei C&A kauften. Auf der zweiten Plattenseite heißt es zu Walzermelodie: Wer einen „Formtreu“-Anzug – die Eigenmarke con C&A – trage, sehe chic und gepflegt aus. Hartung, einer der bekanntesten (Schallplatten-)Sänger der 1930er, besingt hier schwungvoll eines der größten Konfektionsunternehmen Deutschlands auf einer von Telefunken produzierten Platte.

00:02:59

C&A Marsch (1936)

00:03:13

C&A Walzer (1936)

Dass Tonaufzeichnungen als Werbemedium genutzt wurden, war nichts grundsätzlich Neues. Schon 1905 pries eine „Reclame-Record“ die Vorzüge des Phonographen an. In den 1930ern waren Werbeaufnahmen für Telefunken ein etabliertes Geschäftsfeld, wie sich am Tonträger selbst ablesen lässt: Die mit „T“ beginnende Nummer zeigt an, dass es sich um eine sogenannte Lohnpressung handelt, die von Telefunken im Auftrag einer anderen Firma hergestellt wurde. Besonders verbreitet waren Werbeschallplatten zwischen den 1950ern und 1970ern, als sie per Wurfsendung, als Warenzugabe oder auch als Zeitschriftenbeilage an den Mann bzw. die Frau gebracht wurden. Sie waren – anders als die C&A-Platte – häufig aus dünnen, unzerbrechlichen Kunststofffolien.

Wie die C&A-Platte in Umlauf kam, lässt sich aus der Aufnahme und den dazugehörigen Informationen nicht erschließen. Das farbig gestaltete Etikett mit dem wiedererkennbaren Schriftzug von C&A lässt vermuten, dass sie als Werbegeschenk und nicht für den Rundfunk gedacht war – zumal das NS-Regime, das in Deutschland seit 1933 an der Macht war, Radiowerbung untersagte. Führt man sich diesen Entstehungszeitraum vor Augen, wird die Heiterkeit, die die Aufnahme vermittelt, konterkariert: Die Telefunken-Manager jüdischer Herkunft waren mit der Machtübernahme entlassen worden und das NS-Regime hatte durch die Nürnberger Gesetze 1935 seinen Antisemitismus juristisch institutionalisiert.

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Mai 2022

Der österreichische Bürgerkrieg 1934 im Radio

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Obwohl ich dieses Tondokument schon oft angehört habe, beschäftigt es mich noch immer: ein direkter sinnlicher Eindruck von den „Februarkämpfen“ 1934, vom Bürgerkrieg in Österreich! Bundeskanzler Dollfuß, seit einem Jahr ohne Parlament regierend, spricht im Radio und fordert die Sozialdemokratie zur Kapitulation auf.

Rainer Hubert kennt die Archibestände aus der Zeit, als er – vor seiner Pensionierung – Mitarbeiter bzw. Leiter der Österreichischen Mediathek gewesen ist.

Eine Tonaufnahme, die aus verschiedenen Gründen „unter die Haut“ geht. Am Höhepunkt des Bürgerkrieges, Mittwoch, 14. Februar, um elf Uhr abends, spricht Bundeskanzler Dollfuß im Radio. Im ganzen Land wird seit dem Vortag gekämpft.

Im ersten Teil der Erklärung stellt Dollfuß Ausbruch und Fortgang des Bürgerkrieges als sozialdemokratischen Aufstand, ausgehend von Linz, dar, ohne allerdings Umstände und Vorgeschichte – vor allem das Ende der parlamentarischen Demokratie ab März 1933 – zu erwähnen.

Er berichtet, dass das Standrecht bereits zweimal angewendet worden sei und fordert – im Clip 2 – die aus seiner Sicht aufständischen Sozialdemokraten zur Kapitulation auf: Morgen, Donnerstag, von 7 Uhr früh bis Mittag, würden diejenigen Pardon erhalten, die sich stellten.

Diese hochemotionale Erklärung inmitten der Ereignisse ist keine Aufnahme der RAVAG, der Rundfunkanstalt, selbst, sondern wurde offenbar von einem privaten Radiohörer mitgeschnitten. Man hört daher das Einstreuen anderer Sender, deren Musikprogramm manche Passagen der Ansprache makaber begleitet.

Nicht nur die Entstehung der Aufnahme ist unklar – wer hat sie durchgeführt, auf Wachsplatte, mittels einer Selbstschnittfolie? –, sondern auch der weitere Weg ist nicht mehr zu rekonstruieren. Sie ist Teil eines Tonbandbestandes, der als „Sammlung Gustav“ unter unklaren Umständen bald nach Gründung der Mediathek (1960) – damals noch Österreichische Phonothek – übernommen wurde. Unbekannt ist daher, wer die Übertragung vom Originalträger auf Tonband vorgenommen hat – und wann.

Interessant und nicht untypisch auch, dass diese Aufnahme, die nur in der Mediathek überliefert wurde, mittlerweile – nach ihrer Digitalisierung - als Digitalisat den Weg in Radiosendungen und ins Internet gefunden hat – nicht immer in abgesprochener Weise. Das ist insofern unbedenklich, als weite Verbreitung wichtiger Dokumente jedenfalls zu begrüßen ist, vor allem, wenn dies in einem erklärenden Kontext erfolgt. Auf lange Sicht ist dabei freilich ein oft übersehener Umstand äußerst wichtig: dass jemand die weitere Überlieferung solcher Dokumente garantieren muss. Das – und Hilfestellung für die notwendige Quellenkritik  bei solchen Dokumenten – ist die Aufgabe von Archiven wie der Österreichischen Mediathek!

00:07:19 [00:00:00 bis 00:03:30]
Engelbert Dollfuß - Rundfunkansprache zum Bürgerkrieg des Februar 1934

Clip 1 (erster Teil der Ansprache)

00:07:19 [00:03:35 bis 00:07:20]
Engelbert Dollfuß - Rundfunkansprache zum Bürgerkrieg des Februar 1934

Clip 2 (zweiter Teil der Ansprache)

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April 2022

Als die Briefe sprechen lernten

Ein Geburtstagsgruß zum 65. Geburtstag des Vaters, aufgenommen auf Wachswalze vor über 120 Jahren ist mein Archivist‘s Choice. Es ist eine der ältesten erhaltenen Privataufnahmen und wird in der Österreichischen Mediathek – nur durch einen Zufall – als Kopie auf Tonband aufbewahrt.

Eva Hallama leitet das Forschungsprojekt SONIME an der Österreichischen Mediathek, in dem analoge Hör- und Sprechbriefe von der Wachswalze und dem Tondraht über die Direktschnittplatte bis zum Tonband und der Kompaktkassette gesammelt und beforscht werden.

Tatsächlich entscheiden Zufälle nicht selten mit, ob historische Quellen der Nachwelt überliefert werden oder nicht. Aber private Quellen, noch dazu von unbekannten Personen, wurden lange Zeit ganz unabhängig von ihrer Überlieferungsgeschichte als nicht bewahrenswert erachtet und sind daher zum Großteil unwiederbringlich verloren. Umso bemerkenswerter ist diese Aufnahme eines historischen Hörbriefs vom 9. Jänner 1900, den der Phonographen-Sammler Bruno Fritscher in einer Radiosendung über „Phonographen, Parlographen und andere Sprechmaschinen“ im Jahr 1986 abspielte. Die Radiosendung wurde von der Phonothek, der Vorläuferin der Österreichischen Mediathek, auf Tonband aufgenommen und archiviert. So ist dieser frühe Brief zumindest in kopierter Form erhalten.

Wir hören Söhne, die ihrem Vater zum 65. Geburtstag gratulieren und ihm ein Ständchen singen. Die Aufnahme zeugt von den Anfängen einer Kulturtechnik, die sich seit über 120 Jahren weiterentwickelt. Ein Massenmedium wie der Tonband-, der Kassettenbrief oder die Sprachaufnahme via Handy-App war die Wachswalze freilich nicht. In bürgerlichen Schichten aber war das Aufsprechen der eigenen Stimme und das Bewahren akustischer Erinnerungen sehr beliebt.

Ein Phonograph schrieb dabei das akustische Signal in die Wachsschicht der Walze ein und war gleichzeitig Wiedergabegerät. Da die Tonspur bei jedem Abspielvorgang durch die Abspielnadel an Qualität verliert, ist das Anhören von historischen Wachswalzen heute nur mehr in Ausnahmefällen möglich. Dieser Geburtstagsgruß ist hingegen erstaunlich gut erhalten. Vermutlich wurde er vom Geburtstagskind, dem Vater der Sprechenden, nicht allzu häufig angehört. Ob er die Liebe der Söhne verschmähte oder das Objekt besonders ehrte, vermag die Tonspur nicht zu erzählen. Bruno Fritscher spielte die Walze, die er wie ein „besonderes Zuckerl und Heiligtum“ hütete, jedenfalls nur sehr, sehr selten.

Weitere Informationen zum Projekt SONIME, das in Kooperation mit dem Phonogrammarchiv mit Co-Projektleiterin Katrin Abromeit durchgeführt wird: https://www.mediathek.at/sonime

00:40:28 [00:34:13 bis 00:35:38]
Die Donauwelle - Phonographen, Parlographen und andere Sprechmaschinen

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März 2022

Eine Burgenländerin in Accra oder eine Ghanaerin in Riedlingsdorf

Dieses Interview ist mein Archivist’s Choice, weil Rosemary Orthner auf herzerwärmende Weise ihre Familiengeschichte zwischen Westafrika und Österreich erzählt. Zudem ist es ein aufnahmetechnisches Zeitdokument des Jahres 2021, denn es wurde online geführt.

Tina Plasil-Laschober liebt Geschichten, in Büchern, im Theater und im richtigen Leben, und darf sich seit über zwölf Jahren in der Oral History-Sammlung MenschenLeben mit Erzählungen und Erinnerungen beschäftigen.

Die Corona-Pandemie ist hart – auch für Oral Historians, die ihren Interviewpartner_innen üblicherweise persönlich begegnen. Der Salzburger Historiker Albert Lichtblau machte aus der Not eine Tugend und führte Interviews via Zoom durch. Der Vorteil: Man kann bequem von zu Hause aus mit Menschen überall auf der Welt sprechen. Der Nachteil: Die Aufnahme klingt metallisch und verzerrt, was sonst nicht den technischen Anforderungen der Sammlung MenschenLeben entspricht.

So verdanken wir der Corona-Pandemie das fast vierstündige Interview mit Rosemary Orthner. Sie lebt in Ghana, ist ehemalige Miss Universe Austria, Architektin und Österreichische Honorarkonsulin in Accra. Sie wurde 1972 in Kumasi geboren, ihre Mutter war Ghanaerin, ihr Vater Burgenländer und Bauunternehmer – blond, mit Bierbauch, wie sie sagt.

Rosemary Orthner ging zunächst auf eine lokale Schule. Dort galt sie als weiß und wurde bevorzugt. Später kam sie auf die Schweizer Schule in Accra und als sie 15 Jahre alt war, zog sie mit Schwester, Bruder und Mutter nach Riedlingsdorf im Burgenland. Sie erinnert sich an eine grobe Reduktion ihres Lebensstandards.

01:39:17 [00:31:28]
Oral History Interview mit Rosemary Orthner (Zoom-Interview), 1. Teil

Rosemary Orthner beschreibt, wie ihr Vater auf seine Arbeiter einging, sie mit Wettbewerben und Spielen dazu brachte, pünktlich und genau zu arbeiten. Diese Ideen konnte sie später nutzen, als sie selbst als Architektin auf Baustellen tätig war. Rosemary Orthner erzählt, wie sie ihren Mann beim Studium in Graz kennenlernte, und wie sie mit Mann und zwei Kindern, aber ohne Geld nach Ghana zurückkehrte. Sie spricht über kulturelle Unterschiede, und dass sie da wie dort als Ausländerin gesehen wird.

zum Weiterhören

02:03:51
Oral History Interview mit Rosemary Orthner (Zoom-Interview), 2. Teil

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Februar 2022

Als Arik Brauer noch Erich Brauer war

Ein Interview am Beginn zweier Karrieren, eines gesellschaftlichen Umbruches und als Paradebeispiel für einen Radiobeitrag des United States Information Services. Für mich macht die junge Stimme Arik Brauers diese Aufnahme besonders.

Anton Hubauer ist ein „Allrounder“ im Team der Mediathek. Vom Publikumsbetrieb, der Katalogisierung, Digitalisierung bis zu den Webausstellungen reicht sein Aufgabenbereich.

Herbert Feuerstein, der aus Zell am See stammende USIS-Reporter, interviewte 1967 einen jungen Maler aus Wien, keinen anderen als Arik Brauer. Doch 1967 lief die Ausstellung in New York, bei deren Vernissage das Interview entstand, noch unter dem Namen Erich Brauer. Gerade begann der Sommer, der als „Summer of Love“ in die Geschichte eingehen sollte und ohne den es 1968 als gesellschaftlichen Wendepunkt so nicht gegeben hätte. Das ist in der Schilderung der Atmosphäre der New Yorker Kunstgalerie und beim Interview zu spüren, ein wenig Aufbruchsstimmung ist zu spüren.

Das United „States Information Service“ wurde 1953 für Public-Information gegründet, also Propaganda im Kalten Krieg. Die USIS produzierte u. a. gratis Radiobeiträge für befreundete Länder, auch Österreich. 2004 kam der Bestand in Kooperation mit der Wienbibliothek an die Österreichische Mediathek und zählt jetzt zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Herbert Feuerstein und Arik Brauer standen im Juni 1967 am Beginn ihrer Karrieren. Herbert Feuerstein sollte in Deutschland ein bekannter Journalist, Kabarettist, Schauspieler und Entertainer werden. Arik Brauer, neben Ernst Fuchs, Rudolf Hausner, Maitre Leherb und Wolfgang Hutter einer der Hauptvertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, änderte seine Passion nicht mehr, aber ab 1971 kam mit seinen Austropop-Erfolgen eine zweite Karriere dazu.

Der „Summer of Love“ ist Geschichte, ebenso der Kalte Krieg, der dieses Interview entstehen ließ. Herbert Feuerstein verstarb im Jahr 2020 und Arik Brauer legte 2021 den Pinsel endgültig nieder.

00:05:31
Ausstellung des Wiener Malers Erich (Arik) Brauer in New York

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Jänner 2022

Ouvertüre aus „Coriolan“

Mein Archivist’s Choice ist Ludwig van Beethoven – Ouvertüre aus „Coriolan“, dirigiert von Erich Kleiber als Ausgangspunkt einer Entdeckungsreise. Anhand dieser einen Einspielung kann man tief eintauchen in die (Kultur-)Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts.

Gabriele Fröschl ist Leiterin der Österreichischen Mediathek und findet, dass es sich lohnt, genauer hinzusehen und hinzuhören um die Geschichte(n) hinter der Aufnahme aufzuspüren.

Am Beginn steht die Schellackplatte. Diese zerbrechlichen Platten – von denen die Österreichische Mediathek zehntausende beherbergt – sind ein faszinierendes Medium. Durch sie war es ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts größeren Kreisen erstmals möglich, zuhause Musik zu hören – ohne ein Instrument beherrschen zu müssen. Das Wohnzimmer wurde zum Konzertsaal und von Beginn an nutzten die bekanntesten Musiker_innen ihrer Zeit die Möglichkeit, ihre Interpretationen auf diese Weise zu verbreiten und zu konservieren – wie hier der Dirigent Erich Kleiber. Die Biografien der Künstler_innen der Schellackära sind oft ein Spiegelbild der Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Erich Kleiber, 1890 in Wien geboren und ab 1923 an der Staatsoper in Berlin tätig, war nicht nur für seine Beethoven- und Wagnerinterpretationen, die auch auf zahlreichen Platteneinspielungen festgehalten wurden, bekannt, sondern auch für seinen Einsatz für moderne Musik. Als deren Verfechter und strikter Gegner des nationalsozialistischen Regimes wurde Kleiber 1935 ins Exil gezwungen. 1950 kehrte er nach Europa zurück, konnte aber nicht mehr an seine einstigen Erfolge anschließen. Die Kulturpolitik der Nachkriegszeit zeigte oftmals wenig Bemühen vertriebene Künstler_innen willkommen zu heißen. Erich Kleiber starb 1956 in Zürich.

Mit dem eingespielten Werk, Beethovens 1807 entstandener Coriolan-Ouvertüre, gelangen wir an einen Aufführungsort im Wien des frühen 19. Jahrhunderts. Am 12. April 1812 erklang die Coriolan-Ouvertüre im sogenannten Streicherhof. Beethoven war mit dem Ehepaar Streicher, das in Wien in der Ungargasse 46 eine der bekanntesten Klaviermanufakturen Europas betrieb, befreundet. Mit regelmäßigen Konzerten im Streicherhof – der heute einem schmucklosen Neubau gewichen ist – förderte das Ehepaar das Wiener Musikleben seiner Zeit.

Und mit der Person des Gnaeus Marcius Coriolanus würden wir dann im Rom des 5. Jahrhunderts vor Christus landen…

00:04:51
Coriolanus-Ouvertüre – 2. Teil

Coriolan-Ouvertüre (zum gleichnamigen Drama von Heinrich Joseph von Collin). Berliner Philharmoniker, Erich Kleiber.

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Dezember 2021

Das österreichische „Wunderteam“ schlägt Ungarn 8 : 2

Ein rares Tondokument, das vor allem die Herzen der Fans des historischen österreichischen Fußballs höherschlagen lässt, gehört auch zu meinen Favoriten. Es lässt einerseits die Dramatik des Spiels und die Begeisterung für das sogenannte „Wunderteam“ erahnen, gibt aber auch einen kleinen Einblick in die Art des Kommentierens.

Robert Pfundner sieht es als Herzensangelegenheit, durch wissenschaftliche Aufarbeitung und als Kurator von Online-Ausstellungen historische AV-Dokumente der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Da es beim 2:2 in Budapest gegen Ungarn im Herbst 1931 zu Zwischenfällen gekommen war, wurde das 70. Fußballländerspiel zwischen Österreich und Ungarn, als „Versöhnungsspiel“ bezeichnet.

Es herrschte herrliches Frühlingswetter an diesem Aprilsonntag in Wien. Das Stadion auf der Hohen Warte war mit etwa 60.000 ausgegebenen Eintrittskarten ausverkauft. Um 17 Uhr erfolgte der Anpfiff für das Länderspiel Österreich–Ungarn, das nach dem Unentschieden im Herbst 1931 in Budapest mit Spannung erwartet wurde. Zudem hatte es seit 1928 keinen Sieg gegen Ungarn gegeben. Für Österreich spielte das „Wunderteam“, wie die Nationalmannschaft nach den Siegen ab Mai 1931 gegen Schottland, Deutschland, die Schweiz und Italien genannt wurde. Die Spiele dieses Teams führten zu einer immensen Beliebtheit des Fußballsports in Österreich, die Zuschauerzahlen schnellten in die Höhe.

Zu hören ist ein Ausschnitt aus der zweiten Halbzeit, die im Radio live übertragen und vom bekannten Radiosprecher Willy Schmieger kommentiert wurde. Die Ungarn spielten gut, trafen aber auf eine brillant agierende österreichische Mannschaft. Matthias Sindelar bot eine herausragende Leistung und war durch einen Hattrick in der ersten Hälfte am Pausenstand von 4:2 maßgeblich beteiligt. Anton Schall schaffte den Hattrick in der zweiten Halbzeit. Das Wunderteam siegte schließlich mit 8:2.

Bemerkenswert ist die Sprache des Sportreporters Willy Schmieger mit seinen Satzkonstruktionen und der lebhaften, eloquenten Schilderung im Radio, aber auch der Umstand, dass es schon damals einen Co-Kommentator gab. Er half, die Geschehnisse zu überblicken und ermahnte in diesem Fall auch, den Sieg nicht vorwegzunehmen. Solche Radioreportagen wurden so gut wie nie aufgezeichnet, umso wertvoller ist diese Rarität. Die Aufnahmemethode des Plattenmitschnitts, pro Seite begrenzt auf etwa 4 bis 5 Minuten, war sehr eingeschränkt, technisch aufwendig und heikel. Das hier gehörte Fußballspiel ist also eines der wenigen erhaltenen frühen Tondokumente des österreichischen Sports.

00:04:18
Das österreichische "Wunderteam" schlägt Ungarn 8 : 2

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November 2021

„Palmyra um 8 Uhr früh..."

Wenn in archivierte Alltagsaufnahmen neue Bedeutungsebenen eingeschrieben werden. Über die dynamische Betrachtungsweise von historischen Medienquellen und das Vergängliche im Archiv.

Johannes Kapeller vermittelt Besucher_innen Archivquellen, vertritt die Leitung der Österreichischen Mediathek und kommuniziert die Archivarbeit nach außen.

Ein Privatvideo aus dem Onlinebestand der Österreichischen Mediathek ist mein Archivist’s Choice, weil es sehr gut zeigt, dass bereits archivierte Aufnahmen einem dynamischen Veränderungsprozess unterworfen sind und ständig neu befragt und gelesen werden können.

Gezeigt wird ein Ausschnitt aus einem Reisevideo eines Wiener Touristen aus dem Jahr 1999. Zu sehen ist ein Videorundblick über die antike Ruinenstadt Palmyra, zu hören sind sowohl der „Livekommentar“ des Filmenden und diverse Hintergrundgeräusche als auch Auszüge aus der deutschsprachigen Touristenführung. Online verfügbar ist ein 4-minüger Ausschnitt aus einer gesamt 4 Stunden dauernden VHS-Aufnahme mit verschiedenen Reisevideos.

Die Aufnahme liefert kulturhistorische Einblicke in die touristische Praxis von Gruppenreisen am Ende des 20. Jahrhunderts und in den individuellen filmischen Zugang von Herrn Böhm, des Herstellers der Aufnahme.
Besondere Bedeutung erhält sie auch dadurch, dass die im Video dokumentierte Anlage im Zuge des Bürgerkrieges in Syrien im Jahr 2015 zerstört wurde und große Teile heute nicht mehr existieren. Zudem finden derartige Gruppenreisen derzeit coronabedingt nicht (mehr) statt, wodurch die Aufnahme eine weitere ‚historische‘ Bedeutungsebene erhält.

Alltagsaufnahmen wie diese können –  bei genauerem Blick –  als vielschichtige Dokumente an der Schnittstelle zwischen öffentlich und privat gelesen werden, in die nicht nur historische, sondern auch erst nach der Aufnahme geschehene Ereignisse „eingeschrieben“ werden.

Die Videoaufnahme des zerstörten Palmyra verstärkt möglicherweise die Trauer um den Verlust dieses kulturellen Zeugnisses, indem sie die Abwesenheit des früher Vorhandenen noch mehr ins Bewusstsein rückt. Auf längere Sicht bieten archivarisch überlieferte Medienquellen und das Wissen um das, was einmal war und vielleicht nicht mehr ist, eine dauerhafte Möglichkeit für neue Interpretationen und sind damit eine große Bereicherung für unsere Gegenwart.

Das Video ist Teil einer Sammlung, die im Zuge des Forschungsprojektes „Wiener Video Rekorder“ von der Österreichischen Mediathek archiviert wurde. Zusatzmaterial über den Inhalt der Sammlung wird in der Mediathek ebenso digital gesichert, wie ein Audiointerview mit dem Übergeber und Videoproduzenten, in dem er über seine Aufnahmetätigkeit spricht.

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Oktober 2021

Ein Obstdörrgerät auf Abwegen?

Über die Möglichkeiten Archivgut zu retten anhand einer Aufnahme der Salzburger Festspiele. Wie mit einfachen Mitteln die audiovisuellen Inhalte von Datenträgern bewahrt werden und warum gerade ein Haushaltsgerät zu meinem persönlichen Archivhighlight wurde.

Stefan Kaltseis versucht durch seine Digitalisierungsarbeit in der Österreichischen Mediathek, verlorengeglaubte Schätze wieder zu Gehör zu bringen.

In der Österreichischen Mediathek gibt es ein „Dörrkammerl“.

„Soll das ein Witz sein?“, wurde ich gefragt. „Für Äpfel und Birnen?“

Aber die kann man doch nicht verwechseln, oder etwa doch?

Öffnet man die Tür zu diesem Raum, dringt einem – bei äußerst warmen Temperaturen – sogleich der Geruch von erhitztem Kunststoff in die Nase. Nicht penetrant, dennoch wahrnehmbar. Es riecht nach alten Dingen. Dann der Blick auf Obstdörrgeräte, fünf an der Zahl. Sie surren leise vor sich hin, auf drei Ebenen pro Gerät liegen - Äpfel und Birnen? – übereinander.

Eine nähere Betrachtung, das Heben des Kunststoffdeckels macht den Inhalt sichtbar: Magnettonbänder, die durch die auf 60 Grad erhitzte, von unten aufsteigende Luft für vier Stunden vor sich hin „dörren“. Aber keine Sorge, sie werden dadurch nicht zerstört, im Gegenteil, sie tun danach wieder das, was ihnen aufgrund eines chemischen Prozesses vorher nicht mehr möglich war: Sie lassen sich wieder abspielen.

Sticky Shed Syndrome heißt dieses Phänomen in der Sprache von Medienarchivar_innen. Wenn sich nämlich das Bindemittel zwischen Trägerschicht und dem magnetisierten Teil eines Tonbandes auflöst, kann das Band nicht ohne erheblichen Schaden an Aufnahme und Abspielgerät wiedergegeben werden.

Eine Aufnahme aus dem Archiv der Salzburger Festspiele war erst kürzlich davon betroffen. Wir dörrten das Band vor der Digitalisierung. Nun kann man sich Mozarts Nozze wieder anhören, digital. Der Mitschnitt einer Aufnahme aus dem Festspielsommer 1937. Bruno Walter dirigierte die Wiener Philharmoniker, ehe er bald darauf, von den Nationalsozialisten vertrieben, in die Vereinigten Staaten emigrieren musste.

Äpfel und Birnen kann man verwechseln. Mit Magnettonbändern. In Obstdörrgeräten, wenn diese in einem audiovisuellen Archiv der Bestandssicherung dienen.

00:28:20

Le nozze di Figaro - 1. Teil (1937)

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September 2021

H. C. Artmann – Manifest bevor Österreich bewaffnet wurde

H. C. Artmann (1921–2000) liest im März 1984 „etwas ganz Historisches“, wie er selbst sagt: sein „Manifest“, mit dem er fast dreißig Jahre zuvor und damit zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gegen die Wiedereinführung eines Bundesheeres in Österreich heftig protestiert hat – literarisch und pointiert. An der Aufnahme erscheint mir auch die Intermedialität besonders spannend.

Peter Ploteny vertieft sich unter anderem in die rechtlichen Möglichkeiten der Verwendung von audiovisuellen Medien.

00:03:26

H. C. Artmann liest: Manifest bevor Österreich bewaffnet wurde (1984)

Bekannt für seinen eindrucksvollen Vortragsstil und zur Freude des Publikums erinnert sich der Autor außerdem launisch an die Begleitumstände einer Protestveranstaltung, die nur wenige Tage nach Unterzeichnung des Österreichischen Staatsvertrags im Mai 1955 stattfand. Mit sechs Gleichgesinnten spazierte er „mit Transparenten bewaffnet“ durch die Wiener Innenstadt zum Stephansdom, wo vier von ihnen vorübergehend von der Polizei festgenommen wurden. Artmann zitiert dazu auch den nebenstehenden Artikel aus der Wiener Zeitung, an dessen Diktion die Einstellung mancher Medien zur damaligen künstlerischen Avantgarde erkennbar wird.

Den Rahmen der Lesung bildete die Literaturveranstaltung "Frieden schreiben – Frieden tun" im Wiener Künstlerhaus, die vom Kunstverein Wien gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Literatur veranstaltet wurde. Erhalten hat sich die unverkennbare Stimme von H.C. Artmann, weil die Österreichische Mediathek – damals Phonothek – die Lesung auf Tonband aufnahm. Sie ist mittlerweile gemeinsam mit tausenden Audio-Eigenaufnahmen Teil des nationalen österreichischen Dokumentenerberegisters „Memory of Austria“ der UNESCO.

zum Weiterhören: Aufnahmen mit H. C. Artmann – darunter auch die gesamte Autorenlesung vom 6. März 1984

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August 2021

Bäuerliches Brotbacken in Zell am Moos

In Zeiten von Pandemie und Lockdown hat das Thema des Films „Brotbacken“ überraschend an Aktualität gewonnen. Viele entdeckten das Brotbacken an ihren E-Herden neu. Doch wie sah der Alltag des Brotbackens in früheren Zeiten aus – ohne E-Herd oder Küchenmaschine?

Marion Jaks, Medienarchivarin an der Österreichischen Mediathek, beschäftigt sich mit den Tiefen der Videoarchivierung und kann so ihrer Freude an Problemlösungen und technischen Herausforderungen nachgehen.

Die Sammlung des Österreichischen Bundesinstituts für den wissenschaftlichen Film (ÖWF) ist eine, die mir besonders ans Herz gewachsen ist. Oft entdecke ich Filme aus diesem Bestand immer wieder neu – in unterschiedlichen Arbeitskontexten tauchen sie nach Jahren wie alte Bekannte wieder auf. So auch dieser Film.

Ich habe ihn ausgewählt, weil er ein ‚leiser‘ Film ist, bei dem es nicht um große wissenschaftliche Entdeckungen oder große historische Momente geht. Dieser Film dokumentiert ein Stück Alltag und ermöglicht das Eintauchen in eine fremde, vergangene Lebenswelt – in eine Zeit, in der bereits das Brotbacken an den Höfen begann, unüblich zu werden und zunehmend beim Bäcker gekauft wurde. Ein Moment, der aus Sicht der volkskundlichen Forschung genutzt werden musste, um eine Praxis für die Nachwelt festzuhalten, bevor sie verschwindet – wie auch am Begleittext deutlich wird.

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Juli 2021

Victor Gruen, Venedig und das Wiener Kaffeehaus

Ein sechzig Jahre altes Interview und trotzdem aktuell? Die Radiosendung mit Victor Gruen, dem „Vater des Einkaufszentrums“, ist mein Archivist’s Choice, weil sie beides zugleich ist. Die Aufnahme dauert zwar nur wenige Minuten, ist aber so vielschichtig, dass man bei jedem Anhören einen neuen Aspekt entdeckt.

Christina Linsboth, hört gerne Historisches, kümmert sich als Medienarchivarin um die Gegenwart und Zukunft von Vergangenem

Im Gespräch mit Victor Gruen werden städtebauliche, verkehrspolitische und sozioökonomische Aspekte thematisiert, die auch heute (wieder) diskutiert werden. Gleichzeitig ist die Aufnahme ein historisches Dokument – erkennbar etwa an der Gestaltung, der Sprachmelodie oder dem Begriff der „Hausfrau“.

00:13:45

Einkaufszentren in den USA – Interview mit Victor Gruen (1962)

Als historisches Dokument erzählt der Beitrag einen mehrfachen Kulturtransfer: Für Gruen, der vor den Nationalsozialisten fliehen musste und dem man sein Wiener Idiom deutlich anhört, waren Einkaufszentren der Versuch, europäische Innenstädte in der US-amerikanischen Vorstadt zu imitieren – mit kurzen Fußwegen, mit vielfältigen Konsum-, Erholungs- und Begegnungsmöglichkeiten und mit so etwas wie einem Kaffeehaus. Gewiss hatte er dabei seine Geburtsstadt Wien im Kopf.

Die USIA transportierte mit Sendungen wie dieser mehr oder weniger unterschwellig eine Vorstellung des american way of life. Einleitend bemerkte der Sprecher etwa, dass ein Einkaufszentrum eine Stadt am Rande der Stadt sei, in der zwar niemand wohne, in der aber jeder alles einkaufen könne – alles in allem ein „höchst seltsame[s]“ Phänomen. Anfang der 1960er Jahre, also am Beginn der Massenkonsumgesellschaft, war diese heute so alltägliche Einkaufspraxis zumindest für Europäer_innen offensichtlich noch erklärungsbedürftig.

Paradoxerweise sollte das Shopping Center schon bald zum Vorbild für europäische Städte werden –  eine Entwicklung, die der 1968 nach Wien zurückgekehrte Architekt vehement ablehnte, da sie seine städtebaulichen Vorstellungen konterkarierte. Das erste Einkaufszentrum Österreichs wurde übrigens 1976 im Süden Wiens eröffnet – als sich Victor Gruen bereits mit Fußgängerzonen und verkehrsberuhigten Innenstädten auseinandersetzte.

zum Weiterlesen

Anette Baldauf (Hg): Victor Gruen. Shopping Town. Memoiren eines Stadtplaners (1903-1980), Wien u.a. 2014.
Victoria de Grazia: Das unwiderstehliche Imperium. Amerikas Siegeszug im Europa des 20. Jahrhunderts, Stuttgart 2010.
Victor Gruen im WienGeschichteWiki

zum Weiterhören

01:38:46

„Das Dorf das eine City hat“ – Stadtporträt Vösendorf (2001)