Flucht, Migration & Mobilität – Geschichten der Bewegung

Als Teil einer mobilen Gesellschaft gehört es für uns selbstverständlich zum Alltag, unterwegs zu sein. Nicht nur Urlaube und Reisen, sondern auch Ausbildung, Arbeit, Familie und persönliche Lebensentscheidungen führen Menschen oft zu neuen Orten und in andere Länder. Gleichzeitig ist Mobilität weltweit sehr ungleich verteilt: Während manche Menschen relativ frei reisen können, sind andere durch Armut, fehlende Dokumente, politische Grenzen, Visa-Regeln oder Diskriminierung stark eingeschränkt. Durch Globalisierung, digitale Kommunikation und internationale Verkehrsnetze ist es vielen Menschen leichter möglich geworden, Kontakte über weite Entfernungen zu pflegen und sich über andere Lebensorte zu informieren. Diese Möglichkeiten bedeuten aber nicht, dass alle Menschen dieselben Chancen haben, sich frei und sicher zu bewegen. Mobil ist die Menschheit nicht nur im Zusammenhang mit Urlaub und Freizeit. Viele Personen wandern aus, weil sie Arbeit suchen, studieren möchten, Familienangehörige wiedersehen wollen oder sich bessere Lebenschancen erhoffen. Aufgrund von Krieg, Verfolgung, Diskriminierung, Gewalt, politischer Unterdrückung und Umweltkatastrophen sind viele Menschen aber auch unfreiwillig gezwungen, ihren Lebensmittelpunkt zu verlassen. Flucht und Migration sind daher nicht nur historische Themen, sondern zentrale Fragen der Gegenwart: Sie betreffen Menschenrechte, politische Entscheidungen, soziale Ungleichheit und den Umgang einer Gesellschaft mit Vielfalt.
Die Gründe, warum Menschen ihre Heimat verlassen, sind vielfältig. Oft wirken mehrere Ursachen zusammen. Es ist daher schwierig, eindeutig zwischen „freiwilliger“ und „unfreiwilliger“ Migration zu unterscheiden, weil Lebensentscheidungen häufig unter starkem Druck getroffen werden. Gemeinsam ist vielen Migrationsgeschichten, dass sie mit großen Veränderungen, Unsicherheiten und Hoffnungen verbunden sind. Viele Menschen hängen an ihrer Heimat, an vertrauten Orten, Sprachen, Beziehungen und Erinnerungen. Wer geht, lässt meist nicht einfach „alles zurück“, sondern nimmt Erfahrungen, Wissen, Familiengeschichten, Sprachen und kulturelle Prägungen mit.

 

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Die Lebensgeschichten und Erzählungen von Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten oder wollten, stehen im Zentrum dieses Unterrichtspakets. Anhand dieser Geschichten analysieren die Schüler:innen, warum Menschen ihr Herkunftsland oder ihren Wohnort verlassen, und lernen unterschiedliche Migrations- und Fluchtgründe kennen. Neben politischen und wirtschaftlichen Ursachen werden auch persönliche Erfahrungen sichtbar: Unsicherheit, Hoffnung, Verlust, Neuanfang und die Frage, was „Heimat“ bedeutet. Die Schüler:innen erforschen die Migrationsgeschichte ihrer eigenen Familie oder ihres Umfelds auf freiwilliger Basis und sensibel gegenüber unterschiedlichen Erfahrungen, und reflektieren, was es bedeutet, den Heimatort zu verlassen. Grundlegende Begriffe rund um Migration, Flucht und Asyl werden geklärt. Ebenso wird thematisiert, wie Staaten Mobilität kontrollieren und wie Medien, Politik und öffentliche Debatten unser Bild von Migration prägen. Interviews, Statistiken, Karten, Medienberichte, politische Reden oder persönliche Erinnerungen können dabei als historische und politische Quellen analysiert werden.

Verschiedene Mikrofontypen (Symbolbild) ©
Verschiedene Mikrofontypen (Symbolbild)

1. Flucht und Migration

Mit der zunehmenden Globalisierung verändern viele Menschen weltweit ihren Wohnsitz und migrieren. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Nach Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration lebten zuletzt rund 281 Millionen Menschen in einem anderen Land als ihrem Geburtsland. Das entspricht etwa 3,6 Prozent der Weltbevölkerung. Viele Menschen verlassen ihre Heimat nicht freiwillig. Krieg, bewaffnete Konflikte, politische Verfolgung, Menschenrechtsverletzungen und Gewalt zählen weltweit zu den wichtigsten Fluchtursachen. Oft erfolgt Flucht plötzlich und überstürzt, weil das Leben unmittelbar in Gefahr ist.

Viele Menschen müssen ihre Heimat auch verlassen, weil sie aufgrund ihrer politischen Meinung, Herkunft, Religion, sexuellen Orientierung, Geschlechtsidentität, Zugehörigkeit zu einer Minderheit, Behinderung oder ihres Aussehens diskriminiert, bedroht oder verfolgt werden. Diskriminierung, Verfolgung und körperliche Gewalt können nicht nur von Staaten ausgehen, sondern auch von bewaffneten Gruppen, Milizen oder terroristischen Organisationen. Beispiele dafür sind die Gewalt des sogenannten „Islamischen Staates“ in Syrien und im Irak, die Verbrechen von „Boko Haram“ in Nigeria oder die Herrschaft der Taliban in Afghanistan. Verantwortlich dafür sind konkrete politische und militärische Organisationen und nicht ganze Bevölkerungsgruppen oder Religionen. Menschen, deren Freiheit, Gesundheit oder Leben unmittelbar bedroht ist, werden zu Flüchtlingen. Nach der Genfer Flüchtlingskonvention gilt als Flüchtling eine Person, die ihr Herkunftsland verlassen musste, weil sie dort verfolgt wird und keinen ausreichenden Schutz erhält.

Es gibt aber auch andere Gründe, warum Menschen ihre Heimat verlassen: weil sie auf der Suche nach Arbeit sind, im Ausland studieren möchten, dort Familienangehörige oder Freund:innen leben, sie eine Ausbildung beginnen oder neue Lebensperspektiven entwickeln wollen. In diesen Fällen sprechen wir allgemein von Migration. Migrant:innen sind Menschen, die ihren Lebensmittelpunkt für längere Zeit verlagern. Dieser Begriff sagt noch nichts darüber aus, ob die Entscheidung freiwillig, erzwungen oder durch schwierige Lebensumstände beeinflusst war. Die Geschichte zeigt, dass es weltweite Wanderungen in großem Ausmaß immer schon gegeben hat. Wann immer sich Lebensbedingungen so stark veränderten, dass Sicherheit, Nahrung, Arbeit oder Zukunftsperspektiven nicht mehr gesichert waren, machten sich Menschen auf den Weg – auf der Suche nach Orten, die bessere Lebensbedingungen boten oder versprachen.

Im Alltag werden Begriffe wie Flüchtling, Migrant:in, Asylwerber:in oder Ausländer:in oft vermischt. Eine asylwerbende Person hat in einem anderen Staat um Schutz angesucht, über diesen Antrag wurde aber noch nicht endgültig entschieden. Wird der Antrag anerkannt, erhält die Person Schutzstatus. Mehrdeutige oder abwertende Bezeichnungen wie „Wirtschaftsflüchtling“ werden in politischen Debatten häufig verwendet, um Menschen abzuwerten oder ihre Gründe für Migration als weniger berechtigt darzustellen. Die Grenzen zwischen Flucht, Armut, Klimakrise, Krieg, familiären Gründen und Arbeitsmigration sind in der Realität oft nicht klar voneinander zu trennen. Gemeinsam ist den betroffenen Menschen die Hoffnung, anderswo Sicherheit und ein besseres Leben zu finden.

Es gibt aber auch andere Gründe, wieso Menschen ihre Heimat verlassen: Weil sie auf der Suche nach Arbeit sind, im Ausland studieren möchten oder dort Familienangehörige oder Freunde leben. In diesen Fällen sprechen wir von Migration. Migrantinnen und Migranten werden in ihrer Heimat nicht verfolgt und könnten wieder in ihre Heimat zurückkehren. Die Geschichte zeigt, dass es weltweite Wanderungen in großem Ausmaß immer schon gegeben hat. Wann immer sich die Lebensbedingungen der Menschen so sehr verändert hatten, dass eine Sicherstellung der elementaren Bedürfnisse auf Dauer nicht mehr gegeben war, machten sie sich in großer Zahl auf den Weg – auf der Suche nach Orten, die bessere Lebensbedingungen aufwiesen oder versprachen.

Im Alltag werden Begriffe wie Flüchtling, MigrantIn oder AsylwerberIn oft vermischt und mehrdeutige Bezeichnungen wie „Wirtschaftsflüchtling“ politisch instrumentalisiert. In vielen Fällen verschwimmen die Grenzen, doch gemeinsam ist den betroffenen Menschen, dass sie die Hoffnung haben, anderswo ein besseres und lebenswertes Leben zu finden.

Arbeitsblatt 1: Einzelarbeit, Recherche, Glossar

Recherchieren Sie, was unter folgenden Begriffen gemeint ist und notieren Sie sich jeweils einen möglichen Grund für das Verlassen der Heimat!

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2. Was veranlasst Menschen zum Verlassen ihrer Heimat?

Allgemein ist unter Migration eine längerfristige Verlagerung des Lebensmittelpunktes von Individuen oder Gruppen zu verstehen, unabhängig davon, ob dieser Wechsel freiwillig, notwendig oder erzwungen erfolgt. Prinzipiell ist zwischen Binnenmigration – dem Wohnortwechsel innerhalb eines Staates – und internationaler, also grenzüberschreitender Migration zu unterscheiden. Weltweit fliehen viele Menschen nicht über Staatsgrenzen hinweg, sondern bleiben innerhalb ihres eigenen Landes. Sie werden als Binnenvertriebene bezeichnet. Doch auch innerhalb einer Stadt kann es passieren, dass Menschen fliehen müssen, wenn zum Beispiel eine Person vor Gewalt Schutz sucht. Flucht bedeutet daher nicht immer eine internationale Grenzüberquerung.

Bei der Frage nach Migrationsmotiven wird häufig zwischen Push- und Pull-Faktoren unterschieden. Damit sind Gründe gemeint, die Menschen aus einem Herkunftsort wegdrängen, und Gründe, die einen Zielort anziehend erscheinen lassen. Als Push-Faktoren werden Umstände bezeichnet, die im Herkunftsland oder Herkunftsort Migrationsdruck entstehen lassen, etwa instabile politische Verhältnisse, Krieg, Verfolgung, schlechte Arbeitsmarktchancen, Armut, fehlende Bildungschancen, widrige Lebensbedingungen, Diskriminierung oder Umweltzerstörung. Pull-Faktoren hingegen beschreiben die Attraktivität eines möglichen Zielortes, etwa bessere Arbeitsmarkt- oder Ausbildungschancen, ein höheres Lohnniveau, Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung, politische Stabilität, Sicherheit oder bereits vorhandene familiäre und soziale Netzwerke.

In der Regel entstehen Migrationsprozesse nicht durch einen einzelnen Faktor, sondern durch eine Kombination verschiedener Push- und Pull-Faktoren. Entscheidungen über Migration entstehen häufig unter schwierigen Bedingungen und mit begrenzten Möglichkeiten. Geld, Kontakte, Sprache, rechtliche Bestimmungen und Grenzkontrollen beeinflussen wesentlich, ob Menschen migrieren können oder nicht. Migration wurde lange Zeit als Einbahnstraße verstanden, die vom Herkunftsland in das Aufnahmeland führt und nicht mehr zurück. Heute ermöglichen moderne Kommunikationsmedien, soziale Netzwerke und gesunkene Reisekosten vielen Migrant:innen, Beziehungen zum Herkunftsland weiter zu pflegen. Viele Menschen leben heute transnational: Sie fühlen sich mehreren Orten verbunden, sprechen mehrere Sprachen und halten familiäre, kulturelle oder wirtschaftliche Beziehungen über Grenzen hinweg aufrecht.

Arbeitsblatt 2: Einzelarbeit, Push- und Pull-Faktoren

Ordnen Sie die aufgelisteten Gründe den beiden Seiten des Modells (Push- und Pull-Faktoren) zu und ergänzen Sie eigene weitere mögliche Migrationsgründe (z. B. Liebe)!

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Arbeitsblatt 3: Einzelarbeit, Persönliche Reflexion

Beantworten Sie unter anderem folgende Fragen: Was wäre für Sie persönlich ein Grund, aus Ihrer Heimat zu fliehen? Wohin würden Sie gehen? Was würden Sie mitnehmen? Was würden Sie am meisten vermissen?

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00:29:50 audio
Fluchtbewegung aus Vietnam

Über Flüchtlinge aus Vietnam, Boat-People und das Rettungsschniff Cap Anamur. Von Tag zu Tag. Ö1-Sendung vom 28. August 1987

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<p>Vietnamesische Flüchtlinge werden gerettet</p>

Vietnamesische Flüchtlinge werden gerettet

3. Die GRENZE und staatliche Kontrolle

Zu allen historischen Zeiten und fast überall hat es Wanderbewegungen von Menschen über Grenzen gegeben. Eine umfassende staatliche Migrationskontrolle ist jedoch aus historisch vergleichender Sicht ein relativ junges Phänomen. Bis zur allgemeinen Einführung von Reisepässen im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg hatten europäische Staaten deutlich weniger administrative Kapazitäten und technische Mittel zur Erfassung und Regulierung von Personenbewegungen über ihre Grenzen. Das Menschenrecht auf Bewegungsfreiheit innerhalb eines Staates und auf Ausreise aus einem Land ist in Artikel 13 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgehalten. Gleichzeitig entscheiden Staaten darüber, wer einreisen, bleiben oder arbeiten darf. Dadurch entsteht ein Spannungsverhältnis zwischen Menschenrechten und staatlicher Kontrolle von Grenzen.

Konstitutiv für Migration sind politische Grenzen, weil sie Migration von allgemeiner Mobilität unterscheiden: Mobilität verwandelt sich in Migration, wenn sie durch eine politische Grenze strukturiert wird. Grenzen zeigen sich nicht nur als Linien auf Karten, sondern auch in Pässen, Visa, Aufenthaltsgenehmigungen, Grenzkontrollen und gesetzlichen Regelungen.

Intensive Kontrollen an Grenzübergängen sowie neu errichtete Grenzzäune und Grenzanlagen prägen inzwischen auch die Grenzen zwischen einzelnen europäischen Staaten. Strenge Kontrollen, Grenzzäune, Mauern, Kameras, Drohnen und weitere Restriktionen, die den Zugang zu einem Territorium regulieren sollen, beschränken sich aber nicht nur auf Europa. Die USA haben ihre Grenze zu Mexiko seit Jahrzehnten stark ausgebaut, wobei der weitere Ausbau der Grenzmauer ein zentrales Wahlversprechen von Donald Trump war. Die Türkei errichtete Grenzanlagen an der syrischen Grenze und baute Befestigungen an der Grenze zum Iran, und auch viele andere Staaten sichern Grenzen zunehmend technisch und militärisch ab. Solche Maßnahmen werden häufig mit Sicherheit, Kontrolle und Schutz nationaler Interessen begründet. Kritiker:innen weisen hingegen darauf hin, dass dadurch Fluchtwege gefährlicher werden und das Recht auf Asyl eingeschränkt werden kann.

Diese Entwicklungen stehen im Gegensatz zu der Idee einer weitgehend grenzenlosen Welt, von der nach dem Fall der Berliner Mauer und des Eisernen Vorhangs in Europa lange gesprochen wurde. Während das Niederreißen von Grenzzäunen, der Abzug von Grenzbeamt:innen und der freie Personenverkehr innerhalb des Schengen-Raums lange als bedeutende Schritte europäischer Einigung galten, erzeugten Fluchtbewegungen seit 2015 in vielen europäischen Gesellschaften auch Angst, Verunsicherung und politische Konflikte. Migration wird dabei häufig politisch genutzt und unterschiedlich dargestellt. Medien, Parteien und Regierungen verwenden oft verschiedene Begriffe und Deutungen, die Einfluss darauf haben, wie Menschen Migration wahrnehmen. Aus globaler Perspektive zeigt sich eine zunehmende Spannung zwischen internationaler Zusammenarbeit, Menschenrechten und nationalstaatlicher Kontrolle.

Arbeitsblatt 4: Recherche, Familie, Herkunft

Im Gespräch mit Ihren Eltern, Großeltern und Verwandten sollen Sie folgenden Fragen beantworten: An welchen Orten sind Ihre Eltern, Großeltern und, wenn Sie es herausfinden können, Ihre Urgroßeltern geboren? Sind Personen aus Ihrem Familien- und Verwandtenkreis wo anders hingezogen? Welche Ursachen gab es für den Wechsel des Lebensmittelpunktes?

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00:03:33 audio
Eiserner Vorhang: Zwischenfall an der Grenze

1972: Zwischenfall an der tschechisch-österreichischen Grenze bei Drasenhofen: ein blutiger Mann wird über die österreichische Grenze in die ČSSR geschleppt.

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<p>Der Eiserne Vorhang</p> ©

Der Eiserne Vorhang

00:03:24 audio
Eiserner Vorhang

Erinnerungen: 1989 – Das Ende des Eisernen Vorhangs

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4. GESCHICHTEn der Migration, Mobilität und Flucht

Nach Angaben des UNHCR, des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen, waren Ende 2024 weltweit rund 123,2 Millionen Menschen aufgrund von Verfolgung, Konflikten, Gewalt, Menschenrechtsverletzungen oder Ereignissen, die die öffentliche Ordnung schwer stören, gewaltsam vertrieben. Zur Jahresmitte 2025 lag die Zahl laut UNHCR bei rund 117,3 Millionen Menschen. Diese Zahlen zeigen, dass Flucht ein weltweites und dauerhaftes Thema ist.

In den letzten Jahren hat sich nicht nur die Charakteristik von Migration, sondern vor allem ihre Wahrnehmung in der Öffentlichkeit und der politische Diskurs darüber stark verändert. Das ist bemerkenswert, weil Österreich in den letzten Jahrzehnten mehrere bedeutende Migrationsbewegungen erlebt hat: die Aufnahme von Flüchtlingen während der Ungarn-Krise 1956, die Anwerbung sogenannter Gastarbeiter:innen in den 1960er und 1970er Jahren, die Transitmigration politischer Flüchtlinge im Kalten Krieg, den Fall des Eisernen Vorhangs, die Aufnahme von Menschen während der Kriege im ehemaligen Jugoslawien in den 1990er Jahren sowie die Personenfreizügigkeit innerhalb der Europäischen Union, besonders seit der EU-Osterweiterung 2004. Auch die Fluchtbewegungen seit 2015 sowie die Aufnahme vieler Menschen aus der Ukraine seit 2022 zeigen, dass Österreich seit Langem von Migration geprägt ist.

„Flüchtling“, „Migrant:in“ oder „Ausländer:in“ sind keine abstrakten Begriffe. Dahinter stehen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Erinnerungen, Fähigkeiten, Verlusten und Hoffnungen. Persönliche Erzählungen und Interviews machen sichtbar, wie Menschen Flucht, Migration, Ankommen, Ausgrenzung oder Zugehörigkeit erleben. Gleichzeitig zeigen sie, dass Migrationserfahrungen sehr unterschiedlich sein können und nicht alle Menschen dieselben Möglichkeiten oder Lebensbedingungen haben. Interviews, Erinnerungen, Medienberichte oder politische Reden können dabei als historische Quellen untersucht und miteinander verglichen werden. Dadurch wird sichtbar, wie unterschiedlich Migration dargestellt, erinnert und politisch bewertet wird.

 

01:05:01 (00:48:00) audio
Anwerbung von Gastarbeitern in Istanbul

Durch das Nachtarbeitverbot für Frauen gibt es in Betrieben Nachfrage nach Arbeitern.

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<p>Familie aus der Türkei</p>

Familie aus der Türkei

00:05:07 audio
1939 – Flucht nach Palästina

Erinnerungen an die Flucht als Kind aus Österreich

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00:02:12 video

1974: Jugoslawische Gastarbeiter in der Wiener Stadthalle - und in der Energiekrise 1974

00:02:45 audio
Gastarbeiter aus der Türkei

1972 – Als Gastarbeiter in Wien

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5. Interviewanalyse - OH-Beispieltöne

Arbeitsblatt 5: Interviewanalyse

Suchen Sie sich eines der folgenden Oral-History-Interviews aus und notieren Sie alle Aspekte, die auf die Themen Mobilität, Migration und Flucht verweisen! Folgende Impulsfragen können Ihnen beim Sammeln der Informationen helfen: Woher stammt die Person aus dem Interview? Warum hat sie ihre Heimat verlassen? Wie waren die Reise- oder Flucht-Umstände? Wie sind die Lebensumstände in der neuen Heimat? Gab es besondere Schwierigkeiten? Fühlt er/sie sich fremd?

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01:24:33 audio
Ungarn, Umzug nach Österreich, Grenze

Oral-History-Interview mit Maria Pedru

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01:26:34 audio
Ägypten (Flucht aus Albanien), Ausweisung

Oral-History-Interview mit Essad Alexander Karoshi         

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00:03:20 audio
Flucht, Wien nach Uruguay, 1938

Oral-History-Interview mit Carlos Hoffer

Details
01:25:12 audio
1945, Sudetendeutsche, Flucht

Oral-History-Interview mit Anna Bodlak

Details
01:33:12 audio
Tschechoslowakei, Regimegegner, Botschaft, Asyl

Oral-History-Interview mit Peter Cejnar

Details
00:34:03 (00:09:31) audio
Auswanderung nach Schweden, Flucht vor Militärdienst

Oral-History-Interview mit Bernd Höfer

Details
01:02:06 audio
Verschiedene Umzüge

Oral-History-Interview mit Roman Thum

Details
01:33:12 audio
Verschiedene Umzüge, vom Land in die Stadt

Oral-History-Interview mit Martin Seidl

Details
00:29:00 audio
Verschiedene Umzüge, Vorarlberg

Oral-History-Interview mit Heidemarie Salmhofer

Details
00:01:11 audio
Sarajevo, Krieg, Flucht nach Österreich

Oral-History-Interview mit Izeta Fatic

Details
01:05:21 audio
Tansania, Auswanderung nach Deutschland, Rassismus

Oral-History-Interview mit Elizabeth Kerkmann

Details
01:33:12 (00:40:15) audio
Rumänien, Flüchtlingsunterkunft, Asyl

Oral-History-Interview mit Iulian Stanciulescu

Details
01:00:00 audio
Umzug, Großstadt, Kultur, Auslandssemester

Oral-History-Interview mit Doris Mitterbacher

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6. Arbeitsblätter

Arbeitsblatt 1: Einzelarbeit, Recherche, Glossar

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Arbeitsblatt 2: Einzelarbeit, Push- und Pull-Faktoren

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Arbeitsblatt 3: Einzelarbeit, Persönliche Reflexion

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Arbeitsblatt 4: Recherche, Familie, Herkunft

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Arbeitsblatt 5: Interviewanalyse

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7. Literatur

Altenburg, Friedrich/Faustmann, Anna/Pfeffer, Thomas/Skrivanek, Isabella (Hg.): Migration und Globalisierung in Zeiten des Umbruchs. Festschrift für Gudrun Biffl. Krems (Edition Donau-Universität Krems) 2017.

Mecheril, Paul (Hg.): Handbuch Migrationspädagogik. Weinheim 2016.

Dvořák, Johann/Mückler, Hermann (Hg.): Staat – Globalisierung – Migration. Wien 2011.

 

(Text und Inhalt: Lukas Brandl, 2019
Überarbeitung: Lisa Häring/Martin Schefzik, 2026)