Zur Frauenbewegung in Österreich: Frauenarbeit und Fristenlösung

Frauenarbeit war und ist Teil eines sozioökonomischen Geflechts aus gesellschaftlichen Machtverhältnissen, Rollenbildern, ökonomischen Zwängen und politischen Rahmenbedingungen. Dabei umfasst „Arbeit“ nicht nur bezahlte Erwerbsarbeit, sondern auch unbezahlte Tätigkeiten wie Hausarbeit, Pflege und Kinderbetreuung, die lange gesellschaftlich unsichtbar waren. Die Betrachtung der Arbeitsverhältnisse im 19. Jahrhundert verweist auf die Erfolge der österreichischen Frauenbewegung, macht aber auch Kontinuitäten bis in die Gegenwart sichtbar (z. B. Gender Pay Gap, Teilzeitarbeit, ungleiche Verteilung von Care-Arbeit) und lenkt den Blick auf die generelle Frage nach den Möglichkeiten für Frauen, (auch) ökonomische Autonomie zu erreichen. In den Diskussionen rund um die Legalisierung bzw. Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruches stehen sich unterschiedliche gesellschaftliche Positionen gegenüber: einerseits der Anspruch auf den „Schutz des ungeborenen Lebens“ (oft religiös oder konservativ begründet), andererseits die feministische Forderung nach Selbstbestimmung über den eigenen Körper („reproduktive Rechte“). Diese Debatten sind Teil grundlegender gesellschaftlicher Auseinandersetzungen über Geschlechterrollen, Freiheit und staatliche Eingriffe.

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Die Schwerpunktthemen „Frauenarbeit“ und „Fristen­lösung“ regen zur Aus­ein­ander­setzung mit der Ge­schichte der öster­reich­ischen Frauen­be­wegung an.

Die Aufgaben sind als Auswahl gedacht und bieten so­wohl aus­ge­wählte Ton­auf­nahmen für kürzere Unter­richts­sequenzen als auch An­regungen für ver­tiefende Arbeits­phasen wie Referate, Port­folios oder auch vo­rwissen­schaft­liche Arbeiten. Die Arbeits­auf­träge haben in erster Linie den Ge­schichts­unter­richt im Fokus. Sie eignen sich aber auch für ein fächer­über­greif­endes Vor­gehen, etwa für die Fächer Geo­grafie, Deutsch (z. B. Schreib­auf­träge: Er­örterung / Problem­arbeit, Rede­analyse, Stellung­nahmen, Leser/innen­brief, Kommentar, Zusammen­fassung), Ethik, Philosophie und Bio­logie.

1. Frauenarbeit im 19. Jahrhundert

Während in vorindustriellen Zeiten Frauen- wie Männer­arbeit im bäuer­lichen wie auch im ge­werb­lichen Be­reich in erster Linie in den Familien­ver­band ein­ge­bunden war, wurde mit der zu­nehmen­den In­dus­tri­ali­sie­rung im Lauf des 19. Jahr­hunderts der Be­griff „Arbeit“ zu­nehmend mit „Lohn­arbeit“ gleich­ge­setzt. Häus­liche Tätig­keiten ver­schwan­den immer mehr hinter dem Schleier des Privaten und damit in der Un­sicht­bar­keit. Damit ging, ver­stärkt durch ein sich hege­monial durch­setzen­des bürger­liches Rollen­modell, auch eine ver­stärkte Teilung der Arbeits­welt in weib­liche und männ­liche Tätig­keiten ein­her. Dies betraf sowohl die Zwei­teilung in „männl­iche Lohn­arbeit“ als auch „weib­liche Haus­arbeit“ als auch die Lohn­arbeit selbst. Quali­fizierungs­möglich­keiten standen in erster Linie Männern offen, während die Frauen, die zu­nehmend auch auf den Arbeits­markt drängten, die schlechter be­zahlten, prestige­losen Arbeits­plätze ein­nahmen, für deren Aus­übung eine kurze Zeit des An­lernens aus­reich­end war. In einem Zirkel­schluss wurde dabei diese öko­no­mische Schlechter­stellung wieder­um mit der geringeren Quali­fikation, aber auch „bio­logisch“, etwa der geringeren Körper­kraft, be­gründet.

Die Vorstellungen des bürgerlichen Rollenmodells – und hier vor allem der Hin­weis auf die „na­tür­liche“ Be­stimmung der Frau für die häus­lichen Tätig­keiten – rückten die für Lohn arbeitende Frau darüber hinaus stets in die Per­spektive der „Zu­ver­dienerin“. Diese Zu­schreib­ung recht­fertigte ein­mal mehr, dass Frauen weniger ver­dienten als die männ­lichen „Haupt­ver­diener“, welche in einem bürger­lichen Familien­modell als stets vor­handen an­ge­nommen wurden. Die Realität, vor allem in den prole­tarischen Familien, sah freilich meist anders aus. Frauen waren nicht selten auf sich allein ge­stellt. Selbst in Familien­kon­stel­la­tionen, die den bürger­lichen Vor­stel­lungen ent­sprachen – das Vater-Mutter-Kind-Modell setzte sich als Ideal durchaus auch in prole­tarischen Kreisen durch – stellte die Lohn­arbeit beider Ehe­leute meist eine un­be­dingte Not­wendig­keit zur Existenz­sicherung dar. Nicht selten war es auch die Frau, die als Allein­ver­dienerin die Familie durch­bringen musste.

<p>Telefonzentrale Friedrichstraße in Wien, ca. 1885</p>

Telefonzentrale Friedrichstraße in Wien, ca. 1885

01:20:36 audio
Arbeiterinnenleben und -bewegung im 19. Jh. – Teil 1

Vortrag von Regina Köpl, 1985, Teil 1, Schwerpunkt: Arbei­ts­ver­hält­nisse
(hier: die ersten 30 Minuten, die Minuten 60 bis 63 und in etwa die Minuten 72 bis 77)

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Während in vorindustriellen Zeiten Frauen- wie Männerarbeit im bäuerlichen wie auch im gewerblichen Bereich in erster Linie in den Familienverband eingebunden war, wurde mit der zunehmenden Industrialisierung im Lauf des 19. Jahrhunderts der Begriff „Arbeit“ zunehmend mit „Lohnarbeit“ gleichgesetzt. Häusliche und unbezahlte Tätigkeiten wurden dadurch in den privaten Bereich verdrängt und gesellschaftlich unsichtbar gemacht. Damit ging, verstärkt durch ein sich hegemonial durchsetzendes bürgerliches Rollenmodell, auch eine verstärkte Teilung der Arbeitswelt in weibliche und männliche Tätigkeiten einher. Qualifizierungsmöglichkeiten standen in erster Linie Männern offen, während die Frauen, die zunehmend auch auf den Arbeitsmarkt drängten, die schlechter bezahlten, prestigelosen Arbeitsplätze einnahmen. Diese Ungleichheit wurde häufig mit angeblich „natürlichen“ oder „biologischen“ Unterschieden gerechtfertigt – ein Beispiel dafür, wie gesellschaftliche Ungleichheit legitimiert wurde. Die Vorstellungen des bürgerlichen Rollenmodells – und hier vor allem der Hinweis auf die „natürliche“ Bestimmung der Frau für die häuslichen Tätigkeiten – rückten die für Lohn arbeitende Frau darüber hinaus stets in die Perspektive der „Zuverdienerin“. Diese Zuschreibung rechtfertigte einmal mehr, dass Frauen weniger verdienten als die männlichen „Hauptverdiener“, welche in einem bürgerlichen Familienmodell als stets vorhanden angenommen wurden. Die tatsächlichen Lebensrealitäten – besonders in Arbeiterfamilien – widersprachen diesem Ideal jedoch häufig. Viele Frauen mussten eigenständig für ihren Lebensunterhalt oder den ihrer Familie sorgen. Die häufigsten Arbeitsfelder für Frauen waren im 19. Jahrhundert der Dienstbotinnenbereich („in den Dienst gehen“), die unqualifizierte Fabriksarbeit und die Heimarbeit. Letztere wurde vor allem von jenen Frauen ausgeübt, die gezwungen waren, neben der existenzsichernden Lohnarbeit auch die unbezahlte, aufgrund der Rollenvorstellungen allein den Frauen zugeschriebene Reproduktionsarbeit zu leisten. Damit zeigt sich bereits hier eine Mehrfachbelastung, die in veränderter Form bis heute besteht. In den Fabriken, aber auch später im Angestelltenbereich, der ab dem frühen 20. Jahrhundert zu einem wichtigen Sektor für weibliche Erwerbsarbeit wurde, waren die Frauen zum einen vor allem in den schlecht bezahlten, mit ungünstigen Arbeitsbedingungen und geringen Aufstiegschancen verbundenen Arbeitsbereichen und zum anderen vor allem in absteigenden Branchen vertreten. Gut bezahlte, prestigeträchtige Branchen und Arbeitsfelder sind stets – bis heute – zunächst einmal männlich besetzt. Erst wenn die Männer aus bestimmten Branchen abwandern, kommen die Frauen zum Zug. Dieses Muster kann auch als Hinweis auf strukturelle Ungleichheiten am Arbeitsmarkt verstanden werden.

01:06:11 audio
Arbeiterinnenleben und -bewegung im 19. Jh. – Teil 2

Vortrag von Regina Köpl, 1985, Teil 2 (Diskussion), Schwerpunkt: Arbei­terinnen­be­wegung
(hier vor allem die ersten 30 Minuten)

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Angesichts dieser Arbeitsverhältnisse begannen Frauen, sich zu organisieren. Die Entstehung der Arbeiterinnenbewegung ist dabei zum einen im Kontext der erstarkenden österreichischen Sozialdemokratie zu sehen; die Frauen mussten sich zum anderen aber auch innerhalb der Sozialdemokratie ihren Platz erst erkämpfen. Ein wichtiger Schwerpunkt der Arbeiterinnenbewegung lag neben der Verbesserung der Arbeitsbedingungen auch auf der Verbesserung der Bildung und Ausbildung für Frauen, ein wesentliches Anliegen auch der bürgerlichen Frauenbewegung. Wichtige Schritte in dieser frühen Phase der Arbeiterinnenbewegung waren die Gründung des Arbeiterinnen-Bildungsvereins (der erste 1871, der bleibende 1890) und der Arbeiterinnen-Zeitung (1892), deren erste Chefredakteurin Adelheid Popp war. Diese Quellen bieten heute wichtige Einblicke in die Perspektiven und Erfahrungen von Frauen jener Zeit und können im Unterricht als historische Quellen analysiert werden.

Vgl. auch Arbeitsblatt 1 – Arbeiterinnenleben und ‑bewegung im 19. Jahrhundert

Archivlinks zum Thema Frauenarbeit

00:04:57 audio
Kurzporträt der Journalistin und Politikerin Marianne Pollak: Über die Gleich­be­rechti­gung in Arbeit und Gesell­schaft und zur Stellung der Frau in der Sozial­demo­kratie
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00:03:35 audio
Adelheid Popp: Wahlrede für die National­rats­wahl am 9. November 1930
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00:05:27 audio
Rede von Hertha Firnberg zur Bedeutung der Bildung für die weibliche Emanzi­pa­tion und zur Familien­rechts­reform 1976
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00:59:23 audio
Vortrag „Die soziale Lage der weiblichen An­ge­stellten Wiens um die Jahr­hundert­wende“
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01:17:13 audio
Vortrag „Dienst­mädchen in Wien um die Jahr­hundert­wende
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00:36:58 audio
Diskussion zum Vortrag „Dienst­mädchen in Wien um die Jahr­hundert­wende
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00:49:37 audio
Vortrag „Die Lage der Studentinnen in Österreich zu Beginn des 20. Jahrhunderts
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00:30:51 audio
Vortrag von Justizminister Christian Broda zur Familienrechtsreform 1973
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00:55:59 audio
Frauenvolksbegehren. Bericht im Mittags­journal vom 20. November 1996
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<p>Frauenreichskomitee und Niederösterreichischer Landesausschuss 1917</p>

Frauenreichskomitee und Niederösterreichischer Landesausschuss 1917

2. Zur Geschichte der „Fristenlösung“ in Österreich

Abtreibung war in Österreich seit Maria Theresia durch den Paragrafen 144 des Strafgesetzbuches mit Haft bedroht. Dies hatte für betroffene Frauen oft schwerwiegende soziale und gesundheitliche Folgen, da Schwangerschaftsabbrüche häufig unter unsicheren Bedingungen durchgeführt wurden. Nach ersten Ansätzen zur Lockerung dieser Gesetzeslage durch die Sozialdemokratie in der Ersten Republik (Linzer Parteiprogramm) wurde Abtreibung unter dem nationalsozialistischen Regime unter Todesstrafe gestellt. Ab 1945 galt wieder der maria-theresianische Paragraf 144. Nach der Bildung der SPÖ-Alleinregierung 1970 und dem Gewinn der absoluten Mehrheit im Nationalrat 1971 wurde der Schwangerschaftsabbruch unter dem sozialdemokratischen Justizminister Christian Broda im Rahmen der Familien- und Strafrechtsreform von 1973 gegen den Widerstand der ÖVP und mit Unterstützung der FPÖ unter bestimmten Bedingungen straffrei gestellt und zwar wenn er

  1. innerhalb der ersten drei Monate der Schwanger­schaft nach vor­her­gehender ärztlicher Be­ratung von einer Ärztin bzw. einem Arzt vor­ge­nommen wird (daher auch „Fristen­lösung“) oder
  2. wenn eine medizinische Indikation vorliegt oder
  3. wenn die Schwangere zur Zeit der Schwängerung un­mündig war (d. h., das 14. Lebens­jahr noch nicht voll­endet hatte).
00:00:51 audio
NR-Abgeordnete Anneliese Albrecht zur Bedeutung der Fristenlösung 1974
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00:01:23 video
Demonstration gegen den § 144 im Juli 1973

Ausschnitt aus der Austria Wochenschau

Das Gesetz trat per 1. Jänner 1975 in Kraft. Bis heute ist die sogenannte „Fristenlösung“ ein zentraler Bestandteil der reproduktiven Rechte in Österreich, bleibt jedoch gesellschaftlich umstritten. Als wesentliche Argumente für bzw. gegen die „Fristenlösung“ wurden und werden von Befürworterinnen und Befürwortern das Selbstbestimmungsrecht der Frau („Mein Bauch gehört mir!“), von Gegnerinnen und Gegnern der Schutz des ungeborenen Lebens ins Treffen geführt. Diese gegensätzlichen Positionen spiegeln unterschiedliche Wertvorstellungen und politische Überzeugungen wider. 1975 initiierte die „Aktion Leben“ das Volksbegehren „Zum Schutz des menschlichen Lebens“, das 900.000 Österreicher/innen unterschrieben. Für das Recht auf Abtreibung und gegen deren Kriminalisierung traten europaweit viele prominente Frauen ein. Durch öffentliche Stellungnahmen machten sie auf die gesellschaftliche Realität ungewollter Schwangerschaften aufmerksam. Das im November 1974 gegründete Komitee „Helfen statt Strafen! – Kein Zurück zum Paragraf 144“ schuf unter Koordination der SPÖ-Politikerin und späteren Frauenministerin Johanna Dohnal mittels Öffentlichkeitsarbeit ein publizistisches Gegengewicht zur „Aktion Leben“. Es setzte sich insbesondere für Aufklärung, Beratung und den Ausbau von Unterstützungsangeboten ein. Die Diskussionen um den legalen Schwangerschaftsabbruch flammten erneut auf, als ab 1990 mit der RU 486-Pille eine medikamentöse Alternative möglich wurde. Medizinische Entwicklungen beeinflussen somit bis heute gesellschaftliche Debatten. Bis heute ist die Inanspruchnahme des Rechts auf Schwangerschaftsabbruch nicht überall in Österreich möglich. Dies nicht zuletzt deswegen, weil Ärztinnen und Ärzte die Durchführung verweigern können. Diese sogenannte „Gewissensklausel“ stellt eine zusätzliche Hürde für den Zugang dar. Und noch heute demonstrieren radikale Abtreibungsgegner/innen gegen die Möglichkeiten des legalen Schwangerschaftsabbruches. Gleichzeitig wurden gesetzliche Maßnahmen geschaffen, um betroffene Frauen vor Belästigungen zu schützen.

Archivlinks zum Thema Fristenlösung

01:00:06 audio
Justizminister Christian Broda zur Neu­regelung des Schwanger­schafts­ab­bruchs im Rahmen der Straf­rechts­reform 1971
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00:03:25 audio
Justizminister Christian Broda zum System der Beratung bei Schwanger­schafts­ab­brüchen, 1976
Details
00:05:08 audio
Justizminister Christian Broda zum Volks­be­gehren gegen die Fristen­lösung 1976
Details
00:04:01 audio
ÖVP-Politiker Walter Hauser zur Straf­rechts­reform und Fristen­lösung, 1972
Details
01:00:01 audio
Resümee der „Aktion Leben“ nach fünf Jahren Fristen­lösung. Bericht im Mittags­journal vom 24. Jänner 1980
Details
00:59:18 audio
Wiederaufgeflammte Diskussion zur Fristenlösung und Neutralität – Stellungnahmen von SPÖ-Politiker Josef Cap und ÖVP-Politiker Helmut Kukacka. Berichte im Mittags­journal vom 14. September 1990
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00:59:34 audio
ÖVP-Obmann Josef Riegler und SPÖ-Bundes­kanzler Franz Vranitzky zur Diskussion über die Fristen­lösung. Berichte im Mittagsjournal vom 18. September 1990
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00:59:36 audio
Demonstration gegen die Ein­führung der „Ab­treibungs­pille“. Bericht im Mittags­journal vom 2. Oktober 1990
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3. Das Leben von arbeitenden Frauen im 19. Jahr­hundert und die Ge­schich­te der Ar­bei­terinnen­be­wegung (Arbeitsanregungen)

3.1) Bearbeiten Sie das Arbeitsblatt 1 zum Thema „Ar­bei­ter­innen­leben und Ar­bei­ter­innen­be­wegung im 19. Jahr­hundert“.

3.2) Im Vortrag von Regina Köpl (vgl. Arbeitsblatt 1) werden auch die Namen von Frauen genannt, die in der Arbeiterinnen- und Frauen­be­wegung des 19. und frühen 20. Jahr­hunderts eine be­deutende Rolle spielten:

  • Emmy Freundlich
  • Käthe Leichter
  • Adelheid Popp
  • Therese Schlesinger
  • Clara Zetkin

Recherchieren Sie zu einer dieser Frauen und gestalten Sie ein Portrait.
Die Aufgabe kann selbstverständlich auch auf weitere Ver­treter­innen der Ar­bei­terinnen- und Frauen­be­wegung er­weitert werden.

3.3) Hören Sie sich die Wahlrede Adelheid Popps an und be­ant­worten Sie die fol­gen­den Fragen bzw. be­ar­beiten Sie die fol­gen­den Auf­träge:

  • Für welche Partei wirbt Adelheid Popp?
  • Gegen welche Partei richtet sie sich in ihrer Rede?
  • Um welche Wahl geht es?
  • In welcher Funktion spricht Adelheid Popp?
  • An wen wendet sie sich mit ihrer Rede? Warum?
  • Welche Gründe nennt Adelheid Popp, die für die Wahl der sozial­demo­kratischen Partei sprechen?
  • Welche Gründe nennt Adelheid Popp, die gegen die Wahl der christ­lich­sozialen Partei sprechen?
  • Welche Themen spricht Adelheid Popp in ihrer Rede an?
  • Analysieren Sie die Rede auf eingesetzte sprachliche Mittel (rhe­to­rische Mittel, Schlüssel­wörter etc.). Klären Sie dabei auch eventuell un­klare Be­griffe und Zu­sammen­hänge.
  • Recherchieren Sie den Ausgang der an­ge­sprochenen Wahl.
00:03:35 audio
Adelheid Popp: Wahlrede 1930
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3.4) Hören Sie sich vor allem die Dis­kus­sion an, die im An­schluss an den von Regina Köpl 1985 im Institut für Wissen­schaft und Kunst ge­hal­tenen Vor­trag über das Leben von Ar­bei­ter­innen und die Ar­bei­terinnen­be­wegung im 19. Jahr­hundert ge­führt wurde (vgl. Arbeits­blatt 1), und skizzieren Sie die An­fänge der Ar­bei­terinnen-Zeitung.

01:06:11 audio
Arbeiterinnenleben und -bewegung im ausgehenden 19. Jh. – Teil 2

Vortrag von Regina Köpl, 1985.
Diskussion ab ca. Minute 30

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3.5) Suchen Sie im Digitalen Lesesaal der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) und dort unter ANNO (AustriaN Newspaper Online: historische österreichische Zeitungen und Zeitschriften) die Arbeiterinnen-Zeitung. Schauen Sie sich eine Zeitung genauer an und analysieren Sie die Inhalte (Seitenanzahl, Aufbau, Inhalt, Beispiele, Autorinnen und Autoren, Schwerpunkte, Positionen etc.).

Zusatz:
Vergleichen Sie mit einer Ausgabe der Arbeiter-Zeitung aus demselben Zeitraum.

Zusatz:
Sehen Sie sich auf der Seite von „Die Standard“ um und analysieren Sie Aufbau und Inhalte der Seite. Fassen Sie den Inhalt einzelner Beiträge zusammen und formulieren Sie Ihre eigene Meinung in Form eines Kommentars oder Leser/innenbriefes.

4. Geschichte der Frauenbildung (Arbeitsanregungen)

4.1) Recherchieren Sie zur Entwicklung der höheren Bildung von Frauen mit Schwerpunkt auf der österreichischen Situation. Thematisieren Sie auch den jeweiligen gesellschaftspolitischen Kontext, in dem sich die Bildung von Frauen entwickelt, und beantworten Sie die folgenden Fragen:

  • Seit wann dürfen Frauen in Österreich studieren?
  • Seit wann dürfen Frauen höhere Schulen besuchen?
  • Welche Schulen wurden wann für Mädchen zugänglich?
  • Wie ist die Situation heute?
  • Welche Konsequenzen hat die jeweilige Bildungssituation für das Leben von Frauen?
  • Welchen Einfluss haben geschlechtsbezogene Rollenbilder auf die Bildung von Frauen?

4.2) Bearbeiten Sie das Arbeitsblatt 2 – Aus­sagen zur Frauen­bildung

5. Berufliche Karrieren heute (Arbeitsanregungen)

5.1) Recherchieren Sie die Antworten auf folgende Fragen:

  • In welchen Wirtschaftssektoren sind Frauen heute vor­wiegend tätig?
  • Welche Berufe ergreifen Frauen und Männer in Öster­reich heute „typischer­weise“?
  • Welche Ausbildungen werden eher von Frauen und welche eher von Männern gewählt?
  • Wie sieht die Einkommensverteilung in unter­schied­lichen Wirt­schafts­sektoren und Berufs­gruppen aus (v. a. be­zogen auf Er­gebnisse aus den ersten zwei Fragen)?
  • Welche Arbeitsverhältnisse gelten als „typisch weib­lich“ und welche als „typisch männ­lich“? Achten Sie bei der Be­ant­wortung dieser Frage be­sonders auf die As­pekte Teil­zeit, Voll­zeit oder atypische Be­schäftigungs­ver­hältnis­se.
  • Wie stellt sich die Einkommensverteilung von Frauen und Männern dar?
  • Wie verlaufen „typische“ Karrieren von Frauen, wie die von Männern?

Methodischer Vorschlag:

  • kleine Gruppen von Schüler/innen recherchieren jeweils einen Aspekt
  • Präsentation der Ergebnisse
  • Verbindung und Analyse der Zusammenhänge
  • Diskussion
  • individuelle Zusammenfassung und Reflexion der Ergebnisse

Die Aufgabe kann auch als (anspruchs­volle) Einzel­arbeit be­ar­beitet werden und ist insofern eventuell auch eine An­regung für die vor­wissen­schaft­liche Arbeit.

5.2) Fassen Sie in einem kurzen Text (ca. 300 Wörter) Ihre Berufs­wünsche zu­sammen. Be­ziehen Sie darin auch generelle Über­legungen zum eigenen Lebens­entwurf ein.

Vergleichen Sie die Ergebnisse in der Klasse. Gibt es ge­schlechts­be­zogene Unter­schiede? Wenn ja, welche Gründe könnten es für diese geben?

5.3) Machen Sie eine Umfrage unter Ihren Freundinnen und Freunden:

  • Welche Berufe wollen Ihre Freundinnen und Freunde er­greifen?
  • Welche Gründe werden für die Berufswahl genannt?
  • Welche Bedeutung hat der künftige Beruf für die Be­fragten?
  • Wie wichtig ist Karriere und gutes Einkommen?
  • Was möchten die Befragten in ihrem Leben er­reichen?
  • Formulieren Sie selbst noch zwei bis drei Fragen, die Sie im Kontext von Beruf und Geschlecht inter­essieren.

Analysieren Sie die Antworten Ihrer Umfrage hinsichtlich ge­schlechts­be­zogener Um­stände.

  • Was fällt auf?
  • Wie verhalten sich Ihre Umfrageergebnisse im Ver­gleich zu sta­tis­tischen Daten (vgl. Aufgabe 5.1)?
  • Arbeiten Sie dabei vor allem die Aspekte der ge­schlechts­be­zogenen Rollen­vor­stel­lungen so­wie der ge­sell­schaft­lichen Ge­geben­heiten und Rollen­er­wartungen, z. B. der Frage nach der Ver­ant­wortung für die Re­produktions­arbeit, her­aus.

5.4) Vergleichen Sie die Ergebnisse aktueller Unter­such­ungen hin­sicht­lich ge­schlechts­be­zogener Bildungs- und Berufs­ent­scheidungen (vgl. Aufgabe 5.1) mit den Aus­führungen von Regina Köpl über das Leben von Ar­bei­terinnen im 19. Jahr­hundert (vgl. Arbeits­blatt 1).

  • Wo finden Sie Parallelen?
  • Wo gibt es Unterschiede?
  • Was hat sich in den vergangenen hundert Jahren hin­sicht­lich der ge­schlechts­be­zogenen Rollen­ver­teilungen ge­ändert, was ist gleich ge­blieben?

Fassen Sie die Ergebnisse Ihrer Analyse schrift­lich zu­sammen und formu­lieren Sie daraus eine per­sönliche, aber fakten­be­zogene, Stellung­nahme.

01:20:36 audio
Vortrag von Regina Köpl – Teil 1

Arbeiterinnenleben und Arbeiterinnenbewegung im aus­gehenden 19. Jahr­hundert 

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01:06:11 audio
Vortrag von Regina Köpl – Teil 2

Arbeiterinnenleben und Arbeiterinnenbewegung im aus­gehenden 19. Jahr­hundert

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6. Schwangerschaftsabbruch – Fristenlösung (Arbeitsanregungen)

6.1) Sammeln Sie – beispielsweise aus den oben an­ge­gebenen Tönen und Links – Argu­mente, die für und solche, die gegen die Straf­frei­heit des Schwan­ger­schafts­ab­bruchs sprechen. Formu­lieren Sie auf dieser Grund­lage Ihre eigene gut begründete Posi­tion in Form einer Rede, mit der Sie Ihre Klassen­kolleginnen und ‑kollegen von Ihrem Stand­punkt zu über­zeugen ver­suchen.

6.2) Hören Sie sich [von Minute 1:12 bis 3:22] an, was der da­malige Justiz­sprecher der ÖVP Walter Hauser 1972 zu Straf­rechts­re­form und Fristen­lösung sagt:

Analysieren Sie die Aussagen des ÖVP-Politikers Walter Hauser zur Fristen­lösung:

  • Welchen Standpunkt vertritt Walter Hauser?
  • Für wessen „Selbstverwirklichung“ hat Walter Hauser kein Ver­ständ­nis?
  • Was unterstellt er durch den Hinweis auf „echte Kon­flikt­fälle“?
  • Wie beurteilen Sie die Verwendung des Begriffs „Fehl­ge­burt“ im Kon­text der Fristen­lösung?

Informieren Sie sich über die heutigen Möglichkeiten zu einem legalen Schwan­ger­schafts­ab­bruch und ge­stal­ten Sie ein In­for­ma­tions­plakat oder eine In­for­ma­tions­bro­schüre.

00:04:01 audio
Walter Hauser zur Strafrechtsreform und §­ 144

Ausschnitt aus dem Mittagsjournal vom 25. April 1972

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7. Arbeitsblätter

Arbeitsblatt 1 – Arbeiterinnenleben und ‑bewegung im 19. Jahr­hundert

Herunterladen (PDF)

Arbeitsblatt 1 (mit Lösungen) 

Herunterladen (PDF)

Arbeitsblatt 2 – Aussagen zur Frauenbildung

Herunterladen (PDF)

(Text und Inhalt: Andrea Brenner, 2014
Überarbeitung: Lisa Häring/Martin Schefzik, 2026)