Der König in Thule - Der Fischer
Katalogzettel
| Titel | Der König in Thule - Der Fischer |
| Spieldauer | 00:04:02 |
| Urheber/innen |
Goethe, Johann Wolfgang von [Text]
|
| Mitwirkende |
Wüllner, Ludwig [Rezitator/in]
[GND
]
Deutsche Grammophon [Label] |
| Datum |
1930 |
| Schlagworte | Literatur ; Lyrik ; Publizierte und vervielfältigte Aufnahme |
|
20. Jahrhundert - 30er Jahre
18. Jahrhundert |
|
| Typ | audio |
| Format |
SCS3078 [Schallplatte, Schellack - 30 cm, 78/min] |
| Nummern |
65086 A [Katalognummer] 853m [Matrizennummer] |
| Sprache |
Deutsch |
| Signatur | Österreichische Mediathek, 2-07932_a_k02 |
| Medienart | Mp3-Audiodatei |
Information
Inhalt
Der König in Thule: Es war einst ein König in Thule,#13
Gar treu bis an das Grab,#13
Dem sterbend seine Buhle#13
einen goldnen Becher gab.#13#13
Es ging ihm nichts darüber,#13
Er leert' ihn jeden Schmaus;#13
Die Augen gingen ihm über,#13
So oft trank er daraus.#13#13
Und als er kam zu sterben,#13
Zählt' er seine Städt' im Reich,#13
Gönnt' alles seinen Erben,#13
Den Becher nicht zugleich.#13#13
Er saß beim Königsmahle,#13
Die Ritter um ihn her,#13
Auf hohem Vätersaale#13
Dort auf dem Schloß am Meer.#13#13
Dort stand der alte Zecher,#13
Trank letzte Lebensglut#13
Und warf den heil'gen Becher#13
Hinunter in die Flut.#13#13
Er sah ihn stürzen, trinken#13
Und sinken tief ins Meer.#13
Die Augen täten ihm sinken,#13
Trank nie einen Tropfen mehr.#13#13#13Der Fischer:#13#13Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll,#13
Ein Fischer saß daran,#13
Sah nach der Angel ruhevoll,#13
Kühl bis ans Herz hinan.#13
Und wie er sitzt und wie er lauscht,#13
Teilt sich die Flut empor:#13
Aus dem bewegten Wasser rauscht#13
Ein feuchtes Weib hervor.#13#13
Sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm:#13
"Was lockst du meine Brut#13
Mit Menschenwitz und Menschenlist#13
Hinauf in Todesglut?#13
Ach wüßtest du, wie's Fischlein ist#13
So wohlig auf dem Grund,#13
Du stiegst herunter, wie du bist,#13
Und würdest erst gesund.#13#13
Labt sich die liebe Sonne nicht,#13
Der Mond sich nicht im Meer?#13
Kehrt wellenatmend ihr Gesicht#13
Nicht doppelt schöner her?#13
Lockt dich der tiefe Himmel nicht.#13
Das feuchtverklärte Blau?#13
Lockt dich dein eigen Angesicht#13
Nicht her in ew'gen Tau?"#13#13
Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll,#13
Netzt' ihm den nackten Fuß;#13
Sein Herz wuchs ihm so sehnsuchtsvoll#13
Wie bei der Liebsten Gruß.#13
Sie sprach zu ihm, sie sang zu ihm;#13
Da war's um ihn geschehn;#13
Halb zog sie ihn, halb sank er hin#13
Und ward nicht mehr gesehn.
Gar treu bis an das Grab,#13
Dem sterbend seine Buhle#13
einen goldnen Becher gab.#13#13
Es ging ihm nichts darüber,#13
Er leert' ihn jeden Schmaus;#13
Die Augen gingen ihm über,#13
So oft trank er daraus.#13#13
Und als er kam zu sterben,#13
Zählt' er seine Städt' im Reich,#13
Gönnt' alles seinen Erben,#13
Den Becher nicht zugleich.#13#13
Er saß beim Königsmahle,#13
Die Ritter um ihn her,#13
Auf hohem Vätersaale#13
Dort auf dem Schloß am Meer.#13#13
Dort stand der alte Zecher,#13
Trank letzte Lebensglut#13
Und warf den heil'gen Becher#13
Hinunter in die Flut.#13#13
Er sah ihn stürzen, trinken#13
Und sinken tief ins Meer.#13
Die Augen täten ihm sinken,#13
Trank nie einen Tropfen mehr.#13#13#13Der Fischer:#13#13Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll,#13
Ein Fischer saß daran,#13
Sah nach der Angel ruhevoll,#13
Kühl bis ans Herz hinan.#13
Und wie er sitzt und wie er lauscht,#13
Teilt sich die Flut empor:#13
Aus dem bewegten Wasser rauscht#13
Ein feuchtes Weib hervor.#13#13
Sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm:#13
"Was lockst du meine Brut#13
Mit Menschenwitz und Menschenlist#13
Hinauf in Todesglut?#13
Ach wüßtest du, wie's Fischlein ist#13
So wohlig auf dem Grund,#13
Du stiegst herunter, wie du bist,#13
Und würdest erst gesund.#13#13
Labt sich die liebe Sonne nicht,#13
Der Mond sich nicht im Meer?#13
Kehrt wellenatmend ihr Gesicht#13
Nicht doppelt schöner her?#13
Lockt dich der tiefe Himmel nicht.#13
Das feuchtverklärte Blau?#13
Lockt dich dein eigen Angesicht#13
Nicht her in ew'gen Tau?"#13#13
Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll,#13
Netzt' ihm den nackten Fuß;#13
Sein Herz wuchs ihm so sehnsuchtsvoll#13
Wie bei der Liebsten Gruß.#13
Sie sprach zu ihm, sie sang zu ihm;#13
Da war's um ihn geschehn;#13
Halb zog sie ihn, halb sank er hin#13
Und ward nicht mehr gesehn.