Alexander Moissi - Faust's Tod

Mediathek

Dieses Medium ist nur vor Ort im Publikumsbetrieb der Österreichischen Mediathek verfügbar.

Katalogzettel

Titel Alexander Moissi - Faust's Tod
Titelzusatz Faust II
Spieldauer
Urheber/innen und Mitwirkende Goethe, Johann Wolfgang von [Text]
Moissi, Alexander [Rezitator/in] [GND]
Polyphon [Label]
Datum 1920 [Aufnahmedatum]
Schlagworte Theater ; Literatur ; Drama ; Lyrik
Typ audio
Format DFMP3 [Dateiformat: MP3]
DFWAV [Dateiformat: Broadcast WAV]
SCS3078 [Schallplatte, Schellack - 30 cm, 78/min]
Nummern 50088
130003
Sprache Deutsch
Signatur 2-07972_b_K01, 2-07972_b
Medienart Mediendatei

Information

Inhalt

Faust - Der Tragödie zweiter Teil. 5. Akt. (gekürzt).


FAUST erblindet.

Die Nacht scheint tiefer tief hereinzudringen,
Allein im Innern leuchtet helles Licht;
Was ich gedacht, ich eil' es zu vollbringen;
Des Herren Wort, es gibt allein Gewicht.
Vom Lager auf, ihr Knechte! Mann für Mann!
Laßt glücklich schauen, was ich kühn ersann.
Ergreift das Werkzeug, Schaufel rührt und Spaten!
Das Abgesteckte muß sogleich geraten.
Daß sich das größte Werk vollende,
Genügt ein Geist für tausend Hände.


LEMUREN mit neckischen Gebärden grabend.

Wie jung ich war und lebt' und liebt',
Mich deucht, das war wohl süße;

Wo's fröhlich klang und lustig ging,
Da rührten sich meine Füße.


FAUST aus dem Palaste tretend, tastet an den Türpfosten.

Wie das Geklirr der Spaten mich ergetzt!
Es ist die Menge, die mir frönet,
Die Erde mit sich selbst versöhnet,
Den Wellen ihre Grenze setzt,
Das Meer mit strengem Band umzieht.


LEMUREN mit neckischen Gebärden grabend.

Nun hat das tückische Alter mich
Mit seiner Krücke getroffen;

Ich stolpert' über Grabes Tür,
Warum stand sie just offen!


FAUST.

Aufseher!


MEPHISTOPHELES.

Hier!


FAUST.

Ein Sumpf zieht am Gebirge hin,
Verpestet alles schon Errungene;
Den faulen Pfuhl auch abzuziehn,
Das Letzte wär' das Höchsterrungene.
Eröffn' ich Räume vielen Millionen,
Nicht sicher zwar, doch tätig-frei zu wohnen.
Grün das Gefilde, fruchtbar; Mensch und Herde
Sogleich behaglich auf der neusten Erde,
Im Innern hier ein paradiesisch Land,
Da rase draußen Flut bis auf zum Rand,
Und wie sie nascht, gewaltsam einzuschießen,
Gemeindrang eilt, die Lücke zu verschließen.
Ja! diesem Sinne bin ich ganz ergeben,
Das ist der Weisheit letzter Schluß:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muß.
Und so verbringt, umrungen von Gefahr,
Hier Kindheit, Mann und Greis sein tüchtig Jahr.
Solch ein Gewimmel möcht' ich sehn,
Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn.
Zum Augenblicke dürft' ich sagen:
Verweile doch, du bist so schön!
Es kann die Spur von meinen Erdetagen
Nicht in Äonen untergehn. –
Im Vorgefühl von solchem hohen Glück
Genieß' ich jetzt den höchsten Augenblick.
Mediathek Logo