Erika Weinzierl wurde am 6. Juni 1925 in Wien geboren. In ihrem Beitrag für die Gedenkveranstaltung 2008 erzählt sie, wie sie als 13-jähriges Schulmädchen die gesellschaftlichen Veränderungen in der Zeit 1938-1945 erlebt hat: Wie die Direktorin ihrer Schule (Gymnasium in der Rahlgasse) bereits am Tag nach dem "Anschluss" von der Schule entfernt wurde, wie sie bei der nachfolgenden Direktorin wegen ihrer Freundinnen jüdischer Herkunft angeschwärzt wurde, diese Freundinnen schließlich von der Schule verstoßen wurden, und was sie bereits während ihrer Schulzeit von Deportationen und systematischer Vernichtung in den Konzentrationslagern wusste.
Nach dem Krieg studierte sie Geschichte an der Universität Wien, war Archivarin in Wien und in Salzburg und wurde 1969 zur ersten und bis 1992 einzigen Frau auf eine Professur für Geschichte an einer österreichschen Universität berufen. In ihre Publikationsliste sind rund 700 Einträge verzeichnet in einer breiten Themenpalette zu Kirchengeschichte, Exil- und Migrationsforschung, Antisemitismus und Widerstand gegen den Nationalsozialismus sowie zur Frauengeschichte.
Neben ihrer akademischen Karriere war sie eine engagierte Stimme für Demokratie und Menschenrechte und eine leidenschaftliche österreichische Patriotin.
In einem zweiteiligen Video-Interview erzählt sie etwas ausführlicher aus ihrem Leben, von der Kindheit, ihren Erfahrungen während des Krieges, Arbeiten am Feld und in der Straßenbahn, und ihrer akademischen Karriere. Ein Beispiel von Weinzierls Vortragstätigkeit sind ihre Ausführungen zu “Frau und Familie. Die Stellung der Frau in Gesellschaft und Recht” bei einer Veranstaltung im Jahr 1975. Viele weitere Interviews, Vorträge, Beiträge zu Radiosendungen oder Veranstaltungen sind in der Österreichischen Mediathek archiviert und können online oder im Publikumsbetrieb gehört und gesehen werden.
Weitere Ausschnitte der Gedenkveranstaltung 2008 finden Sie in der Ausstellung "Das Jahr 1938 - Trauma Heldenplatz".