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Oral-History-Interview mit Paul Vécsei-Teil 1

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Katalogzettel

Titel Oral-History-Interview mit Paul Vécsei-Teil 1
Spieldauer
Mitwirkende Vécsei, Paul [Interviewte/r]
Yeung, Enoch [Interviewer/in]
Traska, Georg [Interviewer/in] [GND ]
Traska, Georg [Tontechniker/in] [GND ]
Traska, Georg [Kamera] [GND ]
Österreichische Akademie der Wissenschaften [Veranstalter]
Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung [Fördergeber]
Datum 2025.03.03 [Aufnahmedatum]
Ort Wien [Aufnahmeort]
Schlagworte Gesellschaft ; Kultur ; Migration ; Interview ; Geschichtswissenschaft ; Bildung und Schulwesen ; Familie ; Unveröffentlichte Aufnahme
Typ audio
Format DOV [Digitales Original Video]
Sprache Deutsch
Signatur Österreichische Mediathek, E50-01032_Archiv, E50-01032_Web
Medienart Digitale Archivkopie Video

Information

Inhalt

Paul Vecsei ist einer der Interviewpartner:innen im Projekt „Vielsprachiges Gedächtnis der Migration“, die in der österreichischen Öffentlichkeit kaum unter der Rubrik „Migrant:in“ auftauchen würden, denn als über ein halbes Jahrhundert tätiger und bekannter Journalist zahlreicher Tageszeitungen könnte er mit der Zeitgeschichte und politischen Kultur Österreichs gar nicht intimer verbunden sein.
Geboren wurde er 1955 in Sopron/Ödenburg – das 1921 zur Hauptstadt des neu geschaffenen Burgenlandes hätte werden sollen, aber einer Volksabstimmung für Ungarn optierte – als Kinder einer ungarisch-deutsch mehrsprachigen Familie mütterlicherseits, die immer schon Verbindungen zu Wien besaß, und eines bekannten ungarischen Wassersportlers. In der historischen Einbettung stellt Paul Vecsei sich mithin schon als Kind der sich auflösenden und nachwirkenden Monarchie und ihrer zahlreichen mehrsprachigen Übergangsräume dar.
Ausführlich und ein wenig mythisch, weil altersbedingt nur aus zweiter Hand, erzählt er von der Flucht der Familie 1956 nach Österreich, wo man von Verwandten empfangen und aufgenommen wurde. Diese Verwandtschaft besaß in Wien ein altes Gasthaus, den Gmoa Keller, in dessen Küche über Genrationen hinweg nur Ungarisch gesprochen wurde und das auch in Zeiten des Kalten Krieges immer einen lebendigen Grenzverkehr zum Nachbarland aufrechtzuerhalten verstand. Und doch könnte dieses Gasthaus – wie auch Paul Vecsei selbst – „wienerischer“ nicht sein, seit vielen Jahrzehnten geprägt von den Künstler:innen und Besucher:innen der benachbarten Institutionen Akademietheater und Konzerthaus. Hier durchlief der Interviewte erfolgreich seine erste soziale und politische Schule als „Wirthauskind“ und wohnt heute noch in Rufweite, in einer Wohnung, zu der er ebenfalls durch die lokale Verflechtung der Gaststätte kam. In der formalen Schulbildung war er weniger erfolgreich, begann aber ohnehin noch zu Schulzeiten seine Karriere als Journalist: beim Wiener Ableger des Salzburger Rennbahn-Express, bald beim noch jungen Profil, bei Der Standard und bei der Wiener Zeitung bis zu deren Einstellung 2023, sowie als Funktionär (auch Vicepräsident) der Journalistengewerkschaft und Mitglied (auch Vorsitzender) des Österreichischen Presserates – und zwischendurch Pressesprecher bei den Minister:innen Josef Staribacher und Johanna Dohnal sowie im Parlament und in einigen weiteren beruflichen Funktionen, zuletzt als Kolumnist bei der Kronen Zeitung.
Bei verschiedenen Gelegenheiten und abermals in diesem Interview betonte er: wenn er Österreich in einer Regierungsloge oder in welchen Ämtern auch immer repräsentierte, dass er als „Flüchtlingskind“ hierhergekommen sei – in einer Phase, als man Asylsuchende hier gut unterstützte.
Das Interview mit Paul Vecsei führte Enoch, ein Freund und Mitschüler von Paul Vecseis Sohn Janosch am borg3 (Wien), 2025 im Rahmen des Projekts „Vielsprachiges Gedächtnis der Migration“ (Institut für Kulturwissenschaften der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, unter der Leitung von Georg Traska, gefördert im Programm „Sparkling Science 2.0“ und finanziert vom BMBWF).
Georg Traska befragte in einem kurzen zweiten Teil Herrn Vecsei zum Gmoa Keller als Ort mit einem einmaligen lokalen und transmigrantischen Charakter: seit Jahrzehnten geprägt von einer bestimmten Migrant:innen-Community eines Nachbarlandes und zugleich ein ganz und gar wienerisches Gasthaus.

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