Oral History Interview mit Sintayehu Tsehay
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Inhalt
Gesprächsthemen: Migration - Äthiopien - Wien - Universität Wien – Volkswirtschaftsstudium - Bruno Kreisky - Kreisky-Ära - Bildungspolitik – Studiengebühren - Auslandsstudium - Studiengebühren - Partizipation - SPÖ - Sozialdemokratie - Kommunismus - Linke Bewegungen - Anti-Apartheid-Bewegung - Antirassismus – Diaspora – Afro-Österreicher - Black Community – schwarze Community – WUK - Werkstätten- und Kulturhaus - Zivilgesellschaft – Nationalrat – Kandidatur – Wahlen – Wahlkampf - Vorzugsstimmen - Integrationspolitik - Markus Omofuma - Verein „Fair und sensibel – Polizei und AfrikanerInnen“- Interkultureller Dialog – Polizei - Schulung - Diskriminierung - Rassismus - Alltagsrassismus - Waldheim-Affäre - Menschen für Menschen - Austria für Afrika / Live Aid 1985 - Dolmetschen - Gerichtsdolmetscher – Amhara / Amharisch - Flüchtlinge - Aufenthaltsbewilligung - Community - Identität - Mehrsprachigkeit - Bildung – Schule - Kindheit - Lehrer - Haile Selassie - Sozialismus - Ethnische Vielfalt – Ethnischer Konflikt – Sprachen - Integration - Transnationalität - Deutschland - Schweiz - London – Bildungsmigration – Migrationshintergrund - Österreichisch-äthiopische Beziehungen - äthiopisch-orthodoxes Christentum – Protestantismus – Kirchen – Religion – Animismus – Demonstration
ZUSAMMENFASSUNG DES INTERVIEWS / KURZBIOGRAFIE
Sintayehu Tsehay wurde 1952 in Südäthiopien geboren und wuchs in einer bäuerlichen Familie auf. Trotz schwieriger Bedingungen besuchte er die Schule, machte die Matura und arbeitete anschließend als Lehrer für Sozialwissenschaften und Geschichte. Durch die Zusammenarbeit mit europäischen Entwicklungshelfern entwickelte er den Wunsch, in Europa zu studieren. Nach erfolglosen Versuchen in Deutschland und der Schweiz kam er schließlich nach Österreich, wo er an der Universität Wien Volkswirtschaft studierte, aber nicht abschloss.
Österreich erlebte er in den 1970er-Jahren als offen und liberal. Besonders die Bildungspolitik unter Bruno Kreisky beeindruckte ihn, da Studierende aus Afrika, Asien und Lateinamerika damals kostenlos studieren konnten. Politisch war Sintayehu Tsehay zunächst kommunistisch orientiert, wandte sich später aber der Sozialdemokratie zu und wurde über sein Engagement in der Anti-Apartheid-Bewegung Mitglied der SPÖ.
Neben seiner politischen Arbeit engagierte er sich in zahlreichen Vereinen und Organisationen, darunter SOS Mitmensch, das EU-Migrantenforum und das WUK. Er setzte sich gegen Rassismus und für die Rechte von Migrantinnen und Migranten ein. Nach dem Tod von Markus Omofuma arbeitete er an Projekten zum Dialog zwischen Polizei und afrikanischen Communities mit und war mehrere Jahre Teil des Vereins „Fair und sensibel – Polizei und AfrikanerInnen“.
Beruflich war Sintayehu Tsehay unter anderem für die Stiftung „Menschen für Menschen“ von Karlheinz Böhm tätig und arbeitete viele Jahre als Dolmetscher für Amharisch bei Gerichten und Behörden. 2002 kandidierte er für den Nationalrat und erhielt viele Vorzugsstimmen, schaffte jedoch den Einzug ins Parlament nicht.
Im Interview berichtet er von Erfahrungen mit Diskriminierung, etwa bei Diskothekenbesuchen oder im Alltag, betont aber zugleich, dass er Österreich oft als toleranter empfand als andere europäische Länder. Besonders während der Waldheim-Affäre verteidigte er Österreich im Ausland und verwies auf die damals vergleichsweise offene Politik gegenüber Migrantinnen und Migranten.
Rückblickend beschreibt Sintayehu Tsehay seine ersten Jahre in Österreich als eine sehr positive Zeit. Er kritisiert jedoch, dass die Migrationspolitik heute deutlich restriktiver geworden sei. Zu Äthiopien fühlt er sich weiterhin verbunden, verfolgt die politischen Entwicklungen aber mit Sorge. Er betont die kulturelle und sprachliche Vielfalt des Landes und reflektiert kritisch über ethnische Konflikte, Machtverhältnisse und Diskriminierung.
Das Interview zeichnet das Bild eines engagierten Migranten, der sich über Jahrzehnte für gesellschaftliche Teilhabe, Antirassismus und den Dialog zwischen unterschiedlichen Gruppen eingesetzt hat.
Sintayehu Tsehay wurde 1952 in Südäthiopien geboren und wuchs in einer bäuerlichen Familie auf. Trotz schwieriger Bedingungen besuchte er die Schule, machte die Matura und arbeitete anschließend als Lehrer für Sozialwissenschaften und Geschichte. Durch die Zusammenarbeit mit europäischen Entwicklungshelfern entwickelte er den Wunsch, in Europa zu studieren. Nach erfolglosen Versuchen in Deutschland und der Schweiz kam er schließlich nach Österreich, wo er an der Universität Wien Volkswirtschaft studierte, aber nicht abschloss.
Österreich erlebte er in den 1970er-Jahren als offen und liberal. Besonders die Bildungspolitik unter Bruno Kreisky beeindruckte ihn, da Studierende aus Afrika, Asien und Lateinamerika damals kostenlos studieren konnten. Politisch war Sintayehu Tsehay zunächst kommunistisch orientiert, wandte sich später aber der Sozialdemokratie zu und wurde über sein Engagement in der Anti-Apartheid-Bewegung Mitglied der SPÖ.
Neben seiner politischen Arbeit engagierte er sich in zahlreichen Vereinen und Organisationen, darunter SOS Mitmensch, das EU-Migrantenforum und das WUK. Er setzte sich gegen Rassismus und für die Rechte von Migrantinnen und Migranten ein. Nach dem Tod von Markus Omofuma arbeitete er an Projekten zum Dialog zwischen Polizei und afrikanischen Communities mit und war mehrere Jahre Teil des Vereins „Fair und sensibel – Polizei und AfrikanerInnen“.
Beruflich war Sintayehu Tsehay unter anderem für die Stiftung „Menschen für Menschen“ von Karlheinz Böhm tätig und arbeitete viele Jahre als Dolmetscher für Amharisch bei Gerichten und Behörden. 2002 kandidierte er für den Nationalrat und erhielt viele Vorzugsstimmen, schaffte jedoch den Einzug ins Parlament nicht.
Im Interview berichtet er von Erfahrungen mit Diskriminierung, etwa bei Diskothekenbesuchen oder im Alltag, betont aber zugleich, dass er Österreich oft als toleranter empfand als andere europäische Länder. Besonders während der Waldheim-Affäre verteidigte er Österreich im Ausland und verwies auf die damals vergleichsweise offene Politik gegenüber Migrantinnen und Migranten.
Rückblickend beschreibt Sintayehu Tsehay seine ersten Jahre in Österreich als eine sehr positive Zeit. Er kritisiert jedoch, dass die Migrationspolitik heute deutlich restriktiver geworden sei. Zu Äthiopien fühlt er sich weiterhin verbunden, verfolgt die politischen Entwicklungen aber mit Sorge. Er betont die kulturelle und sprachliche Vielfalt des Landes und reflektiert kritisch über ethnische Konflikte, Machtverhältnisse und Diskriminierung.
Das Interview zeichnet das Bild eines engagierten Migranten, der sich über Jahrzehnte für gesellschaftliche Teilhabe, Antirassismus und den Dialog zwischen unterschiedlichen Gruppen eingesetzt hat.