"In der Brigittenau drunt am Kanal, tragt jede an g'scheckerten Schal"
Katalogzettel
| Titel | "In der Brigittenau drunt am Kanal, tragt jede an g'scheckerten Schal" |
| Spieldauer | 00:02:52 |
| Urheber/innen |
Strecker, Heinrich [Komponist/in]
[GND]
|
| Mitwirkende |
Arnold, Ernst [Gesang]
[GND
]
Lanner Quartett [Quartett] Columbia [Label] |
| Ort |
Wien, Brigittenau [Ortsbezug]
|
| Schlagworte | Musik ; U-Musik ; Volksmusik - Wiener Lied ; Publizierte und vervielfältigte Aufnahme |
| Örtliche Einordnung |
Bundesland / Wien
|
|
20. Jahrhundert - 30er Jahre
|
|
| Typ | audio |
| Format |
SCS [Schallplatte, Schellack] |
| Sprache |
Deutsch |
| Signatur | Österreichische Mediathek, 2-26737_a_b02 |
| Medienart | Mp3-Audiodatei |
Donaukanal mit Brigittenauer Lände (Postkarte, 1920er Jahre). Bild: CC BY-SA 3.0 AT. Österreichische Mediathek 2015.
Information
Inhalt
Den Donaukanal auf der Seite der Brigittenau als Ort der Liebesbegegnung besingt das Lied mit einem witzig gedichteten Text, der einem schwerere inhaltliche Überlegungen erspart: "Am Donaukanal / da hat die Moral / ein eigenes Lokalkolorit …"#13#13 Der klassisch ausgebildete Komponist Heinrich Strecker schuf zahlreiche Wienerlieder, viele davon gemeinsam mit den Textdichtern Alfred Steinberg-Frank und Joe Gribitz. Strecker war ein Nationalsozialist "der ersten Stunde" und schon 1934 in der illegalen NSDAP Gauobmann und Landeskulturleiter. Das hinderte ihn aber nicht daran, in denselben Jahren häufig mit dem berühmten jüdischen Librettisten und Textautor Fritz Löhner-Beda, der 1942 in Auschwitz ermordet wurde, zusammenzuarbeiten. Löhner-Beda war wiederum Vorstandsmitglied der AKM (Gesellschaft der Autoren, Komponisten und Musikverleger), Strecker wurde in der NS-Zeit, nach Ausschaltung des alten Vorstandes und bevor die AKM in die reichdeutsche Stagma integriert wurde, zum Vizepräsidenten der AKM. In dieser Funktion sowie als Verleger hatte er damit regen Anteil an der Verdrängung jüdischer Mitglieder aus dem österreichischen Musikleben und deren Beraubung. Den "Anschluss" begrüßte er mit den Liedern "Deutsch-Österreich ist frei!" und "Wach auf, deutsche Wachau!"#13#13 Seine NS-Vergangenheit bereitete ihm in der Nachkriegszeit keinerlei Probleme. An Ehrungen erhielt er u.a. 1978 die Ehrenmedaille in Gold der Stadt Wien, die Ehrenmitgliedschaft des Österreichischen Komponistenbundes sowie den Ehrenring der Wiener Volkskunst.#13#13 Der Sänger der Aufnahme, Ernst Arnold, wurde wiederum 1938 vorübergehend mit Auftrittsverbot belegt und schrieb weiter inoffiziell für den jüdischen Komponisten Hugo Wiener Texte. Er war nach dem Ersten Weltkrieg im Rundfunk und durch Schellack-Aufnahmen als Sänger äußerst erfolgreich und selbst Komponist von 800 Liedern.