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über:morgen: Strafe muss sein!

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Titel über:morgen: Strafe muss sein!
Spieldauer
Urheber/innen und Mitwirkende Nowak, Hubert [Moderation] [GND ]
3sat [Sendeanstalt]
Datum 2013.10.19 [Sendedatum]
Schlagworte Gesellschaft ; Politik Österreich ; Justizpolitik ; Justiz und Rechtswesen ; Straftaten ; TV-Mitschnitt
Typ video
Format DFMPG [Dateiformat: MPG]
Sprache Deutsch
Signatur E52-00223_K01, E52-00223 e52-00223
Medienart Mediendatei

Information

Inhalt

Strafe muss sein! Das haben wir als Kinder alle irgendwann zu hören bekommen. Dann wurden wir vielleicht ins Kinderzimmer geschickt oder bekamen ein Fernsehverbot auferlegt. Was hat es genützt? Haben uns die Sanktionen unserer Eltern oder Lehrer zu den mehr oder weniger "funktionierenden" Mitgliedern der Gesellschaft gemacht, die wir heute sind? Oder war es viel mehr Zuwendung, Vertrauen und Anerkennung, die wir durch diese Personen erfahren haben? Und die Möglichkeit, noch einmal anzufangen, es besser zu machen, wenn etwas schief gelaufen ist? Muss Strafe also sein?
Der Staat muss auf Verbrechen mit Sanktionen reagieren. Die Strafe ist der Preis, den der Täter für die Reparatur der von ihm gebrochenen gesellschaftlichen Norm zu bezahlen hat. Findet ein solcher Schuldausgleich nicht statt, nehmen das die meisten Bürger als Anschlag auf die Normgeltung selbst wahr.
1968 wurde in Österreich die Todesstrafe aufgehoben. In den 1970er Jahren folgte die große Strafrechtsreform, die dem Verwahrvollzug zugunsten des Betreuungsvollzugs eine Absage erteilte. Die Strafmotive Rache und Buße werden abgelöst. Das Strafgesetzbuch nennt als Ziele des Strafens seither Resozialisierung, Aufzeigen des Unwerts der Tat und Prävention. Gleichzeitig beinhaltet Strafe immer auch ein Angebot zur Sühne und damit zur Versöhnung, um nach Verbüßung seiner Strafe als vollberechtigtes Mitglied in die Gesellschaft zurückkehren zu können. Ein Großteil der Bevölkerung fordert bei Verbrechen allerdings unmittelbare harte Reaktionen, die das Gefühl nach Vergeltung befriedigen - eine gesellschaftlich organisierte Form von Rache. "Je krisenhafter es in einer Gesellschaft zugeht, je mehr auch sozial integrierte Menschen zu kämpfen haben um über die Runden zu kommen, desto weniger Verständnis gibt es für Straffällige und umso schlechtere Qualität hat auch der Strafvollzug" meint etwa der Kriminolge Wolfgang Gratz.
Der Ruf nach strafender Gerechtigkeit ist lauter geworden. Gesellschaftliche Probleme sollen immer öfter mit den Mitteln des Strafrechts gelöst werden. Die österreichischen Gefängnisse waren noch nie so voll, gleichzeitig saßen noch nie so wenige Österreicher in Haft. Das hat zur Folge, dass dem Vollzug eine Klientel übrig bleibt, die zu einem großen Teil aus gesellschaftlich unangepassten, verstoßenen oder hilflosen Existenzen besteht, aus Drogenabhängigen, ewigen Wiederkehrern und Tätern ohne inländischen Wohnsitz.

Mit dem Wegsperren des Täters wähnt man sich dann in Sicherheit und glaubt das Problem sei vom Tisch. Die Verurteilten verschwinden jedoch nicht. 95 Prozent von ihnen kehren nach ihrer Haft zurück. Nach einer Freiheitsstrafe, die tiefgreifende Veränderungen in ihrem Leben bewirkt hat.

Die über:morgen-Dokumentation "Strafe muss sein" beleuchtet die gegenwärtige Situation des Strafvollzugs und stellt die Frage nach Zukunftskonzepten. Könnte man in einer fernen Zukunft, den gesellschaftlichen Strömungen zum Trotz, wirklich ohne Haftstrafen auskommen? Die Einführung des elektronisch überwachten Hausarrests wäre ein Signal in diese Richtung.

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