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Der Untergang Österreichs

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Katalogzettel

Titel Der Untergang Österreichs
Spieldauer
Urheber/innen und Mitwirkende Novak, Andreas [Gestaltung] [GND ]
Jagschitz, Gerhard [GND ]
3sat [Sendeanstalt]
Datum 2014.03.24 [Sendedatum]
Schlagworte Politik ; Gesellschaft ; Faschismus und Nationalsozialismus ; Dokumentation ; TV-Mitschnitt
Typ video
Format DFMPG [Dateiformat: MPG]
Sprache Deutsch
Signatur E52-01073_K01, E52-01073 e52-01073
Medienart Mediendatei

Information

Inhalt

Das Finale zum Untergang Österreichs vollzog sich am Telefon. Von Berlin aus steuerte "Telefonregisseur" Hermann Göring am 11. März 1938 einen Putsch, der das Land bereits nationalsozialistisch macht, bevor noch ein einziger Soldat der deutschen Wehrmacht die Grenze überschreitet. Der telefonisch eingeleitete Untergang macht den Wiener Rechtsanwalt Arthur Seyss-Inquart kurzzeitig zum Bundeskanzler. Der katholisch-akademische Salon-Nazi wird spätestens ab 1937 zu jener Zentralfigur, um die Hitler seine Strategie der braunen Unterminierung des Landes baut. Gleichzeitig aber ist Seyss-Inquart für Bundeskanzler Kurt Schuschnigg jener Mann, dem er zutraut, gerade diese Aushöhlung des Staates zu verhindern. Die Dokumentation von Andreas Novak setzt sich mit diesem Widerspruch und den Gründen für Schuschniggs fatalem Irrglauben auseinander. Sie verschränkt die Ereignisse um den Anschluss mit der bisher wenig beleuchteten Rolle Seyss-Inquarts und dessen Aufstieg zur Elite der österreichischen Anschlussbewegung.
Der "Anschluss" Österreichs an das Dritte Reich im März 1938 ist neben dem Untergang der Habsburger Monarchie im Jahr 1918 das zentrale historische Ereignis des vergangenen Jahrhunderts. Folgen und Nachwirkungen prägten die anschließende Geschichte der Zweiten Republik und sind in vielen Familienbiografien bis heute als irreparable Brüche präsent.
Der Untergang Österreichs beendete die ebenso akademisch wie gewaltsam geführten politischen Auseinandersetzungen über nationale Identität, Patriotismus und Heimatbegriff. Der Einmarsch deutscher Truppen erklärt für viele eine nationale Identitätskrise, die ins Gründungsjahr der Ersten Republik zurückreicht. Wirtschaftskrise und autoritärer Ständestaat beschleunigten zwar den Anschluss. Doch nicht allein die Republik ohne Republikaner öffnete die Türen für Hitler. Daher rückt Andreas Novak in seiner Dokumentation "Der Untergang Österreichs" einen weniger beachteten Aspekt ins Zentrum der Betrachtung. Das bei den Menschen fast aller Gesellschaftsschichten tief verankerte Bewusstsein, Deutsche zu sein und zur deutschen Nation zu gehören.
Im Zusammenhang mit den Ereignissen rund um den Anschluss konzentriert sich Andreas Novak auf das Vorspiel zum Untergang Österreichs, auf die Ereignisse am 11. März 1938. Jenen Tag, an dem Arthur Seyß-Inquart zum aus Berlin erzwungenen Bundeskanzler wurde. Der von Göring gesteuerte Putsch machte das Land bereits nationalsozialistisch, bevor Hitlers Wehrmacht einmarschierte. Das telefonisch eingeleitete Ende legt nationalsozialistische Machtpolitik auf ebenso schreckliche wie auch absurde Weise offen. Um in den europäischen Staatskanzleien nicht den Eindruck zu erwecken, der Einmarsch wäre eine deutsche Initiative, benötigte man am Ballhausplatz ein staatsrechtlich-juristisches Exekutionsorgan, das dem militärischen Gewaltakt scheinbare Legalität verleihen sollte. Das gelang mit Kurzzeitbundeskanzler Arthur Seyß-Inquart. Listet man die österreichischen Regierungschefs nach der Kürze ihrer Amtszeit auf, so steht Walter Breisky mit seinem lediglich eintägigen Gastspiel im Jänner 1922 an erster Stelle, gefolgt von Seyß-Inquart - wenngleich mit politisch bedeutend fataleren Konsequenzen.
Wer war dieser von Hitler und Göring erzwungene Nachfolger Kurt Schuschniggs? Welche Motive haben diesen öffentlich meist wenig beachteten Wiener "Salon-Nazi" angetrieben? Wie erklärt sich der absurde Widerspruch, dass Seyß-Inquart spätestens ab 1937 jener Mann wird, um den Hitler sein Konzept der braunen Unterminierung baut, Bundeskanzler Schuschnigg aber gleichzeitig meint, eben das könnte Seyß-Inquart verhindern? Entsprach die am Heldenplatz proklamierte Auslöschung Österreichs seinen politischen Vorstellungen? Diesen Fragen versucht Novak in seiner Dokumentation nachzugehen. Sie verschränkt die Analyse rund um Ursachen, Hintergründe und Folgen des "Anschlusses" mit dem Aufstieg von Arthur Seyß-Inquart, mit der langsamen Verschmelzung von "Anschluss"-Bewegung, Seyß-Inquart und dem Ende Österreichs.
In Novaks Dokumentation berichten Zeitzeugen von den Ereignissen in der Nacht vom 11. auf den 12. März vor dem Bundeskanzleramt. Einer davon wollte Seyß-Inquart vom Kanzlerbalkon schießen. Ein anderer, gleich nach dem Machtwechsel verhafteter NS-Gegner konnte aus seiner Zelle die Reime begeisterter Massen hören, die auf Hitlers Ankunft warteten: "Lieber Führer komm doch bald, unsere Füße sind schon kalt." Im Rahmen der Recherchen ist es gelungen, erstmals Filmaufnahmen zu finden, die den abgesetzten, unter Hausarrest gestellten Kanzler Schuschnigg beim bewachten Spaziergang zeigen. Der gesteuerte Volkszorn führte dazu, dass ein Nazitrupp versuchte, ins Haus einzudringen, um mit Schuschnigg abzurechnen.
Erstmals wird auch ein ausländischer Zeitzeuge präsentiert: Ein damals 16-jähriger Amerikaner, der mit seinen Eltern zu dieser Zeit in Wien lebte. Das historisch Interessante ist nicht nur der distanzierte, fremde und damit neutrale Blick auf das Geschehen, sondern auch die gleichzeitige schriftliche und filmische Dokumentation der Vorgänge. Während die Mutter Tagebuch führte, filmte der Vater mit der 8-mm-Kamera die Verwandlung Wiens in eine nationalsozialistische Großinszenierung. (3sat)

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