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60 x Deutschland - Die Jahresschau - 1971 - 1980

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Katalogzettel

Titel 60 x Deutschland - Die Jahresschau - 1971 - 1980
Spieldauer
Urheber/innen und Mitwirkende Maischberger, Sandra [Moderation]
Phoenix [Sendeanstalt]
Datum 2013.05.20 [Sendedatum]
Schlagworte Gesellschaft ; Politik ; Nachrichten ; TV-Mitschnitt
Typ video
Format DFMPG [Dateiformat: MPG]
Sprache Deutsch
Signatur E52-02740_K01, E52-02740 e52-02740
Medienart Mediendatei

Information

Inhalt

1971 - In der DDR tritt der Staatschef zurück und ein neuer an: Erich Honecker übernimmt das Amt von Walter Ulbricht. Honecker muss sich gleich mit einem großen Problem der sozialistischen Planwirtschaft herumschlagen. Mangel herrscht in der DDR: Zu viel Produkte der Schwerindustrie und zu wenig Konsumgüter werden hergestellt. Das soll sich nun ändern und so müssen die Industriebetriebe, zum Beispiel das Kombinat in Eisenhüttenstadt, Kohlekästen und Kosmetikregale herstellen."Wir haben abgetrieben" bekennen 300 Frauen im Magazin "Stern" und protestieren damit gegen den Paragraphen 218, der Abtreibung unter Strafe stellt. Ohne Erfolg. Erst drei Jahre später wird eine Reform des Paragraphen durchgesetzt die aber schon bald vom Bundesverfassungsgericht wieder verworfen wird. Zum Erfolg wird dagegen die Ostpolitik von Kanzler Willy Brandt. Sie bringt deutliche Entspannung im deutsch-deutschen Verhältnis. Ende des Jahres tritt das Transitabkommen in Kraft das erste auf Regierungsebene geschlossene Abkommen der beiden deutscher Staaten. Der Verkehr zwischen West-Berlin und Westdeutschland kann endlich ungehindert fließen.

1972 - Drei wichtige Premieren gibt es sowohl im Osten wie auch im Westen. In der DDR dürfen die Bürger zum ersten Mal ohne Visum nach Polen reisen. Zwischen den sozialistischen Bruderländern soll Normalität einkehren. Die Ostdeutschen entdecken in Polen ungekannte Freiheiten, die Polen begeistern sich vor allem für die Waren in den Konsum-Läden. In der Bundesrepublik will sich das Gastland bei den Olympischen Spielen liberal und weltoffen zeigen. Aber es kommt anders. Ein Terroranschlag erschüttert die Republik. Eine Gruppe Palästinenser erschießt Mitglieder der israelischen Mannschaft und nimmt weitere als Geiseln. Auf dem Münchner Flughafen endet ein Befreiungsversuch blutig. Der internationale Terrorismus hat einen ersten Höhepunkt erreicht. Im Deutschen Bundestag wird erstmals seit Gründung der Bundesrepublik die Vertrauensfrage gestellt. Die konservative Opposition will Bundeskanzler Willy Brandt und die sozialliberale Regierung stürzen. Doch sie scheitert. Bei Neuwahlen stellt sich die Bevölkerung mehrheitlich hinter ihren Kanzler.

1973 - Die Delegationen von DDR und Bundesrepublik direkt nebeneinander im Sitzungssaal - ein neues Bild bei der UNO in New York. 1973 werden die beiden deutschen Staaten in die Organisation aufgenommen. Vor allem für die DDR ist das ein großer Schritt. Sie erweitert damit ihren außenpolitischen Spielraum beträchtlich. In der Bundesrepublik macht vor allem eine Krise Schlagzeilen: Das Öl wird knapp, weil arabische Staaten ein Embargo gegen israelfreundliche Länder verhängen. Für einige Sonntage wird ein Fahrverbot erlassen. Auf den Autobahnen sind Pferdegespanne, Fahrradfahrer und Wanderer unterwegs. Die Ölkrise ist der erste wirtschaftliche Einbruch der Bundesrepublik. Im Osten ist 1973 ein aufregendes Jahr für die Jugend. Die X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten bringen Millionen Menschen zusammen. "Für antiimperialistische Solidarität, Frieden und Freundschaft", lautet das Motto, unter dem sich die DDR offen und liberal präsentieren will. Für viele Jugendliche ist es einfach nur eine wilde Zeit.

1974 - Fußball-Fans aus aller Welt kommen nach Deutschland: Zum ersten Mal richtet die Bundesrepublik eine Weltmeisterschaft aus. Und zum ersten Mal tritt auch die DDR-Elf an. Zum deutsch-deutschen Länderspiel in Hamburg dürfen sogar sozialistische Fans anreisen. Die erleben mit, wie ein Tor von Jürgen Sparwasser den West-Kickern eine legendäre Niederlage einbringt. Doch die DDR-Mannschaft scheidet später aus. Die westdeutsche Nationalauswahl dagegen siegt: Deutschland wird im eigenen Land Fußballweltmeister - ein bewegender Moment. Erschütternde Nachrichten kommen dagegen aus dem Bundeskanzleramt. Dort wird ein Spion enttarnt. Günther Guillaume, Sekretär von Willy Brandt, hat diesen jahrelang für die DDR Staatssicherheit ausspioniert. Der beliebte Kanzler gerät immer mehr unter Druck, schließlich stürzt er über diese Affäre. Auf den Straßen bietet sich ein neues Bild: Der Golf löst den VW-Käfer ab - und setzt Maßstäbe für eine Klasse, die bald seinen Namen trägt.

1975 - Mit dem ersten Januar 1975 hat die Bundesrepublik schlagartig zwei Millionen erwachsene Einwohner mehr - die Volljährigkeitsgrenze liegt nun nicht mehr bei 21 Jahren, sondern bei 18. Während die jungen Erwachsenen in der Bundesrepublik feiern, müssen die Jugendlichen der DDR arbeiten. Sie bauen in der Ukraine die Druschba-Trasse, über die Erdgas transportiert werden soll. Von Sibirien bis in die DDR soll die Pipeline reichen. Die FDJ erklärt die Trasse zum zentralen Jugendobjekt. Für viele Jugendliche ist der Einsatz trotz der Arbeit einfach nur eine aufregende Zeit. Ein Thema beherrscht die Bundesrepublik ab April: Der Terrorismus. Mit Peter Lorenz wird zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik ein Politiker entführt. Die Terroristen fordern die Freilassung von inhaftierten Gesinnungsgenossen. Die Bundesregierung lässt sich auf den Tauschhandel ein. Danach muss sie sich den Vorwurf gefallen lassen, erpressbar zu sein.
1976 - Ein großer Auftritt für eine kleine Biene - auf den Bildschirmen in der Bundesrepublik. Zum ersten Mal flimmern Maja und ihr Freund Willi über die Mattscheiben. Kinderfernsehen ohne jeden Bildungsanspruch. Die Entrüstung bei Pädagogen ist groß - ebenso wie die Resonanz bei den Zuschauern. Kultureller und politischer Mittelpunkt der DDR soll 1976 ein Gebäude werden: Der Palast der Republik. Der sozialistische Staat will sich damit modern, erfolgreich und volksnah präsentieren. Doch ist der Palast auch Sitz der SED-Regierung. Das protzige Gebäude soll so den Sieg des Sozialismus versinnbildlichen. Sozialismus als Weg zur Freiheit erhofft sich der Liedermacher Wolf Biermann in der DDR. Doch seine leise Kritik nimmt die DDR-Regierung zum Anlass, um ihn auszubürgern. Daran nimmt auch SED-Chef Erich Honecker Schaden. Er verspielt seinen Ruf als vorsichtiger Reformer.

1977 - Der Terrorismus der Roten Armee Fraktion überschattet im Jahr 1977 in der Bundesrepublik alles. Generalbundesanwalt Siegfried Buback, der Vorstandsvorsitzende der Dresdner Bank Jürgen Ponto und der deutsche Arbeitgeberpräsident Hans-Martin Schleyer sowie die sie begleitenden Polizeibeamten und Fahrer werden von im "Deutschen Herbst" von RAF-Terroristen ermordet. Bundeskanzler Helmut Schmidt zeigt sich - anders als noch zwei Jahre zuvor - in den Verhandlungen mit den Terroristen unnachgiebig. Die Bundesregierung gibt nicht nach, auch als die Lufthansa-Maschine Landshut entführt wird. Weit weniger dramatisch ist das Jahr für die DDR. Doch auch dort bahnt sich eine kleine Krise an: Der Kaffee wird knapp. Staatschef Erich Honecker macht den Kaffee zur Chefsache. Ein Kaffeeersatz kommt auf den Markt, der nicht nur schlecht schmeckt, sondern auch Kaffeemaschinen zum Explodieren bringt und so für großen Unmut sorgt.

1978 - Der erste Deutsche erobert das Weltall: In einer russischen Raumkapsel umrundet der DDR-Kosmonaut Sigmund Jähn die Erde. Das ist ein Triumph, der von der SED-Führung propagandistisch ausgeschlachtet wird. Doch unabhängig davon feiern zehntausende DDR-Bürger Jähn als ihren Nationalhelden. Schmach dagegen für der Bundesrepublik: Im letzten Zwischenrundenspiel der Fußball-Weltmeisterschaft im argentinischen Cordoba unterliegt der amtierende Weltmeister Deutschland dem Außenseiter Österreich. Das 2:3 der deutschen Elf gegen das Nachbarland ist unfassbar für beide Seiten. Was in der Bundesrepublik als "Schmach von Cordoba" in die Sportgeschichte eingeht, wird in Österreich als "Wunder von Cordoba" gefeiert. Für die Deutschen in Ost und West endet das Jahr endet mit einer sprichwörtlichen Eiszeit: Über den Norden bricht eine Kältewelle herein. Zehntausende Menschen sind wochenlang von der Außenwelt abgeschnitten. Nur mit Hilfe von Panzern der Bundeswehr und Nationalen Volksarmee können sie versorgt werden.

1979 - Eisig beginnt das Jahr 1979 - vor allem in der DDR. In einem der kältesten Winter friert die nasse Braunkohle ein. Die Kraftwerke können nicht mehr beliefert werden und die Stromversorgung bricht zusammen. Sogar mit umgebauten Flugzeugtriebwerken versucht die Armee, Kohleförderanlagen wieder aufzutauen. Eiszeit herrscht auch in der Politik. Der kalte Krieg geht mit dem NATO-Doppelbeschluss in seine letzte Phase. Der Westen bietet damit den Ländern des Warschauer Paktes Abrüstungsverhandlungen an. Sollten diese scheitern, legt er die Stationierung US-amerikanischer Raketen in Westeuropa fest. Das Thema beherrscht die Politik das gesamte Jahr lang. In den Medien ist es dagegen die Auseinandersetzung mit den schrecklichen Verbrechen während eines vergangenen Kriegs: Die US-Serie "Holocaust" bringt das Schicksal der Millionen ermordeten Juden auf die Fernsehbildschirme. Im Kino trommelt Oskar Matzerath aus der "Blechtrommel" gegen Nazis an.

1980 - Eine neue Zeitrechnung beginnt 1980 - und das ganz wörtlich. Nach 31 Jahren wird die Sommerzeit in Ost und West eingeführt. In Zeiten der Ölkrise soll damit Energie gespart werden. Auch für die westdeutsche Parteienlandschaft beginnt mit diesem Jahr eine neue Zeitrechnung. Denn es ist die - reichlich chaotisch verlaufende - Geburtsstunde der Partei "Die Grünen". Die selbst ernannte Antiparteien-Partei ist nun ein Mitstreiter beim Kampf um Sitze im Bundestag. Das Waldsterben wird parallel auch in den Massenmedien zum Dauerthema. 1980 ist auch das Ende einer Ära - nach fast 200 Jahren betritt ein Papst zum ersten Mal wieder deutschen Boden. Johannes Paul der II. begeistert mit seinem Besuch hunderttausende Deutsche.

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