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Lust auf's Leben - 17. Ökumenischen Sommerakademie (1) [2015.07.26]

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Katalogzettel

Titel Lust auf's Leben - 17. Ökumenischen Sommerakademie (1) [2015.07.26]
Spieldauer
Urheber/innen und Mitwirkende Huemer, Michael
ORF Radio Oberösterreich [Sendeanstalt]
Datum 2015.07.26 [Sendedatum]
Schlagworte Gesellschaft ; römisch - katholische Kirche ; evangelische Kirchen ; Judentum ; Radiosendung-Mitschnitt
Typ audio
Format DFMP2 [Dateiformat: MP2]
Sprache Deutsch
Signatur E53-01523_K01, E53-01523 e53-01523
Medienart Mediendatei

Information

Inhalt

Musik - Blasmusik Nachrichten; Lust auf's Leben - erster Teil von der 17. Ökumenischen Sommerakademie. Danach Musikprogramm.
Ökumenische Sommerakademie in „Lust aufs Leben“

Warum lässt Gott Leid zu? In der Sendung „Lust aufs Leben“ hören Sie am 26. Juli und 2. August ab 21.03 Uhr Nachbetrachtungen zur 17. Ökumenischen Sommerakademie 2015 mit dem Titel „Warum leiden wir“.

In der Silvesternacht vom 31. Dezember 1999 auf den 1. Jänner 2000 feierte man auf der ganzen Welt den Anbruch des neuen Jahrtausends. Wenngleich rechnerisch falsch war der Milleniumswechsel Anlass für zahllose Spekulationen über drohende Katastrophen oder den unmittelbar bevorstehenden Weltuntergang. Andere hofften auf den Beginn eines neuen Goldenen Zeitalters.

„Das Jahr 2000 – der Mythos der Zahl“ war im Jahr 1999 der Tagungstitel der Ersten Ökumenischen Sommerakademie im Stift Kremsmünster und der Beginn einer Tagungsreihe, die jedes Jahr im Juli auf Initiative der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz, des Evangelischen Bildungswerkes Oberösterreich, des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, des Landes Oberösterreich, der Kirchenzeitung der Diözese Linz, des Stiftes Kremsmünster und der Religionsabteilungen des ORF in Fernsehen und Hörfunk veranstaltet wird. Der ORF Oberösterreich ist dabei Medienpartner.
Nach zwei vorwiegend gesellschaftspolitischen Themen über den Zusammenhang zwischen individualistischem Egoismus und den verschiedenen Aspekten gesellschaftlicher Solidarität sowie der Verantwortung der Religionen für Krieg und Frieden, denen in den beiden letzten Veranstaltungen 2013 und 2014 nachgegangen wurde, behandelte heuer die Sommerakademie wieder ein Thema, bei dem es um das Leben des einzelnen Menschen und seiner persönlichen Umgebung ging. Es standen Fragen im Mittelpunkt, die die gesamte menschliche Zivilisationsgeschichte begleiten: Warum lässt Gott Leid zu und warum fügen Menschen einander Leid zu? Ob Leid Sinn und Zweck hat oder gar von Gott als Erziehungsmittel eingesetzt wird, beschäftigt nicht nur Philosophen und Theologen, sondern erschüttert Menschen in ihrer religiösen Einstellung. Zwölf hochkarätige Referenten

Prominente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Kirchenvertreter und Vertreter des Judentums aus Österreich und Deutschland konnten für die Vorträge und Diskussionen gewonnen werden. Zwölf hochkarätige Referenten sprachen in den drei Tagen im Kaisersaal des Stiftes Kremsmünster zu 420 Tagungsteilnehmern, darunter Mitarbeiter im Hospizdienst und in der palliativmedizinischen Betreuung.

In seinen Begrüßungsworten betonte Hausherr und Gastgeber Abt Ambros Ebhart, die Tatsache des Leidens bleibe unerklärlich und sei letztlich nicht zu verstehen, sondern zu bestehen. In offenen Worten schilderte er die schmerzhafte Tatsache, dass im Stift Kremsmünster das Leid von Menschen über Jahrzehnte nicht wahrgenommen worden sei. Den ersten Vortrag hielt der deutsche Rechts- und Sozialphilosoph Norbert Hoerster zum Thema „Die Unlösbarkeit des Problemes des Übels“. Er ging dabei der Frage nach, ob man einen allmächtigen Gott, der eine Welt mit viel Übel erschaffen hat, überhaupt als gütig betrachten kann. Hoerster ist dabei der Überzeugung, dass die Thesen von bekannten Theologen zur moralischen Vollkommenheit und Güte Gottes einer kritischen Prüfung nicht standhalten und die Frage deshalb mit Nein beantwortet werden müsse.

Widerspruch im Publikum

Nicht nur im Publikum erntete der Philosoph Widerspruch. Auch der Fundamentaltheologe Magnus Striet aus Freiburg, der im Anschluss an Hoerster am ersten Tagungstag referierte, legte ein Plädoyer dafür auf, an der Hoffnung an einem Gott festzuhalten. Sein Referatstitel: „Hat Gott kein Erbarmen oder existiert er nicht?“. Bei der anschließenden Diskussion kamen noch einmal die widersprüchlichen Anschauungen der beiden Referenten zu Wort. Durchaus ein Anliegen des Veranstalters, dass Themen widersprüchlich diskutiert werden.
„Satt ist nicht genug“

Kummer und Leid kennt Cecily Corti aus eigenen Augen und eigener Erfahrung, denn sie ist die Obfrau der VinziGemeinschaft St. Stephan in Wien. Es handelt sich bei der VinziGemeinschaft um eine unabhängige und offene Gemeinschaft. Ihre Aufgabe liegt darin, obdachlosen Menschen ein Zuhause, Wärme und Geborgenheit in Gemeinschaft zu bieten. Die Mitarbeiter sind ehrenamtlich tätig, kommen aus allen Altersgruppe und Berufen und aus unterschiedlichen sozialen Hintergründen. Cecily Corti kommt also aus der Praxis und gab unter dem Titel „Satt ist nicht genug“ einen Einblick in ihren Arbeitsalltag. Corti war mit dem Film- und Theaterregisseur Axel Corti bis zu dessen Tod 1993 verheiratet.

„Individuum als Teil einer Gemeinschaft“

Der Bad Ischler Clemens Sedmak hat eine Professur für Sozialethik am King’s College in London und ist Leiter des Zentrums für Ethik und Armutsforschung an der Universität Salzburg. Er sieht das Individuum nicht als Einzelgestalt, sondern als Teil einer Gemeinschaft und einer Gesellschaft. Er versucht auf diese Weise, die soziale und politische Dimension von Leid anzusprechen. In seinem Vortrag geht es um Fragen, wie aus einer sozialethischen Perspektive aus Leid verteilt, gelindert und bekämpft werden kann.

Wer trauert und verzweifelt ist, braucht nicht zuerst eine Antwort sondern die Möglichkeit zu klagen, zu weinen, zu schreien, um das unfassbare Ausmaß des Leids aus sich herauszusetzen. Das weiß und wusste auch die religiöse Praxis, dass das Leid mit menschlichen Mitteln nicht zu überspringen und nicht aus der Welt zu schaffen ist. Der Glaube kann das Leid nicht insgesamt wegnehmen oder ungeschehen machen, seine Aufgabe ist es eher, spezifische Umgangsweisen mit dem Leid anzubieten. Ulrike Wagner-Rau, Professorin für Praktische Theologie und Religionspädagogik, sieht das als die zentrale Aufgabe von Kirche und Christentum in der Gegenwart. Die christliche Religion soll Mittel und Wege anbieten, um Erfahrungen der Gebrochenheit, des Scheiterns und der Begrenztheit zu artikulieren. Schmerz, Trauer, Wut und Schuld brauchen Raum und Zeit. Wagner-Rau macht das am Beispiel des verstorbenen Aktionskünstlers Christoph Schlingenschief plausibel.
Leiden und Judentum

Den Begriff des Leides und Leidens bringt man wohl stark in Verbindung mit dem Judentum, einer Religion, die im 20. Jahrhundert eine Berg- und Talfahrt der Leiderfahrung und Hoffnung durchmachte, sowohl für jedes einzelne Individuum als auch für die jüdische Gemeinschaft. Gerade als sich die Juden in Europa über eine immer größer werdende Akzeptanz in der Gesellschaft, den Künsten und den Wissenschaften freuen konnten, brach in den 30er-Jahren über sie die nationalsozialistische Gewaltherrschaft herein.

Als Holocaust oder Schoah wird der Völkermord an bis über sechs Millionen Menschen bezeichnet. Auch dem arabischen Nationalismus fielen 1929 in Hebron und 1941 in Bagdad jüdische Gemeinden zum Opfer. Erst 1948 entstand nach fast 2000 Jahren wieder ein jüdischer Staat, Israel, der zur Hoffnung vieler Juden wurde, die die Schoah oder die Verfolgungen in arabischen Ländern überlebt haben. Der Vizepräsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Willy Weisz, referierte über den Umgang von Erfahrungen mit Leid und Hoffnung des jüdischen Volkes.
Aufnahmebeginn: 20:30

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