Interview mit Hanny Hieger - 2. Teil
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Seit 2001 führt die Burgenländische Forschungsgesellschaft (BFG) lebensgeschichtliche Interviews mit vertriebenen Juden und Jüdinnen des Burgenlandes durch. Der Großteil der Lebensgeschichten wurde in der von Alfred Land, Barbara Tobler und Gert Tschögl 2004 im Mandelbaum-Verlag herausgegebenen Publikation "Vertrieben. Erinnerungen burgenländischer Juden und Jüdinnen" veröffentlicht.
Die 1923 in Wien geborene Hanny Hieger wuchs in einem Elternhaus auf, in dem nur die hohen jüdischen Feiertage, Rosh Hashana und Jom Kippur, gefeiert wurden. Wegen antisemitischer Diskriminierungen wurde sie wie ihr Bruder Fritz von der Evangelischen Volksschule in Zurndorf genommen und kam zu Verwandten nach Wien. Noch am Tag des „Anschlusses“ im März 1938 wurde ihr Vater verhaftet, im provisorischen Konzentrationslager Frauenkirchen eingesperrt und später nach Wien überstellt. Die Familie wurde enteignet, musste Zurndorf verlassen und kam bei der Schwester der Mutter in Wien unter. Nach der erneuten Verhaftung des Vaters in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 gelang es der Mutter, die Kinder auf Kindertransporten der Kultusgemeinde nach England unterzubringen. Im Februar 1939 verließ Hanny Österreich und die Familie in Richtung London. Die Eltern konnten nach Bolivien flüchten. Nachdem sie bei zwei Familien aufgenommen worden war, kam sie zu Kriegsbeginn in ein Kinderheim. Später arbeitete sie als Näherin in einer Fabrik und schloss sich der Jugendbewegung „Young Austria“ an. 1942 heiratete sie, 1944 kam ihre Tochter zur Welt und kehrte 1945 nach Wien zurück, wo sie sich scheiden ließ. 1951 übersiedelte sie zu ihren Eltern nach Montevideo. Hanny Hieger heiratete zum zweiten Mal, arbeitete in als Übersetzerin und bei Entwicklungsprojekten der Vereinten Nationen. 1970 kehrte sie nach Österreich zurück, wo sie im Außenministerium arbeitete und an die Botschaft nach Kolumbien geschickt wurde. 1976 ließ sie sich an die österreichische Botschaft in der DRR versetzen, wo sie bis zu ihrer Pensionierung tätig war.