Interview mit Gertrude Scholz - 2. Teil
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Inhalt
Entstehungskontext: Seit 2001 führt die Burgenländische Forschungsgesellschaft (BFG) lebensgeschichtliche Interviews mit vertriebenen Juden und Jüdinnen des Burgenlandes durch. Der Großteil der Lebensgeschichten wurde in der von Alfred Land, Barbara Tobler und Gert Tschögl 2004 im Mandelbaum-Verlag herausgegebenen Publikation "Vertrieben. Erinnerungen burgenländischer Juden und Jüdinnen" veröffentlicht.
Biographie: Die Interviewte wurde 1919 im 2. Bezirk in Wien geboren und stammt aus einer jüdischen Familie. Gertrude Scholz besuchte ein Realgymnasium, maturierte 1937 und begann im Wintersemster 1937/38 ein Studium an der Universität Wien, von welchem sie nach der nationalsozialistischen Machtübernahme ausgeschlossen wurde. In religiöser Hinsicht beschreibt sie ihre Kindheit als säkular, ihr Vater habe alles Fromme "gehasst". Während ihrer Kindheit und Jugend besuchte sie regelmäßig jüdische Verwandte in Rust am See in Burgenland, im Interview erzählt sie auch über deren "Verschwinden" während des Krieges und ihre eigenen Beobachtungen in den ersten Monaten der Machtübernahme. Ihre Eltern und Schwester emigrierten während des Krieges nach Palästina. Sie selbst bekam bereits 1938 eine Stelle im Rahmen der Aktion "Gildemeester", in deren Rahmen sie Dokumente für nichtarische Jüdinnen und Juden kontrollierte. Im Interview sprach Gertrude Scholz mit Scham und Schuldgefühlen über diese Zeit.Im Februar 1939 emigrierte sie als Dienstbotin nach England (London), wo sie bald ihren ersten Mann kennenlernte und mit ihm eine Tochter bekam. Sie erzählt von ihrer Arbeit als "domestic employee" und Bombardierungen.Nach zwei Jahren kam es zur Scheidung, 1947 zur zweiten Ehe. Remigration nach Österreich: Gemeinsam mit ihrem Mann, einem österreichischen Kommunisten und Chefredakteur der Zeitung "Wahrheit") und ihren Kindern lebte sie von 1947 an in Graz. Die Interviewte erzählt vom Antisemitismus in der Nachkriegszeit, ihren zahlreichen Reisen zu Verwandten nach Israel und dem Verhältnis ihrer Kinder und Verwandten zum Judentum.
Zum Interview: Das Interview hat zwei Teile: Der erste Teil beinhaltet eine "freie" lebensgeschichtliche Erzählung (etwa bis Minute 30), danach werden vom Interviewer Nachfragen gestellt. Diese werden im zweiten Teil fortgesetzt, in den letzten 10 bis 15 Minuten werden Dokumente abgefilmt und noch Anmerkungen/Kommentare zur Erzählung gemacht.