Mitwirkende:
Mayröcker, Friederike [Text]
, Krendlesberger, Hans [Regie]
, Wussow, Klausjürgen [Darsteller/in]
, Schmid, Aglaja [Darsteller/in]
, Christoph, Marina [Darsteller/in]
Datum:
1977 [Produktionsdatum]
1977.10.25 [Erst-Sendedatum]
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Schlagworte:
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Literatur
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Hörspiel
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Radiosendung-Mitschnitt
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Typ:
audio
Inhalt:
In "Bocca della Verità" schreibt ein Mann Briefe an eine Frau, die er "Carissima"nennt. Er beobachtet sich dabei - und kommentiert gleichzeitig seine Gedanken. Erinnerungsbilder aus seiner Kindheit tauchen auf. Zwei Frauen aus seinem Leben verschmelzen zu einer Einheit. "Bocca de la Verita" wird von elektronischen Geräuschen und elektronischer Musik, die mit realen Geräuschen und realer Musik gemischt wurde, untermalt. Diese Effekte sollen den irrealen Charakter von Friederike Mayröckers Stereo-Hörspiel unterstreichen. Alternative Inhaltsangabe: Zuerst sollte man von der faszinierenden Stimmung dieses Sommerhörspiels sprechen, in die Friederike Mayröcker ihre Hörer bei den Gängen ihres Protagonisten durch Rom versetzt; erst dann, daß dieses "Assoziationshörspiel" dem Hörer viel Freiraum läßt und die Geschichte eines Mannes erzählt, der aus Rom Briefe an eine Frau - an Carissima- schreibt. Hier, anscheinend auf Urlaub, sieht er sich mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Die charakteristischen Plätze und die sommerliche Atmosphäre Roms lösen Erinnerungen aus, Kindheitsassoziationen. Die Beziehung zu zwei Frauen - Julia und Cäcilia- aktualisiert sich plötzlich, längst verdrängte Gefühle und Empfindungen drängen an die Oberfläche. Der Mann selbst teilt sich dem Zuhörer auf drei Ebenen mit: als Erzähler, der sein Leben unbeteiligt erzählt, dann als Briefschreiber, der seine Erlebnisse in Rom kommentiert und schließlich als der sich selbst suchende und erlebende Mensch. Ein überaus wichtiges Element des Hörspiels ist die Dualität, die Dualität der Persönlichkeit (als Beispiel die beiden Frauen, die Dualitätsbeziehung Mann-Kind), die Dualität des Ortes (Venedig und Rom tauchen als Erlebnisorte auf) und die Dualität der Zeit (Kindheit und Gegenwart). Immer wiederkehrende Sprachblöcke sollen diese Situation verinnerlichen und gleichzeitig lebendig machen, den Vorstellungsraum des Hörers erweitern und ein genaues, akustisch definiertes Bild entstehen lassen. Die Handlung selbst tritt in den Hintergrund, Assoziationen, Erinnerungen, Träume, Sprachfetzen, die auf einen fast irrealen Erlebnisbereich hinweisen, sollen die Hauptperson charakterisieren, den Versuch der Vergangenheitsbewältigugn, der Beziehungsbewältigung. Mayröcker will keine Illusionshandlung erzählen, sondern die existentielle Problematik eines Individiums, das permanente Suchen nach dem Sinn des Lebens und der Wahrheit darstellen und diesen Prozeß dem Hörer vermitteln.