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Der Millionensassa – Das schillernde Leben des Finanzjongleurs Camillo Castiglioni

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Katalogzettel

Titel Der Millionensassa – Das schillernde Leben des Finanzjongleurs Camillo Castiglioni
Urheber/innen und Mitwirkende Ransmayr, Georg [Regie]
Euba, Matthias [Sprecher/in]
ORF 2 [Sendeanstalt]
Datum 2019.10.17 [Sendedatum]
Schlagworte Gesellschaft ; Dokumentation ; Portrait ; TV-Mitschnitt
Typ video
Format DFMPG [Dateiformat: MPG]
Sprache Deutsch
Signatur E52-16976

Information

Inhalt

San Marino, 1943: Camillo Castiglioni – der reichste Mann, der Anfang der 1920er Jahre in Wien gelebt hat – befindet sich auf der Flucht vor den Nazis. Der legendäre Spekulant und Industrie-Kapazunder ist in einem Franziskaner-Kloster untergetaucht. Mit seinem Gehstock und den feinen Seidenstrümpfen wirkt Castiglioni aber nicht wie ein normaler Mönch aus einem Bettelorden. Der Abt des Klosters ahnt, dass der geheimnisvolle Pater eine bewegte Vergangenheit hat: Castiglioni war in seiner Glanzzeit Geburtshelfer und zeitweiliger Allein-Eigentümer des deutschen Auto- und Motorrad-Konzerns BMW.

Castiglioni kann tief durchatmen, dass er im Zwergstaat San Marino Asyl gefunden hat. Denn die Jahre, in denen der Selfmademan die Bayerischen Motorenwerke kontrolliert hat, sind lange vorbei. Auf die Hilfe mächtiger Freunde in der Politik kann der Austro-Italiener mit jüdischen Wurzeln nicht mehr zählen. Umso größer ist für Castiglioni daher der Schock im Herbst 1943: Ein SS-Kommando fällt im neutralen San Marino ein und macht bei einer Razzia Jagd auf geflohene Kriegsgefangene. Castiglioni glaubt, dass ihn die Nazis aufgespürt haben. Um nicht der SS in die Hände zu fallen, will er sich aus dem Fenster stürzen. Dieser schicksalshafte Moment und andere Ereignisse sind es, die das Leben des Camillo Castiglioni kennzeichnen.

Seine Geschichte ist die dramatische Saga eines alt-österreichischen Finanzabenteurers aus Triest, der in Wien ein zweiter Rothschild werden wollte.

Nach einem rasanten Aufstieg als k.u.k. Rüstungsfabrikant fiel die Triumphphase Castiglionis in die krisenhaften Jahre nach dem Ersten Weltkrieg. Die Anfänge der Ersten Republik brannten sich damals ins Bewusstsein der Bevölkerung ein. In erster Linie war dafür die horrende Inflation verantwortlich. Aber auch der Siegeszug des Automobils sorgte für einen prägenden Eindruck. Weil Castiglioni von beiden Entwicklungen massiv profitieren konnte, wurde er zu einer umstrittenen Ikone: Als Turbo-Kapitalist, der schon bei der österreichischen Automarke Austro-Daimler gespürt hat, wo das Mobilitätsgeschäft der Zukunft liegt. Und als Finanz-Akrobat, der gewusst hat, wie man trotz Geldentwertung noch reicher werden kann.

Weil er dabei teilweise zu unsauberen Methoden greift und auch enorme Summen in den Sand setzt, wird Castiglioni zu einer Reizfigur. Immer wieder steht er während seiner Karriere mit einem Fuß im Kriminal und am Pranger. Von Karl Kraus, dem streitbaren Schriftsteller und „Fackel“-Herausgeber, wird er als skrupelloser Finanzhai verteufelt, während ihn andere als Superhirn bewundern. Seine dritte Ehe mit einer jungen Theater-Schönheit beschäftigt die Klatschspalten. Der Name Castiglioni hat damals niemanden kalt gelassen.

In seiner Dokumentation „Der Millionensassa“ geht Georg Ransmayr auch der Frage nach, mit welchen Mitteln Castiglioni gegen Ende der 1920er Jahre aus den Bayerischen Motorenwerken hinausgedrängt wurde. Verdeckte Gewinn-Ausschüttungen hatten ihn davor in Misskredit gebracht. Trotzdem hat sich Castiglioni damals bleibende Verdienste erworben: Er war nicht nur der maßgebliche BMW-Gründer, sondern auch ein Schutzengel, der die Firma mehrfach vor der Pleite bewahrt hat.

Denn er hat als Mäzen für die Mozarteum-Konzertsäle tief in die Tasche gegriffen. Und der berühmte Theatermacher Max Reinhardt konnte nur aufgrund der großzügigen Finanzspritzen Castiglionis in der „Josefstadt“ groß auftrumpfen und teure Inszenierungen herausbringen. Auch das wird bis heute – wenn überhaupt – nur am Rande gewürdigt.

„Der Millionensassa“ ist die spektakuläre Biografie eines heutzutage weitgehend unbekannten und vergessenen, damals jedoch berühmt-berüchtigten Grenzgängers, der sich wie kein anderer als Überlebenskünstler durch stürmische Zeiten geturnt hat.

Gedreht wurde an Original-Schauplätzen in Österreich, Deutschland, Italien und San Marino. Dazu kommen Interviews mit noch lebenden Zeitzeugen und Experten, aufwändige Spielszenen und bisher unbekanntes Film- und Archivmaterial.

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