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Lust auf's Leben - Kultur aus allen Richtungen [2017.05.07]

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Katalogzettel

Titel Lust auf's Leben - Kultur aus allen Richtungen [2017.05.07]
Titelzusatz Zwischen Autodrom, Unterhosen und Krauthobel - 200 Jahre Urfahraner Markt
Urheber/innen und Mitwirkende ORF Radio Oberösterreich [Sendeanstalt]
Datum 2017.05.07 [Sendedatum]
Schlagworte Gesellschaft ; Kultur ; Rückblick ; Brauch ; Radiosendung-Mitschnitt
Typ audio
Format DFMP2 [Dateiformat: MP2]
Sprache Deutsch
Signatur E53-02138

Information

Inhalt

[Sendungsinformation]
Der Urfahraner Markt feiert heuer sein 200. Bestandsjahr und das ist Grund genug, ihn einmal radiophon in den Mittelpunkt zu stellen - in der Sendung „Lust aufs Leben“ am Sonntag, dem letzten Tag des heurigen Frühjahrsmarktes.
Sendungshinweis:
Das Treiben am Donauufer zieht nicht nur Linzerinnen und Linzer an sondern auch sehr viele auswärtige Gäste. Seine Beliebtheit verdankt er vielleicht gerade der Tatsache, dass er noch nicht trendig oder zeitgeistig daherkommt. Das Spektakel mit Bratwürsteln und Zuckerwatte, Autodrom und Riesenrad, Bier und Grillhendln, Kleiderschürzen und Gemüsehobel verschmelzt zu einer lautstarken Geräusch- und Lärmkulisse samt dazugehörigen rustikalen Schweiß- und Parfumgerüchen.
Urfahranermarkt
Mehrmals gab es Anläufe, den Jahrmarkt hochzustylen und ihm eine Schickimicki-Note wie dem Münchner Oktoberfest zu verleihen. Doch der Urfix, wie ihn junge Leute nennen, ist ein Volksfest geblieben zur Unterhaltung und zum Spass vor allem der so genannten kleinen Leute.
Ohne „Linzer Buam“ geht es nicht
Untrennbar ist die Erfolgsgeschichte des Marktes mit einer Band verknüpft, den berühmten Linzer Buam. Diese Schau- und Stimmungskapelle war ein Ensemble, das auch internationale Erfahrung nachweisen konnte. Obwohl es diese Formation heute nicht mehr gibt, gilt ihr Marsch „Linzer Buam“ nach wie vor als die Hymne in den Festzelten an der Donaulände.
Urfahraner Markt früher, die Linza Buam
Komponiert hat den Bierzeltklassiker ein Wiener, der Kapellmeister Carl Wilhelm Drescher. Die Besonderheit dieser Aufnahme liegt darin, dass es sich um die Original Linzer Buam unter der Leitung von Karl Reischl handelt. Ein gewisser Fritz Schramm ist auch dabei, er ist der Bruder von Heinrich Schramm, der 1934 im Gasthaus „Zum Grauen Wolf“ in Urfahr die ersten Proben der Blaskapelle leitete.
Oberamtsrat Franz Schellmann war 1967 Leiter des städtischen Marktamtes in Linz. Er erzählt in der Sendung – ein wenig nervös und bemüht in gutem Amtsdeutsch – aus der Sicht der Behörde, was alles zu beachten ist. Die Durchführung und Organisation obliegt offiziell dem Markt- und Lebensmittelpolizeiamt.
Urfahranermarkt
27.000 halbe Bier in neun Tagen
Im sogenannten „Bierstadl“ finden an zirka 130 Tischen die Gäste einen Sitzplatz. An die 27.000 halbe Bier werden von den Kellnerinnen und Kellnern in den neun Tagen serviert und 11.000 Essen verspeist. Die größte Nachfrage gibt’s bei den Hendeln: über 8 000 Portionen werden während des Marktes im Bierstadl gegrillt. Darüber hinaus werden unter anderem Bratwürstl, Backhendlsalate, Schweinsbraten, Schnitzel, Pommes und Berner Würstel in Akkordarbeit zubereitet. Die Kellnerschaft notiert schriftlich das bestellte Essen und Trinken, das dann im Servicebereich in den Computer eingegeben wird. Mit den ausgedruckten Bons muß sich das Servierpersonal bei der Ausschank anstellen. Wichtig ist dabei, dass zuerst das Essen geholt und serviert wird und erst dann die Getränke, damit der Bierschaum auch schön steht. Rot- und Weißwein wird nur in Vierterln kredenzt, Apfelsaft gespritzt gibt es nur groß.
Urfahraner Msrkt
1937 spielten die Linzer Buam zum ersten Mal auf dem Urfahraner Markt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Ensemble dezimiert, weil viele Musiker gefallen waren. 1950 stellt der an und für sich im Landestheater spielende Trompeter Robert Thaller mit den noch verfügbaren Musikern der Vorkriegskapelle eine neue Formation zusammen, zu der sich die Meisterjodlerin Annemarie „Annamirl“ Leitner gesellte. Die am Linzer Bruckner-Konservatorium ausgebildete Sängerin trat 1952 im riesigen Festzelt zum ersten Mal auf und ihr Start mit großer Kapelle war ein Riesenerfolg, eigentlich eine Sensation, weil es damals völlig unüblich war, eine Sängerin zu lautstarker Blasmusik einzusetzen.
Zu den vom Publikum meist geforderten Stücken zählten „Die alten Rittersleut“ und eine „Torero-Nummer“. Dabei verkleidete sich Annemarie Leitner als spanischer Torero, der gegen einen wild gewordenen Stier antrat. Zwei Musikerkollegen steckten in einem Stierkostüm, das die blonde Annamirl niederstrecken musste.
Urfahranermarkt
Alkoholverbot an Wahltagen
Es war bis 1979 verboten, an einem Wahltag und teilweise sogar am Tag davor Alkohol auszuschenken – der Konsum war hingegen immer erlaubt. Ursprünglich meinte man mit Alkohol „geistige Getränke“ am Tag vor der Wahl ab 20.00 Uhr und am Wahltag bis 20.00 Uhr. Als Strafrahmen für verbotenen Ausschank waren bis zu 1.000 Schilling vorgesehen. Das führte immer zu heftigen Auseinandersetzungen gerade dann, wenn so ein Wahlsonntag mit dem Urfahraner Markt zusammenfiel.
Urfahraner Msrkt
Jahrmarktkönigin
Ein überaus beliebter Wettbewerb war die Wahl der Jahrmarktskönigin. Alle Kandidatinnen mussten das 17. Lebensjahr vollendet haben, sollten „dem Auge angenehm, darüber hinaus schlagfertig sein“. Gewählt wurde im Festsaal des Linzer Rathauses. Der Titel „Jahrmarktskönigin“ ging an die Erstplatzierte, Platz zwei und drei wurden ihre „Prinzessinnen“. Die Krönung fand im Festzelt vor dem Bieranstich statt. Neben einem kleinen Honorar wurden die Schönen mit Dirndkleidern, Schuhen und Handtaschen belohnt, die Linzer Firmen spendierten. Im Gegenzug hatten sie für die Dauer des Marktes zahlreiche Repräsentationsaufgaben zu übernehmen.
Veronika Barnas und Georg Thiel lesen ein unterhaltsames Potpourri aus kurzweiligen Geschichten und Erzählungen rund um das Thema Jahrmarkt: „Ihr Mann wird ganz glatt“, „Keine Panik auf der Titanic“, „Am Urfahrer Markt gibt sich der Orient“, „Wochenprogramm in den 70er-Jahren“, „Wermutwein löst Urfahraner Jahrmarktkrieg aus“, „Ehrung der kinderreichsten Mütter“, „Im Bierzelt gibt’s auch heißen Sex“, „Alkoholverbot bis Wahlschluss“. Ein Wochenschaubericht aus dem Jahr 1963 und historische Originalaufnahmen mit den Linzer Buam ergänzen die Sendung.

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