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Lust auf's Leben - Kultur aus allen Richtungen [2017.06.25]

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Titel Lust auf's Leben - Kultur aus allen Richtungen [2017.06.25]
Titelzusatz Das Absurde im Alltäglichen
Urheber/innen und Mitwirkende ORF Radio Oberösterreich [Sendeanstalt]
Datum 2017.06.25 [Sendedatum]
Schlagworte Kultur ; Humor ; Rückblick ; Radiosendung-Mitschnitt
Typ audio
Format DFMP2 [Dateiformat: MP2]
Sprache Deutsch
Signatur E53-02212

Information

Inhalt

[Sendungsinformation]
Unter dem Titel „Wir Standpunktlosen sind die Mehrheit“ sind in der Sendung „Lust aufs Leben“ am Sonntag, 25.6. ab 21.03 Uhr improvisierte Zwiegespräche von Otto Grünmandl über das Absurde im Alltäglichen zu hören.
Die Person kann nicht Skifahren wie Toni Sailer, trägt keinen Bart wie Andreas Hofer, kann nicht so schön singen wie Hansi Hinterseer. Sie ist mit keiner Dänin verheiratet wie es Dietmar Schönherr war und kann keine Geschichten erzählen, die aus dem Leben gegriffen sind, wie das Luis Trenker zu tun vermochte. Trotzdem hat diese Person mit all den vorher genannten Persönlichkeiten alpenländischer Männlichkeit etwas gemein: Er ist Tiroler und ist mindestens genau so berühmt wie die Genannten. 2000 ist er verstorben: der Kabarettist Otto Grünmandl.
Gründmandl - ein Spätberufener
Grünmandl, 1924 in Hall in Tirol geboren, könnte sich auf dem Gebiet des Humors als einen Spätberufenen bezeichnen. Er kam als drittes von vier Kindern auf die Welt. Sein Vater Alfred, mosaischen Bekenntnisses, war kurz nach der Jahrhundertwende zugewandert und gründete gemeinsam mit seinem Bruder 1907 in Hall ein Textilgeschäft, das, später von den beiden Söhnen weitergeführt, bis in die achtziger Jahre bestand. Grünmandls Mutter Christine stammte aus Niederösterreich und war als Hausangestellte nach Tirol gekommen. Mit dem Anschluss an Hitlerdeutschland wurde das Geschäft arisiert. Eine Flucht war bis auf die älteste Tochter nicht mehr möglich, Vater Alfred wurde 1943 in das Nebenlager Reichenau in Innsbruck verbracht. Die Familie Grünmandl überlebte, weil sie von vielen Gemeindemitgliedern unterstützt wurde. In einer biografischen Notiz von 1973 schreibt Grünmandl:
„1938 war ein böses Jahr, und die Jahre, die ihm folgten, waren noch schlimmer. Am Beispiel meines Vaters lernte ich in dieser Zeit die Würde eines geächteten Mannes kennen und an dem meiner Mutter die Tapferkeit einer ängstlichen Frau.“
Rasch findet Grünmandl als Lyriker Anerkennung, in den sechziger Jahren werden mehrere Hörspiele produziert. Sogar Oskar Werner trägt im Radio seine Gedichte vor. 1969 erhält Grünmandl den Österreichischen Staatspreis für das Hörspiel „Rochade“, das auch in mehrere Sprachen übersetzt wird. Er erhält schließlich eine Anstellung beim ORF und wird Leiter der Unterhaltungsabteilung im Landesstudio Tirol. In dieser Zeit entstehen die „Alpenländischen Interviews“, die von Ernst Grissemann in das Ö3-Programm aufgenommen wurden, womit Grünmandls Laufbahn als Humorist ihren Anfang nahm. Sie waren zum Teil so populär, das von manchen Fernsehfassungen hergestellt wurden. Zusammen mit seinem Freund und ständigen Partner Theo Peer haben die „Alpenländischen Interviews“ die Form eines ganz normalen Radiointerviews, wie sie jedermann aus Passantenbefragungen auf der Straße oder aus Gesprächen mit Prominenten kennt. Es entstehen erstaunliche und witzige Kurzgrotesken. Die Kleinform des Interviews benutzte Grünmandl zur Darstellung weniger satirischer als absurder Figuren, Situationen und Ideen. Innerhalb der großen Ö3-Hörerschaft machten ihn diese Interviews rasch bekannt und populär.
„Alpenländische Interviews“
1981 gibt Grünmandl die Sicherheit des Angestelltenverhältnisses auf, um als freier Autor, Schauspieler und Kabarettist zu arbeiten. Er tritt mit mehreren Soloprogrammen auf, die seinen Ruf als „Helden der Albernheit und genialen Spinner“ begründeten, wie es die „Süddeutsche Zeitung“ formulierte. Zu nennen sind „Ich heiße nicht Oblomow“, „Ich komme aus der Wirtschaft“, „Politisch bin ich vielleicht ein Trottel, aber privat kenn‘ ich mich aus“. Auf die „Alpenländischen Interviews“ folgte das „Alpenländische Inspektoren-Inspektorat“. Das Erstaunliche bei Grünmandls Dialogen sind die Umstände, unter denen sie entstehen. An ihnen wird nicht lange gebastelt, sie verdanken ihre Geburt zumeist der Gunst der Stunde. Mit seinem bewährten Freund Theo Peer umreisst er in ein paar Zügen eine neue Figur, wie den Forellenbademeister, und animiert seinen Partner, ihm passende Fragen zu stellen. Wenn die beiden richtig in Fahrt sind, gelingt ihnen auf Anhieb ihr Werk, Improvisation ist nicht nur in der Musik sondern auch in der Literatur möglich.
Der Tiroler hat seinen Schulabschluss an einer technischen Gewerbeschule gemacht, deren Einfluss auf sein späteres Werk nicht zu übersehen ist. Viele seiner Figuren sind Erfinder und ihre Erfindungen, die ihrer Zeit meist weit voraus waren wie die Felszackenschleif- und –zuspitzmaschine, die feuerlose Pfeife, die Tischtuchverbrennungsanlage oder die Butterreduktionsmaschine.
Oft an der Seite von Gerhard Polt
Theo Peer, sein kongenialer Dialogpartner, war lange Zeit Klavierlehrer am Innsbrucker Konservatorium und daneben freier Mitarbeiter beim ORF im Landesstudio Tirol. Durch die „Alpenländischen Interviews“, den humoristischen Doppelkonferenzen mit Otto Grünmandl, wurde Peer mehr durch Zufall Kabarettist und überregional bekannt. In den neunziger Jahren spielt Otto Grünmandl in mehreren Produktionen der Münchner Kammerspiele, oft an der Seite von Gerhard Polt, ebenfalls Kabarettist, Schauspieler, Skandinavist und Philosoph. Es entstehen meisterhaft improvisierte Zwiegespräche über das Absurde im Alltäglichen.
Am 3. März 2000 ist Otto Grünmandl in seiner Heimatgemeinde Hall in Tirol gestorben. Der Tiroler mit Vorliebe für penible und möglichst flächendeckende Erklärungsmodelle trat in seinen Ein-Mann-Szenen geradezu biedermännisch auf, streng gescheitelt und beinahe emotionslos und führte damit das Genre Kabarett, in dem sonst Pointen krachen, zum Ort des Absurden, des Aberwitzigen und des Nonsens. Einfach grandios.

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