Lust auf's Leben - Kultur aus allen Richtungen [2017.07.02]
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Katalogzettel
| Titel | Lust auf's Leben - Kultur aus allen Richtungen [2017.07.02] |
| Titelzusatz |
Baumeister und Brückenbauer - Franz Hillinger |
| Urheber/innen und Mitwirkende |
Huemer, Michael [Moderation]
ORF Radio Oberösterreich [Sendeanstalt] |
| Datum |
2017.07.02 [Sendedatum] |
| Schlagworte | Medien und Kommunikation ; Politik Österreich ; Gesellschaft ; Rückblick ; Radiosendung-Mitschnitt |
| Typ | audio |
| Format |
DFMP2 [Dateiformat: MP2] |
| Sprache |
Deutsch |
| Signatur | E53-02228 |
Information
Inhalt
[Sendungsinformation]
Er überragte als Bürgermeister die Beliebheit seiner Vorgänger bei weitem: Franz Hillinger ließ als Linzer Bürgermeister Infrastruktur und Kultureinrichtungen ausbauen und zahlreiche Großsiedlungen errichten. Am Sonntag ist er in der Sendung „Schwerpunkt OÖ Zeitgeschichte“ zu hören.
Am 7. Mai 1945 wurde Ernst Koref von der amerikanischen Militärregierung zum provisorischen Bürgermeister von Linz bestellt. Er legte nach siebzehnjähriger Tätigkeit dieses Amt 1962 zurück, auf ihn folgte Edmund Aigner bis 1968. Aigners Nachfolger wurde für nur etwas mehr als ein Jahr Theodor Grill, der nicht so populär wie seine Vorgänger war. Beide, Aigner und Grill wurden an Beliebtheit bei weitem überragt von Franz Hillinger, der 1969 seine fünfzehn Jahre dauernde Amtszeit antrat.
Franz Hillinger wurde am 24. Oktober 1921 als Sohn von Paula Naskau und des Tischlers Franz Hillinger geboren. Seine Mutter, die in den Österreichischen Tabakwerken in Linz beschäftigt war, hat nach seiner Geburt das Krankenbett nicht mehr verlassen können und starb bereits 1923. Sohn Franz musste also ohne die mütterliche Geborgenheit aufwachsen. Das hat ihn auch schon früh erkennen lassen, dass ein derart hartes Schicksal jeden treffen kann. Vielleicht auch ein Grund dafür, dass er es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, zunächst als Wohlfahrtsreferent und dann als Bürgermeister, Menschen zu helfen. Hillinger besucht vier Klassen Volksschule, dann vier Klassen des A-Zuges der Hauptschule. Er beginnt die Lehre als kaufmännischer Angestellter.
1940 zur Luftwaffe der Wehrmacht eingezogen
1938 legt er die Handelsangestelltenprüfung ab und arbeitet noch kurze Zeit im Furnier- und Sperrholzhandel. 1939 trat er in den Dienst des Magistrats Linz ein. Oberösterreich hieß zu dieser Zeit - nach der Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich - Reichsgau Oberdonau, Linz wurde eine herausragende wirtschaftliche und kulturelle Rolle im Reich zugedacht. 1940 wurde Hillinger zur Luftwaffe der Wehrmacht eingezogen, 1943 zur Infanterie überstellt. Er geriet im April 1945 vor Berlin in russische Gefangenschaft. Nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft widmete er sich bescheiden und idealistisch der sozialistischen Jugendorganisation „Kinderfreunde“.
Er leistete zunächst Kleinarbeit als Ortsgruppenfunktionär, stieg dann zum sogenannten „Landesfalken“ auf und wird schließlich zum stellvertretenden „Bundesfalken“ gewählt. In der Sozialistischen Partei war Hillinger vorerst Sektionsfunktionär, dann Bezirkskassier, um allmählich in der Parteihierarchie des Landes aufzusteigen. 1949 wird er zum Bezirksparteivorstand gewählt, fünf Jahre später für die Sozialisten in den Gemeinderat berufen, von 1956 bis 1965 ist er Stadtrat, zuständig für das Wohlfahrtswesen.
Mit den Stimmen aller Parteien wird Franz Hillinger 1969 als Nachfolger von Theodor Grill zum Linzer Stadtoberhaupt gewählt. Hillinger ist ein Politiker mit Leib und Seele, man könnte ihn geradezu als Volkstribun bezeichnen, der nichts Schöneres kannte, als unter Menschen zu sein. Er trug stets eine Fliege und achtete mit Argusaugen darauf, dass ja kein anderer Politiker seinen Propeller am Hals kopierte.
Hillinger legte als Politiker großen Wert auf die Errichtung von Sozialeinrichtungen, das sich in der Schaffung von Beratungsstellen, der Aktion „Essen auf Rädern“ und wie er auch in einem Interview erzählte, dem Bau von Schulen, Horten, dem Linzer Jugendgästehaus und vier Volkshäusern widerspiegelte. Ebenfalls in seine Amtszeit fielen der Ausbau der Straßenbahn nach Dornach-Auhof, und die Errichtung der Linzer Sporthalle, der Eishalle an der Donaulände und der Bezirkssportanlage Lissfeld, aber auch Bausünden wie das Lentia-Hochhaus. Am 23. März 1974 ist es soweit, um 10.30 Uhr kommt es zum feierlichen Eröffnungsakt des Linzer Brucknerhauses. Oberösterreich hat mit seiner Fertigstellung den Kontakt zum internationalen Musikleben gefunden. Die Landeshauptstadt Linz hat damit ein Gebäude, das höchsten internationalen Architekturansprüchen gerecht wird.
Neues Image für Linz
Bis Ende der 1960er Jahre war Linz in wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und kultureller Hinsicht damit beschäftigt, die Entwicklungen, die der Zweite Weltkrieg hinterlassen hatte, neu zu definieren, um sich ein modernes Image zu schaffen. Die Industrie prägte durch die Vereinigten Österreichischen Stahlwerke und den Linzer Stickstoffwerken das Bild der Stadt nach außen – Linz ist eine Industriestadt. Um von diesem Image wegzukommen suchte die Landeshauptstadt eine neue Identität. Diese Suche führte zu den Ausstellungen „Forum Metall“ und „Forum Design“, die beide von Helmuth Gsöllpointner initiiert worden waren und eine erste künstlerische Annäherung an den öffentlichen Raum brachten. Der Donaupark vor dem Brucknerhaus wird zum Kunstraum. 1979 wurde zum entscheidenden Jahr. Die Verbindung Ars Electronica mit dem traditionellen Brucknerfest brachte das Projekt der Klangwolke, damit war der öffentliche Raum zu einem öffentlichen Kulturraum geworden.
Eigenes Amt für Umweltschutz eingerichtet
Seit Beginn der 1980er-Jahre nahmen die Probleme mit der Luftverschmutzung zu, nicht zuletzt aufgrund der laufenden Erweiterung der Großindustrie. Der über der Stadt liegende Smog wurde zu einem bestimmenden Thema in der öffentlichen Diskussion. Es wird erstmals in der Linzer Stadtgeschichte ein eigenes Amt für Umweltschutz eingerichtet. Das ging jedoch für die in der Zwischenzeit gegründete Bürgerinitiative „Linzer Luft“ nicht weit genug. Hillinger schreckte zurück, als Stimmen lauter wurden, auch die verstaatlichte Industrie mit Umweltschutzmaßnahmen in die Pflicht zu nehmen. Legendär wurde in diesem Zusammenhang der Ausspruch Hillingers „In der Sahara staubt’s auch“.
Der Druck der Bürger, das Reagieren der Politik und der Veränderungswille der Industrie führten zum Erfolg: Investitionen zur Luftsanierung werden durchgeführt. Die Linzer Luft wurde deutlich besser.
„Forum Design“ als kultureller Meilenstein
Ein Stück Land zwischen Autobahn, Eisenbahnbrücke und Donau rüttelte 1980 die Design-Welt gehörig durcheinander. Das in Linz veranstaltete „Forum Design“ markierte einen kulturellen Meilenstein regional und international. Faszination für die Einen, Finanz-Desaster für die Anderen. Der damalige Rektor der Kunstuniversität, Metallplastiker und Hauptverantwortliche dieses Jahrhundertprojekts, Helmuth Gsöllpointner, war innerhalb eines Jahres durch Budgetüberziehung vom gefeierten Forum-Design-Mastermind zur unerwünschten Person abgestürzt. Das Vorzeigeprojekt wurde zum medial viel beachteten Skandal, der sich im Gedächtnis vieler Linzer tiefer eingegraben hat als die künstlerischen Lorbeeren.
Franz Hillingers Engagement und Arbeitseinsatz zehrten an seiner Gesundheit. Das Schreiben bereitete ihm zunehmend wegen seiner zittrigen Hand Probleme, Unterschriften leistete ein extra angefertigter „Schreibapparat“. Der Altbürgermeister, in der Pension gern gesehener und lautstarker Zuschauer beim Fußball im Linzer Stadion, starb nach langem Leiden am 10. Mai 1991 im Alter von 69 Jahren. Sein Ehrengrab befindet sich im Linzer Urnenhain, nach ihm wurde ein Seniorenheim in Linz-Urfahr benannt.
Er überragte als Bürgermeister die Beliebheit seiner Vorgänger bei weitem: Franz Hillinger ließ als Linzer Bürgermeister Infrastruktur und Kultureinrichtungen ausbauen und zahlreiche Großsiedlungen errichten. Am Sonntag ist er in der Sendung „Schwerpunkt OÖ Zeitgeschichte“ zu hören.
Am 7. Mai 1945 wurde Ernst Koref von der amerikanischen Militärregierung zum provisorischen Bürgermeister von Linz bestellt. Er legte nach siebzehnjähriger Tätigkeit dieses Amt 1962 zurück, auf ihn folgte Edmund Aigner bis 1968. Aigners Nachfolger wurde für nur etwas mehr als ein Jahr Theodor Grill, der nicht so populär wie seine Vorgänger war. Beide, Aigner und Grill wurden an Beliebtheit bei weitem überragt von Franz Hillinger, der 1969 seine fünfzehn Jahre dauernde Amtszeit antrat.
Franz Hillinger wurde am 24. Oktober 1921 als Sohn von Paula Naskau und des Tischlers Franz Hillinger geboren. Seine Mutter, die in den Österreichischen Tabakwerken in Linz beschäftigt war, hat nach seiner Geburt das Krankenbett nicht mehr verlassen können und starb bereits 1923. Sohn Franz musste also ohne die mütterliche Geborgenheit aufwachsen. Das hat ihn auch schon früh erkennen lassen, dass ein derart hartes Schicksal jeden treffen kann. Vielleicht auch ein Grund dafür, dass er es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, zunächst als Wohlfahrtsreferent und dann als Bürgermeister, Menschen zu helfen. Hillinger besucht vier Klassen Volksschule, dann vier Klassen des A-Zuges der Hauptschule. Er beginnt die Lehre als kaufmännischer Angestellter.
1940 zur Luftwaffe der Wehrmacht eingezogen
1938 legt er die Handelsangestelltenprüfung ab und arbeitet noch kurze Zeit im Furnier- und Sperrholzhandel. 1939 trat er in den Dienst des Magistrats Linz ein. Oberösterreich hieß zu dieser Zeit - nach der Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich - Reichsgau Oberdonau, Linz wurde eine herausragende wirtschaftliche und kulturelle Rolle im Reich zugedacht. 1940 wurde Hillinger zur Luftwaffe der Wehrmacht eingezogen, 1943 zur Infanterie überstellt. Er geriet im April 1945 vor Berlin in russische Gefangenschaft. Nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft widmete er sich bescheiden und idealistisch der sozialistischen Jugendorganisation „Kinderfreunde“.
Er leistete zunächst Kleinarbeit als Ortsgruppenfunktionär, stieg dann zum sogenannten „Landesfalken“ auf und wird schließlich zum stellvertretenden „Bundesfalken“ gewählt. In der Sozialistischen Partei war Hillinger vorerst Sektionsfunktionär, dann Bezirkskassier, um allmählich in der Parteihierarchie des Landes aufzusteigen. 1949 wird er zum Bezirksparteivorstand gewählt, fünf Jahre später für die Sozialisten in den Gemeinderat berufen, von 1956 bis 1965 ist er Stadtrat, zuständig für das Wohlfahrtswesen.
Mit den Stimmen aller Parteien wird Franz Hillinger 1969 als Nachfolger von Theodor Grill zum Linzer Stadtoberhaupt gewählt. Hillinger ist ein Politiker mit Leib und Seele, man könnte ihn geradezu als Volkstribun bezeichnen, der nichts Schöneres kannte, als unter Menschen zu sein. Er trug stets eine Fliege und achtete mit Argusaugen darauf, dass ja kein anderer Politiker seinen Propeller am Hals kopierte.
Hillinger legte als Politiker großen Wert auf die Errichtung von Sozialeinrichtungen, das sich in der Schaffung von Beratungsstellen, der Aktion „Essen auf Rädern“ und wie er auch in einem Interview erzählte, dem Bau von Schulen, Horten, dem Linzer Jugendgästehaus und vier Volkshäusern widerspiegelte. Ebenfalls in seine Amtszeit fielen der Ausbau der Straßenbahn nach Dornach-Auhof, und die Errichtung der Linzer Sporthalle, der Eishalle an der Donaulände und der Bezirkssportanlage Lissfeld, aber auch Bausünden wie das Lentia-Hochhaus. Am 23. März 1974 ist es soweit, um 10.30 Uhr kommt es zum feierlichen Eröffnungsakt des Linzer Brucknerhauses. Oberösterreich hat mit seiner Fertigstellung den Kontakt zum internationalen Musikleben gefunden. Die Landeshauptstadt Linz hat damit ein Gebäude, das höchsten internationalen Architekturansprüchen gerecht wird.
Neues Image für Linz
Bis Ende der 1960er Jahre war Linz in wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und kultureller Hinsicht damit beschäftigt, die Entwicklungen, die der Zweite Weltkrieg hinterlassen hatte, neu zu definieren, um sich ein modernes Image zu schaffen. Die Industrie prägte durch die Vereinigten Österreichischen Stahlwerke und den Linzer Stickstoffwerken das Bild der Stadt nach außen – Linz ist eine Industriestadt. Um von diesem Image wegzukommen suchte die Landeshauptstadt eine neue Identität. Diese Suche führte zu den Ausstellungen „Forum Metall“ und „Forum Design“, die beide von Helmuth Gsöllpointner initiiert worden waren und eine erste künstlerische Annäherung an den öffentlichen Raum brachten. Der Donaupark vor dem Brucknerhaus wird zum Kunstraum. 1979 wurde zum entscheidenden Jahr. Die Verbindung Ars Electronica mit dem traditionellen Brucknerfest brachte das Projekt der Klangwolke, damit war der öffentliche Raum zu einem öffentlichen Kulturraum geworden.
Eigenes Amt für Umweltschutz eingerichtet
Seit Beginn der 1980er-Jahre nahmen die Probleme mit der Luftverschmutzung zu, nicht zuletzt aufgrund der laufenden Erweiterung der Großindustrie. Der über der Stadt liegende Smog wurde zu einem bestimmenden Thema in der öffentlichen Diskussion. Es wird erstmals in der Linzer Stadtgeschichte ein eigenes Amt für Umweltschutz eingerichtet. Das ging jedoch für die in der Zwischenzeit gegründete Bürgerinitiative „Linzer Luft“ nicht weit genug. Hillinger schreckte zurück, als Stimmen lauter wurden, auch die verstaatlichte Industrie mit Umweltschutzmaßnahmen in die Pflicht zu nehmen. Legendär wurde in diesem Zusammenhang der Ausspruch Hillingers „In der Sahara staubt’s auch“.
Der Druck der Bürger, das Reagieren der Politik und der Veränderungswille der Industrie führten zum Erfolg: Investitionen zur Luftsanierung werden durchgeführt. Die Linzer Luft wurde deutlich besser.
„Forum Design“ als kultureller Meilenstein
Ein Stück Land zwischen Autobahn, Eisenbahnbrücke und Donau rüttelte 1980 die Design-Welt gehörig durcheinander. Das in Linz veranstaltete „Forum Design“ markierte einen kulturellen Meilenstein regional und international. Faszination für die Einen, Finanz-Desaster für die Anderen. Der damalige Rektor der Kunstuniversität, Metallplastiker und Hauptverantwortliche dieses Jahrhundertprojekts, Helmuth Gsöllpointner, war innerhalb eines Jahres durch Budgetüberziehung vom gefeierten Forum-Design-Mastermind zur unerwünschten Person abgestürzt. Das Vorzeigeprojekt wurde zum medial viel beachteten Skandal, der sich im Gedächtnis vieler Linzer tiefer eingegraben hat als die künstlerischen Lorbeeren.
Franz Hillingers Engagement und Arbeitseinsatz zehrten an seiner Gesundheit. Das Schreiben bereitete ihm zunehmend wegen seiner zittrigen Hand Probleme, Unterschriften leistete ein extra angefertigter „Schreibapparat“. Der Altbürgermeister, in der Pension gern gesehener und lautstarker Zuschauer beim Fußball im Linzer Stadion, starb nach langem Leiden am 10. Mai 1991 im Alter von 69 Jahren. Sein Ehrengrab befindet sich im Linzer Urnenhain, nach ihm wurde ein Seniorenheim in Linz-Urfahr benannt.