Lust auf's Leben - Kultur aus allen Richtungen [2018.03.18]
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Katalogzettel
| Titel | Lust auf's Leben - Kultur aus allen Richtungen [2018.03.18] |
| Titelzusatz |
Das Jahr 1938 [Teil 3] |
| Urheber/innen und Mitwirkende |
Huemer, Michael [Gestaltung]
ORF Radio Oberösterreich [Sendeanstalt] |
| Datum |
2018.03.18 [Sendedatum] |
| Schlagworte | Gesellschaft ; Kultur ; Musik ; E-Musik ; Rückblick ; Radiosendung-Mitschnitt |
|
1938
|
|
| Typ | audio |
| Format |
DFMP2 [Dateiformat: MP2] |
| Sprache |
Deutsch |
| Signatur | E53-02827 |
Information
Inhalt
[Sendungsinformation]
Der Programmschwerpunkt 1938 wird am Sendeplatz von „Lust aufs Leben“ radiomäßig in drei Teilen wahrgenommen: 4., 11. und 18. März 2018, Beginn jeweils 21.03 Uhr. Gestaltung, Idee und Konzeption von Michael Huemer.
Teil 3: „Samstag, 12. März 1938, Linzer Hauptplatz“
Der dritte Teil spielt sich ausschließlich am Nachmittag des 12. März 1938 auf dem Linzer Hauptplatz ab, der damals noch Franz-Josef-Platz hieß. Es warteten bereits zehntausende Linzerinnen und Linzer auf die Ankunft von Adolf Hitler. Auch die neue Regierung war angetreten, um ihn zu empfangen. Um das stundenlange Warten zu verkürzen, berichtet und moderiert Anton Fellner, Mitglied der NSDAP und der SS, vom Balkon des Linzer Rathauses.
Aggressive Reden von Bundeskanzler Arthur Seyß-Inquart, von SS- und Polizeichef Heinrich Himmler heizen die Stimmung an, Zeitzeugen wie Alfred Maleta, der bereits im Keller des Rathauses inhaftiert war, Nikolaus Negrelli und Ignaz Hemmetmaier kommen ebenso zu Wort. Die angespannte Lage kulminiert in einer kurzen Rede Adolf Hitlers vom Balkon des Rathauses, in der er – sichtlich ergriffen – die Verbundenheit mit seiner engeren Heimat betont. Es handelt sich bei dieser Reportage um bisher unveröffentlichtes Originalmaterial aus dem Deutschen Rundfunkarchiv.
„Schicksalsjahr 1938“ – Teil 3
Im dritten Teil des Schwerpunkts zum „Schicksalsjahr 1938“ dreht sich am Sonntag ab 21.03 Uhr in der Sendung „Schwerpunkt OÖ Zeitgeschichte“ alles um den Tag, als man in Linz auf die Ankunft von Adolf Hitler wartete.
Vor 80 Jahren überquerten deutsche Truppen in der Nacht vom 11. auf den 12. März 1938 die österreichische Grenze und okkupierten unser Land. Den „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich vollzog Reichskanzler Adolf Hitler tags darauf am 13. März 1938 in Linz. Beide Ereignisse waren von zahlreichen Gewaltakten, Verhaftungen, Morden, Entlassungen und Zwangspensionierungen begleitet. Die ersten Opfer waren Politiker des Ständestaates, Geistliche, missliebige Polizeibeamte und etwa 800 in Oberösterreich wohnhafte Juden, vor allem jüdische Funktionäre und Geschäftsleute. Hitler verstand Linz als seine „Heimatstadt“, die er zur „Patenstadt des Führers“ und „Gründungsstadt des Großdeutschen Reiches“ hochstilisierte.
Am Mittwoch, den 9. März 1938 hielt Bundeskanzler Kurt Schuschnigg in Innsbruck eine Rede, in der er für den 13. März eine Volksabstimmung über die Unabhängigkeit Österreichs ankündigte. Schuschnigg verfolgte damit das Ziel, weitere Konzessionen an die Nationalsozialisten zu vermeiden. Hitler fürchtete eine Volksabstimmung, da er offenbar nicht mit einer Mehrheit für den „Anschluss“ rechnete. Er nahm die Ankündigung Schuschniggs zum Anlass, gewaltsam gegen den österreichischen Staat vorzugehen. Hitler erteilt am 10. März den Marschbefehl für die für die Besetzung Österreichs vorgesehene 8. Armee der Deutschen Wehrmacht. Sie wurde verstärkt durch die SS-Leibstandarte „Adolf Hitler“ und die SS-Standarte „Germania“.
Massenaufmarsch von Nationalsozialisten
Noch am Abend des 9. März – also vor dem Befehl zur Besetzung - kommt es auf dem Hauptplatz in Linz zu einem Aufmarsch tausender singender und grölender Nationalsozialisten und ihrer Sympathisanten. Sie erklimmen den Rathaus-Balkon und entrollen dort eine Hakenkreuzfahne. Nachdem Schuschnigg im Rundfunk am nächsten Tag seinen Rücktritt erklärte und der Widerstand des Bundespräsidenten Wilhelm Miklas durch starken verbalen Druck endgültig gebrochen war, stand der Bildung eines Kabinetts unter dem Nationalsozialisten Arthur Seyß-Inquart auch formell nichts mehr im Wege. In Linz werden alle wichtigen Gebäude durch die Nazis besetzt.
Am späten Abend des 11. März findet eine riesige Freudenkundgebung samt Fackelzug statt. Gauleiter August Eigruber nimmt am Taubenmarkt den Vorbeimarsch der Parteigliederungen ab. Es kommt zu einem großen Defilee über die Landstraße zum Hauptplatz. Eigruber begibt sich ins Landhaus, um die Geschäfte des bisherigen Landeshauptmannes Heinrich Gleißner zu übernehmen. Im Rathaus hat der Kreisleiter der Linzer NSDAP, Sepp Wolkerstorfer, den amtierenden Bürgermeister Wilhelm Bock abgelöst. Gleißner und Bock werden wenige Tage später verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau gebracht. Die „Tagespost“ und das „Linzer Volksblatt“ werden durch die Nationalsozialisten beschlagnahmt, damit die Gleichschaltung der Presse in Oberösterreich eingeleitet. Die Sicherheitsdirektion, das Landesgendarmeriekommando, die Nationalbankfiliale und die Landeshypothekenanstalt werden von SS- und SA-Formationen übernommen. Viele Druckereien werden besetzt wie auch der Rundfunksender auf dem Freinberg.
Samstag, 12. März 1938: Ab 5.30 Uhr überschreiten deutsche Truppen die deutsch-österreichische Grenze an Inn und Salzach. Das österreichische Heer leistet befehlsgemäß keinen Widerstand. Gegen Mittag erreicht die 2. Panzerdivision unter Generalleutnant Heinz Guderian die Stadt Linz, wo sie von einer riesigen Menschenmenge mit viel Jubel und Blumen begrüßt wird. Bereits am Nachmittag finden sich zehntausende Linzer am Franz-Josef-Platz, dem heutigen Hauptplatz, ein. Die neue österreichische Regierung, die in Wien bereits angelobt war, ist ebenfalls anwesend, um Adolf Hitler zu empfangen. Vom Rathausbalkon herab versucht sie, die Wartenden auf das Eintreffen Hitlers einzustimmen. SS- und Polizeichef Heinrich Himmler ist hier, ebenso der neue Bundeskanzler Arthur Seyß-Inquart, sowie Justizminister Franz Hueber und Vizekanzler Edmund Glaise-Horstenau.
Von den Ereignissen an diesem denkwürdigen Samstag auf dem Linzer Hauptplatz, damals hieß er noch Franz-Josef-Platz, kurz danach Adolf-Hitler-Platz, wird in dieser Dokumentation aus bisher unveröffentlichten Originalquellen zu hören sein. Anton Fellner berichtet live vom Balkon des Linzer Rathauses.
Ignaz Hemmetmaier, Jahrgang 1921, stammte aus gut bürgerlichem Elternhaus, sein Vater war in der Landeshypothekenanstalt angestellt und Mitglied der dem christlichsozialen Lager nahestehenden Heimwehr. In der Familie war somit Politik immer ein Thema. Hemmetmaier war Augen- und Ohrenzeuge am 12. März am Linzer Hauptplatz.
Nikolaus Negrelli-Moldelbe, ein gebürtiger Linzer, war Chefredakteur des Linzer Tagblattes von 1949 bis 1964, davor arbeitete er beim „Mühlviertler Boten“. Er erlebte mit 38 Jahren diesen dramatischen Tag.
vAlfred Maleta, Jahrgang 1906, war an diesem Tag schon in Haft. Maleta wurde 1934 erster Sekretär der oberösterreichischen Arbeiterkammer. Er wird nach seiner Festnahme in Linz im KZ Dachau und im KZ Flossenbürg interniert. Von 1945 bis 1975 war Maleta Abgeordneter zum Nationalrat, von 1961 bis 1970 Präsident des Nationalrates.
„Zu meidende“ Linzer Geschäfte
Schon im Dezember 1936 wurde ein illegales, antisemitisches NS-Flugblatt in Umlauf gesetzt, in dem Linzer Geschäfte aufgelistet wurden, von denen dringendst abgeraten wurde, dort einzukaufen. Im gefälschten Impressum dieses Flugblattes wurden als Adresse des Herausgebers der Sitz des Linzer Bischofs, Herrenstraße 19 sowie als Druckerei der „Katholische Preßverein der Diözese Linz“ angegeben. Schikanen und Boykottaktionen gegen die jüdische Geschäftswelt hatte es also schon gegeben. Das Kaufhaus Kraus & Schober aus der Kaufhauskette der Salzburger Familie Schwarz wurde schon am 14. März 1938 von den Angestellten übernommen.
Viktor Spitz, der als reichster Jude Oberösterreichs galt, wurde gleich nach der NS-Machtübernahme inhaftiert, während seine Angehörigen Friederike, Alexander und Eduard Spitz am 19. März Selbstmord begingen. Kurze Zeit später wurden die „Lenzinger Zellstoff und Papierfabrik AG“, die Firmen Estermann & Co, Mostny, Spitz, Stock, die Textilfabrik Himmelreich & Zwicker, das Kaufhaus Eibuschitz, der Zuckerwarenhändler Benedikt Schwager, mehrere Schuhgeschäfte und das Kolosseum-Kino enteignet.
Der NS-Terrorapparat hat schon in den „Anschlusstagen“ funktioniert. In Linz wurden Polizeibeamte ermordet, NS-Gegner verhaftet und Juden verfolgt. Gegen Juden zu sein war in der Denkweise vieler Menschen damals nichts Besonderes. Manche haben die Chance gesehen, sich einen jüdischen Betrieb unter den Nagel zu reißen. Manche haben „private Rechnungen“ beglichen. Wieder andere haben gar nicht gewusst, wer überhaupt Jude war, weil viele Juden in Linz assimiliert waren. Die Mehrheit der Bevölkerung hat sich in die Euphorie der Eingliederung in das Deutsche Reich ergeben. Am 10. April wird eine Volksabstimmung über den „Anschluss“ abgehalten. 99,75 Prozent der Österreicher stimmen dafür.
Der Programmschwerpunkt 1938 wird am Sendeplatz von „Lust aufs Leben“ radiomäßig in drei Teilen wahrgenommen: 4., 11. und 18. März 2018, Beginn jeweils 21.03 Uhr. Gestaltung, Idee und Konzeption von Michael Huemer.
Teil 3: „Samstag, 12. März 1938, Linzer Hauptplatz“
Der dritte Teil spielt sich ausschließlich am Nachmittag des 12. März 1938 auf dem Linzer Hauptplatz ab, der damals noch Franz-Josef-Platz hieß. Es warteten bereits zehntausende Linzerinnen und Linzer auf die Ankunft von Adolf Hitler. Auch die neue Regierung war angetreten, um ihn zu empfangen. Um das stundenlange Warten zu verkürzen, berichtet und moderiert Anton Fellner, Mitglied der NSDAP und der SS, vom Balkon des Linzer Rathauses.
Aggressive Reden von Bundeskanzler Arthur Seyß-Inquart, von SS- und Polizeichef Heinrich Himmler heizen die Stimmung an, Zeitzeugen wie Alfred Maleta, der bereits im Keller des Rathauses inhaftiert war, Nikolaus Negrelli und Ignaz Hemmetmaier kommen ebenso zu Wort. Die angespannte Lage kulminiert in einer kurzen Rede Adolf Hitlers vom Balkon des Rathauses, in der er – sichtlich ergriffen – die Verbundenheit mit seiner engeren Heimat betont. Es handelt sich bei dieser Reportage um bisher unveröffentlichtes Originalmaterial aus dem Deutschen Rundfunkarchiv.
„Schicksalsjahr 1938“ – Teil 3
Im dritten Teil des Schwerpunkts zum „Schicksalsjahr 1938“ dreht sich am Sonntag ab 21.03 Uhr in der Sendung „Schwerpunkt OÖ Zeitgeschichte“ alles um den Tag, als man in Linz auf die Ankunft von Adolf Hitler wartete.
Vor 80 Jahren überquerten deutsche Truppen in der Nacht vom 11. auf den 12. März 1938 die österreichische Grenze und okkupierten unser Land. Den „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich vollzog Reichskanzler Adolf Hitler tags darauf am 13. März 1938 in Linz. Beide Ereignisse waren von zahlreichen Gewaltakten, Verhaftungen, Morden, Entlassungen und Zwangspensionierungen begleitet. Die ersten Opfer waren Politiker des Ständestaates, Geistliche, missliebige Polizeibeamte und etwa 800 in Oberösterreich wohnhafte Juden, vor allem jüdische Funktionäre und Geschäftsleute. Hitler verstand Linz als seine „Heimatstadt“, die er zur „Patenstadt des Führers“ und „Gründungsstadt des Großdeutschen Reiches“ hochstilisierte.
Am Mittwoch, den 9. März 1938 hielt Bundeskanzler Kurt Schuschnigg in Innsbruck eine Rede, in der er für den 13. März eine Volksabstimmung über die Unabhängigkeit Österreichs ankündigte. Schuschnigg verfolgte damit das Ziel, weitere Konzessionen an die Nationalsozialisten zu vermeiden. Hitler fürchtete eine Volksabstimmung, da er offenbar nicht mit einer Mehrheit für den „Anschluss“ rechnete. Er nahm die Ankündigung Schuschniggs zum Anlass, gewaltsam gegen den österreichischen Staat vorzugehen. Hitler erteilt am 10. März den Marschbefehl für die für die Besetzung Österreichs vorgesehene 8. Armee der Deutschen Wehrmacht. Sie wurde verstärkt durch die SS-Leibstandarte „Adolf Hitler“ und die SS-Standarte „Germania“.
Massenaufmarsch von Nationalsozialisten
Noch am Abend des 9. März – also vor dem Befehl zur Besetzung - kommt es auf dem Hauptplatz in Linz zu einem Aufmarsch tausender singender und grölender Nationalsozialisten und ihrer Sympathisanten. Sie erklimmen den Rathaus-Balkon und entrollen dort eine Hakenkreuzfahne. Nachdem Schuschnigg im Rundfunk am nächsten Tag seinen Rücktritt erklärte und der Widerstand des Bundespräsidenten Wilhelm Miklas durch starken verbalen Druck endgültig gebrochen war, stand der Bildung eines Kabinetts unter dem Nationalsozialisten Arthur Seyß-Inquart auch formell nichts mehr im Wege. In Linz werden alle wichtigen Gebäude durch die Nazis besetzt.
Am späten Abend des 11. März findet eine riesige Freudenkundgebung samt Fackelzug statt. Gauleiter August Eigruber nimmt am Taubenmarkt den Vorbeimarsch der Parteigliederungen ab. Es kommt zu einem großen Defilee über die Landstraße zum Hauptplatz. Eigruber begibt sich ins Landhaus, um die Geschäfte des bisherigen Landeshauptmannes Heinrich Gleißner zu übernehmen. Im Rathaus hat der Kreisleiter der Linzer NSDAP, Sepp Wolkerstorfer, den amtierenden Bürgermeister Wilhelm Bock abgelöst. Gleißner und Bock werden wenige Tage später verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau gebracht. Die „Tagespost“ und das „Linzer Volksblatt“ werden durch die Nationalsozialisten beschlagnahmt, damit die Gleichschaltung der Presse in Oberösterreich eingeleitet. Die Sicherheitsdirektion, das Landesgendarmeriekommando, die Nationalbankfiliale und die Landeshypothekenanstalt werden von SS- und SA-Formationen übernommen. Viele Druckereien werden besetzt wie auch der Rundfunksender auf dem Freinberg.
Samstag, 12. März 1938: Ab 5.30 Uhr überschreiten deutsche Truppen die deutsch-österreichische Grenze an Inn und Salzach. Das österreichische Heer leistet befehlsgemäß keinen Widerstand. Gegen Mittag erreicht die 2. Panzerdivision unter Generalleutnant Heinz Guderian die Stadt Linz, wo sie von einer riesigen Menschenmenge mit viel Jubel und Blumen begrüßt wird. Bereits am Nachmittag finden sich zehntausende Linzer am Franz-Josef-Platz, dem heutigen Hauptplatz, ein. Die neue österreichische Regierung, die in Wien bereits angelobt war, ist ebenfalls anwesend, um Adolf Hitler zu empfangen. Vom Rathausbalkon herab versucht sie, die Wartenden auf das Eintreffen Hitlers einzustimmen. SS- und Polizeichef Heinrich Himmler ist hier, ebenso der neue Bundeskanzler Arthur Seyß-Inquart, sowie Justizminister Franz Hueber und Vizekanzler Edmund Glaise-Horstenau.
Von den Ereignissen an diesem denkwürdigen Samstag auf dem Linzer Hauptplatz, damals hieß er noch Franz-Josef-Platz, kurz danach Adolf-Hitler-Platz, wird in dieser Dokumentation aus bisher unveröffentlichten Originalquellen zu hören sein. Anton Fellner berichtet live vom Balkon des Linzer Rathauses.
Ignaz Hemmetmaier, Jahrgang 1921, stammte aus gut bürgerlichem Elternhaus, sein Vater war in der Landeshypothekenanstalt angestellt und Mitglied der dem christlichsozialen Lager nahestehenden Heimwehr. In der Familie war somit Politik immer ein Thema. Hemmetmaier war Augen- und Ohrenzeuge am 12. März am Linzer Hauptplatz.
Nikolaus Negrelli-Moldelbe, ein gebürtiger Linzer, war Chefredakteur des Linzer Tagblattes von 1949 bis 1964, davor arbeitete er beim „Mühlviertler Boten“. Er erlebte mit 38 Jahren diesen dramatischen Tag.
vAlfred Maleta, Jahrgang 1906, war an diesem Tag schon in Haft. Maleta wurde 1934 erster Sekretär der oberösterreichischen Arbeiterkammer. Er wird nach seiner Festnahme in Linz im KZ Dachau und im KZ Flossenbürg interniert. Von 1945 bis 1975 war Maleta Abgeordneter zum Nationalrat, von 1961 bis 1970 Präsident des Nationalrates.
„Zu meidende“ Linzer Geschäfte
Schon im Dezember 1936 wurde ein illegales, antisemitisches NS-Flugblatt in Umlauf gesetzt, in dem Linzer Geschäfte aufgelistet wurden, von denen dringendst abgeraten wurde, dort einzukaufen. Im gefälschten Impressum dieses Flugblattes wurden als Adresse des Herausgebers der Sitz des Linzer Bischofs, Herrenstraße 19 sowie als Druckerei der „Katholische Preßverein der Diözese Linz“ angegeben. Schikanen und Boykottaktionen gegen die jüdische Geschäftswelt hatte es also schon gegeben. Das Kaufhaus Kraus & Schober aus der Kaufhauskette der Salzburger Familie Schwarz wurde schon am 14. März 1938 von den Angestellten übernommen.
Viktor Spitz, der als reichster Jude Oberösterreichs galt, wurde gleich nach der NS-Machtübernahme inhaftiert, während seine Angehörigen Friederike, Alexander und Eduard Spitz am 19. März Selbstmord begingen. Kurze Zeit später wurden die „Lenzinger Zellstoff und Papierfabrik AG“, die Firmen Estermann & Co, Mostny, Spitz, Stock, die Textilfabrik Himmelreich & Zwicker, das Kaufhaus Eibuschitz, der Zuckerwarenhändler Benedikt Schwager, mehrere Schuhgeschäfte und das Kolosseum-Kino enteignet.
Der NS-Terrorapparat hat schon in den „Anschlusstagen“ funktioniert. In Linz wurden Polizeibeamte ermordet, NS-Gegner verhaftet und Juden verfolgt. Gegen Juden zu sein war in der Denkweise vieler Menschen damals nichts Besonderes. Manche haben die Chance gesehen, sich einen jüdischen Betrieb unter den Nagel zu reißen. Manche haben „private Rechnungen“ beglichen. Wieder andere haben gar nicht gewusst, wer überhaupt Jude war, weil viele Juden in Linz assimiliert waren. Die Mehrheit der Bevölkerung hat sich in die Euphorie der Eingliederung in das Deutsche Reich ergeben. Am 10. April wird eine Volksabstimmung über den „Anschluss“ abgehalten. 99,75 Prozent der Österreicher stimmen dafür.