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Lust auf's Leben - Kultur aus allen Richtungen [2018.06.24]

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Katalogzettel

Titel Lust auf's Leben - Kultur aus allen Richtungen [2018.06.24]
Titelzusatz Musik von 1978
Urheber/innen und Mitwirkende ORF Radio Oberösterreich [Sendeanstalt]
Datum 2018.06.24 [Sendedatum]
Schlagworte Musik ; U-Musik ; Radiosendung-Mitschnitt
1978
Typ audio
Format DFMP2 [Dateiformat: MP2]
Sprache Deutsch
Signatur E53-03195

Information

Inhalt

[Sendungsinformation]
„Beat, lange Haare und Blumenkleider“ war das Motto der Sendung „Lust aufs Leben" am Sonntag, in der es um die Unterhaltungsmusik im Jahr 1978 ging.
„Was ich als Jugendlicher vor 40 Jahren hörte“ ist nach 1928, 1938, 1948, 1958 und 1968 der sechste Teil in der Hörgeschichte „Schlag auf Schlager“. Musikalisch gesehen ist es ein blasses Jahr.
Sinnliche Erinnerungen
Viele werden sich noch an Sunkist, Bazooka, Barbapapa und Wickie erinnern. Ungezählte Erlebnisse aus Kindertagen hinterlassen im Gedächtnis eine plastische, ja sinnliche Erinnerung. Viele von uns wissen vielleicht nicht mehr genau, wie eine bestimmte Süßigkeit geheißen hat, aber wir spüren noch den Geschmack und den Geruch, sehen die Farben vor uns und erinnern uns an das Gefühl, das diesen Genuss begleitete.
Phase des Umbruchs und des Wertewandels
Sie sind heute Mitfünfziger, zum Teil in leitenden Positionen, haben wichtige Aufgaben in Politik und Wirtschaft oder machten Karriere an den Hochschulen. Sie waren zu jung, um zehn Jahre zuvor 1968 wirklich Akteure gewesen zu sein, aber alt genug, um ein neues Lebensgefühl entwickelt zu haben, das von Rock-Musik ebenso beeinflusst war wie von der Studentenrevolte der Sechziger. 1978 war eine Phase des Umbruchs und des Wertewandels: Anti-Militarismus, Faschismus-Diskussion, Kampf für die Fristenlösung, ökologisches Denken statt exzessivem Konsum.
Frauenbewegung ohne 1970er nicht denkbar
Dieses Aufbegehren wirkte weit in die folgenden Jahrzehnte hinein. Die Arenabesetzung in Wien erzielte mit ihrem zivilem Ungehorsam erstmals Breitenwirkung. Der Erfolg bei der Volksabstimmung gegen das AKW Zwentendorf gab der Umweltbewegung jenen Schwung, der sie in den Achtzigerjahren ins Parlament brachte. Die Frauenbewegung ist ohne ihre Vorkämpferinnen in den Siebzigern nicht denkbar.
Eine eher „blasse“ musikalische Zeit
Es ist eigenartig, aber es ist so, in der Rückschau bleibt die Zeit der Siebziger und ihr Lebensgefühl trotzdem erstaunlich blass. Wie auch ein eigenartiger Schlager. Er war nämlich und ich bleibe damit streng im Unterhaltungsjahr 1978 wochenlang in der Schlagerhitparade auf dem 1. Platz. Schon der Interpret hatte irgendwie einen komischen Namen. Sein bürgerlicher ist Pierre Kartner, er hat in den Niederlanden den Beruf des Konditors erlernt. Kartner beginnt in den 60er-Jahren mit Plattenaufnahmen und ist durchaus in seiner Heimat erfolgreich. Er hat 1978 in ganz Europa das Schlümpfe-Fieber ausgelöst, unter seinem bekannteren Namen Vader Abraham.
Der Erfinder der Schlümpfe ist der belgische Zeichner Pierre Culliford, besser bekannt als „Peyo“. Er trat 1960 zum ersten Mal mit seinen Figuren an die Öffentlichkeit. Vader Abraham trat meistens mit Fliege und Melone auf und sein Song war weltweit Kult.
Der Erfolg der „Blödel-Hits“
1978 geht musikalisch als ein Jahr in die Geschichte ein, in dem vor allem die „Blödel-Hits“ große Erfolge feierten. Das Lied „Kreuzberger Nächte“ war mehrere Wochen in den Schlagercharts und führte auch zu österreichweiter Bekanntheit. Verantwortlich dafür war das Trio „Gebrüder Blattschuss“, die für diesen Tanzhit in der Faschingssaison sorgten. Ein weiteres Beispiel soll für die 1978 anscheinend unvermeidlichen Witzig-Lieder noch erwähnt werden, die in den Schlagerhitparaden auftauchen. Wer erinnert sich nicht an die Hausfrauenhymne „Das bisschen Haushalt“, Johanna von Koczian hat es thematisiert. Das in einem Jahr, in dem Rockliebhaber bei Supertramps „Give a little bit“, bei „Miss you“ der Rolling Stones, bei „California nights“ von The Sweet sowie bei „Sultans of swing“ von den Dire Straits feuchte Augen bekommen.
Star-Pianist Richard Clayderman
Seit Jahrzehnten verzaubert ein Mann mit blonden Haaren ein Millionenpublikum auf der ganzen Welt: Star-Pianist Richard Clayderman. Der 1953 in Paris Geborene bekam bereits im Alter von sechs Jahren von seinem Vater, einem Klavierlehrer, Klavierunterricht. Mit 16 gewann er einen Klavierwettbewerb und spielte bald darauf in einem Begleitorchester für bekannte Show-Stars. Dabei fiel er dem Autorenteam Paul de Seneville und Olivier Toussaint auf. Sie schreiben ihm „Ballade pour Adeline“, eine Sonate für Klavier und Orchester, auf den Leib. Über 22 Millionen verkaufte Platten in 38 Ländern, Fans auf der ganzen Welt und der Erfolg setzt sich bis heute fort. 1978 wurde die Ballade in der Folge „Der Spieler“ in der TV-Krimieserie „Der Alte“ als Backgroundmusik verwendet, schlagartig wurde Clayderman auch in Österreich ein Star.
Diskotheken und Clubs sprießen aus dem Boden
1978 ist die Disco-Ära in vollem Gange, und spätestens seit dem Erfolg des Films und Soundtracks „Saturday Night Fever“ aus dem Jahr 1976 ist der klassische Disco-Sound auch in Europa angekommen. Diskotheken und Clubs sprießen aus dem Boden, Disco-Kugeln hängen von der Decke und lassen die paillettenbesetzten Kleider der Frauen glitzern. Die Männer ziehen ihre schönsten Schlaghosen und besten Sakkos an.
Der Disco-Hype schlägt sich in den Verkaufszahlen der Plattenindustrie nieder. Die Nr.1-LP’s in Österreich heißen „Disco Fire“, „Heartbreaker“, „Disco Nights“, der Soundtrack von „Saturday Night Fever“ und „Grease“ mit John Travolta und Olivia Newton-John, Boney M. mit „Nightfly to Venus“.
Ö3: „Kein Handlanger der Plattenindustrie“
Ö3 hatte sich von der Hitparade verabschiedet. Schon im Herbst wartete der damalige Ö3-Chef Ernst Grissemann plötzlich mit der Meldung auf, Ö3 werde mit Jahresende seine Hitparadensendung einstellen, mit dem Hinweis darauf, dass man nicht länger Handlanger der Plattenindustrie sein wolle, dass die “Qualität” dieser Sendung gering sei und man die Programmzeit am Sonntag abend sinnvoller einsetzen wolle. Publikum und Branchenkreise waren über diese Entscheidung gleichermaßen sehr verärgert, man sah in der Forderung nach musikalischer und textlicher „Qualität“ eine selbstherrliche Bevormundung der Hörer. Die meistverkauften Singles in diesem Jahr waren „Rivers of Babylon“ und „Rasputin“ der Gruppe Boney M. , „Needles & Pins“ von Smokie, „Take a chance on me“ von Abba, „Le Freak“ von Chic und „Mama Leone“ von Bino.
Zusammenleben von Unverheirateten propagiert
Die beherrschenden Themen in den 70ern waren die politische Öffnung nach links und die sogenannte sexuelle Revolution. Vor allem letztere überschnitt sich mit dem Schlagerthema Nr. 1 – der Liebe. Von einigen verwegenen Ausnahmen der wilden 20er-Jahre abgesehen, konnten sich Generationen von Schlagertextern mit blumigen Umschreibungen und romantischen Andeutungen aus der Affäre ziehen. Nach Oswalt Kolle und der Pille ging das nicht mehr ohne weiteres. Die Texter stellen sich dieser Herausforderung und was vorher undenkbar war, rückte nun in die Charts. Das Zusammenleben von Unverheirateten beispielsweise wurde nicht nur toleriert, sondern propagiert.
Udo Jürgens
Christian Anders singt „In den Augen der anderen“, Udo Jürgens über „Ein ehrenwertes Haus“. Gunter Gabriels Angebot „Komm unter meine Decke“ nahm sich gegen Gillas vorgebrachte Aufforderung „Tu es!“ noch vergleichsweise dezent aus. Gilla ist eigentlich Gisela Wuchinger, sie kommt übrigens aus Linz und verfügte über eine rauchige Stimme. Das nur nebenbei. Die bekannte Schlagersängerin Wencke Myhre gibt sich noch ziemlich bedeckt und covert „It’s a heartache“ von Bonnie Tyler. Da war sie eigentlich schon vor 40 Jahren dem Hashtag #MeToo gegen Alltagssexismus voraus.
Aldo Moro entführt und ermordet
Was passierte eigentlich in diesem denkwürdigen Jahr oder war es gar nicht so bedeutsam? Was war in der Welt so los? In Nordirland tobt schon seit zehn Jahren ein Bürgerkrieg, der bereits 1.800 Tote und 30.000 Verletzte gefordert hat. In Italien wird Ministerpräsident Aldo Moro von den linksextremen Roten Brigaden entführt und anschließend ermordet.
In Camp David werden die Vorbereitungen für den Friedensvertrag abgeschlossen, Ägyptens Präsident Anwar Al-Sadat und Israels Premier Menachem Begin erhalten den Friedens-Nobelpreis.
1978 als Jahr dreier Päpste
1978 ist auch das Jahr dreier Päpste: Bereits vier Wochen nach dem Tod von Papst Paul VI. stirbt auch der neugewählte Papst Johannes Paul I. Karol Wojtyla aus Polen wird als Johannes Paul II. zum neuen Oberhirten der katholischen Kirche – zum ersten Mal seit 455 Jahren führt ein Nicht-Italiener den Vatikan an. In Österreich kommt es 1978 zum Aus für das Atomkraftwerk Zwentendorf. Nach hitzigen Debatten wird von Bundeskanzler Bruno Kreisky eine Volksabstimmung initiiert. Dabei stimmen 50,5 Prozent der Österreicher gegen Zwentendorf.
In Oberösterreich wird das Anton-Bruckner-Institut in Linz, die BMW-Motorengesellschaft in Steyr gegründet, eine neue Standseilbahn auf die Wurzeralm wird eröffnet ebenso wie der zweite Grenzübergang zwischen Oberösterreich und der Tschechoslowakei in Weigetschlag bei Bad Leonfelden. Ulli Pitrovsky wird Sportlerin des Jahres in Sportgymnastik, ihr männliches Pendant ist der Fußballer Willi Kreuz. Stichwort Fußball.
Österreich bezwingt Deutschland im Fußball
Für viele Österreicher ist 1978 auch ein Sensationsjahr, dem man bis heute nachtrauert und das man nie vergessen wird können. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Argentinien trägt Österreich mit 3:2 den Sieg gegen Deutschland davon. Der legendäre Sportreporter Edi Finger senior kommentiert das Match im Radio und geht damit in die Geschichte ein.

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