Lust auf's Leben - Kultur aus allen Richtungen [2018.10.21]
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Katalogzettel
| Titel | Lust auf's Leben - Kultur aus allen Richtungen [2018.10.21] |
| Titelzusatz |
Magie und Zauber aus dem Amazonas: Der brasilianische Multiinstrumentalist Egberto Gismonti |
| Urheber/innen und Mitwirkende |
ORF Radio Oberösterreich [Sendeanstalt]
|
| Datum |
2018.10.21 [Sendedatum] |
| Schlagworte | Kultur ; Musik ; U-Musik ; Volksmusik - Volksmusik international ; Radiosendung-Mitschnitt |
| Typ | audio |
| Format |
DFMP2 [Dateiformat: MP2] |
| Sprache |
Deutsch |
| Signatur | E53-03450 |
Information
Inhalt
[Sendungsinformation]
“Die Musik der ganzen Welt ist miteinander verbunden”, stellte der Jazzpianist McCoy Tyner in den 1970er-Jahren fest und bezog sich dabei auf einen neuen Musikertyp, der brasilianische, arabische, balinesische, chinesische, japanische oder indische Tonsprachen ebenso in seine Spielweise integriert wie den Gegenwartsjazz oder die europäische Konzertmusik , später wird man von „World Music“ sprechen. Zu diesen ersten „Weltmusikern“ gehörte und gehört Egberto Gismonti wie Don Cherry, Colin Walcott, Stephan Micus, Karl Berger, die Gruppen Oregon und Codona. Viele dieser Musiker meinten damals, dass ihre musikalischen Reisen in andere Kulturen in Wirklichkeit Reisen in ihr eigenes Inneres seien. Ab dieser Zeit ist das Musizieren zwischen den Kulturen eine Selbstverständlichkeit und durchaus ein profitabler Zweig für die Plattenindustrie.
Mutter drängte ihn zur Gitarre
Egberto Amim Gismonti kam 1947 zur Welt, in der Kleinstadt Carmo rund 190 Kilometer nordöstlich von Rio de Janeiro. Sein Vater, Camilo Amim, stammt aus dem Libanon, seine Mutter, Ruth Gismonti, aus Sizilien. Die Familie ist sehr musikalisch, bereits sein Großvater und sein Onkel leiteten Orchester. Auf Wunsch der Eltern beginnt der Bub, Klavierspielen zu lernen, nebenbei auch Flöte und Klarinette.
Danach drängt ihn seine sizilianische Mutter, die aufgrund ihrer Herkunft italienische Serenaden im Hause hören wollte, zur Gitarre. Sein libanesischer Vater verlangte ein aristokratisches Instrument, Beirut war zu dieser Zeit eine kulturell bedeutsame Stadt. Es konnte nur das Klavier sein.
Studienstipendium für Wien ausgeschlagen
Die Gitarre und die verschiedenen brasilianischen Gitarrenarten lernte er autodidaktisch. Nach 15 Jahren Studium auf dem klassischen Klavier in Rio de Janeiro und Nova Friburgo winkt ihm ein Studienstipendium für klassische Musik in Wien, das er ausschlägt, ihm ist mehr nach Django Reinhardt und Jimi Hendrix. 1970 geht Gismonti nach Paris, um bei zwei bedeutenden Lehrern Unterricht zu nehmen. Bei der Musikpädagogin Nadja Boulanger, zu deren Studenten auch Astor Piazzolla, Quincy Jones und Philip Glass gehörten, lernte er Orchestrierung und Stilanalyse. Jean Barraqué war Komponist und lehrte ihm Serielle also Neue Musik. Von diesen beiden Pariser Lehrern wurde Gismonti vehement aufgefordert und ermuntert, sich intensiv mit den Musiken seiner Heimat Brasilien auseinanderzusetzen, was er auch tut.
„Riskiere etwas!" war der Rat der Mutter
Schon seine Mutter hatte ihn gemahnt: „Riskiere etwas! Fürchte dich nicht vor Fehlern! Riskiere etwas in deinem Leben!“ Zitat Nadja Boulanger nur mit anderen Worten: „Studieren Sie die Samba-Schule, die Berimbau- und Forro-Stile! Ihr Brasilianer könnt doch so verrückt sein!“ Gismonti nimmt sich die Ratschläge der beiden Frauen zu Herzen und riskiert Projekte zwischen europäischem Ernst und brasilianischer Lebensfreude. Vom Solo über Trio bis Orchester, er schreibt für Filme, für Ballett und Tanz. In der brasilianischen Volksmusik findet er eine unerschöpfliche Inspirationsquelle. Zitat Julio Medaglia: „Brasilien ist ein Land der Singdrosseln und der Kanarienvögel, die Musik machen, ohne zu wissen, für wen und warum sie singen“.
Gegenüber Experimenten immer aufgeschlossen
Gismonti zeigte sich gegenüber Experimenten immer aufgeschlossen. So verschwindet er eines Tages im Amazonasgebiet und verbringt seine Zeit für mehrere Wochen beim Yawalapiti-Stamm in der Nähe des Xingu-Flusses. In vier Monaten entsteht eine Freundschaft mit Sapain, einem Schamanen. Von ihm lernt Gismonti viel über die Musik dieses indigenen Stammes. Die Erfahrungen mit den Yawalapati berühren ihn in zweierlei Hinsicht: Gismontis eigene Musik wird spontaner und er versucht, eine perfekte Einheit zwischen Musiker, Musik und Instrument zu finden. Es entsteht danach ein bahnbrechendes Album mit dem Titel „Sol do meio dia“ – „Mittagssonne“.
Komponist, Dirigent, Chor- und Orchesterchef
Gismonti ist in Brasilien sehr aktiv und nimmt mit Airto Moreira, Flora Purim Herbie Hancock, Miles Davis, Paul Horn Platten auf, arbeitete mit namhaften brasilianischen Künstlern wie Elis Regina, Hermeto Pascoal, Maria Bethânia. Er spielt akustische und elektrische Tasteninstrumente, Gitarren sowieso, Sitar, Akkordeon, Violoncello und zahllose Instrumente wie Glocken und Gongs, die er auf seinen vielen Weltreisen entdeckt hat.
Der nunmehrige Multiinstrumentalist ist jetzt auf höchstem Niveau angekommen, aber auch als Komponist, Dirigent, Chor- und Orchesterchef immer mehr tätig. Sein Weg dazu war immer außergewöhnlich, ist er sowohl am Konservatorium als auch im Dschungel ausgebildet. Er verflicht die Musik mit der poetischen Literatur seiner Heimat, indem er sie in Beziehung zu seinen eigenen Werken setzt, die alles andere als traditionell klingen.
“Die Musik der ganzen Welt ist miteinander verbunden”, stellte der Jazzpianist McCoy Tyner in den 1970er-Jahren fest und bezog sich dabei auf einen neuen Musikertyp, der brasilianische, arabische, balinesische, chinesische, japanische oder indische Tonsprachen ebenso in seine Spielweise integriert wie den Gegenwartsjazz oder die europäische Konzertmusik , später wird man von „World Music“ sprechen. Zu diesen ersten „Weltmusikern“ gehörte und gehört Egberto Gismonti wie Don Cherry, Colin Walcott, Stephan Micus, Karl Berger, die Gruppen Oregon und Codona. Viele dieser Musiker meinten damals, dass ihre musikalischen Reisen in andere Kulturen in Wirklichkeit Reisen in ihr eigenes Inneres seien. Ab dieser Zeit ist das Musizieren zwischen den Kulturen eine Selbstverständlichkeit und durchaus ein profitabler Zweig für die Plattenindustrie.
Mutter drängte ihn zur Gitarre
Egberto Amim Gismonti kam 1947 zur Welt, in der Kleinstadt Carmo rund 190 Kilometer nordöstlich von Rio de Janeiro. Sein Vater, Camilo Amim, stammt aus dem Libanon, seine Mutter, Ruth Gismonti, aus Sizilien. Die Familie ist sehr musikalisch, bereits sein Großvater und sein Onkel leiteten Orchester. Auf Wunsch der Eltern beginnt der Bub, Klavierspielen zu lernen, nebenbei auch Flöte und Klarinette.
Danach drängt ihn seine sizilianische Mutter, die aufgrund ihrer Herkunft italienische Serenaden im Hause hören wollte, zur Gitarre. Sein libanesischer Vater verlangte ein aristokratisches Instrument, Beirut war zu dieser Zeit eine kulturell bedeutsame Stadt. Es konnte nur das Klavier sein.
Studienstipendium für Wien ausgeschlagen
Die Gitarre und die verschiedenen brasilianischen Gitarrenarten lernte er autodidaktisch. Nach 15 Jahren Studium auf dem klassischen Klavier in Rio de Janeiro und Nova Friburgo winkt ihm ein Studienstipendium für klassische Musik in Wien, das er ausschlägt, ihm ist mehr nach Django Reinhardt und Jimi Hendrix. 1970 geht Gismonti nach Paris, um bei zwei bedeutenden Lehrern Unterricht zu nehmen. Bei der Musikpädagogin Nadja Boulanger, zu deren Studenten auch Astor Piazzolla, Quincy Jones und Philip Glass gehörten, lernte er Orchestrierung und Stilanalyse. Jean Barraqué war Komponist und lehrte ihm Serielle also Neue Musik. Von diesen beiden Pariser Lehrern wurde Gismonti vehement aufgefordert und ermuntert, sich intensiv mit den Musiken seiner Heimat Brasilien auseinanderzusetzen, was er auch tut.
„Riskiere etwas!" war der Rat der Mutter
Schon seine Mutter hatte ihn gemahnt: „Riskiere etwas! Fürchte dich nicht vor Fehlern! Riskiere etwas in deinem Leben!“ Zitat Nadja Boulanger nur mit anderen Worten: „Studieren Sie die Samba-Schule, die Berimbau- und Forro-Stile! Ihr Brasilianer könnt doch so verrückt sein!“ Gismonti nimmt sich die Ratschläge der beiden Frauen zu Herzen und riskiert Projekte zwischen europäischem Ernst und brasilianischer Lebensfreude. Vom Solo über Trio bis Orchester, er schreibt für Filme, für Ballett und Tanz. In der brasilianischen Volksmusik findet er eine unerschöpfliche Inspirationsquelle. Zitat Julio Medaglia: „Brasilien ist ein Land der Singdrosseln und der Kanarienvögel, die Musik machen, ohne zu wissen, für wen und warum sie singen“.
Gegenüber Experimenten immer aufgeschlossen
Gismonti zeigte sich gegenüber Experimenten immer aufgeschlossen. So verschwindet er eines Tages im Amazonasgebiet und verbringt seine Zeit für mehrere Wochen beim Yawalapiti-Stamm in der Nähe des Xingu-Flusses. In vier Monaten entsteht eine Freundschaft mit Sapain, einem Schamanen. Von ihm lernt Gismonti viel über die Musik dieses indigenen Stammes. Die Erfahrungen mit den Yawalapati berühren ihn in zweierlei Hinsicht: Gismontis eigene Musik wird spontaner und er versucht, eine perfekte Einheit zwischen Musiker, Musik und Instrument zu finden. Es entsteht danach ein bahnbrechendes Album mit dem Titel „Sol do meio dia“ – „Mittagssonne“.
Komponist, Dirigent, Chor- und Orchesterchef
Gismonti ist in Brasilien sehr aktiv und nimmt mit Airto Moreira, Flora Purim Herbie Hancock, Miles Davis, Paul Horn Platten auf, arbeitete mit namhaften brasilianischen Künstlern wie Elis Regina, Hermeto Pascoal, Maria Bethânia. Er spielt akustische und elektrische Tasteninstrumente, Gitarren sowieso, Sitar, Akkordeon, Violoncello und zahllose Instrumente wie Glocken und Gongs, die er auf seinen vielen Weltreisen entdeckt hat.
Der nunmehrige Multiinstrumentalist ist jetzt auf höchstem Niveau angekommen, aber auch als Komponist, Dirigent, Chor- und Orchesterchef immer mehr tätig. Sein Weg dazu war immer außergewöhnlich, ist er sowohl am Konservatorium als auch im Dschungel ausgebildet. Er verflicht die Musik mit der poetischen Literatur seiner Heimat, indem er sie in Beziehung zu seinen eigenen Werken setzt, die alles andere als traditionell klingen.