Lust auf's Leben - Kultur aus allen Richtungen [2018.12.02]
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Katalogzettel
| Titel | Lust auf's Leben - Kultur aus allen Richtungen [2018.12.02] |
| Titelzusatz |
Das klingende Stimmenlexikon - Ein akustischer Wegweiser durch die Welt der Vokalmusik |
| Urheber/innen und Mitwirkende |
Huemer, Michael [Moderation]
ORF Radio Oberösterreich [Sendeanstalt] |
| Datum |
2018.12.02 [Sendedatum] |
| Schlagworte | Kultur ; Musik ; E-Musik ; Vokalmusik - Chormusik, Chorwerke ; Radiosendung-Mitschnitt |
| Typ | audio |
| Format |
DFMP2 [Dateiformat: MP2] |
| Sprache |
Deutsch |
| Signatur | E53-03556 |
Information
Inhalt
[Sendungsinformation]
In diesem Hörlexikon werden zentrale Begriffe aus der Vokalmusik verdeutlicht. Zu Beginn werden die verschiedenen Register der menschlichen Stimme vorgestellt. Danach werden die in der Welt des Gesanges verwendeten Ausdrücke über Stimmlagen, Liedformen und über die Kulturtechnik des Singens erklärt. Klangbeispiele aus bekannten und unbekannten Gesangsstücken zusammen mit kurzen Erklärungen und Erläuterungen ergänzen das klingende Stimmenlexikon.
Stimmen und Chormusik in „Lust aufs Leben“
„Auf den Flügeln des Gesangs - Stimmen und Chormusik aus aller Welt“ ist an den vier Adventsonntagen ab 21.03 Uhr in der Sendung „Lust aufs Leben“ mit Michael Huemer zu hören.
Der Gesang und die Rezitation spielen von jeher eine zentrale Rolle in Kultur und Religion. Vokalmusik, also Musik, die mit der menschlichen Stimme ausgeführt wird, kennt man aus der Oper, der Operette und von Liederabenden. Dann gibt es auch noch den Chorgesang, diese manchmal verschwommene Menschen- und Klangmasse, die hinter dem Orchester auftaucht und dieses lautstärkemäßig zu übertreffen sucht. Wenn man Mitglieder eines Chores nach ihren Gründen fragt, warum sie in einem Chor mittun, erhält man durchgehend als Antwort, dass durch das Singen ein starkes Gemeinschaftsgefühl erzeugt wird. In dem Moment, wo man gemeinsam singt, bringt man auch ein gemeinsames Interesse zum Ausdruck.
Singen hat also zwei unterschiedliche Funktionen, individuelle und gemeinschaftsbezogene. Vielleicht spielt überdies die Tatsache eine Rolle, dass das Singen für viele ungewohnt und manchem peinlich ist. In einer herausgehobenen Situation wie in der Kirche oder auf dem Fußballplatz, also in einer Gemeinschaft, traut sich der Einzelne manches zu, was er allein nicht riskieren würde. Viele kennen das Gefühl der inneren Ergriffenheit, wenn beispielsweise Mönche gregorianische Choräle singen, oder die Erhabenheit, wenn Chöre beim traditionellen Weihnachtssingen „Stille Nacht, heilige Nacht“ anstimmen.
Andere empfinden dieses Gefühl beim Absingen von Nationalhymnen und Fan-Gesängen in den Sportarenen. Auch für sie eine Art „Religion“ wie für Christen beider Konfessionen und für Juden, die bei religiösen Kultfeiern wie Gottesdienste singen. Offenkundig rührt Gesang in der Gemeinschaft an Gefühle, die über das Rationale, Diesseitige hinausgehen.
Jedes Chormitglied muss aufmerksam sein
Ein Chor kann nur dann erfolgreich sein, wenn die verschiedenen Stimmen gut aufeinander hören und sich danach richten, was der Dirigent von ihnen fordert. Es gibt kaum ein anderes musikalisches Instrument wie die menschliche Stimme, die so innig an die augenblickliche körperliche und geistige Verfassung der Sängerin bzw. des Sängers gebunden ist. Ein erfahrener Dirigent weiß, dass er die Mitglieder seines Chores nicht allein durch technisch-musikalische Mittel wach und rege halten kann. Er benötigt zusätzlich oft Mittel, die weit über den Anforderungen eines Musikers liegen, um die Chorgemeinschaft anzuspornen. Das Aushalten eines Tons oder Akkords besteht nicht in einem passiven Verharren jeder Stimme auf ihrem Standpunkt, sondern in einem fortwährenden dynamischen Prozess wie das Anhalten und Neuerzeugen des Tones. Jedes Chormitglied muss daher präsent und aufmerksam sein. Alle Töne, die sein Ohr treffen, vergleicht es fortwährend mit seinen selbst produzierten. Die Bereitschaft, auf die Stimmen der anderen zu hören, impliziert auch die Bereitschaft, die eigene Stimme klingen zu lassen. Nur so kann ein homogener Chorklang erzeugt werden.
37 Millionen Europäer singen regelmäßig
Anfang 2017 hat die „European Choral Association – Europa Cantat“ eine Studie in Auftrag gegeben. Die Kernfrage dabei war „Wie viele Menschen in Europa praktizieren das gemeinschaftliche Singen?“. Gemeint war damit, dass sich Sangesbrüder und Sangesschwestern geplant und regelmäßig zusammentun, um in irgendeiner Form gemeinsam zu singen. Das wichtigste Ergebnis der Studie war, dass 37 Millionen Menschen in Europa regelmäßig gemeinschaftlich singen, was zirka 4,5 % der Gesamtbevölkerung darstellt. Dieses positive Ergebnis kann als Beweis gedeutet werden, dass das Singen in Gemeinschaften wie Chören und Gesangsensembles keine „Nischen-Kunstform“ ist, sondern eher eine der am häufigsten praktizierten kulturellen Freizeitbeschäftigungen. In den meisten europäischen Ländern gibt es sogar mehr Chorsängerinnen und -sänger als registrierte Fußballspielerinnen und –spieler.
Der Chor als ideale menschliche Gemeinschaft?
Ist vielleicht ein Chor die ideale menschliche Gemeinschaft? Ein Kollektiv der Harmonie, in dem jedes Mitglied mit seiner eigenen Stimme hörbar ist und einem Ganzen dient, dem Werk, der Komposition, sich unterordnend einem musikalischen Leiter oder Dirigenten. Das Singen im Chor fördert die Sozialkompetenz, da man sich selbst zurücknehmen und auf die anderen hören muss. Es verlangt Mut und die Bereitschaft, sich einem Kollektiv anzupassen, es fordert Konzentration und Disziplin, es benötigt Leidenschaft und Hingabe. Es zählt nicht unbedingt die Masse, also die Größe einer Chorgemeinschaft, sondern der einzelne, der voll und ganz zum Gemeinschaftserlebnis beitragen muss, erst dann entsteht ein einziger organischer Klangkörper. In diesem Sinne ist das Programm in der Sendereihe „Lust aufs Leben – Kultur aus allen Richtungen“ an den vier Adventsonntagen ausgerichtet. Das gemeinschaftliche Singen, die menschliche Stimme, Chormusik weltweit – Kontinente, Stile, Zeiten übergreifend, in verschiedensten Besetzungen – stehen im Mittelpunkt von vier Sendungen, beginnend am ersten Adventsonntag, den 2. Dezember.
In diesem Hörlexikon werden zentrale Begriffe aus der Vokalmusik verdeutlicht. Zu Beginn werden die verschiedenen Register der menschlichen Stimme vorgestellt. Danach werden die in der Welt des Gesanges verwendeten Ausdrücke über Stimmlagen, Liedformen und über die Kulturtechnik des Singens erklärt. Klangbeispiele aus bekannten und unbekannten Gesangsstücken zusammen mit kurzen Erklärungen und Erläuterungen ergänzen das klingende Stimmenlexikon.
Stimmen und Chormusik in „Lust aufs Leben“
„Auf den Flügeln des Gesangs - Stimmen und Chormusik aus aller Welt“ ist an den vier Adventsonntagen ab 21.03 Uhr in der Sendung „Lust aufs Leben“ mit Michael Huemer zu hören.
Der Gesang und die Rezitation spielen von jeher eine zentrale Rolle in Kultur und Religion. Vokalmusik, also Musik, die mit der menschlichen Stimme ausgeführt wird, kennt man aus der Oper, der Operette und von Liederabenden. Dann gibt es auch noch den Chorgesang, diese manchmal verschwommene Menschen- und Klangmasse, die hinter dem Orchester auftaucht und dieses lautstärkemäßig zu übertreffen sucht. Wenn man Mitglieder eines Chores nach ihren Gründen fragt, warum sie in einem Chor mittun, erhält man durchgehend als Antwort, dass durch das Singen ein starkes Gemeinschaftsgefühl erzeugt wird. In dem Moment, wo man gemeinsam singt, bringt man auch ein gemeinsames Interesse zum Ausdruck.
Singen hat also zwei unterschiedliche Funktionen, individuelle und gemeinschaftsbezogene. Vielleicht spielt überdies die Tatsache eine Rolle, dass das Singen für viele ungewohnt und manchem peinlich ist. In einer herausgehobenen Situation wie in der Kirche oder auf dem Fußballplatz, also in einer Gemeinschaft, traut sich der Einzelne manches zu, was er allein nicht riskieren würde. Viele kennen das Gefühl der inneren Ergriffenheit, wenn beispielsweise Mönche gregorianische Choräle singen, oder die Erhabenheit, wenn Chöre beim traditionellen Weihnachtssingen „Stille Nacht, heilige Nacht“ anstimmen.
Andere empfinden dieses Gefühl beim Absingen von Nationalhymnen und Fan-Gesängen in den Sportarenen. Auch für sie eine Art „Religion“ wie für Christen beider Konfessionen und für Juden, die bei religiösen Kultfeiern wie Gottesdienste singen. Offenkundig rührt Gesang in der Gemeinschaft an Gefühle, die über das Rationale, Diesseitige hinausgehen.
Jedes Chormitglied muss aufmerksam sein
Ein Chor kann nur dann erfolgreich sein, wenn die verschiedenen Stimmen gut aufeinander hören und sich danach richten, was der Dirigent von ihnen fordert. Es gibt kaum ein anderes musikalisches Instrument wie die menschliche Stimme, die so innig an die augenblickliche körperliche und geistige Verfassung der Sängerin bzw. des Sängers gebunden ist. Ein erfahrener Dirigent weiß, dass er die Mitglieder seines Chores nicht allein durch technisch-musikalische Mittel wach und rege halten kann. Er benötigt zusätzlich oft Mittel, die weit über den Anforderungen eines Musikers liegen, um die Chorgemeinschaft anzuspornen. Das Aushalten eines Tons oder Akkords besteht nicht in einem passiven Verharren jeder Stimme auf ihrem Standpunkt, sondern in einem fortwährenden dynamischen Prozess wie das Anhalten und Neuerzeugen des Tones. Jedes Chormitglied muss daher präsent und aufmerksam sein. Alle Töne, die sein Ohr treffen, vergleicht es fortwährend mit seinen selbst produzierten. Die Bereitschaft, auf die Stimmen der anderen zu hören, impliziert auch die Bereitschaft, die eigene Stimme klingen zu lassen. Nur so kann ein homogener Chorklang erzeugt werden.
37 Millionen Europäer singen regelmäßig
Anfang 2017 hat die „European Choral Association – Europa Cantat“ eine Studie in Auftrag gegeben. Die Kernfrage dabei war „Wie viele Menschen in Europa praktizieren das gemeinschaftliche Singen?“. Gemeint war damit, dass sich Sangesbrüder und Sangesschwestern geplant und regelmäßig zusammentun, um in irgendeiner Form gemeinsam zu singen. Das wichtigste Ergebnis der Studie war, dass 37 Millionen Menschen in Europa regelmäßig gemeinschaftlich singen, was zirka 4,5 % der Gesamtbevölkerung darstellt. Dieses positive Ergebnis kann als Beweis gedeutet werden, dass das Singen in Gemeinschaften wie Chören und Gesangsensembles keine „Nischen-Kunstform“ ist, sondern eher eine der am häufigsten praktizierten kulturellen Freizeitbeschäftigungen. In den meisten europäischen Ländern gibt es sogar mehr Chorsängerinnen und -sänger als registrierte Fußballspielerinnen und –spieler.
Der Chor als ideale menschliche Gemeinschaft?
Ist vielleicht ein Chor die ideale menschliche Gemeinschaft? Ein Kollektiv der Harmonie, in dem jedes Mitglied mit seiner eigenen Stimme hörbar ist und einem Ganzen dient, dem Werk, der Komposition, sich unterordnend einem musikalischen Leiter oder Dirigenten. Das Singen im Chor fördert die Sozialkompetenz, da man sich selbst zurücknehmen und auf die anderen hören muss. Es verlangt Mut und die Bereitschaft, sich einem Kollektiv anzupassen, es fordert Konzentration und Disziplin, es benötigt Leidenschaft und Hingabe. Es zählt nicht unbedingt die Masse, also die Größe einer Chorgemeinschaft, sondern der einzelne, der voll und ganz zum Gemeinschaftserlebnis beitragen muss, erst dann entsteht ein einziger organischer Klangkörper. In diesem Sinne ist das Programm in der Sendereihe „Lust aufs Leben – Kultur aus allen Richtungen“ an den vier Adventsonntagen ausgerichtet. Das gemeinschaftliche Singen, die menschliche Stimme, Chormusik weltweit – Kontinente, Stile, Zeiten übergreifend, in verschiedensten Besetzungen – stehen im Mittelpunkt von vier Sendungen, beginnend am ersten Adventsonntag, den 2. Dezember.