Lust auf's Leben - Kultur aus allen Richtungen [2016.07.10]
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Katalogzettel
| Titel | Lust auf's Leben - Kultur aus allen Richtungen [2016.07.10] |
| Urheber/innen und Mitwirkende |
Huemer, Michael [Moderation]
ORF Radio Oberösterreich [Sendeanstalt] |
| Datum |
2016.07.10 [Sendedatum] |
| Schlagworte | Musik ; U-Musik ; Radiosendung-Mitschnitt |
| Typ | audio |
| Format |
DFMP2 [Dateiformat: MP2] |
| Sprache |
Deutsch |
| Signatur | E53-01663 |
Information
Inhalt
[Senderinformation] In der Sendung „Lust aufs Leben“ gibt es am Sonntag ab 21.04 Uhr wieder „Hörenswürdigkeiten“ aus dem Radio OÖ Archiv. In unregelmäßigen Abständen gibt es Raritäten, Klassiker und Highlights zum Mitschmunzeln und Erinnern. Diese Sendung ist dem Schnulzodrom gewidmet.
Haymo Pockberger wurde 1925 in Salzburg als Sohn eines Forstmeisters geboren, er erlernte die Schauspielerei und wurde Komödiant. Den Krieg erlebt er an der Ostfront. Im Jahr 1948 legt er seine Reifeprüfung am Wiener Reinhardt-Seminar ab, danach arbeitet er an den Theatern in Salzburg und Bregenz. Nur zwei Jahre später treibt es ihn zur Sendergruppe Rot-Weiß-Rot in Linz, wo er am 1. Oktober 1950 als Sprecher beginnt.
Sein Komödiantentum und sein Humor führten dazu, dass er im Herbst 1968 zum Unterhaltungschef des Landesstudios bestellt wird. Und damit setzte eine Reihe von Sendungen ein, denen großer Erfolg beschieden war. Eine davon war das „Schnulzodrom“, das von 1969 bis 1974 im Programm von Ö3 zu hören war.
Von deutschen Sendern übernommen
Das „Schnulzodrom“ gehörte zu den beliebtesten Radioserien in Ö3, die sogar von deutschen Rundfunkanstalten übernommen wurden. Pockberger nannte sich selbst „Schnulzodromedar“ und reagierte mit seiner satirischen Ö3-Sendung auf den sogenannten Schnulzenerlass vom damaligen ORF-Generalintendanten Gerd Bacher. Dieser war genau genommen eine Anweisung an die Radiomacher von Ö3 vom Juli 1968, anstelle von deutschsprachigen „Schnulzen“ internationale Popmusik zu spielen.
Originalzitat im „Express“ vom 25. Juli 1968:
„In den letzten Monaten beginnt eine mir unerklärliche Schnulzeninvasion über Ö3 hereinzubrechen. Wann immer man Allroundprogramme in Ö3 aufdreht, säuselt einem ein germanischer Schwachsinniger in die Ohren. Da ich mein Ersuchen seit Monaten – leider vergeblich – an die diversen Ö3-Herren und Damen richte, würde ich nach meiner Rückmehr nicht mehr bitten, sondern entsprechende Konsequenzen ziehen.“
Gravierende Konsequenzen
Gerd Bachers Machtwort hatte gravierende Konsequenzen. Das Programm des Jugendsenders Ö3 reduzierte drastisch die Quote deutschsprachiger Musik zugunsten von Popmusik angelsächsischen Ursprungs. Die von Bacher geschmähten deutschsprachigen Schlager werden danach verstärkt in den Bundesländerprogrammen von Österreich Regional eingesetzt. Das „entschnulzte“ Musikprogramm bekam 1969 mit Haymo Pockbergers „Schnulzodrom“ eine satirische Ausnahme und Ernst Grissemann begab sich eifrig auf die Suche nach deutschsprachiger Popmusik, um den Vorwurf zu entkräften, Ö3 „amerikanisiere“ Österreich.
Erfolg mit heimischen Talenten
Grissemann holte einen gewissen Reinhard Mey nach Wien, der bisher eher bescheidene Auftritte absolviert hatte. Evamaria Kaiser suchte nach einheimischen Talenten und erzielte beachtliche Ergebnisse: Die Worried Men Skiffle Group fetzte fröhlich los, was das Zeug hielt, der „Misthaufen“ klang zum Himmel, Marianne Mendt ließ 24 Stunden die Glocken läuten, Georg Danzer war sanft und doppelbödig und die „Milestones“ schnappten sich den ersten Platz in der „Showchance“.
Sendungshinweis
„Lust aufs Leben“, 10.7.16
Der damalige Ö3-Moderator André Heller hat den 2015 verstorbenen Bacher als „begnadeten Ermutiger“ beschrieben, der sich durch den Schnulzenerlass bei der „Ent-Roy-Blackisierung der Jugendkultur zugunsten von Frank Zappa, den Rolling Stones und Led Zeppelin und der allgemeinen Durchlüftung als Verbündeter“ erwiesen habe. Rudolf Nagiller, Gerd Bacher, André Heller und Ernst Grissemann werden in der Sendung ausführlich zu Wort kommen.
Haymo Pockberger wurde 1925 in Salzburg als Sohn eines Forstmeisters geboren, er erlernte die Schauspielerei und wurde Komödiant. Den Krieg erlebt er an der Ostfront. Im Jahr 1948 legt er seine Reifeprüfung am Wiener Reinhardt-Seminar ab, danach arbeitet er an den Theatern in Salzburg und Bregenz. Nur zwei Jahre später treibt es ihn zur Sendergruppe Rot-Weiß-Rot in Linz, wo er am 1. Oktober 1950 als Sprecher beginnt.
Sein Komödiantentum und sein Humor führten dazu, dass er im Herbst 1968 zum Unterhaltungschef des Landesstudios bestellt wird. Und damit setzte eine Reihe von Sendungen ein, denen großer Erfolg beschieden war. Eine davon war das „Schnulzodrom“, das von 1969 bis 1974 im Programm von Ö3 zu hören war.
Von deutschen Sendern übernommen
Das „Schnulzodrom“ gehörte zu den beliebtesten Radioserien in Ö3, die sogar von deutschen Rundfunkanstalten übernommen wurden. Pockberger nannte sich selbst „Schnulzodromedar“ und reagierte mit seiner satirischen Ö3-Sendung auf den sogenannten Schnulzenerlass vom damaligen ORF-Generalintendanten Gerd Bacher. Dieser war genau genommen eine Anweisung an die Radiomacher von Ö3 vom Juli 1968, anstelle von deutschsprachigen „Schnulzen“ internationale Popmusik zu spielen.
Originalzitat im „Express“ vom 25. Juli 1968:
„In den letzten Monaten beginnt eine mir unerklärliche Schnulzeninvasion über Ö3 hereinzubrechen. Wann immer man Allroundprogramme in Ö3 aufdreht, säuselt einem ein germanischer Schwachsinniger in die Ohren. Da ich mein Ersuchen seit Monaten – leider vergeblich – an die diversen Ö3-Herren und Damen richte, würde ich nach meiner Rückmehr nicht mehr bitten, sondern entsprechende Konsequenzen ziehen.“
Gravierende Konsequenzen
Gerd Bachers Machtwort hatte gravierende Konsequenzen. Das Programm des Jugendsenders Ö3 reduzierte drastisch die Quote deutschsprachiger Musik zugunsten von Popmusik angelsächsischen Ursprungs. Die von Bacher geschmähten deutschsprachigen Schlager werden danach verstärkt in den Bundesländerprogrammen von Österreich Regional eingesetzt. Das „entschnulzte“ Musikprogramm bekam 1969 mit Haymo Pockbergers „Schnulzodrom“ eine satirische Ausnahme und Ernst Grissemann begab sich eifrig auf die Suche nach deutschsprachiger Popmusik, um den Vorwurf zu entkräften, Ö3 „amerikanisiere“ Österreich.
Erfolg mit heimischen Talenten
Grissemann holte einen gewissen Reinhard Mey nach Wien, der bisher eher bescheidene Auftritte absolviert hatte. Evamaria Kaiser suchte nach einheimischen Talenten und erzielte beachtliche Ergebnisse: Die Worried Men Skiffle Group fetzte fröhlich los, was das Zeug hielt, der „Misthaufen“ klang zum Himmel, Marianne Mendt ließ 24 Stunden die Glocken läuten, Georg Danzer war sanft und doppelbödig und die „Milestones“ schnappten sich den ersten Platz in der „Showchance“.
Sendungshinweis
„Lust aufs Leben“, 10.7.16
Der damalige Ö3-Moderator André Heller hat den 2015 verstorbenen Bacher als „begnadeten Ermutiger“ beschrieben, der sich durch den Schnulzenerlass bei der „Ent-Roy-Blackisierung der Jugendkultur zugunsten von Frank Zappa, den Rolling Stones und Led Zeppelin und der allgemeinen Durchlüftung als Verbündeter“ erwiesen habe. Rudolf Nagiller, Gerd Bacher, André Heller und Ernst Grissemann werden in der Sendung ausführlich zu Wort kommen.