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Lust auf's Leben - Kultur aus allen Richtungen [2016.09.04]

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Katalogzettel

Titel Lust auf's Leben - Kultur aus allen Richtungen [2016.09.04]
Urheber/innen und Mitwirkende Huemer, Michael [Moderation]
ORF Radio Oberösterreich [Sendeanstalt]
Datum 2016.09.04 [Sendedatum]
Schlagworte Musik ; U-Musik ; Radiosendung-Mitschnitt
Typ audio
Format DFMP2 [Dateiformat: MP2]
Sprache Deutsch
Signatur E53-01718

Information

Inhalt

[Senderinformation] Kaiser Franz Joseph I. in „Lust aufs Leben“

Heuer vor 100 Jahren ging eine Epoche zu Ende. Am 21. November 1916 starb Kaiser Franz Joseph I. auf Schloss Schönbrunn. Am Sonntag ab 21.03 Uhr widmet sich die Sendung „Lust aufs Leben“ dem Regenten.

Mit nur 18 Jahren bestieg er als Hoffnungsträger den Habsburger-Thron, den er fast 68 Jahre innehaben sollte. Er trat ein überaus schweres politisches Erbe an.

In Ungarn tobte ein Aufstand und im Süden des Reiches provozierte die italienische Einheitsbewegung zahlreiche Konflikte. Wer um die verheißungsvollen Anfänge des Kaisers weiß, der einst eine der schönsten Frauen des 19. Jahrhunderts heiraten sollte, nämlich Elisabeth in Bayern, der wird die Tragik nachempfinden, die seine ganze Herrschaft umgibt. Sie war überschattet von militärischen Niederlagen, der Hinrichtung seines Bruders Kaiser Maximilian von Mexiko, dem Selbstmord seines Sohnes Kronzprinz Rudolf, der Ermordung seiner geliebten Frau Sisi und dem heraufziehenden Ende der Habsburger Monarchie als Folge des Ersten Weltkriegs.

Mordanschlag 1853 überlebt
1853 überlebte der Kaiser selbst einen Mordanschlag. Es scheint wie ein Treppenwitz der Geschichte, dass ausgerechnet jener Monarch, der als Erster im Jahr 1914 eine Kriegserklärung unterzeichnete, noch wenige Monate bevor die Kanonen donnerten, für den Friedensnobelpreis nominiert wurde. Nach der Kriegserklärung an Serbien bedauerte Franz Joseph in seinem Manifest „An meine Völker“, dass es ihm nicht vergönnt gewesen sei, die verbleibenden Jahre seines Lebens den Werken des Friedens zu widmen.

Karl Kraus über das Wesen des Kaisers
In seinem 1920 publizierten Gedicht stellte Karl Kraus die Frage nach dem Wesen von Kaiser Franz Joseph. Ein Mann, der zeitlebens als gefühlskalt und unnahbar galt, der mit äußerster Selbstdisziplin regierte, der Kriege vom Zaun brach, Aufstände blutig niederschlug und kaum Interesse für die Nöte der einfachen Bevölkerung zeigte. Von der Gott gegebenen Rolle als Monarch war er bis an sein Lebensende überzeugt. Eine gewisse Beliebtheit erlangte der Kaiser erst in den späten Jahren seiner 68-jährigen Regierungszeit.

Wasserkopf und epileptische Anfälle
Das Licht der Welt erblickte Franz Joseph der Erste am 18. August 1830 in Schloss Schönbrunn. Der Druck einen gesunden, männlichen Nachfolger auf die Welt zu bringen war enorm, denn aus der Ehe des regierenden Kaiser Ferdinand waren keine Kinder zu erwarten. Er hatte einen Wasserkopf und litt an epileptischen Anfällen. Die Hoffnung des Kaiserhauses konzentrierte sich damit auf den Bruder des Kaisers, Franz Karl und dessen aus Bayern stammende Frau Erzherzogin Sophie. Der 43 Stunden dauernde Geburtsvorgang war eine beinahe öffentliche Zeremonie, der neben Familienmitgliedern auch Angehörige des Hofstaates beiwohnten. Eine der Zuschauer war die spätere Aja – die Erzieherin von Franz Joseph, Baronin Luise von Sturmfeder. In ihrem Tagebuch notierte sie:

Einige beteten, andere weinten. Nun ward eine grässliche Stille, dann wieder fürchterliches Schreien und Wehklagen, wo man nur von Zeit zu Zeit des guten Kaisers Stimme hörte, welcher Mut zusprach. Und auf einmal um Dreiviertel Zehn wurde alles laut. Das Kind ist da, aber es schrie nicht. Wieder eine Pause, bis man endlich eine Stimme hörte und die Kaiserin weinend uns allen um den Hals viel und sagte: „Es ist ein Sohn“.

Erst nach sechs Jahren Ehe und mehreren vorangegangen Fehlgeburten kam Franz Joseph zur Welt. Im Gegensatz zur dominanten und willensstarken Mutter stand der Vater von Franz Joseph, Erzherzog Franz Karl.

Begeisterung für alles Militärische
Schon früh entwickelte Franz Joseph eine Begeisterung für alles Militärische. Zudem hatte er einen ausgeprägten Ordnungssinn. Seinen ersten militärischen Drill erhielt der künftige Kaiser bereits im Alter von 5 Jahren. Das Ziel der Erziehung war von Anbeginn, Franz Joseph zum Herrscher zu formen. Die Jahrhunderte lange Regentschaft der Habsburger Dynastie sollte unter allen Umständen fortgeführt werden. Tugenden wie Disziplin und ein konservatives, katholisch geprägtes Weltbild waren deshalb höchst erstrebenswert. In einem Lehrbuch des künftigen Monarchen wurde das vom Gottesgnadentum abgeleitete Wertesystem folgendermaßen zusammengefasst.

Die Kronen der Fürsten kommen von Gott. Das Fürstenrecht ist göttlichen Ursprungs. Das Staatsrecht legt den Königen gewisse schwere Pflichten auf, aber sich so für ihre Völker opfern zu wollen, wie es ein Vater für seine von ihm erzeugten Kinder zu tun schuldig ist, kann Ihnen nicht aufgebürdet werden.

Lesen mit vier, schreiben mit fünf Jahren
Schon mit vier Jahren konnte Franz Joseph lesen, mit Fünf schreiben. Im Alter von Sechs hatte er pro Woche bereits 32 Stunden Unterricht. Mit dem Beginn seiner schulischen Ausbildung wurde er auch von seiner geliebten Aja – Baronin Sturmfeder getrennt. Der wohl wichtigsten Bezugsperson seiner frühen Kindheit war es zunächst verboten, Franz Joseph weiterhin zu sehen, darüber notierte sie.

Mein Franzi wird mir nun bald genommen werden Ach dies wird wieder ein Stück von meinem Herzen sein, dass losgerissen wird.

Der Tagesablauf des künftigen Monarchen war exakt durchgeplant. Geweckt wurde er pünktlich um 7 Uhr morgens - um 20 Uhr war Bettruhe. Die Unterrichtseinheiten bestanden aus Lektionen von einer halben Stunde bis zu eineinhalb Stunden Länge. Unterbrochen wurden sie von den Mahlzeiten und dem täglichen zweistündigen Spaziergang.

Von klein an zahlreiche Sprachen gelernt
Um sich in möglichst vielen Sprachen seines Reiches unterhalten zu können, lernte Franz Joseph schon von klein an Ungarisch, Böhmisch und Italienisch. Später kamen auch Latein und Altgriechisch hinzu. Weitere Fächer waren unter anderem Geografie, Geschichte, Philosophie, Mathematik, Physik, Technologie und Sternenkunde, geometrisches Zeichnen, Militärtaktik, Strategie und Geschichte des Kriegswesens, sowie Rechtswissenschaften. Auf dem Stundenplan standen auch Exerzieren, Voltigieren, Gymnastik, Tanz und Musik.

Als Privatmensch und Politiker skizziert
Wer war nun dieser Mann, der auch heute noch Österreich in verschiedensten Bereichen prägt? Seien es die prachtvollen Bauten entlang der Wiener Ringstraße oder als Tourismusmagnet wie in Bad Ischl. Michael Huemer hat sich dem Monarchen angenähert und ihn als Privatmensch und Politiker skizziert.

Zahlreiche Sonderausstellungen zum 100. Todestag
Anlässlich des 100. Todestages von Kaiser Franz Joseph finden in Schloss Schönbrunn, im Hofmobiliendepot, in der Kaiserlichen Wagenburg in Schönbrunn sowie in Schloss Niederweiden in Niederösterreich umfangreiche Sonderausstellungen zum Thema statt. Der Bogen spannt sich von der Jugend des Kaisers über seine Politik bis hin zum Privatmann und fanatischen Jäger. Bis 30. Oktober gibt es in Oberösterreich im Museum der Stadt Bad Ischl ebenfalls eine Extraausstellung mit dem Titel „Kaiser Franz Joseph – ein Leben für die Monarchie“.

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