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Lust auf's Leben - Kultur aus allen Richtungen [2016.12.18]

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Katalogzettel

Titel Lust auf's Leben - Kultur aus allen Richtungen [2016.12.18]
Urheber/innen und Mitwirkende Huemer, Michael [Moderation]
Bognermayr, Hubert [Komponist/in] [GND ]
ORF Radio Oberösterreich [Sendeanstalt]
Datum 2016.12.18 [Sendedatum]
Schlagworte Musik ; U-Musik ; Nachrichten ; Klima und Wetter ; Radiosendung-Mitschnitt
Typ audio
Format DFMP2 [Dateiformat: MP2]
Sprache Deutsch
Signatur E53-01904

Information

Inhalt

[Senderinformation] Hubert Bognermayrs Bergpredigt

Für die letzte Sendung „Lust aufs Leben“ dieses Jahres am kommenden Sonntag, hat Michael Huemer Außergewöhnliches ausgewählt: Die erste computerkonzertante Fassung der Bergpredigt von Hubert Bognermayr, die bei der Ars Electronica 1984 Furore machte.

Bognermayrs Bergpredigt ist ein außergewöhnlichen musikalischen Projekte, das 1983 auf Schallplatte erschienen ist und dann am 9. September 1984 beim Ars Electronica Festival im Linzer Mariendom uraufgeführt wurde. Die erste computerkonzertante Aufführung in der zweitgrößten Kirche Europas führte durch die mit Computerunterstützung errechnete Beschallungskonzeption und die Verwendung von Musikcomputern zu einem akustischen sowie musikalischen Neuerlebnis.

Es sorgte für Furore und schlug auch europaweit ziemlich hohe Wellen. „Bergpredigt“ heißt dieses Oratorium für Musikcomputer und Stimmen, komponiert und konzipiert haben es Hubert Bognermayr und Harald Zuschrader. Beide kommen aus Linz und zählten damals zu den Pionieren der elektronischen Musik. Text und Inhalt der Bergpredigt in einem Gewand aus Computermusik und gesampelter Sprache zu einem Werk zusammenfließen zu lassen, war damals revolutionär. Bognermayr-Zuschrader leisteten bahnbrechende und international anerkannte Arbeit im Bereich der computerakustischen Musik, beide zählen zu den Gründungsmitgliedern der Rockband Eela Craig. Diese wurden in zwei Sendungen bereits im Oktober präsentiert. Ergänzt werden die Ausschnitte aus der „Bergpredigt“ durch ein Interview, das Wolfgang Winkler 1991 mit Hubert Bognermayr führte.

Die Bergpredigt gilt als moralisches Juwel der Christenheit. Sie ist eine programmatische Rede, die ganz am Anfang des Wirkens Jesus von Nazareth steht. Aufgeschrieben hat sie der Apostel Matthäus in seinem Evangelium. Es handelt sich um eine Auflistung von Versprechungen, Regeln, Forderungen und Geboten, die Jesus auf einem Berg am Nordrand des Sees Genezareth in Nordisrael offenbart hat.

Die Bedrohung des Friedens, Verzicht auf Gewalt, Abbau von Aggressionen, Hinwendung zu Toleranz und Solidarität, Engagement für Entrechtete und Unterdrückte werden in der Bergpredigt beim Wort genommen. Sie enthält zweifellos Idealvorstellungen, die ein Mensch kaum erreichen kann. Friedrich Nietzsche hat die Bergpredigt scharf kritisiert ebenso wie Martin Luther.

- Hubert Bognermayr:
6.4.1948 in Linz geboren, 17.3.1999 gestorben

- Harald Zuschrader:
5.3.1944 in Linz geboren

- Walter Karlberger:
15. 4. 1925 in Wien geboren

Eine faszinierende Aufgabe also für Hubert Bognermayr und Harald Zuschrader, mit der damals noch umstrittenen und hart kritisierten Computer-Technologie dieses Werk musikalisch umzusetzen. Walter Karlberger hat den Originaltext der Bergpredigt konfrontiert mit Aussagen der damaligen Zeit, mit Headlines, Schlüsselworten, Stereotypen, Klischees, Hilferufen.

„Selig, die keine Gewalt anwenden, denn sie werden das Land der Verheißung besitzen“. Im Zusammenhang mit dieser dritten Seligpreisung steht die sogenannte Feindesliebe. Aussagen wie „die andere Wange hinhalten“, „demjenigen Gutes tun, der uns Böses tut“, also das Böse durch das Gute besiegen, wurden immer heftig kritisiert und als praxisfern interpretiert.

„Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden“. Damit sind diejenigen gemeint, die aktiv für den Frieden arbeiten, die den Frieden zwischen zwei Feinde bringen und die den ersten Schritt machen, um sich mit seinem Bruder zu versöhnen.

Hubert Bognermayr, Harald Zuschrader und Walter Karlberger haben mit der „Bergpredigt“ zumindest musikalisch Signale gesetzt - mit der Betonung auf menschliches Zusammenleben, auf Sinnfragen des Daseins und der Forderung nach Frieden. Sie sind 33 Jahre nach der musikalischen Uraufführung in Linz aktueller denn je.

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