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Lust auf's Leben - Kultur aus allen Richtungen [2019.04.07]

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Katalogzettel

Titel Lust auf's Leben - Kultur aus allen Richtungen [2019.04.07]
Titelzusatz Das schleichende Insektensterben
Urheber/innen und Mitwirkende Huemer, Michael [Moderation]
ORF Radio Oberösterreich [Sendeanstalt]
Datum 2019.04.07 [Sendedatum]
Schlagworte Musik ; U-Musik ; Tiere ; Radiosendung-Mitschnitt
Typ audio
Format DFMP2 [Dateiformat: MP2]
Sprache Deutsch
Signatur E53-04465

Information

Inhalt

[Senderinformation] Der Frage, warum es immer stiller in unseren Gärten wird und wohin, vor allem aber, warum die Insekten verschwinden, geht die Sendung „Lust aufs Leben“ am Sonntag, 7. April 2019 ab 21.03 Uhr nach.

Viele werden wahrscheinlich die Erfahrung in den letzten beiden Jahren gemacht haben: Musste man früher in den Sommermonaten Türen und Fenster schließen, um das Hereinfliegen von Mücken und Gelsen in die Wohnung zu verhindern, war das auf einmal nicht mehr so dringlich notwendig. Hatte man beim Autofahren - vor allem auf der Autobahn - Jahre vorher immer eine reichlich verschmierte Windschutzscheibe mit Insektenleichen, war das mit einem Schlag fast vorbei. Beim gemütlichen Beisammensein im Garten war auch meistens ein Insektenspray zur Hand, um sich vor Gelsen, Bremsen und Mücken zu schützen. Seit dem vergangenen Jahr ist vieles auffällig anders: das Vogelgezwitscher ist zurückgegangen wie überhaupt immer weniger Vögel im Garten zu sehen sind.

Der Ornithologe Herbert Rubenser gibt zwei Hauptgründe dafür an: Einerseits liegt der Rückgang der Vogelwelt am Verlust des Lebensraums, weil Bodenbrüter in der intensiv genutzten Landschaft weniger Platz für ihre Nester finden. Dazu kommt das ansteigende Insektensterben, vor allem von Tieren, die kein so positiv besetztes Image haben, weil sie lästig oder eklig sind oder auch noch stechen: Ameisen, Fliegen, Gelsen, Schaben, Wespen und Käfer. Viele von ihnen aber bestäuben Blüten. Insekten dienen überdies als Nahrungsmittel für Vögel, ohne die sie nicht überleben können. Die Medizin profitiert von Inhaltsstoffen, die in Raupen, Maden, Puppen, Larven, Käfern zu finden sind. In der Technik gibt es zahllose Anwendungen, die Insekten zum Vorbild haben wie Mini-Arbeitsroboter, Insektendrohnen oder Regelalgorithmen.

66 Millionen Jahre nach dem Aussterben der Dinosaurier steht der Planet Erde offenbar am Beginn der sechsten Massenauslöschungsperiode. Sie ist per definitionem dann gegeben, wenn eine Tierpopulation 1.000 Mal schneller zurückgeht, als dies unter normalen Bedingungen der Fall wäre. Wissenschafter haben über viele Jahre rund 14.000 Populationen von 3.700 verschiedenen Tierarten weltweit beobachtet und gezählt. Der WWF stellt in seinem aktuellen Bericht, im sogenannten „Living Planet Report“ einen Trend fest, der Anlass zur Sorge gibt.

Seit 40 Jahren gehen die untersuchten Tierbestände kontinuierlich zurück, inzwischen um 60 Prozent, in Österreich um 70 Prozent, gegenüber dem Beginn der Messungen im Jahr 1970. Die Experten halten die industrielle Landwirtschaft, deren Pflanzenschutzmittel, die Überdüngung, den erhöhten Stickstoffgehalt des Bodens, der auch zum Verlust von Biotopen führt, und letztlich auch die starke Lichtverschmutzung im städtischen Raum für die hauptschuldigen Faktoren. Insekten brauchen nämlich Dunkelheit und natürliches Licht, um sich orientieren zu können und vor Fressfeinden sicher zu sein. Künstliches Licht hingegen lockt die Tiere an, was deren Überlebenschancen verringert. So das Fachmagazin „Biological Conversation“.

Eine Studie von Francisco Sánchez-Bayo der University of Sydney ergibt, dass das Insektensterben achtmal größer als der Rückgang an Vielfalt bei Säugetieren, Reptilien oder Vögeln ist. Zuletzt sank die Biodiversität der Insekten binnen zehn Jahren um 25 Prozent, was bedeuten würde, dass diese Tiere in hundert Jahren völlig verschwunden wären und eine erste Nahrungsquelle für Tiere wegfiele.

Edgar Honetschläger ist gebürtiger Linzer. Nach einigen Aufenthalten in England verbrachte er vier Jahre seines Lebens in den Vereinigten Staaten, mehr als zehn Jahre in Japan, ein Jahr jeweils in Italien und Brasilien. Von 1985 bis 1989 studierte Honetschläger Wirtschaft und Kunstgeschichte in den Universitäten in Linz, Wien und Graz sowie am Art Institute in San Francisco. Als Filmemacher und bildender Künstler stellte er bereits in Europa, den USA und in Japan aus. Er lebt in Tokio und Wien und hat eine Initiative mit dem wohlklingenden Namen „Go Bugs Go“ begründet.

Honetschlägers Idee ist die Rückgewinnung von Lebensraum für Insekten. Sein Credo: „Wir brauchen menschenfreie Zonen, damit sich die Natur von uns erholen kann“. „Go Bugs Go“ will – vereinfacht gesagt – etwas gegen das Insektensterben tun. Die Mitglieder kaufen im Kollektiv Land an, das fortan der Natur überlassen wird und so zum idealen Biotop für Insekten ohne jeglichen menschlichen Eingriff werden kann. Edgar Honetschläger hat sein Projekt im März erstmals in Linz im Festsaal der Landesgalerie vorgestellt. Dem Besucher bot sich dort ein schönes Bild. Auf einem zirka 50 Meter langen Tisch waren in Reih und Glied etwa 800 Konservengläser mit Gemüse aufgestellt, die schon allein farblich anregend waren.

Im Sommer 2018 hat Honetschläger in Tarquinia in der Maremma, 70 Kilometer nördlich von Rom, auf 800 Quadratmetern einen Gemüsegarten biologisch bewirtschaftet. Aus 600 Kilogramm geernteten Tomaten, Hunderten Kilo Zucchini und Melanzani, aus mediterranen Kräutern und Ölen entstanden in seiner Küche 1800 Gläser mit Sugo, Zucchini sott’olio und anderen Gemüsen. Bei „Go Bugs Go“ sprach auch der Linzer Biologe Fritz Gusenleitner über die Biodiversitätskrise.

Eine Forderung der Biologieexperten besteht darin, den Einsatz von Pestiziden auf den kommunalen Flächen und auch in den Privatgärten drastisch zu vermindern. Einige Mittel stehen unter Verdacht insbesondere das Nervensystem von Bienen anzugreifen. Bereits seit 2013 dürfen Neonikotinoide in Europa nicht mehr an Pflanzen eingesetzt werden, auf denen sich Bienen normalerweise niederlassen. Andere Insektizide wurden überhaupt verboten. Es braucht statt monotoner Rasenflächen mehr blühende Pflanzen im häuslichen Garten, aber auch auf den Balkonen würden duftende Gewürzkräuter und verschieden bunte Blüten Nahrung für Bienen oder Schmetterlinge bieten.

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