Dr. Karl Renner: Politische Programmrede
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Katalogzettel
| Titel | Dr. Karl Renner: Politische Programmrede |
| Spieldauer | |
| Urheber/innen und Mitwirkende |
Renner, Karl [Redner/in]
[GND
]
|
| Datum |
1931.10 [Bezugsdatum] |
| Schlagworte | Politik Österreich ; Reden und Ansprachen ; Wahlen ; Publizierte und vervielfältigte Aufnahme |
| Typ | audio |
| Format |
SCS3078 [Schallplatte, Schellack - 30 cm, 78/min] |
| Nummern |
PX 1 |
| Signatur | 2-72660_a |
Information
Inhalt
Inhalt laut beigelegtem Zettel:
Dr. Karl Renner: Politische Programmrede zur Bundespräsidentenwahl Oktober 1931 als sozialdemokratischer Präsidentschaftskandidat
Zum ersten Mal wählt gesamtes Volk direkt den Bundespräsidenten.
Damit will es auch die Ziele bestimmen.
Volk wird nicht leeren Worten trauen, sondern auf Leistungen des Bewerbers.
Ich bin kein Unbekannter, nahezu 40 Jahre arbeitete ich in Wort und Schrift in Gesetzgebung und Verwaltung im Dienste unseres Landes.
Vor dem Kriege habe ich als wissenschaftlicher Schriftsteller für die nationale Autonomie und die Neugestaltung Österreichs gekämpft, durch dessen Aufrichung das alte Reich vor dem Zusammenbruch behütet werden konnte.
Seit 1907 in das Abgeordnetenhaus entsendet, dort habe ich für das gleiche Ziel aber auch für wirtschaftliche und soziale Interessen des Volkes gekämpft.
Konstituierende Nationalversammlung bestellte mich zum ersten Staatskanzler.
Inmitten der revolutionären Stürme des Zusammenbruchs fiel mir die Aufgabe zu, eine neue Staatsordnung auf den Trümmern der alten zu errichten. Dies unter Vermeidung aller Zerstörung, aller Blutopfer, in tunlichster Eintracht aller Staatsbürger zu vollbringen, war mein Bestreben. Darum vereinigte ich Bürger, Bauern und Arbeiter zu einer Koalitionsregierung, um die von Ungarn und Bayern zugleich drohende bolschewistische Gefahr zu bannen und dem Lande rasch den inneren Frieden zu bringen.
Habe der Prov. Nationalversammlung die ersten Gesetze vorgelegt, die Österriech zur demokratischen Republik erklärten und den Anschluss an das Deutsche Reich verkündeten. In dreimonatiger Arbeit war neue Staatsordnung eingerichtet und durch die Wahlen von 1919 bestätigt.
Es galt auch, den Frieden nach außen abzuschließen. Leiter der Delegation in St. Germain. Dort glang es, das harte Friedensdiktat zu mildern, Burgenland zu erwerden und Kärnten durch Volksabstimmung zu retten.
Widmete mich nach 1920 durch Jahre ausschließlich den wirtschaftlichen Aufgaben der Arbeiterschaft.
Erst 1927, als das Land dem Bürgerkrieg anheimzufallen drohte, trat ich politisch wieder hervor im Dienste der Versöhnung und Verständigung der Klassen, im Dienste der inneren Abrüstung und Befriedung des Landes.
Seither habe ich mich bemüht, Republik vor der Gefahr eines gewaltsamen Umsturzes, sei von rechts oder von links, zu bewahren, den politischen Kampf auf die gesetzlichen und rechtlichen Mittel einzuschränken, dahin zu wirken, dass anstelle der Gewalt Recht und Gesetz treten.
In Anerkennung diese Wirkens hat mich der Nationalrat zu seinem Präsidenten bestellt.
Jeder aufrichtige Republikaner, der den Gewalt- und Obrigkeitsstaat ablehnt, die Selbstregierung des Volkes will, jeder Demokrat, jeder Freund des Rechtsstaates, der den inneren Frieden und die Beendigung der ewigen Aufmärsche und Bürgerkriegsdrohungen will, möge die Summe meines Lebenswerkes ziehen und urteilen, ob ich für dieses hohe Amt würdig und fähig bin.
Dr. Karl Renner: Politische Programmrede zur Bundespräsidentenwahl Oktober 1931 als sozialdemokratischer Präsidentschaftskandidat
Zum ersten Mal wählt gesamtes Volk direkt den Bundespräsidenten.
Damit will es auch die Ziele bestimmen.
Volk wird nicht leeren Worten trauen, sondern auf Leistungen des Bewerbers.
Ich bin kein Unbekannter, nahezu 40 Jahre arbeitete ich in Wort und Schrift in Gesetzgebung und Verwaltung im Dienste unseres Landes.
Vor dem Kriege habe ich als wissenschaftlicher Schriftsteller für die nationale Autonomie und die Neugestaltung Österreichs gekämpft, durch dessen Aufrichung das alte Reich vor dem Zusammenbruch behütet werden konnte.
Seit 1907 in das Abgeordnetenhaus entsendet, dort habe ich für das gleiche Ziel aber auch für wirtschaftliche und soziale Interessen des Volkes gekämpft.
Konstituierende Nationalversammlung bestellte mich zum ersten Staatskanzler.
Inmitten der revolutionären Stürme des Zusammenbruchs fiel mir die Aufgabe zu, eine neue Staatsordnung auf den Trümmern der alten zu errichten. Dies unter Vermeidung aller Zerstörung, aller Blutopfer, in tunlichster Eintracht aller Staatsbürger zu vollbringen, war mein Bestreben. Darum vereinigte ich Bürger, Bauern und Arbeiter zu einer Koalitionsregierung, um die von Ungarn und Bayern zugleich drohende bolschewistische Gefahr zu bannen und dem Lande rasch den inneren Frieden zu bringen.
Habe der Prov. Nationalversammlung die ersten Gesetze vorgelegt, die Österriech zur demokratischen Republik erklärten und den Anschluss an das Deutsche Reich verkündeten. In dreimonatiger Arbeit war neue Staatsordnung eingerichtet und durch die Wahlen von 1919 bestätigt.
Es galt auch, den Frieden nach außen abzuschließen. Leiter der Delegation in St. Germain. Dort glang es, das harte Friedensdiktat zu mildern, Burgenland zu erwerden und Kärnten durch Volksabstimmung zu retten.
Widmete mich nach 1920 durch Jahre ausschließlich den wirtschaftlichen Aufgaben der Arbeiterschaft.
Erst 1927, als das Land dem Bürgerkrieg anheimzufallen drohte, trat ich politisch wieder hervor im Dienste der Versöhnung und Verständigung der Klassen, im Dienste der inneren Abrüstung und Befriedung des Landes.
Seither habe ich mich bemüht, Republik vor der Gefahr eines gewaltsamen Umsturzes, sei von rechts oder von links, zu bewahren, den politischen Kampf auf die gesetzlichen und rechtlichen Mittel einzuschränken, dahin zu wirken, dass anstelle der Gewalt Recht und Gesetz treten.
In Anerkennung diese Wirkens hat mich der Nationalrat zu seinem Präsidenten bestellt.
Jeder aufrichtige Republikaner, der den Gewalt- und Obrigkeitsstaat ablehnt, die Selbstregierung des Volkes will, jeder Demokrat, jeder Freund des Rechtsstaates, der den inneren Frieden und die Beendigung der ewigen Aufmärsche und Bürgerkriegsdrohungen will, möge die Summe meines Lebenswerkes ziehen und urteilen, ob ich für dieses hohe Amt würdig und fähig bin.