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Oral History Interview mit Herwig Eigel

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Katalogzettel

Titel Oral History Interview mit Herwig Eigel
Titelzusatz Geboren 1924 in Poysdorf (Niederösterreich): Zeitzeuge der Zwischenkriegszeit, der Dollfuß-Diktatur, des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit, Hitlerjunge, Wehrmachtsunteroffizier, in US-Kriegsgefangenschaft, Buchhalter, Prokurist, Pensionist, Witwer
Urheber/innen und Mitwirkende Eigel, Herwig [Interviewte/r]
Grubner, Melanie [Interviewer/in]
Österreichische Mediathek [Produzent]
Datum 2025.08.14 [Aufnahmedatum]
Ort Krems an der Donau [Aufnahmeort]
Schlagworte Gesellschaft ; Interview ; Alltag ; Familie ; Arbeitsbedingungen ; Diktaturen und totalitäre Regime ; Faschismus und Nationalsozialismus ; Freizeit ; Krieg ; Männer ; Senioren ; Zweite Republik ; Zweiter Weltkrieg ; Erste Republik ; autoritärer Ständestaat ; Konzentrationslager ; Besatzung ; Kriegsgefangenenlager, Zwangsarbeitslager
20. Jahrhundert - 20er Jahre
20. Jahrhundert - 30er Jahre
20. Jahrhundert - 40er Jahre
20. Jahrhundert - 50er Jahre
20. Jahrhundert - 60er Jahre
20. Jahrhundert - 70er Jahre
20. Jahrhundert - 80er Jahre
20. Jahrhundert - 90er Jahre
21. Jahrhundert - Nullerjahre
21. Jahrhundert - 10er Jahre
21. Jahrhundert - 20er Jahre
Typ audio
Format DFMP3 [Dateiformat: MP3]
DFWAV [Dateiformat: Broadcast WAV]

Information

Inhalt

Gesprächsthemen: „Anschluss“ – „illegale Nationalsozialisten“ - 60er Jahre – Alpenverein – Alter – amerikanische Kriegsgefangenschaft – Arbeit – Ausbildung – Austrofaschismus – Beruf – Besatzung – Böhmen – Buchhalter – Caen – Deutsche Wehrmacht – Deutscher Turnverein – Dialekt – Diktaturen und totalitäre Regime – Dorf – Ehe – Ehemann - Eltern – Erwachsenwerden – Erziehung – Familie – Familiengeschichte – Februarkämpfe 1934 – Freizeit – Gedenkstätte – Gefangenschaft – Geschichte – Hausbau – Heirat – HJ – Hitlerjugend – Hitlerjunge – Hochzeit – Juden – Jugend – katholisch – Kind – Kinder – Kindheit – Kindheit im Nationalsozialismus – Kneipp-Verein – Krems an der Donau – Krieg – Kriegsbeginn – Kriegsdienst – Kriegsende – Kriegseinsatz – Kriegsgefangener – Kriegsgefangenenlager – Kriegsgefangenschaft – Kriegsheimkehr – Kriegsverletzung – Kriegsverwundung – Konzentrationslager – Konzentrationslager Mauthausen – kinderlos – KZ Mauthausen – Laa an der Thaya – Land – Lohnbuchhalter – Männer – Modernisierung – Mundart – Mutter – Nachkriegszeit – Nahrung – Nationalsozialismus – Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei - Niederösterreich – NS – NSDAP – NS-Propaganda – NS-Verbrechen – NS-Vergangenheit – NS-Zeit - Pension – Pensionierung – Pensionist – Polen – Politik – politische Gesinnung – Poysdorf – Prokurist – RAD – Realgymnasium – Reichsarbeitsdienst – Reisen – Religiosität – russische Besatzung – Schießen – Senioren – Sozialisation – St. Wolfgang – Straß im Straßertal – technischer Fortschritt – Tod – Tod des Ehepartners – Trauer – Turnverein – Umzug – Urlaub – Vater – Verein – verheiratet – Vorfahren – Wehrmachtsoffizier – Wehrmachtssoldat – Wehrmachtsunteroffizier – Wohnverhältnisse – Zweiter Weltkrieg – Infanterieschule für Fahnenjunker Hagenau
ZUSAMMENFASSUNG DES INTERVIEWS/KURZBIOGRAFIE
Herwig Eigel wurde am 1. Jänner 1924 als erster von insgesamt zwei Kindern in Poysdorf geboren. Der Vater, gebürtig aus Böhmen, arbeitete als Buchhalter, die Mutter als Dienstmagd bei Bäuer*innen. In seiner Kindheit und Jugend war er, wie auch seine Eltern, begeisterter Turner im örtlichen deutschen Turnverein. Herwig Eigels Vater war bereits in den frühen 1930er Jahren nationalsozialistisch eingestellt, aus diesem Grund war Herr Eigel auch bereits als Sechsjähriger – 1932 – bei der Hitlerjugend. Auch während dem Dollfuß-Regime war der Vater nationalsozialistisch eingestellt. Eine Postkarte aus der Zeit der illegalen Hitlerjugend zeugt von Herrn Eigels Zugehörigkeit in dieser Zeit.
Nach der Volksschule besuchte Herr Eigel das Bundesrealgymnasium in Laa an der Thaya, ehe die Familie 1939 nach Krems an der Donau umsiedelte, wo Herr Eigel seinen Schulabschluss mit Matura machte. In den Schulferien 1939 und 1940 fuhr Herr Eigel mit dem Fahrrad nach St. Wolfgang am Wolfgangsee, wo er als Lohndiener in einer Pension arbeitete. Nach einem kurzen Start ins Berufsleben als Lohnverrechner wurde Herr Eigel zum Reichsarbeitsdienst eingezogen, zuerst in Polen dann in eine Munitionsfabrik in Deutschland. Anschließend wurde er zum Kriegsdienst in die Wehrmacht eingezogen. Ab Juni 1943 war er in Kiew (Sowjetunion) stationiert, ehe er 1944 die Infanterieschule in Hagenau (D) besuchte, in der er zum Unteroffizier ausgebildet wurde. Was es in Konzentrationslagern vor sich ging, habe Herr Eigel nur durch „Witze“, die sich die Soldaten gegenseitig erzählten, mitbekommen. Nach der Infanterieschule ging es für ihn an die „Westfront“ wo er im Hafen von Caen (FR) aufhörte an den Sieg der Nationalsozialisten zu glauben, da bereits viele alliierte Schiffe in der Bucht zu sehen waren. Kurz vor Kriegsende wurde Herr Eigel verwundet, kam hernach in ein Krankenhaus im Vereinigten Königreich, ehe er in den USA mehrere Monate in Kriegsgefangenschaft verbrachte, in denen er im Zuge der „Reeducation“ Kurse zu Buchhaltung besuchte. Politisch interessierte sich Herr Eigel nach dem Ende des NS-Regimes nur noch bedingt, denn: „gebranntes Kind scheut das Feuer“. Er verfolgt jedoch bis heute die Nachrichten und machte stets von seinem Wahlrecht – als „Wechselwähler“ – Gebrauch.
Seine Freizeit verbrachte Herr Eigel stets in Aktivitäten: er wanderte, turnte und reiste sehr viel. Am liebsten urlaubte er an der Nordsee, noch heute hat er eine Fotowand mit Bildern aus den Nordseeurlauben. Die Naturheilkunde nach Sebastian Kneipp hat Herrn Eigel seit seiner Kindheit begleitet, bis heute duscht er jeden Morgen kalt. Über den örtlichen Turnverein lernte er 1946 seine spätere Ehefrau Gertrude kennen. 1948 heirateten die beiden, acht Jahre später bezogen sie die erste gemeinsame Wohnung, da zuvor aufgrund von Wohnungsnot nichts gefunden wurde. Die Ehe blieb kinderlos. Das Paar lebte in Krems und baute in den 1960er/70er Jahren auch ein Haus in Straß im Straßertale. 1972 wechselt Herr Eigel seinen Arbeitgeber und war bis zu seiner Pensionierung als Prokurist in einer Kremser Baufirma tätig. Nach seiner Pensionierung in den 1980ern blieb Herr Eigel seiner ehemaligen Firma noch stets verbunden, auch heute pflegt er noch Kontakt zu den Nachfahren seines früheren Arbeitgebers.
Gertrude und Herwig Eigels Ehe dauerte 70 Jahre, ehe die Ehefrau 2018 im Pflegeheim verstarb. Seither lebt Herr Eigel im Betreuten Wohnen/Pflegeheim. Seine Zeit verbringt er damit zu Lesen, Karten zu spielen und Radio zu hören. Er hat ein Smartphone, auf dem er ein Foto seiner Frau als Hintergrundbild eingestellt hat, damit sie jeden Morgen das erste ist, dass er sieht. Einen Laptop verwendet er für Internet-Recherchen. Meist ist er für sich, da es für ihn in größeren Gruppen aufgrund seiner Hörschwäche sehr schwer ist, Gesprächen zu folgen. Ehrenamtliche des Kremser Vereins Zeitpolster besuchen Herrn Eigel regelmäßig. Zeit seines Lebens war Herr Eigel gut darin, sich Zahlen zu merken, zur rechnen und zu sortieren, denn er „bestehe nur aus Zahlen“. Darüber hinaus gibt er an, dass er in seinem Leben häufig sehr viel Glück hatte, sei es im Krieg oder beim Wandern.

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