Oral History Interview mit Ameer, 1. Termin
Dieses Medium ist Teil des Gesamtwerks Oral History Interview mit Ameer an zwei Terminen
Katalogzettel
| Titel | Oral History Interview mit Ameer, 1. Termin |
| Titelzusatz |
Geboren 1990 in Bagdad (Irak): Kindheit und Jugend im Irak, Zeitzeuge der Diktatur unter Saddam Hussein und dem Kampf gegen den IS 2004, Flucht 2015 über die sogenannte „Balkanroute“ nach Österreich, Kindergartenassistent, ehrenamtlicher Familienbegleiter und Besuchsbegleiter Kooperation mit dem Zentrum Integration, Migration, Teilhabe – ZeMIT, Dokumentationsarchiv Migration Tirol - DAM |
| Urheber/innen und Mitwirkende |
Ameer [Interviewte/r]
Hollomey-Gasser, Christina [Interviewer/in] Österreichische Mediathek [Produzent] |
| Datum |
2025.05.24 [Aufnahmedatum] |
| Ort |
Innsbruck [Aufnahmeort]
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| Schlagworte | Gesellschaft ; Interview ; Alltag ; Familie ; Arbeitsbedingungen ; Kinder und Jugend ; Asyl ; Migration ; Islam ; Religion ; Krieg ; Zivilgesellschaft ; Bildung und Schulwesen ; Rassismus ; Militär ; Sprache ; Exekutive ; Soziales ; Justizpolitik |
| Örtliche Einordnung |
Bagdad
Irak |
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20. Jahrhundert - 90er Jahre
21. Jahrhundert - Nullerjahre 21. Jahrhundert - 10er Jahre 21. Jahrhundert - 20er Jahre |
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| Typ | audio |
| Format |
DFMP3 [Dateiformat: MP3] DFWAV [Dateiformat: Broadcast WAV] |
| Gesamtwerk/Reihe | Oral History Interview mit Ameer an zwei Terminen |
Information
Inhalt
Gesprächsthemen: Irak – Türkei - Wien - Innsbruck – Tirol – Iran-Irak-Krieg – Irakkrieg - Kriegskindheit – Diktatur - Jugendlicher / Jugendliche / Teenager / Teenagerin – Schule – Berufswahl - Saddam Hussein – USA – amerikanische Besatzung – Islamist / Islamistin / Islamisten – Islamischer Staat / IS / ISIS – Militär – Terroranschlag - Bürgerkrieg – Ayatollah – Flucht – Flüchtlingsarbeit - Flüchtlingsheim / Flüchtlingsunterkunft - Schlepper – Fluchtroute – Mittelmeer - Balkanroute - Flüchtlingskrise 2015 - Asylverfahren – Asylantrag – Asylbescheid - Asylrecht – Aufenthaltsbewilligung – Zivilgesellschaftliches Engagement – Grundversorgung - Vorurteile – Rassismus - Antirassismus – Geschlechterrollen – Familie – Frau im Islam - Rollenbilder - Trennung – Abschied – Militärdienst – Vielvölkerstaat – Diversität - Religion – Religionspluralität – Kommunikation – Sprache - Deutsch als Fremdsprache – Hilfe/ Unterstützung - Integration – Ausgrenzung – Grenze – Wohnverhältnisse – Arbeitsbedingungen – Arbeitsbewilligung – Polizei - Gefängnis – Dubliner Übereinkommen – Griechenland – Handy - Smartphone – „Verein HINDIBA“ – interkulturelle Arbeit – interkulturelle Beziehung - Kindergartenassistent / Kindergartenassistentin – Kindererziehung – Werte – Transnationalität - Zugehörigkeit
Ameer wurde 1990 im Irak, Bagdad, als mittleres Kind in eine Familie mit insgesamt neun Geschwistern im Viertel Al-Thawra geboren. Er besuchte Volks- und Mittelschule bis zur Matura in Bagdad, versuchte sich danach auf der Uni und arbeitete in unterschiedlichen Gelegenheitsjobs. Er berichtet über das Aufwachsen in der Diktatur unter Saddam Hussein sowie über die Hoffnung, die mit dessen Sturz verbunden war. Aufgrund der zunehmenden Militarisierung der Bevölkerung und der unsicheren Sicherheitslage unter US-amerikanischer Besatzung und insbesondere nach dem Kampf gegen den Islamischen Staat entschied er sich 2015 gemeinsam mit einem Freund das Land Richtung Türkei zu verlassen und von dort weiter nach Europa zu flüchten. Ameer beschreibt die Flucht über das Mittelmeer und die sog. Balkanroute und das Ankommen in Österreich. Sein Asylverfahren dauerte fast sieben Jahre und wird erst durch das Bundesasylgericht in Wien in zweiter Instanz positiv entschieden. Er charakterisiert diesen Lebensabschnitt als anstrengende Phase des Wartens, des Kampfes und des „Sich-Beweisen-Müssens“. Schon bald nach seiner Ankunft beginnt Ameer sich in gemeinnützigen Arbeiten (sog. „3-Euro-Jobs“) zu engagieren und Deutsch zu lernen. Heute arbeitet er als Assistent in einer Kinderkrippe und unterstützt Sozialvereine als Dolmetscher und Familienbegleiter. Ameer betont, dass er sich Sicherheit und Stabilität hart erkämpfen musste und er meist auf sich alleine gestellt war. Er kritisiert Barrieren für Integration im Asylsystem, sowie Stereotype und Vorurteile der Bevölkerung gegenüber Geflüchteten mit denen er täglich konfrontiert wird. In dem von ihm gegründeten Verein „Hindiba – für interkulturelles Miteinander“ engagiert er sich gemeinsam mit seiner Partnerin für Teilhabe geflüchteter Menschen und gegen Rassismus. Er berichtet über die Herausforderung, mit seinen Ideen immer wieder an der Realität des Asylwesens in Österreich zu scheitern. Ameer reflektiert über gesellschaftliche und politische Verhältnisse im Irak und in Österreich, über Themen wie Asylpolitik, Gesellschaft, Flucht, Zugehörigkeit und Identität. Für seine Zukunft wünscht er sich ein Leben an mehreren Orten.