Oral History Interview mit Hermine W.
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Katalogzettel
| Titel | Oral History Interview mit Hermine W. |
| Titelzusatz |
Geboren 1935 in Halltal (Steiermark): Zeitzeugin des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit in britischer/sowjetischer Besatzungszone, landwirtschaftliche Hilfsarbeiterin, forstwirtschaftliche Facharbeiterin, Hausfrau, Mutter, Pensionistin, Witwe, eine der letzten Bewohner:innen des Ortes „Lahnsattel“ an der NÖ Grenze zur Steiermark Kooperation mit dem Verein MERKwürdig – Zeithistorisches Zentrum Melk zum Schwerpunkt "Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg und der Nachkriegszeit aus Niederösterreich" |
| Urheber/innen und Mitwirkende |
W., Hermine [Interviewte/r]
Grubner, Melanie [Interviewer/in] Österreichische Mediathek [Produzent] |
| Datum |
2026.04.17 [Aufnahmedatum] |
| Ort |
Lahnsattel [Aufnahmeort]
|
| Schlagworte | Gesellschaft ; Interview ; Alltag ; Familie ; Arbeitsbedingungen ; Besatzung ; Diktaturen und totalitäre Regime ; Ernährung ; Faschismus und Nationalsozialismus ; Frauen ; Krieg ; Krisen und Konflikte ; Kinder und Jugend ; Landwirtschaft und Forstwirtschaft ; Nahrung ; Rückblick ; Senioren ; Tod ; Tod ; Zweite Republik ; Zweiter Weltkrieg |
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20. Jahrhundert - 30er Jahre
20. Jahrhundert - 40er Jahre 20. Jahrhundert - 50er Jahre 20. Jahrhundert - 60er Jahre 20. Jahrhundert - 70er Jahre 20. Jahrhundert - 80er Jahre 20. Jahrhundert - 90er Jahre 21. Jahrhundert - Nullerjahre 21. Jahrhundert - 10er Jahre 21. Jahrhundert - 20er Jahre |
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| Typ | audio |
| Format |
DANSA [Digitale Ansichtskopie Audio] DARCHA [Digitale Archivkopie Audio] |
Information
Inhalt
Gesprächsthemen: Alter – Arbeit – Arbeiterfamilie – Arbeiterklasse – Arbeitermilieu – Arbeiterschicht – Arbeit in der Kindheit – Beruf –Besatzung – Bombardierung – Dialekt –Diktaturen und totalitäre Regime – Dorf – Ehe – Ehefrau – Eltern – englische Besatzung – Entlohnung – Ernährung – Erwachsenwerden – Facharbeiterin – Facharbeiterausbildung – Familie – forstwirtschaftliche Hilfsarbeiterin – Frauen – Frauenarbeit – Frauenbilder – Frauenrollen – Freizeit – Führerschein – Geschlechterrollen – Geschlechterverhältnisse – Geschwister – Geselligkeit – Glaube – Hausarbeit – Hausfrau – Haushalt – Heirat – Hilfsarbeiterin – Holzarbeit – Jugend – katholisch – Kind – Kinderbetreuung – Kindheit – Kindheit im Nationalsozialismus – Krebs – Krieg – Kriegsende – Kriegskindheit – Krise – Lahnsattel – Land – Landarmut – Lebensmittel – Lebensmittelknappheit – Machtverhältnisse – Mariazell – Modernisierung – Mundart – Mutter – Nachkriegszeit – Nahrung – Nationalsozialismus – Nebenerwerbslandwirtschaft – Niederösterreich – NS – NS-Zeit – Patriarchat – Pensionistin – Politik – politische Gesinnung – Religion – Religiosität – Reisen – russische/sowjetische Besatzung – Schwangerschaft – Senioren – sexuelle Aufklärung – Sorgearbeit/Care – soziale Schicht – soziale Unterschiede – Sozialisation – Sozialdemokratin – Sozialdemokratie – SPÖ – Steiermark – Tod – Traditionelle Geschlechterrollen – Trauer – Trauern – Tod – uneheliches Kind – Verlust – verheiratet – Volksschule – Widerstand – Widerstand gegen den Nationalsozialismus – Witwe – Wohnverhältnisse – Zweiter Weltkrieg – Halltal
ZUSAMMENFASSUNG DES INTERVIEWS/KURZBIOGRAFIE
Hermine W. wurde 1935 in Halltal, heute Gemeinde Mariazell in der Steiermark, nahe der niederösterreichischen Grenze, als sechstes von sieben Kindern geboren. Der Vater war gelernter Zimmermann, fand allerdings zu dieser Zeit keine Arbeit in seinem Beruf und arbeitete daher als landwirtschaftlicher Hilfsarbeiter, die Mutter führte zuhause eine kleine Landwirtschaft. 1941 wurde Hermine W. eingeschult. Sie beschreibt sich als „Wildfang“, der gerne auf Bäume kletterte. Frau W.s ältere Brüder Franz und Herbert wurden während des Zweiten Weltkriegs zum Kriegsdienst eingezogen, gegen Ende des Krieges musste auch der Vater zum „Volkssturm“. Eine ältere Schwester leistete den Reichsarbeitsdienst. Daher musste Frau W. zuhause schon in ihrer frühen Kindheit sehr schwer mitarbeiten. Die Kriegs- und Nachkriegszeit beschreibt sie als sehr schwer, auch zu essen gab es relativ wenig. Trotzdem gab ihre Mutter immer wieder Nahrungsmittel an bettelnde Menschen, da diese noch weniger hatten. Die Eltern verhielten sich zur Zeit des NS widerständig, vor allem der Vater. Er war Sozialist und damit in seiner Herkunftsfamilie das „schwarze Schaf“, da er viele nationalsozialistisch eingestellte Verwandte hatte. Immer wieder hatte Frau W. Angst, der Vater würde abgeholt werden. Frau W. wäre gerne Krankenschwester geworden, 1954 bekommt sie jedoch bereits ihre erste Tochter. 1955 heiratet Frau W. Helmut und zieht zu ihm nach Lahnsattel. Helmut ist sehr politisch und in der SPÖ engagiert, in der Gegend wird er daher „Partei-Höm“ genannt. Strom gibt es dort noch nicht, erst in den 1960er Jahren setzt sich vor allem Frau W.s Ehemann, der in Lahnsattel als Ortsvorsteher fungiert, gemeinsam mit seinem Schwager, der Landtagsabgeordneter in der Steiermark ist, dafür ein, dass der Ort ans Stromnetz angeschlossen wird. Die Arbeiten dafür müssen die Bewohner*innen über weite Strecken selbst leisten. Über Jahrzehnte leistet Frau W. Haus- und Familienarbeit und arbeitet bei den Österr. Bundesforsten und der Forstverwaltung Hoyos als forstwirtschaftliche Hilfsarbeiterin. Mitte 40 macht sie den Führerschein. Im Alter von 50 Jahren absolviert sie die Facharbeiterinnenprüfung zur Forstarbeiterin. Ski fahren und lesen machen ihr viel Freude. Frau W.s Ehemann stirbt 2005 an einer Krebserkrankung, seither lebt sie allein. Die Einsamkeit im kleinen Ort und die schweren Winter setzen Frau W. sehr zu, immer wieder überlegt sie wegzuziehen und zumindest den nächsten Winter an einem anderen Ort zu verbringen. Auch das aktuelle politische Geschehen bewertet sie als „traurig“, obwohl sie findet, dass die aktuelle Regierung nicht so schlecht arbeitet, wie es häufig dargestellt wird. Frau W. hat mehrere Enkelkinder.
Hermine W. wurde 1935 in Halltal, heute Gemeinde Mariazell in der Steiermark, nahe der niederösterreichischen Grenze, als sechstes von sieben Kindern geboren. Der Vater war gelernter Zimmermann, fand allerdings zu dieser Zeit keine Arbeit in seinem Beruf und arbeitete daher als landwirtschaftlicher Hilfsarbeiter, die Mutter führte zuhause eine kleine Landwirtschaft. 1941 wurde Hermine W. eingeschult. Sie beschreibt sich als „Wildfang“, der gerne auf Bäume kletterte. Frau W.s ältere Brüder Franz und Herbert wurden während des Zweiten Weltkriegs zum Kriegsdienst eingezogen, gegen Ende des Krieges musste auch der Vater zum „Volkssturm“. Eine ältere Schwester leistete den Reichsarbeitsdienst. Daher musste Frau W. zuhause schon in ihrer frühen Kindheit sehr schwer mitarbeiten. Die Kriegs- und Nachkriegszeit beschreibt sie als sehr schwer, auch zu essen gab es relativ wenig. Trotzdem gab ihre Mutter immer wieder Nahrungsmittel an bettelnde Menschen, da diese noch weniger hatten. Die Eltern verhielten sich zur Zeit des NS widerständig, vor allem der Vater. Er war Sozialist und damit in seiner Herkunftsfamilie das „schwarze Schaf“, da er viele nationalsozialistisch eingestellte Verwandte hatte. Immer wieder hatte Frau W. Angst, der Vater würde abgeholt werden. Frau W. wäre gerne Krankenschwester geworden, 1954 bekommt sie jedoch bereits ihre erste Tochter. 1955 heiratet Frau W. Helmut und zieht zu ihm nach Lahnsattel. Helmut ist sehr politisch und in der SPÖ engagiert, in der Gegend wird er daher „Partei-Höm“ genannt. Strom gibt es dort noch nicht, erst in den 1960er Jahren setzt sich vor allem Frau W.s Ehemann, der in Lahnsattel als Ortsvorsteher fungiert, gemeinsam mit seinem Schwager, der Landtagsabgeordneter in der Steiermark ist, dafür ein, dass der Ort ans Stromnetz angeschlossen wird. Die Arbeiten dafür müssen die Bewohner*innen über weite Strecken selbst leisten. Über Jahrzehnte leistet Frau W. Haus- und Familienarbeit und arbeitet bei den Österr. Bundesforsten und der Forstverwaltung Hoyos als forstwirtschaftliche Hilfsarbeiterin. Mitte 40 macht sie den Führerschein. Im Alter von 50 Jahren absolviert sie die Facharbeiterinnenprüfung zur Forstarbeiterin. Ski fahren und lesen machen ihr viel Freude. Frau W.s Ehemann stirbt 2005 an einer Krebserkrankung, seither lebt sie allein. Die Einsamkeit im kleinen Ort und die schweren Winter setzen Frau W. sehr zu, immer wieder überlegt sie wegzuziehen und zumindest den nächsten Winter an einem anderen Ort zu verbringen. Auch das aktuelle politische Geschehen bewertet sie als „traurig“, obwohl sie findet, dass die aktuelle Regierung nicht so schlecht arbeitet, wie es häufig dargestellt wird. Frau W. hat mehrere Enkelkinder.